Das neue Nichtraucherschutzgesetz in Baden‑Württemberg
Der öffentliche Raum in Baden-Württemberg wird endlich so geschützt, wie es längst selbstverständlich hätte sein sollen. Kein Kulturkampf, kein Freiheitsdrama – nur ein Mindestmaß an Rücksicht, das man eigentlich nicht gesetzlich verordnen müsste. Denn in der folgenden Angelegenheit geht es nicht um eine Ideologie, sondern um Gesundheit, Gemeinwohl und ein bisschen Anstand.
Man/frau/presse kann daraus eine Story kreieren, die sich gut klickt, gut empört und gut verkauft, oder das neue Nichtraucherschutzgesetz in Baden‑Württemberg als eine längst überfällige Anpassung an das, was in vielen Ländern Europas seit Jahren als Standard für den Schutz der Allgemeinheit vor vermeidbaren Gesundheitsrisiken gilt, kommentieren.
Was wurde denn eigentlich beschlossen?
Rauchverbot an Bushaltestellen,
Rauchverbot auf Spielplätzen,
Rauchverbot auf Freibad‑Liegewiesen,
Gilt für nikotinhaltige "Rauchergeräte" aller Art .
Das ist kein Eingriff in die Freiheit, sondern eine längst überfällige Maßnahme für die Freiheit der anderen, nicht eingequalmt zu werden. Genauso, wie es unser Grundgesetz erwartet und vorschreibt (Artikel 2 GG, Die Freiheit des anderen). Es ist ein Schutzraum für Kinder, chronisch Kranke, Asthmatiker, Schwangere – und für alle, die an einer Haltestelle schlicht atmen wollen, ohne die Lunge eines anderen mitzubenutzen.
Das Problem an öffentlichen Plätzen ist seit Jahren, ja, seit Jahrzehnten bekannt:
Kinder stehen im Qualm.
Wartende müssen ausweichen.
Kippen landen im Gully, im Bach, im Magen der Tiere.
Reinigungskosten trägt die Allgemeinheit.
Das neue Gesetz ist eine Entlastung – für Menschen, Umwelt und Kommunen. Es ist kein moralischer Zeigefinger, sondern eine hygienische Notwendigkeit. Es ist eine gesellschaftliche Normalität, die endlich auch im Südwesten ankommt.
Wenn ein Spalter über Spaltung referiert - Bemerkenswerte Realsatire in Ravensburg ...
Ausgerechnet Manfred Lucha, der mit der Schließung des Krankenhauses Bad Waldsee einen der tiefsten gesellschaftlichen Risse in Oberschwaben hinterlassen hat, will nun im Kup Ravensburg über „Spaltung“ sprechen. Eine Veranstaltung, die mehr über politische Selbstwahrnehmung erzählt als über gesellschaftliche Analyse. Wer den Abend besucht, wird womöglich ein bemerkenswertes Stück Realsatire erleben – und die Frage, ob man über Spaltung reden kann, ohne den eigenen Anteil daran zu erwähnen.
Es gibt Momente im politischen Leben, die wirken wie aus einem Lehrbuch der Ironie. Einer dieser Momente findet am 17. Juni (früher der "Tag der deutschen Einheit") im Kup Ravensburg statt. Dort soll ausgerechnet Manfred Lucha – der ehemalige Sozialminister Baden-Württembergs – über gesellschaftliche Spaltung referieren. Eingeladen vom Kreisjugendring, flankiert vom Landesjugendring. Eintritt frei, Erkenntnisgewinn ungewiss.
Man/frau muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Mann, der im Landkreis Ravensburg wie kaum ein anderer für Vertrauensverlust, Polarisierung und nachhaltige gesellschaftliche Verwerfungen steht, soll nun erklären, wie man Spaltung überwindet. Das ist, als würde ein Brandstifter einen Workshop über Brandschutz geben – mit dem Hinweis, er habe aus seinen Feuern viel gelernt.
Bad Waldsee: Der Riss, der bleibtDie Schließung des Krankenhauses Bad Waldsee war kein Verwaltungsakt, sondern ein tiefer Einschnitt in das soziale Gefüge Oberschwabens. Bürgerinitiativen, medizinisches Personal, Kommunalpolitiker – sie alle warnten, protestierten, argumentierten. Doch der Minister blieb ungerührt. Entscheidungen wurden durchgezogen, Kritik abgebügelt, Betroffene als „emotional“ oder „nicht informiert“ abqualifiziert.
Das Ergebnis ist bekannt: Ein ganzer Landstrich fühlt sich bis heute übergangen. Familien, ältere Menschen, Pflegekräfte – sie alle tragen die Folgen. Die Spaltung, die Lucha nun theoretisch analysieren will, hat er praktisch mitverursacht.
Der Minister, der nichts an sich heranließWer Luchas politische Laufbahn im Landkreis Ravensburg verfolgt hat, weiß: Selbstkritik gehörte nie zu seinem Werkzeugkasten. Kritik prallte ab wie Regen an einer frisch gewachsten Windschutzscheibe. Dass er nun – kurz nach seinem Abschied aus dem Amt – als Experte für Deeskalation und gesellschaftlichen Zusammenhalt auftritt, ist ein bemerkenswerter Rollenwechsel. Einer, der ohne ein öffentliches „mea culpa“ schwer glaubwürdig wirkt.
Die Jugend soll zuhören – aber wer hört der Jugend zu?Der Kreisjugendring will über Ursachen von Spaltung sprechen. Eine wichtige, notwendige Debatte. Doch wer junge Menschen ernst nimmt, muss ihnen auch zumuten, die Realität klar zu benennen:
Spaltung entsteht nicht im luftleeren Raum.
Sie entsteht dort, wo politische Entscheidungen über Köpfe hinweg getroffen werden.
Sie entsteht dort, wo Bürgernähe durch Verwaltungsrhetorik ersetzt wird.
Sie entsteht dort, wo Verantwortliche sich selbst aus der Verantwortung nehmen.
Wenn man über Spaltung spricht, sollte man nicht nur über „die Gesellschaft“ reden, sondern auch über politische Kultur. Über Macht. Über Fehler. Und über die Frage, warum manche Verantwortliche lieber über Spaltung reden, als über ihren Anteil daran.
Ein Vorschlag zur RedlichkeitEs wäre ein starkes Zeichen, würde Manfred Lucha seinen Vortrag mit einem einzigen Satz beginnen:
„Ich habe Entscheidungen getroffen, die Menschen verletzt und Vertrauen zerstört haben.“
Dieser Satz würde mehr zur Überwindung von Spaltung beitragen als jede PowerPoint-Folie über „gesellschaftliche Dynamiken“.
Doch wer die politische Biografie des Ex-Ministers kennt, weiß: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering.
Ravensburg braucht keine Belehrung – sondern AufarbeitungDie Region hat genug erlebt: Krankenhauspolitik, Kommunikationsdesaster, ein politischer Stil, der Bürgernähe predigte und Distanz praktizierte. Was sie jetzt braucht, ist kein Vortrag über Spaltung, sondern ein ehrlicher Dialog über Verantwortung. Und die Bereitschaft, Fehler nicht nur zu verwalten, sondern zu benennen.
Bis dahin bleibt der 17. Juni 2026 ein symbolträchtiger Termin: Ein Abend, an dem der Spalter über Spaltung spricht – und die junge Gesellschaft höflich zuhört.
Der Bärendienst: Wie die "Schwäbische Zeitung" Ravensburg der Kreis-AfD neues Leben einhaucht. -„Wenn’s guat lauft, sollt mer’s net kaputtrecherchiera.“
Zwei Jahre lang war die AfD im Kreis Ravensburg ein politisches Phantom. Keine Plakate, keine Auftritte, keine Spuren. Und dann kommt die SZ und baut ihr eine Bühne mit Scheinwerfern, Nebelmaschine und Dramaturgie. Ein Provinzstück über Macht, Eitelkeit und die Kunst, Unsichtbares sichtbar zu schreiben.
Es gibt Tage, an denen man sich fragt, ob Redaktionen eigentlich wissen, was sie tun – oder ob sie einfach nur aus Versehen Politik machen. Heute ist so ein Tag. Die Schwäbische Zeitung, Redaktion Ravensburg, hat es geschafft, in sieben Minuten Lesezeit das zu zerstören, was im Landkreis Ravensburg zwei Jahre lang erstaunlich gut funktioniert hat: die AfD unsichtbar zu halten.
Wie gesagt - bis heute.
Denn nun hat die SZ – vermutlich ohne böse Absicht, aber mit maximaler Wirkung – die AfD im Kreis Ravensburg wieder ins grelle Licht gezerrt. Und zwar nicht mit einem kleinen Hinweis, nicht mit einem nüchternen Bericht, sondern mit einem epischen 20-Absatz-Drama über interne Machtkämpfe, Ausschlussverfahren, Hitler-Briefmarken, WhatsApp-Memes und die Frage, wer eigentlich wen aus welchem Hinterzimmer schubst.
Man/frau liest Sätze wie:
„Eigentlich tritt die AfD im Kreis Ravensburg kaum in Erscheinung.“ „Öffentliche Veranstaltungen sind rar.“
Und denkt: 'Ja! Genauso soll es bleiben. Bitte nicht stören. Tür zu, Licht aus, Ruhe im Karton.'
Doch dann folgt der Rest des Artikels – und plötzlich tritt die AfD im Kreis Ravensburg mächtig in Erscheinung. So mächtig, dass man* sich fragt, ob die Redaktion versehentlich die PR-Abteilung der Partei übernommen hat.
Der Bärendienst in 20 AbsätzenMan* muss es der SZ lassen: Sie hat gründlich recherchiert. So gründlich, dass die AfD im Kreis Ravensburg in diesem einen Artikel mehr Aufmerksamkeit bekommt als gefühlt SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler zusammen im gesamten letzten Quartal.
Die Ironie ist kaum auszuhalten.
Zwei Jahre lang hat die AfD im Kreis alles getan, um möglichst unauffällig zu bleiben. Keine Plakate. Keine Veranstaltungen. Keine Kandidaten, die man irgendwo hätte sehen können. Ein politisches Stealth-Projekt, das selbst die Tarnkappenbomber in Lechfeld neidisch machen würde. Heimlich und unbemerkt.
Und dann kommt die SZ und schreibt ihnen eine ganze Operette.
Mit Ouvertüre („Acht AfD-Mitglieder sind eingezogen…“, SZ), mit Arien („Ich bin ausgetreten, weil ich meinen Ruf nicht weiter beschmutzen lassen wollte“, SZ), mit Duetten („Der Landesverband kocht sein eigenes Süppchen“, SZ) und mit einem Finale, das man* nur als oberschwäbische Tragikomödie bezeichnen kann.
Die eigentliche PointeDer Artikel zeigt vor allem eines: Die AfD im Kreis Ravensburg ist nicht gefährlich, weil sie stark wäre. Sie ist gefährlich, weil sie schwach ist – und weil man/frau ihr trotzdem eine Bühne baut.
Die SZ hat heute eine Bühne gebaut.
Eine große.
Mit Scheinwerfern.
Und Nebelmaschine.
Und das Publikum – also wir – sitzt nun da und schaut zu, wie sich eine Partei, die eigentlich niemand sehen wollte, plötzlich wieder ins Bild schiebt.
Was bleibt?Vielleicht dies:
In einer Zeit, in der demokratische Kultur unter Druck steht, ist es nicht egal, wie man/frau berichtet. Transparenz ist wichtig, ja. Aufklärung auch. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Aufklärung und Ausleuchtung.
Die SZ hat heute ausgeleuchtet.
Und damit – ungewollt – das Gegenteil dessen erreicht, was viele im Landkreis sich wünschen: weniger AfD, weniger Drama, weniger toxische Aufmerksamkeit.
Manchmal wäre Schweigen eben doch Gold gewesen.
Oder, um es oberschwäbisch zu sagen:
„Wenn’s guat lauft, sollt mer’s net kaputtrecherchiera.“
(2) Queer-Pride in Ravensburg/Weingarten: Vielfalt gefeiert, Würde verletzt ... und die Zeitung schweigt ...
Auf der Straße wehten Regenbogenfahnen, im Netz wehte ein anderer Wind. Während 600 Menschen Vielfalt feierten, entgleiste die Kommentarspalte der SZ ins Hässliche. Und die Redaktion? Schweigt. Eine Kolumne über Mut, Tonfall – und die Frage, wer in dieser Stadt eigentlich Haltung zeigt.
Es gibt Tage, an denen zwei Städte zeigen, wer sie sein könnten – und Tage, an denen Facebook zeigt, wer sie manchmal tatsächlich sind. Die Queer-Pride in Ravensburg und Weingarten war bunt, friedlich, freundlich. Rund 600 Menschen liefen durch die beiden Städte, um nichts weiter zu tun als sichtbar zu sein. Sichtbar als Menschen, die leben wollen, wie sie sind. Sichtbar als Bürgerinnen und Bürger, die niemandem etwas wegnehmen, sondern nur das zur Geltung bringen, was ihnen ohnehin per Grundgesetz zusteht: Respekt, Sicherheit, Gleichbehandlung.
Doch kaum war der Artikel der Schwäbischen Zeitung über diese Veranstaltung online, begann unter dem Beitrag das, was man höflich „Kommentarspalte“ nennt – und unhöflich „digitale Gosse“.
Natürlich: Es gab auch sachliche, faire, nachdenkliche Stimmen. Menschen, die argumentierten, erklärten, widersprachen, ohne zu verletzen. Menschen, die zeigten, dass Debatte möglich ist, ohne die Würde anderer anzutasten. Diese Stimmen verdienen Respekt – und sie zeigen, dass die Kommentarspalte nicht verloren ist. Noch nicht.
Aber dazwischen: ein Chor aus Gereiztheit, Abwertung und erstaunlicher Lust am Herabsehen.
Da schreibt ein P. V.: „Eine Bande von …“ – und lässt den Satz offen. Mut sieht anders aus. Wer eine Gruppe von Menschen pauschal abwerten will, sollte wenigstens den Mut haben, das eigene Urteil auszubuchstabieren. Aber nein: Andeutungen reichen, Hauptsache, man kann sich später herausreden.
Ein anderer, M. H., nennt die Teilnehmenden „linksgrünen Bodensatz“. Das ist der Moment, in dem man sich fragt: Wie kann ein Mensch, der selbst Teil dieser Gesellschaft ist, andere Menschen als „Bodensatz“ bezeichnen – und gleichzeitig erwarten, ernst genommen zu werden.
R. T. schreibt: „Die Welt verblödet immer mehr.“ Vielleicht ist es tatsächlich so – aber nicht aus dem Grund, den er/sie meint.
Und dann die Klassiker: „Faschingsumzug.“ „Junge Leute ohne Zukunftsperspektive.“ „Affen.“ „Sch… in Video übern Weg gelaufen.“
Es ist die immer gleiche Mischung aus Gereiztheit, Ahnungslosigkeit und einer erstaunlichen Bereitschaft, das eigene Unbehagen in Worte zu gießen, die man/frau im echten Leben niemals aussprechen würde. Facebook ist der Ort, an dem manche Menschen ihre Hemmungen verlieren – und damit auch ihre Würde.
Doch eine Frage drängt sich auf: Warum kommentiert die Schwäbische Zeitung diese Entgleisungen nicht? Warum lässt sie stehen, was offenkundig gegen die eigenen Netiquette-Regeln verstößt? Warum überlässt sie es den Leserinnen und Lesern, sich gegenseitig zu verteidigen, während die Redaktion schweigt?
Eine Zeitung, die täglich Demokratie beschwört, sollte nicht ausgerechnet dort stumm bleiben, wo demokratische Kultur konkret verteidigt werden müsste: im eigenen digitalen Hausflur.
Dabei geht es nicht darum, dass man Queer-Pride gut finden muss. Niemand muss das. Niemand muss Regenbogenfahnen mögen, niemand muss Paraden feiern, niemand muss die Anliegen der queeren Community teilen. Aber man/frau muss Menschen respektieren. Das ist der Mindeststandard einer zivilisierten Gesellschaft.
Und genau hier liegt das Problem: Nicht die Meinungsverschiedenheit ist das Gift – sondern der Ton. Nicht die Kritik ist das Problem – sondern die Verachtung. Nicht die Vielfalt spaltet – sondern die Lust, andere kleinzumachen.
Die Pride hat gezeigt, wie friedlich Vielfalt sein kann. Die Kommentarspalte hat gezeigt, wie laut Intoleranz sein will.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum solche Veranstaltungen notwendig sind (so auch eine FB-Userin): weil die Kommentare unter dem SZ-Post nicht nur zeigen, dass es Intoleranz gibt – sondern wie sie klingt. Und wie dringend wir ihr widersprechen müssen.
Nicht mit Hass. Nicht mit Gegenbeschimpfungen. Sondern mit Haltung. Mit Sprache. Mit Öffentlichkeit.
Denn wer Menschen herabwürdigt, weil sie anders leben, sagt am Ende mehr über sich selbst aus als über jene, die er angreift.
💢 Möglicher Brandanschlag auf Reutlinger Umspannwerk - Wie sehr wir auf ein System vertrauen, das wir nie sehen...
Blogger Stefan Weinert
Reutlingen und umliegende Gemeinden sind seit der Nacht von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Siehe dazu den Bericht des Bayerischen Rundfunks.
Die Ursache dürfte Brandstiftung an einem Umspannwerk sein. Tausende Haushalte sind weiterhin ohne Strom, kritische Infrastruktur war zeitweise lahmgelegt. Polizei und LKA ermitteln.
Die Lage im Überblick1. Ausmaß des Stromausfalls
Betroffen: Reutlingen, Wannweil, Kirchentellinsfurt
Seit ca. 1:45 Uhr nachts ohne Strom
Telefon, Internet, Ampeln teilweise ausgefallen
Verkehr wird örtlich durch die Polizei geregelt
Krankenhäuser und Seniorenheime waren ebenfalls betroffen, inzwischen teilweise wieder versorgt
Feuerwehr und Polizei entwickeln Notfallstrategien zur Grundversorgung
Stadt Reutlingen: „Belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung derzeit nicht möglich“
Aktuell noch ca. 7.600 Haushalte ohne Strom
Innenstadt und Krankenhaus wieder am Netz
Netzbetreiber Netze BW meldet:
Drei Brandstellen im Umspannwerk Reutlingen‑West
Beschädigter Zaun und beschädigtes Gelände
Polizei und LKA‑Brandsachverständige ermitteln
Schaden laut dpa: Millionenhöhe
Motiv und Täter unbekannt, Ermittlungen „in alle Richtungen“
Der Artikel verweist auf zwei mutmaßlich linksextreme Anschläge in Berlin (2025 und Januar 2026), bei denen:
bis zu 50.000 Haushalte betroffen waren
gezielt Strommasten und Starkstromkabel angegriffen wurden
Der Hinweis dient als Kontext, nicht als Verdacht gegen eine bestimmte Szene.
EinordnungDer Fall zeigt, wie verwundbar die Energieinfrastruktur ist – selbst in dicht besiedelten Regionen mit redundanten Netzen. Ein einzelner Angriff auf ein Umspannwerk kann:
kritische Infrastruktur lahmlegen
medizinische Versorgung gefährden
Kommunikationswege stören
Verkehrssicherheit beeinträchtigen
Für Baden‑Württemberg ist ein solcher Vorfall ungewöhnlich großflächig.
° ° °
Strom ist die unsichtbare Infrastruktur unserer Zivilisation. Wir bemerken ihn erst, wenn er fehlt. Und dann merken wir, wie dünn die Schicht ist, die unseren Alltag von der Verwundbarkeit trennt.
Reutlingen erlebt gerade, was Berlin 2025 und 2026 schon erlebt hat: Ein gezielter Angriff auf Energieinfrastruktur ist kein lokales Ärgernis – er ist ein Angriff auf die Funktionsfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft.
Dass der Netzbetreiber Netze BW von Brandstiftung ausgeht, ist mehr als ein technischer Hinweis. Es ist ein politisches Signal. Denn wer ein Umspannwerk anzündet, greift nicht nur Kabel an, sondern Vertrauen.
Die stille AbhängigkeitDie Stadtverwaltung Reutlingen formuliert es vorsichtig: Eine „belastbare Prognose“ zur Wiederherstellung gebe es nicht. Das ist die höfliche Umschreibung für: Wir wissen gerade selbst nicht, wie schnell wir das wieder in den Griff bekommen.
Feuerwehr und Polizei organisieren die Grundversorgung. Die Innenstadt und das Krankenhaus sind wieder am Netz. Aber Tausende sitzen im Dunkeln – und merken, wie sehr sie auf ein System vertrauen, das sie nie sehen.
Es ist die paradoxe Wahrheit moderner Infrastruktur: Je besser sie funktioniert, desto weniger denken wir über sie nach – und desto größer ist der Schock, wenn sie ausfällt.
Die politische DimensionNatürlich ermittelt das LKA „in alle Richtungen“. Natürlich wird niemand vorschnell beschuldigt. Das ist richtig so. Aber der Kontext ist da: Berlin hat in den letzten Jahren zwei große Anschläge auf die Stromversorgung erlebt, mutmaßlich aus dem linksextremen Spektrum.
Das heißt nicht, dass Reutlingen ein ähnlicher Fall ist. Aber es heißt, dass Deutschland ein Problem hat, das größer ist als ein einzelnes Umspannwerk.
Unsere kritische Infrastruktur ist nicht so sicher, wie wir glauben. Und sie ist ein attraktives Ziel – für Ideologen, für Saboteure, für Menschen, die Chaos als Methode begreifen.
Was jetzt zähltReutlingen wird wieder Strom haben. Wahrscheinlich noch heute, vielleicht morgen. Die Reparatur ist nicht das Problem.
Das Problem ist die Frage, die bleibt: Wie schützen wir das, was uns schützt?
Wir brauchen eine ehrliche Debatte über:
die physische Sicherung von Umspannwerken, Leitungen und Netzknoten
die digitale Verwundbarkeit der Energieversorgung
die politische Dimension von Infrastrukturangriffen
die Resilienz von Städten und Gemeinden im Ernstfall
Und wir brauchen sie jetzt, nicht erst nach dem nächsten Anschlag.
Ein Funke reichtReutlingen zeigt: Es braucht keinen Sturm, keinen Krieg, keinen Blackout. Es reicht ein Funke, gesetzt an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit.
Die Frage ist nicht, ob wir uns das leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten wollen, weiter so zu tun, als sei das alles nur ein technischer Defekt.
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8. Jun. 2026
QUEER-PRIDE" --> Wie aus "Vielfalt verbindet" in der Vorankündigung "Vielfalt und Offenheit" wurde ...
Ein nachdenklicher Essay über ein überstrapaziertes Motto, verletzliche Debattenräume und die Frage, wer eigentlich dazugehört.
„Vielfalt verbindet." Diesen Slogan las ich am 20. Mai 2026 in der hiesigen Zeitung im Zusammenhang mit einer Veranstaltungsankündigung. [Blogger: Später, nach der Veranstaltung am 6. Juni 2026 heißt es in der Zeitung: "Vielfalt und Offenheit", SZ vom 8.6. 2026). Es geht um das "Queere Netzwerk Oberschwaben", das zu seiner "Pride" in Ravensburg und Weingarten am 6. Juni 2026 eingeladen hatte. In dem sehr ausführlichen Zeitungsartikel heißt es, die Veranstaltung richte sich an alle in unserer Gesellschaft
„Vielfalt verbindet." Dieser Zweiwortesatz sollte warm wirken, einladend und modern. Doch je öfter ich ihn hörte, desto mehr stellte sich mir die Frage: Verbindet Vielfalt wirklich – oder wird sie zunehmend als moralischer Maßstab eingesetzt, an dem Menschen scheitern können? Der Slogan klang für mich wie eine Tatsachenbehauptung, welche durchaus als solche infrage gestellt werden könnte. Und es stellte sich mir auch die Frage, was unter "Vielfalt" eigentlich zu verstehen ist. Deshalb schrieb ich vor drei Wochen diesen Artikel.
1. Vielfalt – ein Begriff, der zur Waffe werden kannVielfalt ist ein schönes Wort. Aber es ist kein neutrales Wort. Es ist ein politisches Konzept, das in den letzten Jahren stark normativ aufgeladen wurde.
Und genau hier beginnt das Problem: Wenn Vielfalt zur Pflicht wird, verliert sie ihren ursprünglichen Sinn.
Denn Vielfalt bedeutet nicht, dass alle dasselbe denken. Vielfalt bedeutet nicht, dass alle dieselben Lebensentwürfe gutheißen. Vielfalt bedeutet nicht, dass jede Kritik oder Ablehnung automatisch „phob“ ist.
Vielfalt bedeutet – eigentlich – dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen nebeneinander existieren dürfen, ohne sich gegenseitig moralisch zu vernichten.
Doch in der Realität sieht es oft anders aus.
2. Das Huhn mit dem anderen FederkleidDas Bild vom Huhn, das aus der Reihe fällt und deswegen von der Gruppe attackiert und letztlich zerhackt wird, ist biologisch hart – aber sozialpsychologisch treffend.
Menschen sind Herdentiere. Gruppen schützen sich, indem sie Abweichung sanktionieren. Das gilt in konservativen Milieus – und genauso in progressiven.
Heute erleben wir eine paradoxe Situation: Ausgerechnet jene Gruppen, die jahrzehntelang Toleranz eingefordert haben, reagieren nun selbst intolerant, wenn jemand ihre Sichtweise nicht teilt.
Das ist kein Angriff auf queere Menschen. Es ist eine Beschreibung eines gesellschaftlichen Mechanismus, der überall wirkt, wo moralische Überzeugungen stark sind.
3. Die Frage, die niemand stellen darfWas würde passieren, wenn beispielsweise Frau Müller auf der Ravensburger Pride-Veranstaltung, die sich an die gesamte Gesellschaft richtet (siehe oben) sagt:
„Ich kann das mit Ihrer/eurer Queerheit trotz eurer Argumente und Überzeugungsarbeit nicht akzeptieren. Bitte lasst mir meine Meinung, ohne mich gleichzeitig als queer-phob abzustempeln.“
Die ehrliche Antwort: Sie würde gewiss als queerfeindlich markiert werden. Nicht, weil sie jemanden angreift. Sondern weil sie eine abweichende Überzeugung äußert, die im aktuellen Diskurs als moralisch unzulässig gilt. Wer aber diesen Beitrag gelesen hat, hat womöglich seine Meinung zu diesem Verhalten geändert (siehe oben den ursprünglichen Slogan ...)
Damit sind wir beim Kernproblem:
Vielfalt wird oft nur dann akzeptiert, wenn sie innerhalb der erlaubten Vielfalt stattfindet.Wer außerhalb steht – religiös, konservativ, skeptisch, traditionell – gilt schnell als Gefahr.
4. Ist der Blogger der Einzige, der so denkt?Ganz klar: Nein.
Diese Debatte wird international geführt – und zwar von sehr unterschiedlichen Stimmen:
Harald Welzer (Sozialpsychologe)Warnt seit Jahren vor einer „moralischen Überhitzung“ progressiver Milieus, die Andersdenkende ausgrenzen.
Richard David PrechtKritisiert die „moralische Aufladung“ gesellschaftlicher Debatten, die echte Vielfalt verhindert.
Alice SchwarzerWarnt vor einer „Identitätspolitik, die spaltet statt verbindet“.
Jonathan Haidt (US-Psychologe)Beschreibt, wie moralische Gruppen zunehmend intolerant gegenüber abweichenden Meinungen werden – auch progressive.
Jürgen HabermasBetont, dass Demokratie nur funktioniert, wenn alle Stimmen gehört werden – auch unbequeme.
Michael Sandel (Harvard)Warnt vor moralischem Perfektionismus, der gesellschaftliche Gräben vertieft.
Wir bewegen uns also in einer breiten, ernstzunehmenden Debatte, die weit über Ravensburg hinausgeht.
5. Die große Frage: Wer gehört zur gesamten Gesellschaft?Wenn eine Veranstaltung sagt, sie richte sich an die gesamte Gesellschaft, dann klingt das inklusiv. Wenn es nun heißt: "Vielfalt und Offenheit", dann klingt das versöhnlicher.
Die gesamte Gesellschaft umfasst:
Queere Menschen
Heterosexuelle
Religiöse
Konservative
Progressive
Menschen, die sich schwer tun mit neuen Identitätskonzepten
Menschen, die sich davon bedroht fühlen
Menschen, die es feiern
Menschen, die es nicht verstehen
Menschen, die es nicht akzeptieren können
Wenn eine Veranstaltung letztlich aber nur jene wirklich willkommen heißen würde, die bestimmte Überzeugungen teilen, dann würde sie sich nicht an die gesamte Gesellschaft richten – sondern an eine Teilgesellschaft.
6. Ein Fazit, das weh tut – aber notwendig warVielfalt ist ein schönes Ideal. Aber sie wird zur Farce, wenn sie nur für jene gilt, die innerhalb eines moralischen Korridors stehen.
Eine Gesellschaft, die echte Vielfalt will, muss auch die Vielfalt der Überzeugungen aushalten.
Auch die unbequemen. Auch die konservativen Überzeugungen. Auch die skeptischen. Auch die, die nicht mitfeiern wollen.
Sonst ist Vielfalt kein verbindendes Prinzip, sondern ein neues Dogma. Das scheint angekommen zu sein.
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8. Jun. 2026
Der Blogger und sein Feuerwerks-Fauxpas
Hier ein wichtiger Nachtrag zu meinem Artikel
Nun haben mir heute Mittag die Geschäftsstelle des Ravensburger Gemeinderats und das Amt für Kommunikation geantwortet. Die Antwort hat mich erstaunt, aber auch sehr beschämt. Denn dort heißt es:
Sehr geehrter Herr Weinert, mit Email vom 26.11.2026 (gemeint ist 2025) erhielten Sie beigefügte Antwort zu Ihrer Petition "Kein Feuerwerk am Ravensburger Rutenfest 2025 und in den Folgejahren". Ihre Petition wurde damit abschließend behandelt. Mit freundlichen Grüßen, NN
Die Anlage enthält ein Schreiben vom 26. November 2025, in dem es unter anderem heißt:
" ... mit E-Mail vom 24.07.2025 teilten wir Ihnen mit, dass das Feuerwerk für 2025 bereits ordnungsrechtlich genehmigt war und im Sinne der Rechtssicherheit eine nachträgliche Änderung nicht mehr möglich war. Bezogen auf die Jahre ab 2026 wurde Ihre Petition in der nicht-öffentlichen Sitzung des zuständigen Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses des Gemeinderates am 03.11.2025 behandelt. ... Es werden damit alle gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften eingehalten. Rechtlich spricht nichts gegen das Rutenfest-Feuerwerk. Die Rutenfestkommission wurde aufgrund der Petition ebenfalls angehört. ... Der Petition wurde nicht abgeholfen."
Und richtig: Bereits schon im November letzten Jahres *) hatte ich darüber auf meinem Blog berichtet, es aber vergessen. Für diesen Fauxpas habe ich mich heute bei der Stadtverwaltung entschuldigt und tue dies hier auch meiner Leserschaft gegenüber. Sorry!
*)
OSH ▶ À la Silhouette: Wie Rathaus (RV) und Redaktion (SZ) eine Stadtgesellschaft mangelhaft und rudimentär nachzeichnen ...
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Am Mittwochabend um 20:15 Uhr war es so weit. Die Petition für den Erhalt der "Oberschwabenhalle" in Ravensburg als "Ort diverser gesellschaftlicher Ereignisse" und gegen ihre Umfunktionierung als Sportarena hat die 500er-Marke an Unterschriften erreicht. Heute, am Fronleichnamsmorgen, sind es bereits 502.
Das sind vier- bis fünffach so viele Menschen wie bei der Infoveranstaltung der Ravensburger Stadtverwaltung anwesend waren. Und selbst von diesen waren viele kritisch bis oberkritisch oder gar ablehnend.
Dass es diese Petition überhaupt gibt, wissen nur ihre Mitunterzeichner/innen, die Leser und Leserinnen dieses Blogs und einige Facebook-User/innen. Geschätzt rund 90 Prozent der Ravensburger Bevölkerung haben von ihr keine Ahnung und werden immer noch im Glauben gelassen, dass im Großen und Ganzen Konsens zwischen Oberbürgermeister, seiner Verwaltung, dem Gemeinderat und der Stadtgesellschaft herrscht, dieses Kulturgut (seit 1959) zu entweihen, nur weil ein angeschlagener Oberbürgermeister es so will.
Wo sind denn die über 500 Bürger und Bürgerinnen, die fordern, dass die OSH in eine Sporthalle umgewandelt wird? Stadträte und Stadtangestellte (denn die sind be- oder gefangen) nicht mitgezählt. Wo?
Der Gemeinderat Ravensburg, bzw. einer seiner Ausschüsse, wird sich vor einer finalen Entscheidung mit dieser Petition befassen müssen. Es ist wohl im ungeschriebenen Pressekodex der "Schwäbischen Zeitung" (SZ) vorgesehen, die Existenz der Petition weiterhin zu verschweigen. Denn ansonsten könnte sie ja 1.000 oder 2.000 oder mehr Unterschriften erhalten. Und das wäre gewiss nicht im Sinne des Oberbürgermeisters und seiner Schulterklopfer. Nun ja, das ist eben die Berichterstattung à la Silhouette*) der SZ. Sie zeichnet aber nur den Schatten einer unzulänglich und karg ausgeführten "Demokratie" der Ravensburger Stadtspitze nach.
*) Étienne de Silhouette war 1759 Finanzminister von Frankreich unter Ludwig XV. Frankreich befand sich mitten im Siebenjährigen Krieg und die Staatskasse war leer. Silhouette versuchte, durch drastische Sparmaßnahmen Geld aufzutreiben, was ihn beim Adel so unbeliebt machte, dass er nach nur acht Monaten im Amt in Ungnade fiel.
Sein Name wurde daraufhin zum Spottbegriff: Alles, was billig, notdürftig oder unvollständig wirkte, hieß in Frankreich fortan à la Silhouette.
In dieser Zeit kamen Schattenriss-Porträts in Mode: schwarze Profilbilder, die durch Nachzeichnen eines Schattens entstanden. Sie waren die billigste Form des Porträts, verglichen mit Ölgemälden oder Miniaturen. Ein solches Porträt war eben ein Porträt à la Silhouette, ein „nicht richtig ausgeführtes Bildnis“. Der Spottname blieb hängen, und aus dem Nachnamen eines gescheiterten Ministers wurde ein Wort in dutzenden Sprachen.
Die Ironie der Geschichte: Von Étienne de Silhouette selbst existiert kein einziges Porträt. Nicht einmal eine Silhouette.
(2) "Weltweite Wasserknappheit"!! - Ohne Wasser kein Brot/Reis, ohne Wasser keinen Wein/Prosecco ...
Es gibt Zahlen, die wirken wie ein kalter Luftzug in einem überhitzten Raum. Die Statista-Grafik zur weltweiten Sorge um Wasser- und Lebensmittelsicherheit gehört dazu: 46 Prozent in Südafrika, 31 Prozent in China, 28 Prozent in den USA – und 13 Prozent in Deutschland . Ein Land, das sich sicher fühlt. Regionen in diesem Land, die sich sicher fühlen. Städte, in den jeweiligen Regionen, die sich sicher fühlen.

Eine dieser Städte ist Ravensburg mit einer besonderen Ironie dieser Tage.
Denn während große Teile der Welt darüber nachdenken müssen, ob morgen genug Wasser aus dem Hahn kommt, verlegt Ravensburg sein Weinfest wegen des befürchteten Regens (= Wasser) kurzerhand in Kneipen. Nicht aus Not, sondern aus Komfort. Nicht weil es ums Überleben geht, sondern ums Weiterfeiern.
Das ist nicht verwerflich. Aber es ist bezeichnend.
Denn „Brot & Wein“ – dieser Slogan, der in der Stadtmarketing-Logik so leichtfüßig klingt – trifft in diesem Jahr auf eine Welt, die sich an vielen Stellen um genau diese beiden Dinge sorgt. Nämlich um die Grundnahrungsmittel a) Wasser (das in Ravensburg als Luxusgut "Wein" kredenzt wird) und b) jenes, das ohne Wasser nicht existieren kann (Getreide wird zu Brot). Und plötzlich wirkt das Motto wie ein Echo aus einer anderen Zeit: aus einer Zeit, in der man glaubte, Wohlstand sei selbstverständlich.
Die Statista-Grafik zeigt ein globales Gefälle, das ökonomisch und existenziell ist. Ravensburg hingegen zeigt ein lokales Selbstverständnis, das sich seit Jahren kaum verändert hat: Man/frau feiert, weil man feiern kann. Man trinkt, weil man trinken will. Man lebt, als sei die Welt ein stabiler Ort.
Doch die Welt ist längst kein stabiler Ort mehr.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein Fest wie „Brot & Wein“ eine neue Bedeutung bekommt – nicht als Skandal, nicht als moralisches Versagen, sondern als Symptom einer Gesellschaft, die ihre eigene Verletzlichkeit nicht mehr spürt. Ist der theologische Unterton des Mottos ein Zufall oder ist es Zynismus? Brot und Wein sind Symbole für Gemeinschaft, für Teilhabe, für das Teilen des Lebens. Doch in Ravensburg wird daraus ein Eintrittsticket in eine Wohlfühlzone, die viele nicht betreten können. Die Diskrepanz zwischen globaler Unsicherheit und lokaler Sorglosigkeit wird immer größer. Und sie wird sichtbarer.
Brot & Wein – ein Motto, das mehr sagt, als es will!
Vielleicht ist es gerade dieser theologisch aufgeladene Begriff, der in diesem Jahr so seltsam schillert. Brot und Wein stehen für Gemeinschaft, für Teilhabe (wie ich es bereits eben erwähnt hatte), für das Teilen des Lebens. Doch global betrachtet stehen sie inzwischen für etwas anderes: für Knappheit, für Risiko, für die Frage, wie lange das alles noch selbstverständlich bleibt.
Zwischen den globalen Sorgen um Wasser und Nahrung und der lokalen Leichtigkeit eines Sommerfests liegt ein Raum, der uns etwas sagen will: dass Wohlstand kein Naturgesetz ist, dass Sicherheit kein Dauerzustand ist, dass „Brot & Wein“ mehr ist als ein Slogan.
Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der sich in diesem Jahr zwischen die Feiernden in den Kneipen gesellen sollte.
Ravensburg: „Brot & Wein geh(en)t rein – und die soziale Wirklichkeit bleibt draußen“
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
(unter Bezug auf die offiziellen Mitteilungen der Stadt Ravensburg und die Berichterstattung der Schwäbischen Zeitung )
Es gibt Momente, in denen ein Stadtmarketing-Slogan unbeabsichtigt mehr über eine Gesellschaft verrät als jede politische Analyse. „Brot & Wein geht rein“ – so lautet das frisch verkündete Ersatzmotto für das wetterbedingt verlegte Ravensburger Weinfest. Ein Satz, der erfinderisch gelungen wie eine Erlösung vor schlechtem Wetter klingen soll, aber letztlich eine Headline ist, die eine Stadt, die sich längst an eine Wohlfühlkulisse gewöhnt hat, in der die soziale Realität nur stört, entlarvt.
Denn wer in Ravensburg, Oberschwaben und in der Republik „Brot & Wein“ hört, denkt nicht nur an „edle Tropfen“ und Häppchen. Der Begriff ist theologisch aufgeladen, tief verankert in der christlichen Symbolsprache. Brot und Wein – das ist das Abendmahl. Das ist Kanaan. Das ist Fronleichnam. Und ausgerechnet im Jahr 2026, in dem das Fest zwischen dem 3. und 6. Juni liegt, wird dieser sakrale Begriff für ein säkulares, hochpreisiges Genuss-Event ausgeschlachtet.
- Lesen Sie bitte dazu auch hier:
- (2) "Weltweite Wasserknappheit"!! - Ohne Wasser kein Brot/Reis, ohne Wasser keinen Wein/Prosecco ...
3. Jun. 2026
Dass die Kirchen dazu schweigen, ist bemerkenswert. Dass sie es kommentarlos hinnehmen, ist bezeichnend.
Ein Fest für die DreiviertelgesellschaftDie offizielle Darstellung klingt harmlos: „genussvolle Stunden“, „stimmungsvolles Ambiente“, „ausgewählte Weine“. Doch die Realität ist eine andere. Dieses Event richtet sich an jene, die sich leisten können, was in Ravensburg längst Normalität geworden ist: Preise, die für viele Menschen jenseits des Machbaren liegen.
Während die Stadtverwaltung und das Wifo in ihren Mitteilungen betonen, man wolle trotz Regen „einen genussvollen Tag“ ermöglichen, stehen andere Menschen in derselben Stadt an der "Tafel" an. Oder sie holen Brot aus Containern. Oder sie verzichten ganz.
Die soziale Schieflage ist real – aber sie kommt in keiner Pressemitteilung vor.
Krisensitzung wegen Regen – aber keine wegen ArmutDie Schwäbische Zeitung berichtet von „Krisensitzungen“ wegen der Wetterprognosen. Regen. 15 Grad. Glühwein-Wetter.
Dafür also Krisensitzungen. Für die soziale Lage in Ravensburg? Für die Menschen, die sich weder Wein noch Snacks leisten können? Für die, die psychisch oder finanziell am Limit sind? Für die Wohnungslosen?
Keine Krisensitzung. Kein Statement. Kein Interesse.
Die Verlegung in Kneipen – und die Frage nach der HaltungDass das Event nun in drei Lokale verlegt wird – Bärengarten, Charlie’s, Räuberhöhle – ist organisatorisch nachvollziehbar. Politisch und gesellschaftlich ist es ein Signal:
Die Stadt zieht sich in Räume zurück, die ohnehin nur ein bestimmtes Publikum anziehen.
Besonders für mich irritierend ist die Beteiligung der „Räuberhöhle“ – einer Kultkneipe, die traditionell ein Ort für jene ist, die sich im Ravensburger Mainstream nicht wiederfinden: Alternativ, prekär, künstlerisch, politisch links, verletzlich.
Dass gerade dieser Ort nun Teil eines Events wird, das soziale Exklusivität reproduziert, ist ein Bruch. Ein schmerzhafter.
Die große Leerstelle: die Ravensburger PolitikWährend die Stadtverwaltung und das Wifo ihre PR-Maschine laufen lassen, herrscht im Gemeinderat Schweigen. CDU, SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler – niemand äußert sich zur Symbolik dieses Festes. Niemand fragt, ob der Name angemessen ist. Niemand fragt, ob ein Event mitten in einer sozialen Krise wirklich „Brot & Wein“ heißen muss.
Man/frau wartet ab, wie die Stimmung ist. Man schaut, wohin die Fahne weht. Das ist keine politische Haltung. Das ist Windfahnenpolitik.
Die Kirchen – ein Schweigen, das schmerztWenn ein säkulares Event einen der zentralsten Begriffe des Christentums instrumentalisiert, wäre ein Wort der Kirchen angebracht. Nicht empört, nicht moralinsauer – aber klar. Stattdessen: Schweigen. Ein Schweigen, das wirkt wie Zustimmung. Ein Schweigen, das zeigt, wie weit man sich von der eigenen Symbolsprache entfernt hat.
Ein Fazit, das weh tut„Brot & Wein geht rein“ – dieser Satz ist unfreiwillig ehrlich (er ist aber grammatisch falsch). Er beschreibt eine Stadt, die sich nach innen zurückzieht. Eine Stadt, die sich selbst feiert, während andere draußen bleiben. Eine Stadt, die soziale Realität ausblendet, weil sie nicht ins Bild passt.
Wer nicht dabei ist, darf froh sein. Wer nicht mitspielt, darf stolz sein. Und wer sich weigert, diesen Niedergang als „genussvolle Stunden“ zu verkaufen, handelt im Sinne einer Stadt, die mehr sein könnte als ein Wohlfühl-Event für die Dreiviertelgesellschaft.
Ravensburg kann besser sein. Aber dafür müsste es erst einmal aufwachen.
Hamburgs NEIN zu Olympia war demokratisch und besonnen: „Erst Hausaufgaben, dann Weltspiele“ ...
Der Redakteur der "Schwäbischen Zeitung" (SZ) gibt seinem Leitkommentar auf Seite 1 die Überschrift "Lieber langweilig". Dabei geht es ihm um das NEIN der Hamburger Bürgerschaft bezüglich der Bewerbung für eine der kommenden Olympiaden. Der Kommentator interpretiert diese demokratische Entscheidung als mutlos – also negativ. Meine Entgegnung ist die folgende und ich gebe ihr die Headline: „Erst Hausaufgaben, dann Weltspiele“.
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Es ist leicht, Hamburgs Nein zu Olympia als Ausdruck deutscher Mutlosigkeit abzutun. Doch diese Lesart verkennt die Realität. Die Hamburger haben nicht gegen „Aufbruch“ gestimmt, sondern gegen ein System, das seit Jahrzehnten gigantische Kosten verspricht, gigantischere Kosten verursacht – und am Ende die Allgemeinheit zahlen lässt. Das ist kein „Lieber langweilig“, das ist demokratische Nüchternheit.
Wer den Bürgern mangelnde Risikobereitschaft vorwirft, sollte sich erinnern, dass Deutschland nicht am Mut scheitert, sondern an Strukturen: an überlasteten Verwaltungen, an Planungszeiten von 20 Jahren, an Kostenexplosionen, die längst zum Normalfall geworden sind. Die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, BER – das sind keine Anekdoten, das sind Mahnmale.
Der Leitartikel der SZ stellt Hamburgs Entscheidung in eine Reihe mit Mondlandungen und Marsmissionen. Doch Deutschland muss nicht zum Mars, bevor es seine Schulen saniert hat. Es muss nicht „fröhliche Spiele“ ausrichten, bevor es funktionierende Behörden, bezahlbaren Wohnraum und eine digitale Infrastruktur hat, die nicht im europäischen Vergleich hinterherhinkt.
Das ist keine Mutlosigkeit. Das ist Prioritätensetzung.
Dass München 1972 trotz des Attentats als Fortschrittsmoment erinnert wird, ist richtig – aber daraus folgt kein Automatismus für 2036 oder 2040. Die Welt hat sich verändert. Die Spiele sind heute ein Milliardenapparat, der demokratische Städte systematisch überfordert. Wer das benennt, ist nicht „langweilig“, sondern realistisch.
Hamburg hat abgestimmt. München hat abgestimmt. Köln-Rhein-Ruhr hat abgestimmt. Unterschiedliche Regionen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – das ist kein Zeichen von nationaler Schwäche, sondern von funktionierender Demokratie. Bürger sind keine Statisten für internationale Sportverbände.
Und Deutschland braucht keinen olympischen Glanz – es braucht funktionierende Grundlagen.Bevor Deutschland Weltspiele ausrichtet, sollte es:
seine Infrastruktur modernisieren
seine Verwaltung digitalisieren
seine Städte entlasten
seine Finanzen stabilisieren
seine demokratische Kultur stärken
Erst wenn das Fundament trägt, kann man/frau über Prestigeprojekte reden. Alles andere wäre politischer Eskapismus.
Brief an die Ravensburger Bürgermeister/Gemeinderat: "Meine von Ihnen vergessene (?) und/oder verschmähte Petition °°°Kein Feuerwerk am Rutenfest 2025 ff°°° vom Juli 2025."

| 08:24 (vor 0 Minuten) | |||
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Sehr geehrte Herren Bürgermeister Dr. Rapp, Dr. Honikel-Günther und Bastin,
PETITION - KEIN FEUERWERK AM "RUTENFEST" 2025 UND DARÜBER HINAUS!
Sehr geehrte Herren Bürgermeister der Stadt Ravensburg,
sehr geehrte Damen und Herren des Ravensburger Gemeinderates,
Im Rahmen dieser offiziellen Petition bitte ich Sie dafür Sorge zu tragen, dass das sonst übliche Feuerwerk zum Abschluss des "Rutenfestes" in diesem Jahr am 29. Juli 2025 nicht stattfindet und auch in den kommenden Jahren entfällt. Es gibt dafür mehrere Gründe, von denen ich drei als relevant folgend aufführe:
1) Grundsätzlich erhebliche Umweltverschmutzung und Verstoß gegen den Tierschutz durch ein offenes Feuerwerk
2) Der jüngste Unfall auf dem Düsseldorfer Kirmes mit 19 teils schwerverletzten Menschen, darunter ein (1) Kind
3) In Zeiten von kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und Nahost, in die Deutschland moralisch und/oder materiell verwickelt ist.
Zu 1) Bei Feuerwerken sind die Partikelkonzentrationen in der extrem hoch. Werte oberhalb 3000 μg/m³ sind keine Seltenheit. Von Meteorologen wurde in Bonn eine Konzentration von 140.000 μg/m³ festgestellt. Normalerweise liegen sonst die PM10-Emissionen [Partikel, deren aerodynamischer Durchmesser weniger als 10 Mikrometer (µm) beträgt] zwischen 20μg/m³ und 50μg/m³. Feuerwerkspartikel enthalten einen beträchtlichen Anteil an Schwermetallen, deren Spitzenkonzentrationen die Arbeitsgrenzwerte überschreiten und einen toxisch bedenklichen Bereich erreichen können. Partikel aus Feuerwerken werden hauptsächlich in einer Höhe von 40 bis 200 Meter freigelassen, so können tief in die Lunge eindringende (alveolargängige) Partikel praktisch nie auf den Boden absinken. Sie bleiben als PM10 in der Luft und belasten die Umwelt. Trotz Einhaltung der gesetzlichen Schalldrucklimits wird oft die Schmerzgrenze von ca. 140 dB überschritten und bei ausreichender Einwirkzeit ein Gehörschaden verursacht. Dies vor allem aufgrund des hohen Anteils an niedrigen Frequenzen im Frequenzspektrum von Feuerwerkslärm. Außerdem kann bei jeder unsachgemäßen Verwendung eines erlaubten Feuerwerkskörpers ein Knalltrauma entstehen. Die Sicherheitsmaßnahme „Verwendung nur im Freien“ lässt die Tierwelt völlig unbeachtet. Nicht nur der Lärm, auch Lichteffekte werden als immanente Gefahr wahrgenommen und treiben Vögel und andere Tiere in die Flucht in der Dunkelheit. Sie verirren sich, sterben erschöpft und unterkühlt oder prallen in der Dunkelheit gegen Türen, Scheiben und Wände. Jedes Jahr werden Tausende Tiere verletzt, vermisst, gequält, getötet. (Quelle: Emissionen von Feuerwerkskörpern, Österreich)
Zu 2) Bei einem Unfall mit einem Feuerwerkskörper auf der Rheinkirmes in Düsseldorf sind 19 Menschen verletzt worden. Unter ihnen sei mindestens ein Kind, vier von ihnen seien schwer verletzt, sagte ein Polizeisprecher. Den Angaben nach war einer der Feuerwerkskörper am späten Freitagabend aus unbekannter Ursache in zu niedriger Höhe detoniert. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Der Veranstalter beendete das Fest nach dem Unglück gegen 22.45 Uhr für diesen Tag vorzeitig. Man bedauere den Unfall sehr, hieß es in einer Mitteilung. (ZDF)
Zu 3) Der Krieg in der Ukraine und die kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost, wo nicht nur "hörbare", sondern TÖDLICHE Explosionen von statten gehen, verbietet es nach ethischen und moralischen Grundsätzen, hier im sicheren Deutschland "Krieg zu spielen." Mitten im Töten und Morden und mitten in Flüchtlingsströmen ein Feuerwerk so zu zünden als wäre nichts geschehen, so als hätte sich nichts verändert scheint mir sehr unangebracht.
Nach den demokratischen und verwaltungstechnischen Grundsätzen des Bundeslandes Baden-Württemberg, obliegt es den jeweiligen kommunalen Verwaltungen (Ordnungsamt, Ortspolizeibehörde ...), ein Feuerwerk zu genehmigen oder nicht zu genehmigen. Bitte überlassen Sie diese Entscheidung nicht der Ravensburger "Rutenfestkommission" und explizit auch nicht dem 1. Vorsitzenden, Herrn Dieter Graf.
Vermutlich sind Sie von der Ravensburger Stadtverwaltung/Gemeinderat schon vor dieser meiner Petition zu dem Schluss gekommen - gerade aufgrund des Düsseldorfer Vorfalls und aus Gründen der Klimaschonung - das Feuerwerk beim Rutenfest 2025 und auch folgende Jahre nicht stattfinden zu lassen. In diesem Fall wäre meine Petition obsolet. Danke!
Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Weinert, Ravensburg
Anlage 2 zu dieser E-Mail
E-Mail der Ravensburger Stadtverwaltung an den Blogger vom 24. Juli 2025 - Der folgende Text ist auch hier nachzulesen
Sehr geehrter Herr Weinert, das Feuerwerk für 2025 wurde bereits ordnungsrechtlich genehmigt. Im Sinne der Rechtssicherheit ist eine nachträgliche Änderung nicht mehr möglich. Bezüglich der VWA Entscheidung möchte ich darauf hinweisen, dass die Petenten von der bearbeitenden Stelle eine angemessene Bearbeitungszeit in Kauf nehmen müssen. Eine Sondersitzung für den VWA wird nicht einberufen, da wir ohnehin nicht fristgerecht zu einer solchen Sitzung einladen könnten. Wir werden Ihre Petition und damit verbunden die Feuerwerke ab dem Jahr 2026 beachten und Ihnen nach der Entscheidung Rückmeldung geben.
Vielen Dank für Ihr Verständnis. Viele Grüße NN
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E-Mail (Antwort) des Bloggers an die Ravensburger Stadtverwaltung vom 24. Juli 2025
Sehr geehrte Damen, vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Reaktion zu Ihrer Entscheidung, den Petitionsausschuss nicht vor dem Rutenfest 2025 tagen zu lassen bzw. lassen zu können. Als Demokrat muss ich diese Entscheidung respektieren und tue das auch, wenngleich sich mein Verständnis dafür, welches Sie voraussetzen, in Grenzen hält. Nun hoffe ich, dass meine Petition für 2026 ff eventuell mit dazu beiträgt, dass umweltschädliche und teure Feuerwerke dieser Art beim Rutenfest nicht mehr stattfinden werden. - Anmerkung (von mir nicht als eine Art des "Nachtretens" gemeint): Ihrem Schreiben entnehme ich, dass das diesjährige Rutenfestfeuerwerk u.a. aus (juristischer) Rechtssicherheit stattfinden wird, respektive nicht abgesagt werden kann. Ich verstehe, was Sie damit meinen. Doch möchte ich in Bezug auf die Zukunft - also für die Jahre nach dem Rutenfest 2025 - darauf hinweisen, dass auch der Bürger und die Bürgerin ein Recht auf Unversehrtheit, saubere Luft, sauberes Wasser und ganz allgemein Schutz ihres Lebensraumes haben. Das sind Aufgaben des Staates und seiner Kommunen. Es gibt bereits jetzt schon Staaten bzw. Organisationen, welche hier den Klageweg beschreiten oder beschreiten wollen. - Von daher ist meine Hoffnung groß, dass auch die Stadt in Zukunft auf Feuerwerke zum Rutenfest (und eventuell auch zu Silvester) verzichten wird.
Ravensburg: 100 Jahre Sparen bei der Grünpflege für einen neuen Bauhof ...
Es gibt Zahlen, die stehen nicht nur einfach im Raum, sondern öffnen dem wachen Leser/Leserin die Augen für ein ganzes Universum. In diesem Fall ist es sogar ein Zahlenpaar, das im Verhältnis 1:100 steht. Da sind zum einen 190.000 (0,19 Millionen Euro) an Einsparungen bei der Ravensburger Umweltpflege und zum anderen 19,5 (19.500.000) Millionen Euro für einen neuen Bauhof in der Ravensburger Goethestraße.
Ein Betrag, der den Ravensburger Bürgern und Bürgerinnen so selbstverständlich präsentiert wird, als handle es sich um den Austausch eines defekten Rasenmähers. Die Ravensburger Gemeinderäte hatten dieses Projekt durchgewunken, als sei es ein Naturgesetz.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass diese Summe kein Einzelfall ist. Sie reiht sich ein in eine Serie von Großprojekten, deren finanzielle Dimensionen in keinem Verhältnis zu den angeblichen Sparzwängen stehen, die der Gemeinderat gleichzeitig beschließt.
Das Hundertfache der „Einsparungen“ – ein mathematischer Offenbarungseid.Die Stadt Ravensburg spart ab 2027 jährlich 190.000 Euro bei der Umwelt- und Grünpflege ein. Ein Betrag, der so lächerlich klein ist, dass er im Haushalt kaum auffällt – aber im Stadtbild umso mehr. 190.000 Euro. Das ist ein Hundertstel dessen, was allein der neue Bauhof kostet.
Oder anders gesagt: Um den Preis dieses einen Bauhofs finanzieren zu können, muss die Stadt Ravensburg die gekürzte Umweltpflege 100 Jahre lang durchhalten: 2127 wäre es dann so weit - vorausgesetzt, es gibt dann noch "Umwelt" die man vernachlässigen kann. Vermutlich gibt es dann mehr von ihr auf dem Mars, als auf dem Planeten Erde.
Hundert Jahre. Ein Jahrhundert. Ein Menschenleben.
Und trotzdem verkauft man/frau den Bürgerinnen und Bürgern diese Kürzung als „notwendig“, „unvermeidbar“, „verantwortungsvoll“. Während gleichzeitig Millionen in Beton, Holzfassaden und Verwaltungsflügel fließen.
Die große Ravensburger Baustellen-Symphonie.Der Bauhof ist nur ein Baustein in einer langen Liste:
Kornhaus: 20 Millionen
Kuppelnau-Schule: 40 Millionen
Holzmarkt: 1,75 Millionen
Bauhof: 19,5 Millionen
Davor: Sanierungen der Gymnasien
Davor: Sanierung Rathaus
Davor: Sanierung "Alte Post"
Davor: Sanierung neue Musikschule
Davor: ...
Macht zusammen: über 80 Millionen Euro plus XXXXXXX.
Und das sind nur die Projekte, die öffentlich sichtbar sind. Die Frage, die sich aufdrängt, ist so simpel wie brisant:
Woher kommt dieses Geld?
Die Gewerbesteuer als Wunderwaffe? Wohl kaum.Die Stadt verweist gern auf sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. Doch selbst ein gutes Gewerbesteuerjahr ist kein Freifahrtschein für eine Investitionspolitik, die sich wie ein Wunschkonzert liest. Einnahmen sind volatil. Ausgaben sind dauerhaft. Und Baukosten steigen nicht linear, sondern exponentiell.
Wer also behauptet, man könne mit Gewerbesteuerwundern alles ausgleichen, betreibt Schönwetterpolitik – und hofft, dass niemand nachrechnet.
Die eigentliche Frage: Wie steht es um die städtische Bilanz? Und wer außerhalb des Rathauses und des Regierungspräsidiums kann sie nachprüfen?Bin ich eigentlich der Einzige, der sich fragt, wie es um die städtische Bilanz steht?
Denn die Stadt kommuniziert zwar Projekte, aber nicht die Gesamtlast. Sie kommuniziert Einzelmaßnahmen, aber nicht die strukturelle Verschuldung. Sie kommuniziert Visionen, aber nicht die Risiken.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen glauben, dass alles im Lot ist. Doch wer die Summen nebeneinanderlegt, könnte zu der Erkenntnis kommen, dass hier etwas nicht stimmt.
Der geheime Gemeinderat – und die Kunst der IntransparenzDie Kürzung der Umweltpflege wurde in einem Verfahren beschlossen, das selbst erfahrene Kommunalpolitiker ratlos zurückließ. Ein „geheimer Gemeinderat“, der Entscheidungen trifft, die niemand versteht. Eine Verwaltung, die erklärt, aber nichts erklärt. Ein Gremium, das spart, wo es nicht sparen sollte – und investiert, wo niemand nachfragt.
Es entsteht der Eindruck einer Stadtpolitik, die sich selbst genügt. Die Bürger kommen erst ins Spiel, wenn der Bagger schon rollt.
Ravensburg braucht keine neuen Gebäude – Ravensburg braucht Transparenz.Es geht nicht darum, ob ein Bauhof sinnvoll ist. Es geht darum, ob eine Stadt, die an Grünflächen spart, gleichzeitig 19,5 Millionen für ein Gebäude ausgeben kann, ohne die Öffentlichkeit mitzunehmen.
Es geht nicht darum, ob Schulen saniert oder neu gebaut werden müssen. Es geht darum, ob man 40 Millionen Euro ausgibt, ohne die langfristigen Folgen offen zu legen.
Es geht nicht darum, ob der Holzmarkt schöner werden soll. Es geht darum, ob man* 1,75 Millionen Euro investiert, während man* gleichzeitig behauptet, man müsse „den Gürtel enger schnallen“.
Die Frage, die bleibtWer übernimmt die Verantwortung für diese gefühlte und so empfundene finanzielle Schieflage?
Und noch wichtiger:
Wann beginnt die Stadt Ravensburg endlich, ihre Bürgerinnen und Bürger wie erwachsene Menschen zu behandeln – und nicht wie Zaungäste einer Politik, die längst den Überblick verloren hat?
(2) OSH und die Mutter von drei Kindern: Zustimmung zur Veröffentlichung von Gutachten in einer akuten psychischen Ausnahmesituation ist kein Freibrief. Sie ist ein Warnsignal.
Der folgende Beitrag ist als wichtige Ergänzung zu dem Artikel
zu verstehen. Was inzwischen aus der Dame und ihren drei Kindern geworden ist, ist mir nicht bekannt. Es geht mir im Folgenden noch einmal um die Art und Weise der Berichterstattung durch die "Schwäbische Zeitung" (SZ).
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
1. Die Frau im Auto – und das Schweigen derer, die reden müssten.
Warum der Fehler nicht nur journalistisch war – sondern ein Symptom eines viel größeren Versagens.
Es gibt Geschichten, die nicht nur erzählt, sondern auch verantwortet werden müssen. Die Geschichte von Iryna Schönknecht gehört dazu. Jene Dame, die in ihrem Auto auf dem Oberschwabenhallenplatz in Ravensburg übernachtete.
Die Schwäbische Zeitung hat intime psychologische Einschätzungen veröffentlicht — mit Zustimmung der Betroffenen. Aber Zustimmung ist nicht gleich Schutz. Schutz ist aber auch nicht gleichzusetzen mit Schweigen.
Die Frage ist nicht, ob Herr Robin Halle aus der Chefetage des hiesigen Mediums die psychologischen Gutachten in seinen Artikel einbauen durfte, weil die Dame der Veröffentlichung zugestimmt hatte. Die Frage ist eine ganz andere.
Denn Zustimmung in einer akuten psychischen Ausnahmesituation der betreffenden Person ist kein Freibrief. Sie ist ein Warnsignal.
2. Juristisch fragwürdig?Ja – und zwar aus zwei Gründen
a. Schutzpflicht gegenüber vulnerablen Personen.
Auch wenn eine Person zu etwas einwilligt, müssen Medien prüfen, ob sie einwilligungsfähig ist — also ob sie die Tragweite versteht. Die SZ schreibt selbst, dass Iryna nervös, fahrig, emotional, aufbrausend und verletzbar ist. Das ist keine stabile Entscheidungsgrundlage.
Ein Chefredakteur muss wissen: Einwilligung ist kein Vertrag, wenn die Person nicht in der Lage ist, die Folgen abzuschätzen.
b. Minderjährige Kinder sind immer mitzudenkenDie Gutachten betreffen nicht nur die Mutter, sondern indirekt auch die Kinder ("Kindeswohl" SGB VIII) *). Damit sind wir im Bereich des Kinderschutzes. Und dort gilt: Das Wohl der Kinder steht über dem Veröffentlichungsinteresse.
- *) § 8a SGB VIII konkretisiert den im Grundgesetz verankerten Schutzauftrag und regelt die prinzipiellen Verfahrensschritte des Jugendamtes beim Bekanntwerden einer (möglichen) Kindeswohlgefährdung. Die konkrete Umsetzung des Verfahrens obliegt den Jugendämtern.
Die Veröffentlichung der psychischen Belastung der Mutter wirkt unmittelbar auf das Bild der gesamten Familie.
3. Das journalistische Problem ist aber nur die Oberfläche.Viel irritierender ist das Schweigen.
Kein Wort vom Jugendamt. Weder in dem Zeitungsartikel noch in der Folge. Jedenfalls bisher
Kein Wort von "Frauen helfen Frauen", Frauenhaus, Kinderschutzbund, Sozialdiensten, Caritas, Diakonie, Streetwork, Sozialpsychiatrischem Dienst. (Dito)
Kein Wort über die rechtliche Lage der Kinder.
Kein Wort über die Verantwortung des Ex‑Partners, der Immobilien besitzt, während die Mutter im Auto schläft.
Es ist, als hätte man/n beschlossen, die Geschichte auf eine einzige Figur zu reduzieren: die leidende Frau im Auto. Ein Bild, das Mitleid erzeugt — aber keine Aufklärung.
4. Warum schweigen die Institutionen?Warum wurden sie vor der Veröffentlichung des Zeitungsartikels nicht gefragt, und wenn doch, warum ist darüber nichts zu lesen.
Vielleicht, weil jede Antwort unangenehm wäre:
Das Jugendamt müsste erklären, warum eine Mutter im Auto schläft, während ein Nestmodell existiert.
Das Frauenhaus müsste erklären, warum es nicht öffentlich reagiert, obwohl der Fall exemplarisch ist.
Sozialverbände müssten erklären, warum eine Frau mit Bürgergeld und zwei Kindern keinen sicheren Ort findet.
Die Stadt Ravensburg müsste erklären, warum sie eine Frau, die sich im Krankenhaus wäscht, mit einem Platzverbot belegt.
Und die Zeitung müsste erklären, warum sie intime Diagnosen veröffentlicht, aber keine einzige kritische Nachfrage stellt.
5. Der eigentliche Skandal ist nicht die Frau im Auto.Der Skandal ist die Leerstelle um sie herum.
Eine Frau bricht zusammen — und die Öffentlichkeit bekommt nur die Tränen, nicht die Strukturen. Nur das Drama, nicht die Ursachen. Nur das Leid, nicht die Verantwortlichen.
Wer intime Einblicke veröffentlicht, trägt Verantwortung für die Hintergründe. Wer das Leid einer Frau zeigt, muss auch die Systeme zeigen, die sie im Stich lassen. Und wer psychologische Gutachten druckt, muss erklären, warum das Jugendamt schweigt und warum andere wichtige Akteure schweigen.
📃 "Leitfaden für das unbeschadete Leben im städtischen Sommer"
Heute, am 1. Juni 2026, beginnt der meteorologische Sommer. Ein guter Grund, etwas über ihn zu schreiben. Und eigentlich geht es dabei nicht nur um den Sommer 2026, sondern um die der zurückliegenden 15 Jahre. Sie beginnen nicht nur immer früher (denken Sie an die Hitzewelle Mitte Mai dieses Jahres), sondern sie werden auch immer heißer und reihen sich ohne Lücke wie Perlen auf einer Schnur hintereinander auf. Früher gab es sie auch - aber in einem Abstand von 20, 15 oder zehn Jahren.
Der Beginn des Sommers ist auch der Beginn eines erneuten Stresstests für Körper, Stadt und Politik. Während die Temperaturen im Schussental Jahr für Jahr früher steigen, höher steigen und länger bleiben, wirkt Ravensburgs Umgang mit Hitze noch immer wie ein loses Sammelsurium aus Aktionstagen, Infobeiträgen und gut gemeinten Broschüren. Doch wer in einer Talsohle lebt, weiß: Hitze ist kein Wetter, sie ist ein Systemzustand – und sie trifft zuerst jene, die am wenigsten ausweichen können.

Mein Versuch eines "Leitfadens zum unbeschadeten Leben im städtischen Sommer" zeigt, wie man/frau/div im städtischen Sommer unbeschadet leben kann: praktisch, alltagsnah, wissenschaftlich fundiert. Er erklärt, warum Wohnungen zu Schutzräumen werden müssen, weshalb der frühe Morgen über Wohlbefinden entscheidet, und wie man sich in einer überhitzten Innenstadt bewegt, die meist mehr an einen mittelalterlichen Wärmespeicher erinnert als an eine moderne Kommune.
Gleichzeitig stellt er die Frage, die Ravensburg seit Jahren umkreist, aber von ihr nicht beantwortet wird: Wie schützt eine Stadt 51.000 Menschen vor einer Hitze, die längst zur Normalität geworden ist? Zwischen individuellen Tipps und politischer Analyse wird klar: Überleben im Sommer ist möglich – aber nicht selbstverständlich. Und schon gar nicht ohne eine Stadt, die endlich begreift, dass Klimaanpassung kein PR-Thema ist, sondern Daseinsvorsorge.
Im Folgenden entwerfe ich den "Leitfaden für das unbeschadete Leben im städtischen Sommer" [Stefan Weinert (c)].
1. Kapitel: Die Hitze grundsätzlich und die des Klimas verstehen
Hitze im Spätfrühling, im Sommer und im Frühherbst, ist kein Wetterphänomen mehr, sondern ein Systemzustand. Sie wirkt:
auf den Körper (Kreislauf, Atmung, Schlaf)
auf die Psyche (Reizbarkeit, Erschöpfung, Konzentrationsverlust)
auf die Stadt (Überhitzung, schlechte Luft, fehlende Abkühlung)
auf die Politik (Aktionismus statt Strategie)
Wer Hitze überstehen will, muss wissen: Hitze ist ein Gegner, der nicht schläft.
2. Kapitel: Die Wohnung – Ihr persönlicher Schutzraum.2.1. Die goldene Regel:
Die Hitze darf nicht in die Wohnung hinein.
Das bedeutet:
Die Fenster schließen, sobald es draußen wärmer ist als drinnen.
Die Fenster verdunkeln, aber nicht mit schwarzen Vorhängen (die speichern Hitze).
Nasse Tücher vor die Fenster hängen, wenn es technisch möglich ist – der älteste Trick der Welt.
Ventilator + Schüssel Eis = die arme-Leute-Klimaanlage, aber effektiv.
Elektrogeräte (TV, PC, Kaffeemaschine ...) aus – sie heizen mit.
Zwischen 3 und 6 Uhr morgens ist die einzige echte Chance, die Wohnung abzukühlen. Das ist der Moment für:
Durchzug
Ventilator Richtung Fenster
kurze Stoßlüftung in Intervallen
Wer morgens länger schläft, verliert wertvolle Grad Celsius.
3. Kapitel: Der Körper – ein sensibles Kühlsystem3.1. Trinken, aber richtig
Wasser, Kräutertee, verdünnte Säfte
Kein Alkohol – er täuscht Kühlung vor und entzieht Flüssigkeit. Nicht unbedingt in den Biergarten setzen; vermeiden Sie beim Public Viewing (falls es während der Fußball-WM so heiß sein sollte) das Bier und suchen Sie den Schatten.
Kaffee in Maßen – er wirkt harntreibend; d.h. die aufgenommene Flüssigkeit verlässt zu schnell den Körper
Leicht, hell, weit
Baumwolle oder Leinen
Hut oder Kappe – nicht nur für Senioren
Kleine Mahlzeiten
Viel Wasserhaltiges: Gurke, Melone, Tomate, Birne, Apfel
Wenig Fettiges – der Körper produziert sonst zusätzliche Hitze
3.4. Essen & Trinken bei echter Hitzebelastung
Vermeiden: Alkohol, Pommes, Currywurst, Leberkäs'wecken, Schweinshaxen. Diese Speisen erhöhen die Stoffwechselhitze und belasten den Kreislauf.
Bevorzugen:
wasserreiche Lebensmittel (Gurke, Melone, Tomate, Apfel)
leichte Kost (Salate, gedünstetes Gemüse, Joghurt)
kleine Portionen über den Tag verteilt
Trinktemperatur: Lauwarm ist besser als eiskalt – der Körper muss weniger gegenregulieren.
Salzhaushalt: Bei starkem Schwitzen leichte (!) salzige Snacks oder Brühe, um Elektrolyte auszugleichen.
3.5. Medikamente & Hitze
Medikamente niemals im Auto lassen – dort entstehen Temperaturen von 60–70 °C.
Viele Präparate verlieren bei Hitze ihre Wirksamkeit (z. B. Insulin, bestimmte Antibiotika, Herzmedikamente).
Ideal: kühl, trocken, dunkel lagern – aber nicht im Kühlschrank, wenn die Packung es verbietet.
Bei Unsicherheit: Apotheke fragen, ob ein Medikament hitzeempfindlich ist.
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EXKURS HITZE UND DER MENSCHLICHE KÖRPER
A. Hitze als Dauerstress für den Organismus – der stille Kampf um Kühlung
Der menschliche Körper ist ein Meister der Thermoregulation, aber kein Tropentier. Ab etwa 27–28 °C Außen- oder Raumtemperatur beginnt er, in den „Notbetrieb“ zu wechseln.
Physiologisch (körperlich) passiert Folgendes:
Die Blutgefäße erweitern sich, um Wärme abzugeben.
Das Herz muss schneller pumpen, um die Haut zu durchbluten.
Der Körper produziert Schweiß, der verdunsten soll – sofern die Luftfeuchtigkeit es zulässt.
Die Nieren drosseln ihre Arbeit, um Flüssigkeit zu sparen.
Das ist kein Wellnessprogramm, sondern ein permanenter Energieverlust, der den Körper erschöpft, selbst wenn man „nichts tut“.
B. Herz-Kreislauf-System: Der Motor läuft heiß
Hitze ist für das Herz, was ein steiler Berg für ein altes Auto ist: Es geht, aber es ächzt.
Typische Reaktionen:
Herzfrequenz steigt (oft +10–15 Schläge pro Minute).
Blutdruck fällt, weil die Gefäße weitgestellt sind.
Schwindel, Schwäche, Kollapsneigung nehmen zu.
Bei älteren Menschen drohen Herzrhythmusstörungen.
In einer Stadt wie Ravensburg, deren Innenstadt im Sommer zur Wärmesenke wird, ist das kein Randphänomen, sondern ein alltägliches Risiko.
C. Flüssigkeitsverlust: Der unsichtbare Feind
Schon ein Verlust von 1–2 Prozent Körperwasser führt zu:
Konzentrationsstörungen
Kopfschmerzen
Müdigkeit
verlangsamten Reaktionen
schlechterer Temperaturregulation
Ab 3–4 Prozent wird es gefährlich: Der Kreislauf kippt, die Nieren leiden, das Blut wird „dicker“.
Viele Menschen merken das nicht, weil Durst ein später Warnmechanismus ist. Besonders gefährdet: ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke.
D. Hitze und Atmung – der Körper sucht Sauerstoff, den es nicht gibt
Warme Luft enthält weniger Sauerstoff pro Liter. Das bedeutet:
schnelleres Atmen
flachere Atmung
Gefühl von Enge oder Atemnot
höhere Belastung für Menschen mit Asthma oder COPD
In aufgeheizten Straßenräumen – wie auch der Ravensburger Innenstadt zwischen Mauern, Pflaster und Verkehr – entsteht ein Mikroklima, das die Atemwege zusätzlich reizt.
E. Hitze und Verdauung – der Körper schaltet auf Sparflamme
Der Körper priorisiert Kühlung vor Verdauung. Das führt zu:
Appetitlosigkeit
Völlegefühl
Übelkeit
verlangsamter Magen-Darm-Tätigkeit
Viele Menschen interpretieren das als „Sommermüdigkeit“. In Wahrheit ist es ein physiologischer Kompromiss: Der Körper spart Energie, um nicht zu überhitzen.
F. Schlaf und Regeneration – der Körper kommt nicht mehr runter
Der Körper braucht eine Kerntemperatur von etwa 36,5 °C, um einzuschlafen. Wenn die Raumtemperatur über 24–25 °C liegt, gelingt das kaum.
Folgen:
weniger Tiefschlaf
schlechtere Immunfunktion
höhere Stresshormonspiegel
geringere körperliche Belastbarkeit
erhöhte Schmerzempfindlichkeit
Hitze ist damit ein Regenerationskiller – und das spürt man am nächsten Tag in jeder Zelle. (Übrigens auch im Winter bei überhitzter Wohnung und Schlafzimmer)
G. Hitze und Medikamente – die stille Gefahr
Viele Medikamente verändern die Fähigkeit des Körpers, Hitze zu regulieren:
Betablocker dämpfen die Herzfrequenz → schlechtere Kühlung
Diuretika erhöhen Flüssigkeitsverlust → Dehydratation
Antidepressiva beeinflussen Schwitzen und Temperaturwahrnehmung
Antihistaminika trocknen Schleimhäute aus
Das ist ein Bereich, über den Kommunen selten sprechen – obwohl er für viele Bürger lebenswichtig wäre.
H. Hitze und Ungleichheit – der Körper als sozialer Seismograph
Hitze trifft nicht alle Körper gleich:
Dachgeschosswohnungen → höhere nächtliche Belastung
Menschen mit wenig Geld → weniger Kühlmöglichkeiten
Menschen mit körperlicher Arbeit → höhere Tagesbelastung
Pflegebedürftige → geringere Selbstregulation
Der Körper wird zum Ort sozialer Ungleichheit. Hitze ist damit nicht nur ein Wetterphänomen, sondern ein Gerechtigkeitsthema.
Hitze ist ein komplexer physiologischer Stressor, der:
Herz und Kreislauf belastet
Atmung erschwert
Schlaf stört
Flüssigkeitshaushalt destabilisiert
Medikamente beeinflusst
soziale Unterschiede verschärft
Der Körper kämpft bei Hitze nicht um Komfort, sondern um Stabilität. Und genau deshalb braucht eine Stadt wie Ravensburg eine medizinisch verstandene Klimaanpassung, nicht nur symbolische Aktionstage.
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4. Kapitel: Draußen einigermaßen überstehen – besonders in RavensburgRavensburg ist ein Tal. Talsohlen speichern Hitze. Die Innenstadt Ravensburgs ist ein Wärmenest. Die Altstadtmauern wirken wie ein Wärmespeicher aus dem Mittelalter.
4.1. Schatten suchen – aber intelligentUnter alten Bäumen (soweit sie nicht gefällt wurden)
In Kirchen (die kühlsten Räume der Stadt)
In Unterführungen (akustisch schlimm, nicht unbedingt immer sauber, aber thermisch gut)
Morgens erledigen, was erledigt werden muss
Mittags: nur das Nötigste
Abends: Bewegung ja, aber nicht im Asphaltkessel
4.3. Regionale Besonderheit: Das Schussental als Wärmesenke
(Aus den Wetterdaten 30. Juni – 13. Juli 2025 )
In den Sommerwochen 2025 lagen die Nächte oft über 20 °C – klassische Tropennächte, in denen der Körper kaum regeneriert.
Die Innenstadt heizte sich tagsüber auf über 30 °C auf und kühlte nachts kaum ab.
Besonders belastend: hohe Luftfeuchtigkeit, die das Schwitzen erschwert.
Konsequenz für 2026 und folgende Sommer: Planen Sie Wege und Aktivitäten so, als gäbe es keine echte nächtliche Abkühlung. Der „nächtliche Reset“ (Kapitel 2.2) bleibt wichtig, aber er wird schwieriger.
Hier beginnt der politisch-gesellschaftliche Teil, der nicht unwichtig ist.
5.1. Was wissenschaftlich erwiesen hilft:Entsiegelung von Boden (aber im großen Stil)
Bäume, Bäume, Bäume
Fassadenbegrünung (dito)
Trinkbrunnen
Schatteninseln (dito)
Kühle öffentliche Räume schaffen/zur Verfügung stellen
Hitzeaktionspläne mit klaren Zuständigkeiten
Einzelaktionen
PR-Tage
Broschüren
„Wir prüfen das“-Rhetorik
Symbolpolitik
Ravensburg hat ein Klimakonzept – oder besser: hatte. Jetzt gibt es stattdessen:
Hitzeaktionstage
Einzelaktionen
Vorzeigeprojekte
Führungen
Informationsanzeigen
Aber keine strukturelle Antwort auf die Frage: Wie schützt man/frau 51.000 Menschen in einem Tal vor 33 Grad Hitze und mehr?
5.4. Warum Ravensburg im Hitze-Index 2025 gar nicht erst auftaucht
(Aus dem DUH-Hitze-Index 2025 )
Von 190 untersuchten Städten wurde Ravensburg nicht berücksichtigt – vermutlich wegen der Einwohnergrenze.
Das bedeutet aber nicht, dass Ravensburg weniger gefährdet ist.
Im Gegenteil: Die DUH zeigt, dass süddeutsche Städte besonders betroffen sind – wegen hoher Temperaturen, dichter Bebauung und geringer nächtlicher Abkühlung.
Schlussfolgerung für Ravensburg: Die Stadt müsste sich freiwillig an solchen Checks beteiligen oder eigene Hitzekarten erstellen. Ohne Daten gibt es keine Strategie – nur PR.
6. Kapitel:
6.1 Die psychologische Dimension – Hitze macht etwas mit uns
Hitze:
senkt die Geduld
erhöht Aggression
verschlechtert Schlaf
verstärkt soziale Ungleichheit
trifft Arme, Kranke und Alte zuerst
6.2 Hitze & Leistungsfähigkeit – Erfahrungen aus 2025
Bei Temperaturen über 28–30 °C sinkt die Konzentration messbar.
Viele Menschen berichten über „Sommerhirn“: Vergesslichkeit, Gereiztheit, Müdigkeit.
Schlafmangel durch Tropennächte verstärkt diese Effekte.
Praktischer Hinweis: Planen Sie anspruchsvolle Tätigkeiten vor 10 Uhr oder nach 20 Uhr.
Ein Hitzesommer ist nicht nur ein Wetterereignis, sondern ein Stresstest für die Gesellschaft.
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EXKURS "HITZE UND PSYCHE"
A. Hitze als psychischer Stressor – ein unsichtbarer Druck von außen
Hitze wirkt wie ein permanenter Reiz, der das Nervensystem in Alarmbereitschaft hält. Der Körper versucht zu kühlen, das Gehirn versucht zu funktionieren – und beide geraten in Konflikt. Das Ergebnis: innere Unruhe, Gereiztheit, emotionale Dünnhäutigkeit.
Neuropsychologisch passiert Folgendes:
Der präfrontale Cortex (Zentrum für Planung, Impulskontrolle, Konzentration) arbeitet schlechter.
Die Amygdala (Zentrum für Alarm, Angst, Aggression) wird aktiver.
Der Körper schüttet mehr Stresshormone aus, weil Hitze als Bedrohung codiert ist.
Das heißt: Hitze macht uns nicht „schlecht gelaunt“, sie verschiebt die Balance zwischen Vernunft und Affekt.
B. Hitze verstärkt bestehende psychische Muster
Hitze ist wie ein Verstärker, der das, was ohnehin da ist, lauter macht:
Menschen mit Angststörungen erleben schnellere Panik (Herzrasen, Atemnot – schwer von Hitze zu unterscheiden).
Menschen mit Depressionen fühlen sich erschöpfter, antriebsloser, „verlangsamt“.
Menschen mit ADHS verlieren schneller den Fokus und die Impulskontrolle.
Menschen mit Traumafolgen reagieren sensibler auf Kontrollverlust und Überforderung.
Hitze ist also kein neutraler Faktor – sie wirkt in die psychische Biografie hinein.
C. Schlafverlust als psychischer Brandbeschleuniger
Tropennächte sind der eigentliche Killer. Schlafmangel führt zu:
emotionaler Instabilität
Reizbarkeit
Konzentrationsschwäche
erhöhter Schmerzempfindlichkeit
depressiver Verstimmung
Die Forschung zeigt: Schon zwei Nächte über 24 °C Raumtemperatur senken die kognitive Leistungsfähigkeit messbar.
D. Hitze und soziale Dynamik – warum Konflikte zunehmen
Hitze macht Gesellschaften unruhiger. Das ist kein Gefühl, das ist empirisch belegt.
Mehr Streit in Familien
Mehr Konflikte im Straßenverkehr
Mehr Aggression im öffentlichen Raum
Mehr Gewalt in Partnerschaften
Mehr impulsive Entscheidungen
Hitze ist ein sozialer Stressfaktor, der die dünnen Stellen einer Stadt sichtbar macht.
In einer dicht bebauten, schlecht beschatteten Innenstadt wie Ravensburgs Altstadt kann Hitze wie ein kollektiver Verstärker für Gereiztheit wirken.
E. Hitze und Ohnmachtsgefühle – die psychopolitische Ebene
Hitze erzeugt ein Gefühl von:
Ausgeliefertsein
Kontrollverlust
fehlender Handlungsfähigkeit
Wenn die Kommune dann nur mit PR-Tagen, Öko-Rhetorik und Symbolprojekten reagiert, entsteht ein psychologisches Vakuum:
Die Menschen spüren die Bedrohung, aber sie sehen keine Struktur.
Das führt zu:
Resignation
Zynismus
politischer Verdrossenheit
Rückzug
Wut auf „die da oben“
Hitze ist also nicht nur ein Klimathema, sondern ein demokratiepsychologisches Thema.
F. Hitze und Ungleichheit – die stille seelische Spaltung
Hitze trifft nicht alle gleich:
Wer im Dachgeschoss wohnt, leidet stärker.
Wer wenig Geld hat, kann nicht „ins Freibad fliehen“.
Wer krank ist, hat weniger Reserven.
Wer allein lebt, hat weniger soziale Kontrolle.
Psychologisch bedeutet das:
Hitze verstärkt das Gefühl, am Rand zu stehen.
Das ist der Punkt, an dem Klimapolitik zu Sozialpolitik wird – oder scheitert.
G. Die positive Seite: Hitze kann auch Solidarität erzeugen
Wenn Menschen merken, dass sie gemeinsam betroffen sind, entsteht:
Nachbarschaftshilfe
geteilte Ressourcen
gemeinsames Kühlen
soziale Wärme trotz physischer Hitze
Hitze kann also auch ein Katalysator für Gemeinschaft sein – wenn die Stadt dafür Räume schafft.
Hitze ist nicht nur ein meteorologisches oder medizinisches Problem. Sie ist ein psychischer, sozialer und politischer Stressor, der:
unsere Emotionen verschiebt
unsere Leistungsfähigkeit senkt
unsere Konflikte verstärkt
unsere Ungleichheiten sichtbar macht
unsere Demokratie herausfordert
Und genau deshalb braucht eine Stadt wie Ravensburg nicht nur Trinkbrunnen und Schatteninseln, sondern psychologisch verstandene Klimaanpassung.
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7. Kapitel:
7.1 Die solidarische Stadt – was wir füreinander tun können
Nachbarn checken
Ältere Menschen anrufen
Wasser anbieten
Haustiere nicht vergessen
Schatten teilen
Ventilatoren verleihen
Menschen ohne Wohnung unterstützen
Hitze ist ein sozialer Faktor.
7.2 Warnsignale erkennen – für sich und andere
(aus dem Hitze-Report 2025)
Warnzeichen für Überhitzung:
Kopfschmerzen
Schwindel
Übelkeit
ungewöhnliche Verwirrtheit
trockene Haut trotz Hitze (Warnsignal für Hitzschlag!)
Sofortmaßnahmen:
Schatten
Wasser
Kleidung lockern
kühle Tücher
bei Bewusstseinsstörungen: Rufen Sie die 112
8.1 Der politisch-gesellschaftliche Schluss – Hitze ist kein Naturereignis, sondern menschengemacht
Die Sommer werden heißer, länger, gefährlicher. Die Frage ist nicht mehr:
„Wie überstehen wir den Sommer 2026?“, sondern „Wie überstehen wir die Sommer der Zukunft?“
Dafür braucht es:
mutige Kommunalpolitik
echte Klimaanpassung
langfristige Konzepte
Bürgerbeteiligung
Transparenz
Prioritäten, die Leben schützen – nicht Prestigeprojekte
8.2 Was Bürger konkret tun können
(Aus dem DUH-Hitze-Index 2025)
Die DUH bietet ein Tool, mit dem Bürger ihre Stadt zu Hitzeschutzmaßnahmen auffordern können. Das ist besonders relevant für Kommunen wie Ravensburg, die keine systematische Hitzeanalyse vorlegen.
Mögliche Forderungen:
verbindliche Grünanteile
Entsiegelungsprogramme
öffentliche Kühlräume
Trinkbrunnen fordern
Hitzeaktionspläne mit klaren Zuständigkeiten
Diese Anleitung ist kein Alarmismus. Sie ist eine Einladung zur Selbstverteidigung – gegen Hitze, gegen politische Trägheit, gegen das Gefühl, ausgeliefert zu sein.
Der Sommer 2026 wird heiß. Die Sommer danach werden vermutlich heißer. Aber wir können lernen, damit umzugehen – individuell, gemeinschaftlich, politisch.
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- Lesen Sie dazu auch hier:
- Hitze-Report / "Heiß, aber bitte ohne ein Eis!" - Was essen, was trinken, wie Medikamente aufbewahren? Alkohol, Pommes, Currywurst, Leberkäswecken und Schweinshaxen meiden ... 30. Jun. 2025
- Hitze-Index 2025 von 190 Städten Deutschlands - Ravensburg ist (vorsichtshalber?) nicht dabei ... So können Sie Ihre Stadt zu wirksamen Hitzeschutzmaßnahmen auffordern! ... 12. Jun. 2025
Ravensburgs Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 mit Führung durch die Widersprüche der städtischen Klimapolitik ... Perfektes Datum zum Protest, oder?
Ravensburg lädt zum Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 ein. Während der Baubürgermeister über „konkrete Maßnahmen“ sprechen wird, bleiben die eigentlichen Klima-Brennpunkte unserer Stadt sicher unerwähnt: fehlende Bäume, heiße Steinwüsten, eine Innenstadt als "Verkehrsschneise" und ein Klimakonsens, den die Stadt selbst kassiert hat. Wer am 11. Juni mitläuft, sollte genau hinschauen – und vielleicht nicht nur zuhören, sondern auch konkret nachfragen.
Es gibt politische Termine, die wirken, als stammten sie aus einem PR‑Handbuch. Und es gibt Termine, die wirken wie aus Versehen ehrlich. Der Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026, angekündigt im aktuellen Amtsblatt der Stadt Ravensburg, gehört vermutlich eher zur zweiten Kategorie.

Baubürgermeister Dirk Bastin lädt zu einem Stadtspaziergang ein, um zu zeigen, wie Ravensburg „mit Hitze, Klimawandel und gesundheitlichen Folgen“ umgeht. Treffpunkt: 14 Uhr vor dem Rathaus. Keine Anmeldung nötig. Klingt offen, bürgernah, transparent.
Doch wer die Route kennt, weiß: Diese Führung ist weniger ein Spaziergang durch die Altstadt als ein Gang durch die Widersprüche der städtischen Klimapolitik.
1. Der Holzmarkt – der teuerste Ökoschwamm OberschwabensIm Amtsblatt (Seite 3) wird der Holzmarkt als Beispiel dafür präsentiert, wie das Schwammstadtprinzip funktioniert: Regenwasser speichern, Bäume versorgen, Mikroklima verbessern. In der Theorie richtig. In der Praxis: ein Mini‑Schwamm, der - mit allem drum und dran - so viel kostet wie eine Villa in bester Lage (1,75 Millionen Euro) und so wenig Fläche hat wie ein überdimensional geratener Blumenkübel.
Man/frau hätte es einfacher haben können. Man* hätte es größer haben können. Man* hätte es vor allem ernsthafter haben können. Wer die dortigen Bauarbeiten verfolgt hat, weiß, dass sich nun unter dem Holzmarkt gefühlt mehr Kabel, Rohre und Elektronik als gesunde Muttererde befinden. Und vor allem liegen dort viele, viele Steuergelder.
Und auch wenn 40 Prozent der Gesamtkosten (siehe oben) Fördermittel aus verschiedenen Töpfen sind – auch die muss der Steuerzahler erst einmal erwirtschaften. Ein technisches Prestigeprojekt, das im Hochsommer - satirisch formuliert - so viel Kühlung bringt wie ein feuchter Waschlappen auf einer Herdplatte.
2. Der Gespinstmarkt – Steinwüste mit RinnsalAuch der "Gespinstmarkt" wird im Amtsblatt als Beispiel genannt: Ein Wasserlauf, der „neue Aufenthaltsqualitäten“ schaffen und „zur Kühlung beitragen“ soll. Ein hübscher Satz. Und ein hübsches Rinnsal. Trotz meiner Recherchen konnte ich nichts über die Höhe der Sanierungskosten erfahren. Aber es waren über zwei Millionen ...
Doch die Realität ist: Stein. Stein. Noch mehr Stein. Die Sanierung war eine Kann‑Maßnahme, keine Pflichtaufgabe der Stadt. Und sie wurde so umgesetzt, dass der Platz heute aussieht – wieder satirisch formuliert – wie ein Outdoor‑Showroom für Granitplatten.
Das Wasser? Ein dekoratives Element. Die Hitze? Bleibt.
3. Die Orte, die Herr Bastin vermutlich nicht zeigen wird.Die Ein- und Ausfahrt der Marienplatz-Tiefgarage(MTG)
Nur 20 Minuten dort stehen und man/frau weiß, was Hitze fördert: SUV rein, SUV raus, CO₂, Reifenabrieb, Feinstaub – mitten im Stadtzentrum. Ein echter Brennpunkt. Aber sicher keiner, der bei der Führung vorkommen wird.
Die Innenstadttangente Herren-/Kirch-/Markt-/BurgstraßeEine Verkehrsachse, die täglich zeigt, dass Ravensburgs Altstadt nicht Fußgängerzone, sondern Durchfahrtszone ist. Wer Hitze und Lärm erleben will, braucht dort keine Führung – nur offene Ohren und Augen.
Der Baum vor dem RathausDort, wo sich der Umweltbürgermeister mit "uns Bürgern" treffen will – direkt vor dem roten Rathaus am Marienplatz –, stand einst ein Schatten und Kühlung spendender Baum. Er musste weichen. Heute steht dort nichts. Ein perfekter Ort, um über Hitze zu sprechen. Aber vermutlich kein offizieller Programmpunkt.
4. Die Peripherie – wo die Hitze beginntIm Amtsblattartikel kommt die Peripherie der Altstadt nicht vor. Auf der Führung ganz gewiss auch nicht. Sie ist aber für das Klima in der Innenstadt nicht unerheblich verantwortlich.
Weinbergstraße – alte Bäume unnötig gefällt. Seestraße – eine ganze Heckenreihe entfernt.Beide Entscheidungen verstärken die Hitze. Beide sind Entscheidungen, die man* lieber nicht thematisiert, wenn man* gerade „konkrete Maßnahmen“ präsentieren möchte.
5. Der Klimakonsens von 2020 – das verschwundene VersprechenIm aktuellen Amtsblatt kein Wort über den Klimakonsens von 2020. Auf der Führung wird er sicherlich nicht erwähnt. Vielleicht doch, weil ich jetzt darüber schreibe. Dann aber selbstverständlich so, dass kein/e "Mitläufer/in" daran Kritik üben kann.
Der Klimakonsens, einst politisch gefeiert, wurde später von der Stadtverwaltung sinngemäß als „von vornherein nicht einhaltbar“ erklärt. Eine bemerkenswerte Wendung oder doch eher Täuschung? Man* hat etwas beschlossen, von dem man wusste, dass man es nicht einhalten würde.
Das ist keine Klimapolitik. Das ist Symbolpolitik.
6. Umweltpflege wird um 190.000 Euro jährlich beschnitten
Ganz sicher wird dies kein Thema während des Klimasparziergangs am 11. Juni 2026 sein. Wer über diese Beschneidung der besonderen Art noch mehr erfahren will, kann das H I E R tun.
7. Die Ökocommunity – wird sie kommen?Es wäre nicht überraschend, wenn Ravensburgs Umweltinitiativen den 11. Juni 2026 nutzen, um auf diese eklatanten Umweltsünden und Umweltunterlassungen hinzuweisen.
Denn wenn die Stadt Ravensburg ihre eigenen Hitze-Hotspots als Vorzeigeprojekte präsentiert, darf die Zivilgesellschaft daran erinnern, was und wo es wirklich brennt.
7. Wetterlage laut Vorhersagebericht: 25 Grad und bewölkt– perfekte Sicht auf die Realität.Der 11. Juni wird warm, aber nicht heiß (25 Grad plus). Ein Tag, an dem man* keine Klimahitze spürt und der "Himmel" Schatten gibt. Perfekt, so könnte man meinen. Doch die Realität ist eine andere. Es fehlen
Schatten
Bäume
Mut
Konsequenz
Vielleicht wird dieser Spaziergang also mehr als eine Führung. Vielleicht wird es ein Moment der Erkenntnis – für beide Seiten.
Der "letzte Schritt" vom Biergarten in den SCHUSSENPARK --- und der "Eschersteg" verrottet ~verrottet ~verrottet!! (wie geplant?) ...
Liebe Mitbürger/innen,
nun wissen wir es ganz genau und das Rätselraten hat ein Ende gefunden. Er wird nicht wieder reaktiviert. Er wird nicht restauriert. Er wird nicht saniert. Er wird nicht wieder aufgebaut. Er wird nicht - wie versprochen - in den Ravensburger "Schussenpark" integriert. Er wird verrotten.
Die Rede ist vom Industriedenkmal ESCHERSTEG.
Auf der offiziellen Website der Ravensburger Stadtverwaltung steht in diesen Tagen geschrieben und wird im Rahmen dessen auch OB Dr. Rapp zitiert:
>>> Der neue Biergarten am Gleis 9, betrieben von Ulf Braig (Blogger: ein privatwirtschaftliches Unternehmen) ergänzt ab dem 29. Mai das Angebot im Park. Besucherinnen und Besucher können bei ihrem Aufenthalt künftig auch leckere Speisen und ein kühles Bier oder andere Erfrischungen genießen. Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betont die Bedeutung dieses abschließenden Schrittes: „Mit der Fertigstellung des Schussenparks (markiert vom Blogger) ist ein lebendiger Ort für unsere Stadt entstanden, der von Klein und Groß gleichermaßen genutzt werden kann. Ich freue mich sehr, dass wir nun auch einen Biergarten haben, der den Aufenthalt im Park noch attraktiver macht.“ <<<
Die "Schwäbische Zeitung" schreibt in ihrem Regionalteil dazu:
>>>Höhepunkt der Veranstaltung ist die Eröffnung des neuen Biergartens Schussengarten. Mit diesem letzten Schritt (markiert vom Blogger) ist die Umgestaltung des Schussenparks abgeschlossen ... <<<
Was haben Menschen im Rausch der Begeisterung verbal schon alles von sich gegeben. Vor allem im Rausch der Selbstbeweihräucherung und vergessen dabei alles, was einst versprochen wurde. Traurig nur dabei ist, dass es niemanden als anstößig vorkommt. Von der hiesigen Zeitung hätte ich erwartet, dass sie nicht vom "letzten Schritt" spricht, sondern ihre Leserschaft darauf aufmerksam macht, dass noch ein quasi von der Ravensburger Stadtverwaltung versprochener Schritt fehlt. Nach dem Motto: "Da war doch noch was!"
Das Regierungspräsidium Tübingen (RPT) hatte die Stadt Ravensburg verpflichtet, den "Eschersteg" wieder aufzubauen - und sei es in einer verkürzten Version als Intergreat in den "Schussenpark. Diese Idee hatte die Stadt Ravensburg zuvor dem RPT unterbreitet und dieses hatte dem zugestimmt. Darauf jubilierte der Ravensburger Baubürgermeister wie folgt: "Es freut mich sehr, dass zum allerersten Mal eine realistische Lösung für den Eschersteg möglich scheint.“ (SZ vom 14.10.2021).
Und ein (1) Jahr später heißt es auf der offiziellen Website der Stadt Ravensburg: "Auch ein Café könnte es geben. In den Park wird auch der verkürzte Eschersteg integriert." (Quelle)
Und richtig: Das Versprechen mit dem "Café" wurde quasi eingehalten. Doch der Eschersteg verrottet weiter in einer Scheune bei Bettenweiler (Horgenzell).
Oder kommt da noch was? Denn anscheinend lässt es den Baubürgermeister Dirk Bastin nicht los - dass mit dem "Escherle". Am 15. Januar diesen Jahres (also vor 4 1/2 Monaten) war überraschend (?) in der "Schwäbischen" zu lesen: "Künftig könnte der Steg eine direkte Verbindung vom Busbahnhof über die Gleise in den Schussenpark schaffen." Nein, das war keine Idee eines oder einer Redakteur/in, sondern die des Herrn Bastin.
Wie auch immer. Schussenpark und Eschersteg sind in beiden Fällen unzertrennlich verbunden. Also rein theoretisch.
a) Integriert in verkürzter Version innerhalb des Schussenpark, oder
b) Als Zugang vom Bahnhof (über die Gleise?) hinein in den Schussenpark
Die Lösung a) ist offensichtlich vom Tisch/vom Park - siehe oben! Die Lösung b) wird es nach den Erfahrungen der zurückliegenden Dekade auch nicht geben.
Was sagt eigentlich das "Altstadtforum" dazu? Und vor allem: Was sagt der "Eschersteg Verein e.V." dazu? Und ganz vor allem: Wie rechtfertigen die Damen und Herren des Gemeinderates und der Stadtverwaltung diese unterbliebenen "letzten Schritte" zur Fertigstellung des Schussenparks?
Gerade an diesem Wochenende findet das Jubel-Trubel-Spring-Festival im und für den Schussenpark statt. In einem Korridor - eingepfercht zwischen Bahnhof und dem Fluss - mit ökologischen Attraktionen und vor allem mit Biergarten und ohne Eschersteg. Das hätte niemals passieren dürfen.
⚽💥⚽ (2) - Zwischen Ball & Bomben und dem "mundtoten" DFB / Diese WM ist nicht politisch. Sie ist hyperpolitisch!
Diese uns bevorstehende Fußball-WM auf dem amerikanischen Kontinent ist kein Fest. Sie ist ein Röntgenbild der Weltlage – und diese Aufnahme - hochgehalten gegen das Licht der Relaität - ist ein erschütterndes Bild.
Während die FIFA in ihren Pressekonferenzen von „Freude“, „Einheit“ und „globaler Verbundenheit“ spricht, brennt die Welt an allen Ecken und Enden. Und die Fußball-Funktionäre tun so, als könne man/n/n/n die Flammen einfach aus dem Kamerawinkel schneiden. So wie es "Ruuudi" tut. Als wäre die Realität ein störendes Element, das man* mit einem Sponsorenlogo überkleben kann.

Doch diese WM findet nicht in einem luftleeren Raum statt. Sie findet statt:
während Russland weiter Krieg führt und die Ukraine täglich um ihre Existenz ringt
während Israel, Hamas und Hisbollah in einem toxischen Dreieck aus Gewalt, Vergeltung und geopolitischer Erschöpfung gefangen sind
während die USA und Iran sich im Schatten der Straße von Hormus belauern
während in Afrika Konflikte aufflammen, die niemand mehr in den Nachrichten erwähnt
während Ebola wiederkehrt, weil globale Solidarität nur noch ein PR‑Wort ist
während Trump und Infantino um die Wette größenwahnsinnig auftreten
während Fans aus Ländern wie Senegal nicht einmal sicher wissen, ob sie überhaupt einreisen dürfen
während Mittelamerika und Teile Mexikos als „Gefahrenzonen“ markiert werden, aber gleichzeitig Milliarden in Fußball-Stadien fließen
während Eintrittspreise verlangt werden, die für viele Menschen einem Ausschluss gleichkommen
während der DFB schweigt, als wäre Schweigen eine Tugend
Diese WM ist nicht politisch. Sie ist hyperpolitisch.
Die FIFA verkauft ein Sommermärchen – und liefert ein geopolitisches MinenfeldMan* muss sich die Absurdität einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Turnier, das sich „Weltoffenheit“ auf die Fahnen schreibt, findet in einem Land statt, das gleichzeitig Einreiseverbote verhängt. Ein Turnier, das „Sicherheit“ verspricht, findet in Regionen statt, in denen Kartelle ganze Landstriche kontrollieren. Ein Turnier, das „Neutralität“ predigt, wird von Funktionären geleitet, die sich selbst als Halbgötter inszenieren.
Infantino spricht von „Einheit“. Trump spricht von „America First“. Die Realität spricht eine andere Sprache.
Der DFB schweigt – und dieses Schweigen ist ohrenbetäubendEs wäre die Stunde für klare Worte. Für Haltung. Für Mut.
Doch der DFB verhält sich wie jemand, der im brennenden Haus sitzt und sagt: „Wir wollen jetzt keine politischen Diskussionen führen, das stört die Stimmung.“
Und genau deshalb wirkt der DFB heute wie ein Verband, der sich selbst verloren hat.
Diese WM ist kein Spiegel der aktuellen Weltlage, sondern ein solcher gleich dem aus dem Buch der Gebrüder Grimm, der ganz bewusst die Unwahrheit spricht, wenn die Königin ihn fragt, wer die Schönste im Lande sei. "Ihr seid es!" Bis der Tag kommt, an dem er die Wahrheit sagen muss. Und die Wahrheit ist für die Königin verheerend ... Sie, verehrte Leserschaft, wissen schon, wer als "Königin" gemeint ist, oder?Die Welt ist aus den Fugen geraten. Und die WM 2026 zeigt das ungeschminkt:
Grenzen, die geschlossen werden
Preise, die Menschen ausschließen
Konflikte, die in die Stadien hineinragen
Funktionäre, die sich selbst feiern
Fans, die um Sicherheit bangen
Nationen, die sich misstrauisch beäugen
und ein globales Publikum, das sich fragt, ob Fußball überhaupt noch unschuldig sein kann
Die Antwort ist: Nein. War er nie. Er wird es nie wieder sein. Es sei denn, ...
Was bleibt?Vielleicht so: Diese WM ist kein Fest. Sie ist ein Symptom. Ein Brennglas. Ein Mahnmal.
Und vielleicht ist es genau deshalb wichtig, dass Menschen wie du und ich darüber schreiben oder zumindest darüber reden. Dass Satire nicht schweigt. Dass Kunst nicht kuscht. Dass Worte nicht weich werden.
Denn wenn FIFA, Trump und DFB die Welt verklären, muss jemand die Welt erklären.
⚽-WM 2026: DFB-Protest-Verbot -> Das ist keine Neutralität. Das ist Selbstverleugnung!
Es ist schon bemerkenswert, wie zuverlässig der deutsche Fußball es schafft, im entscheidenden Moment die falsche Pointe zu setzen. Da rollt auf die Welt eine Fußball-WM zu, die politischer kaum sein könnte – ein Turnier, das inmitten von Kriegen, Einreisestopps, Repressionen und massiven Menschenrechtsbedenken stattfindet –, und der DFB stellt sich hin und verkündet mit väterlichem Brustton: „Keine politischen Aktionen wie in Katar.“ Als wäre das damals ein Ausrutscher gewesen. Als wäre das ein Problem gewesen. Als wäre das überhaupt politisch gewesen.
Man möchte weinen, doch das wäre zu wenig.
Denn was war denn diese „politische Aktion“ in Katar? Ein kleines buntes Armbändchen, das nicht einmal getragen wurde. Ein Symbol, das schon im Ansatz einknickte, bevor es überhaupt die Kabine verlassen durfte. Währenddessen starben Arbeiter aus Nepal, Bangladesch und Indien auf Baustellen, deren Namen nie jemand erfahren wird. Und der DFB? Der duckte sich weg, redete von „Dialog“ und „Respekt vor der Kultur“.
Heute, vier Jahre später, ist die Lage ungleich dramatischer – und der DFB ungleich stiller.
Die WM 2026 ist politisch – ob der DFB will oder nichtWer die Analyse im IPG-Journal liest , erkennt sofort: Diese WM ist ein Pulverfass. Ein Gastgeberland, eines von dreien, die USA, das mitten in einem internationalen Konflikt steht. Ein Präsident Donald Trump, dessen Einwanderungspolitik Menschen abschiebt, abschreckt und einschüchtert. Ein Turnier, bei dem Fans aus mehreren Ländern nicht einmal sicher wissen, ob sie einreisen dürfen. Ein Iran, der zwar qualifiziert ist, aber möglicherweise gar nicht ins Land kommt. Eine Diaspora in Los Angeles, die zu Zehntausenden protestieren wird. Eine FIFA, die von „Inklusivität“ spricht, während sie die Augen vor Repressionen verschließt.
Und der DFB? Der DFB sagt: „Wir machen diesmal nichts Politisches.“
Das ist keine Neutralität. Das ist Selbstverleugnung.
Lieber DFB, lieber Rudi Völler. als Fußballbegeisteter von Kindesbeinen an (*1951) muss ich sagen: das Problem ist nicht politisches Engagement – das Problem ist eure Angst!Es ist die Angst, anzuecken. Die Angst, Verantwortung zu übernehmen. Die Angst, dass ein Spieler vielleicht einmal etwas sagt, das nicht in die glattgebügelte PR-Strategie des DFB passt. Es fehlen uns heute Breitner und seine Weggenossen.
Fußball war nie unpolitisch. Nicht 1978 in Argentinien. Nicht 2018 in Russland. Nicht 2022 in Katar. Und erst recht nicht 2026 in einem Land, das gleichzeitig Gastgeber und Konfliktakteur ist.
Wer heute behauptet, Fußball müsse „unpolitisch“ bleiben, hat entweder die letzten 50 Jahre verschlafen oder will bewusst wegschauen.
An die Leserinnen und Leser meines BlogsWir dürfen uns nicht einlullen lassen. Nicht von der FIFA, die ihre eigenen Statuten ignoriert. Nicht von einem DFB, der sich hinter Phrasen versteckt. Nicht von Funktionären, die „Ruhe“ wollen, wo eigentlich Mut gefragt wäre.
Wenn Fans, Journalist/innen und sogar Regierungen weltweit Alarm schlagen, weil sie nicht wissen, ob sie bei der WM sicher sind, dann ist das kein Randthema. Dann ist das der Kern.
An den DFBSie wollen keine politischen Aktionen? Dann sorgen Sie dafür, dass Sie keine brauchen.
Sorgen Sie dafür, dass Menschenrechte eingehalten werden. Sorgen Sie dafür, dass Fans sicher reisen können. Sorgen Sie dafür, dass Spieler frei sprechen dürfen. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht wieder als Zaungäste Ihrer eigenen Werte dastehen.
Denn eines ist sicher: Wenn Sie sich wieder wegducken, wird die Welt es sehen. Und sie wird es Ihnen nicht mehr durchgehen lassen.
Don Quichotte und die Oberschwabenhalle - Kritische Töne in des Bloggers Postfach ...
Mich erreichten heute zum Thema "Oberschwabenhalle" die folgenden Zeilen, die ich den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten möchte, auch wenn ich selbst mit meinem Engagement kritisch hinterfragt und angegriffen werde. So ist es nun einmal. Wer austeilt, muss auch einstecken können.
Sehr geehrter Herr Weinert!
Man hat inzwischen fast den Eindruck, Ravensburg habe keine größeren Sorgen als die der Oberschwabenhalle. Wochenlang drehen sich der Oberbürgermeister, die städtische Verwaltung, die Schwäbische Zeitung und auch Sie als Blogschreiber im Kreis um ein Thema, das im Verhältnis zu den wirklichen Herausforderungen dieser Stadt erstaunlich klein ist. Die Oberschwabenhalle wird behandelt, als hinge an ihr das Schicksal Oberschwabens. Dabei ist sie am Ende nur eine Halle.
Es stimmt. Der Oberbürgermeister und seine Verwaltung haben das Projekt mit einer Entschlossenheit vorangetrieben, die man sich bei Wohnungsnot, Verkehr, sozialer Spaltung oder Umweltfragen wünschen würde. Von Ihrer Petition hört man aber gar nichts.
Sie als Einzelschreiber sind zwar mit Herzblut engagiert, benennen Missstände, recherchieren und lassen nicht locker. Doch dieses Engagement empfinde ich als eine Art Hineinsteigern in eine Sache, die sich um den letzten freien Baum im Altdorfer Wald oder um die Zukunft der Demokratie dreht. Doch, Herr Weinert, es geht "nur" um eine Halle, deren Nutzungskonzept man auch mit weniger Pathos kritisieren könnte. Nicht, dass Sie mich missverstehen. Engagement ist wichtig, aber Engagement kann sich auch verbeißen. Wer jede Entscheidung (so wie Sie es gerne tun) der Ravensburger Verwaltung zum Symbolfall erhebt, verliert irgendwann die Fähigkeit, zwischen Nebensache und Hauptsache zu unterscheiden.
Denn die Wahrheit ist: Es gibt Wichtigeres. Viel Wichtigeres.
Ravensburg hat Probleme, die größer sind als die Frage, ob die Oberschwabenhalle künftig mehr Sport oder mehr Kultur sieht. Probleme, die echte politische Energie bräuchten. Probleme, die nicht gelöst werden, weil sich alle Beteiligten an einer Windmühle abarbeiten und eine Bürgerlanze nach der anderen verschleißen lassen. Denken Sie an Don Quichotte.
Politik ist eine Galerie solcher Windmühlen, die von einem Wind namens Macht angetrieben werden. Wer gegen jede einzelne von ihnen anrennt, wird müde. Wer seine Lanze an der falschen Stelle bricht, hat keine Kraft mehr für die Kämpfe, die wirklich zählen.
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Oberbürgermeister, seine Verwaltung, die Schwäbische Zeitung und auch Sie die Oberschwabenhalle einmal Oberschwabenhalle sein lassen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vernunft. Die Stadt hat größere Aufgaben.
Bitte nehmen Sie mir meine Zeilen nicht übel. Ich lese Ihren Blog gerne, auch wenn ich bei manchen Themen wie z. B. Israel oder der Zukunft der Bodenseeklinik anderer Meinung bin.
Mit anerkennenden Grüßen,
H. K., Friedrichshafen
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Blogger: Nun gut, es ist angekommen. Auf die Behandlung meiner Petition durch die Ravensburger Stadtverwaltung/Gemeinderat werde ich weiterhin bestehen. Damit sei es aber genug an Engagement für die Oberschwabenhalle.