„Willkommen, willkommen, willkommen“ – Die Hungerspiele von PROFANEM jenseits des Atlantiks und jenseits aller Würde ...
Die Eröffnung der WM 2026 wirkt wie ein globales Spektakel, das sich selbst genügt: ein glänzender Vorhang, hinter dem die Welt in geopolitischen Spannungen, Krisen und Blockaden flackert, während im Stadion Musik, Licht und Inszenierung eine heile Realität simulieren. Und mitten in dieser künstlichen Harmonie steht Gianni Infantino, der den WM‑Pokal mit bloßen Händen hochreißt, als wäre er sein persönliches Zepter – ein Moment, der weniger sportliche Würde als Machtgestik transportiert und der zeigt, wie sehr die FIFA sich in eine Rolle manövriert hat, die an das Kapitol von Panem erinnert: eine Bühne, auf der nicht der Fußball regiert, sondern die Selbstinszenierung derer, die glauben, über den Regeln zu stehen.
Es beginnt mit einer Stimme, die wir kennen. Nicht aus dem Stadion, sondern aus Panem. „Willkommen, willkommen, willkommen!“ – die grotesk überdrehte Begrüßung der Hungerspiele, jener staatlich inszenierten Menschenopfer, die das Kapitol als Unterhaltung verkauft. Die Tribute treten vor, die Kameras laufen, die Macht lächelt. Die Spiele beginnen.

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Unbedingt diesen Song 🔼 über den ausgeschlossenen afrikanischen Schiedsrichter anhören.
Und nun, im Jahr 2026, klingt es in Mexiko-Stadt fast genauso. Nur dass diesmal keine Tribute aus Distrikten antreten, sondern 48 Fußballnationen. Und dass die Arena nicht künstlich ist, sondern das Aztekenstadion. Doch der Satz bleibt: „Willkommen in Mexiko, willkommen zur Weltmeisterschaft 2026!“ So begrüßt Lila Downs die Welt, während draußen Proteste, Polizeiketten und Blockaden die Realität markieren.
Drinnen aber herrscht die Logik des Spektakels. Wie in Panem.
In Panem lenken die Spielemacher das Geschehen. Sie entscheiden über Leben und Tod, über Feuerbälle, über künstliche Fluten, über das, was das Publikum sehen soll. Und über allem thront der Oberste Spielmacher – ein Mann, der sich selbst als Mittelpunkt der Welt versteht.
2026 heißt dieser Mann nicht Seneca Crane. Er heißt Gianni Infantino.
Und er tritt auf, als gehöre ihm die Arena. Als sei die Welt sein Kapitol. Als müsste er nur die Arme heben, um die Massen zu dirigieren.
Dann kommt jener Moment, der in die Geschichte eingehen wird: Infantino hebt den WM-Pokal hoch – mit bloßen Händen, ohne Handschuhe, ohne Respekt vor der ungeschriebenen Regel, dass nur Weltmeister die Trophäe berühren dürfen. Ein Tabubruch, live übertragen, kommentiert mit hörbarem Fremdscham. „Sollen ihn nicht eigentlich nur Menschen anfassen, die ihn sportlich gewonnen haben?“, fragt der ZDF-Kommentator.
Doch Infantino lächelt. Ein Lächeln, das sagt: „Ich, ich, ich.“
Es ist die Geste eines Mannes, der glaubt, über den Regeln zu stehen. Wie Präsident Snow (und wie Präsident Trump), der die Tribute zwingt, sich gegenseitig zu töten, um seine Macht zu demonstrieren. Wie das Kapitol, das die Spiele nicht als Strafe, sondern als Unterhaltung sieht.
Während im Stadion Shakira singt und Bocelli die Hymne erhebt, brennt die Welt. Russland/Ukraine. Israel/Hamas/Hisbollah. USA/Iran. Straße von Hormus. Konflikte in Afrika. Ebola. Migration. Klimakrise. Und ein globaler politischer Ton, der immer schriller wird.
Doch die FIFA sagt: „Willkommen, willkommen, willkommen!“
Die Welt soll jubeln, während sie gleichzeitig den Atem anhält. Die Fans sollen feiern, während sie sich fragen, ob sie überhaupt nac h "Profanem" einreisen dürfen. Senegal zum Beispiel – ein Team, das sportlich glänzt, aber dessen Fans an Grenzen scheitern. Die FIFA schweigt. Der DFB schweigt. Alle schweigen.
Nur das Spektakel spricht.
Die Parallele zu Panem ist kein ZufallDie Hungerspiele wurden geschaffen, um die Distrikte zu disziplinieren. Um sie daran zu erinnern, wer herrscht. Um sie zu beschäftigen. Um sie zu spalten.
Die WM 2026 wirkt wie eine moderne, weichgespülte Version davon: Ein globales Event, das die Welt für einen Moment vergessen lassen soll, wie fragil sie geworden ist. Ein Fest, das überdeckt, was draußen geschieht. Ein Ritual, das Macht inszeniert – nicht Sport.
Und Infantino steht im Zentrum dieser Inszenierung. Er ist der Mann, der den Pokal hebt, als sei er sein persönliches Zepter. Der Mann, der die Bühne sucht, nicht den Fußball. Der Mann, der die Weltmeister beleidigt, ohne es zu merken – oder ohne dass es ihn kümmert.
Die WM 2026 ist ein Turnier der Widersprüche: Freude und Furcht. Musik und Militarisierung. Fußball und Feuer. Jubel und geopolitische Dunkelheit.
Sie ist ein Spiegel unserer Zeit – und ein Spiegel unserer Blindheit.
Denn während wir „Willkommen!“ rufen, stehen wir längst am Rand eines globalen Abgrunds. Und während Infantino den Pokal hebt, hebt er in Wahrheit etwas anderes: die Illusion, dass alles gut ist.
SchlussbildIn Panem endet jede Eröffnungszeremonie mit einem Satz: „Mögen die Spiele beginnen.“
2026 klingt es so: „Willkommen in Mexiko, willkommen zur Weltmeisterschaft 2026!“
Und Infantino hebt den Pokal. Ohne Handschuhe. Ohne Demut. Ohne Bewusstsein.
Ein Mann, der glaubt, er sei der Mittelpunkt der Welt. Ein Mann, der die Bühne liebt. Ein Mann, der die Spiele eröffnet – während die Welt draußen längst in ihren eigenen Arenen kämpft.
