Rentenbeiträge steigen laut Prognose bis 2038 spürbar ... Vier Millionen Arbeitskräfte fehlen ... Entwicklung der Lebenserwartung
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Nach einer langen Phase stabiler Werte von 18,6 Prozent zwischen 2018 und 2025 zeigt eine Prognose des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales einen spürbaren Anstieg auf 22,3 Prozent im Jahr 2038. Damit würde der Beitragssatz ein Allzeithoch erreichen. Auch andere Berechnungen gehen von weiter steigenden Beiträgen aus. So erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, dass der Beitragssatz langfristig sogar auf rund 23 Prozent steigen könnte. Dies könnte laut IW Köln dann passieren, wenn eine kapitalgedeckte Rente eingeführt werden sollte, für die ein zusätzlicher Beitragssatz erhoben werden könnte.
Historisch betrachtet war der Beitragssatz starken Schwankungen unterworfen. Von 14,0 Prozent in den 1950er und 1960er Jahren stieg er bis Ende der 1990er Jahre auf über 20 Prozent, bevor er sich in den folgenden Jahren wieder unter dieser Marke stabilisierte. Die aktuelle Entwicklung deutet nun auf eine erneute Trendwende hin, bei der die Belastung für Beschäftigte und Arbeitgeber wieder zunimmt.

Hintergrund dieser Entwicklung ist vor allem der demografische Wandel. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen, trifft eine wachsende Zahl an Rentenempfängern auf vergleichsweise weniger Beitragszahler. Ohne strukturelle Reformen könnte der steigende Beitragssatz langfristig sowohl die Lohnnebenkosten erhöhen als auch Auswirkungen auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit haben.

Für die Rentenfinanzierung verschärft diese Entwicklung die Ausgangslage erheblich. Wenn weniger Erwerbstätige in die Sozialkassen einzahlen, während gleichzeitig mehr Menschen Renten beziehen, gerät das Umlagesystem unter Druck. Ohne Gegenmaßnahmen könnten steigende Beitragssätze oder höhere staatliche Zuschüsse notwendig werden, um das Rentenniveau stabil zu halten.

Die Rentenkommission empfiehlt daher ein Bündel an Reformen, um das System langfristig tragfähig zu halten. Konkret spricht sie sich für eine schrittweise Ausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung aus, in die perspektivisch auch Selbstständige und bislang nicht einbezogene Gruppen einzahlen. Ergänzend sollen kapitalgedeckte Elemente gestärkt und Stellschrauben wie der Renteneintritt weiterentwickelt werden, um die Finanzierung breiter aufzustellen
🧩 DIE RENTENREFORM FÜR DUMMIES --- Die 33 Punkte unter dem Mikroskop der sozialen Gerechtigkeit
Stefan Weinert Blogger mit Aussicht
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten deutscher Politik, dass Reformen umso größer genannt werden, je kleiner ihr Mut ausfällt. Ganz besonders scheint dies auf die derzeitige Regierung aus "CDU/CSU/SPD" zuzutreffen. Die neue Rentenreform – ein 33‑Punkte‑Katalog, der sich selbst als „Zukunftssicherung“ feiert und als "Gesamtkunstwerk“ bezeichnet wird – ist dafür ein exemplarischer Fall. Die Reform – sofern der Gesetzgeber diese Empfehlung tatsächlich umsetzt – verspricht Stabilität, liefert aber vor allem eines: die systematische Verschiebung von Risiken und Lasten auf jene, die weder Lobby noch Lautstärke besitzen. Und sie tut dies mit einer juristischen Eleganz, die man fast bewundern könnte, wäre sie nicht so durchsichtig.
Die Reform verspricht, künftig „alle Erwerbstätigen“ in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen – ausdrücklich auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete. Das klingt revolutionär, ist aber bislang nur eine Empfehlung der Kommission, kein Gesetz. Faktisch zahlen Abgeordnete weiterhin keinen Cent in die Rentenkasse ein; ihre Altersversorgung bleibt ein eigenes, steuerfinanziertes System. Ob sich daran etwas ändert, hängt allein vom politischen Willen derjenigen ab, die über ihre eigenen Privilegien entscheiden müssten. Die Vergangenheit zeigt: Genau an diesem Punkt endet der Reformmut regelmäßig.
Zunächst zur Sache: Die Reform koppelt das Rentenalter an die Lebenserwartung. Das klingt nach mathematischer Neutralität, ist aber sozialer Sprengstoff. Denn die Lebenserwartung steigt nicht für alle gleichermaßen. Akademiker gewinnen Jahre, Bauarbeiter verlieren sie. Wer körperlich arbeitet, in einer unzumutbaren Wohnung leben muss und sich aus Kostengründen eine gesunde Ernährung nicht leisten kann, stirbt früher – und soll nun länger arbeiten. Juristisch ist das zulässig, sozial ist es ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen. Der Gesetzgeber darf generalisieren, aber er darf nicht blind sein. Hier ist er meines Erachtens nah blind.
Zweiter Punkt: Die Reform setzt auf Kapitaldeckung. Das ist politisch modern, ökonomisch riskant und sozial regressiv. Wer wenig verdient, kann eigentlich nicht sparen. Ein (1) Prozent vom Brutto ist viel. Wer nicht sparen kann und es trotzdem tun muss, profitiert nicht. Und wer nicht profitiert, trägt dennoch die Risiken. Der Staat zieht sich zurück, die Finanzmärkte treten an seine Stelle – ein Tausch, der nur für jene attraktiv ist, die Schwankungen aussitzen können. Für alle anderen bedeutet er Unsicherheit. Dass selbst Versicherungsverbände vor einer zentralen staatlichen Kapitalbündelung warnen, zeigt, wie dünn das Eis ist, auf das die Politik die Bürger führt.
Dritter Punkt: Die Reform stabilisiert das Rentenniveau – aber nur bis 2031. Danach wird es „angepasst“. Das ist ein politisches Wort für: Es wird sinken, aber wir sagen es nicht offen. Juristisch ist diese Formulierung sauber, kommunikativ ist sie ein Kunstgriff, der die Wahrheit in Watte packt. Die Bürger sollen glauben, dass alles bleibt, wie es ist. Tatsächlich bleibt nur die Illusion.
Vierter Punkt: Die Reform entlastet die Staatskasse, indem sie die Lasten auf die Jüngeren verschiebt. Das ist kein Versehen, sondern System. Die Generation, die heute arbeitet, finanziert nicht nur die Renten von morgen, sondern auch die politischen Prioritäten von heute. Während Milliarden in militärische „Kriegstüchtigkeit“ fließen, wird die Rentenkasse mit dem Hinweis auf „Begrenztheit der Mittel“ knapp gehalten. Das ist kein ökonomisches Naturgesetz, sondern eine politische Entscheidung. Und politische Entscheidungen sind verantwortbar – oder eben nicht.
Ein besonders stiller, aber folgenreicher Punkt (5) der Reform ist die Abschaffung rentenfreier Minijobs. Was bislang als sozialpolitisches Ventil diente – ein Zuverdienst ohne Rentenbeitragspflicht – wird nun geschlossen. Juristisch ist das eine „Erweiterung der Versicherungspflicht“, politisch ist es eine verdeckte Beitragserhöhung für die Schwächsten. Denn betroffen sind nicht die Nebenjob‑Manager, sondern:
Reinigungskräfte, Servicepersonal, Rentner*innen mit kleinem Einkommen, Studierende und alle, die mehrere kleine Tätigkeiten kombinieren müssen.
Die Reform verkauft dies als „Stärkung der Altersvorsorge“. In Wahrheit ist es ein Zwangssparen, das die Betroffenen kaum spüren werden – außer im aktuellen Geldbeutel. Die zusätzlichen Rentenpunkte sind minimal, die Belastung sofort. Sozialpolitisch ist das ein Eingriff, der die ohnehin prekäre Lage vieler Menschen weiter verschärft.
Juristisch zulässig? Ja. Sozial gerecht? Nein. Politisch ehrlich kommuniziert? Ebenfalls: nein.
Was sagt das alles über die GroKo 2.0? Vor allem dies: Sie regiert nach dem Prinzip der Schadensminimierung – allerdings nicht für die Bürger, sondern für sich selbst. Sie vermeidet Konflikte, indem sie die großen Fragen umgeht. Sie präsentiert technische Lösungen, wo strukturelle Antworten nötig wären. Und sie verkauft die Verwaltung des Mangels als Zukunftspolitik. Das ist legal, aber nicht legitim. Es ist politisch clever, aber gesellschaftlich kurzsichtig. Und es ist ein Verrat an der Idee sozialer Gerechtigkeit, die mehr bedeutet als das bloße Verhindern von Unruhen.
Die 33 Punkte sind kein Zukunftsvertrag, sondern ein Stillhalteabkommen. Sie sichern die Ruhe im Land, aber nicht die Rente. Sie stabilisieren die Koalition, aber nicht das Vertrauen. Und sie verschieben die Verantwortung auf jene, die sich nicht wehren können. Das ist die eigentliche Zumutung dieser Reform: nicht ihre Inhalte, sondern ihr Anspruch, gerecht zu sein. Sozial gerecht ist das Paket aber nur in Teilen; die Kritik ist breit und gut begründet. Politisch zeigt die Reform ein klares Bild der GroKo 2.0: Stabilität nach außen, Verschiebung der Lasten nach unten und nach jung – und ein bemerkenswertes Ausweichen vor strukturellen Lösungen. (Alle Fakten aus FOCUS, MDR, BR24 und weiteren Recherchen.)
1️⃣ Was bedeutet die Reform für die Bürger?
a) Für Arbeitnehmer/innen
Länger arbeiten: Die Kommission empfiehlt, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das bedeutet: Jede Generation arbeitet länger als die vorherige.
Mehr Beiträge: Die Beiträge werden steigen, weil immer weniger Junge immer mehr Ältere finanzieren. Schon heute kommen nur noch zwei Beitragszahler auf eine Rentnerin/einen Rentner.
Mehr private Vorsorge: Kapitaldeckung (Aktienrente, Betriebsrenten, private Fonds) soll massiv ausgebaut werden. Die Kommission setzt stark auf „Sparen zusätzlich zur gesetzlichen Rente“.
Gesundheitscheck ab 45, Altersteilzeit ab 58: Das klingt nett, ist aber vor allem ein Instrument, um längeres Arbeiten „abzufedern“.
Renteniveau bleibt stabil – aber nur bis 2031: Die 48%-Haltelinie wird gehalten, danach soll es etwas höher bleiben als bisher geplant. Klingt gut, ist aber teuer und politisch umstritten.
Mütterrente III: Kindererziehungszeiten werden gerechter angerechnet – ein echter Fortschritt für Frauen.
Weniger Verbeamtungen: Beamtenstatus nur noch für Polizei und Justiz – ein radikaler Vorschlag, der die Pensionslasten senken soll.
d) Abgeordnete und Freiberufler?
Die Kommission empfiehlt ausdrücklich:
„Die gesetzliche Rentenversicherung soll zu einer Versicherung für alle Erwerbstätigen umgebaut werden, in die perspektivisch weitere Berufsgruppen aufgenommen werden, wie Selbstständige, Beamte und Abgeordnete.“
Das bedeutet:
Ja – Abgeordnete sollen künftig einzahlen.
Aber:
nicht sofort, nicht automatisch, sondern als langfristiges Ziel, und nur, wenn der Gesetzgeber es tatsächlich umsetzt.
Die Kommission ist beratend, nicht gesetzgebend.
✅ 3. Was bedeutet „perspektivisch“?Juristisch heißt das:
Es ist kein Gesetz, sondern eine Empfehlung.
Es gibt keine Frist, keinen Stichtag, keinen verbindlichen Mechanismus.
Die Regierung müsste ein eigenes Gesetz beschließen, um Abgeordnete einzubeziehen.
Das ist politisch heikel – und wurde in der Vergangenheit immer wieder abgelehnt. (Beispiel: Antrag der Linken zur Einbeziehung wurde 2025 abgelehnt.)
Die Reform sagt:
„Wir wollen langfristig alle einbeziehen – auch Abgeordnete.“
Die Realität sagt:
Abgeordnete haben ihr eigenes, sehr komfortables System.
Sie müssten selbst ein Gesetz beschließen, das ihre eigenen Privilegien abschafft.
Historisch ist das noch nie passiert.
Das ist der Grund, warum viele Ökonomen und Kommentatoren sagen: „Solange es nicht im Gesetz steht, ist es politisches Theater.“
b) FreiberuflerFür Freiberufler – Ärztinnen, Anwältinnen, Architektinnen, Künstlerinnen – bedeutet die Reform vor allem eines: Sie bleiben weiterhin außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, sofern sie in berufsständischen Versorgungswerken organisiert sind.
Das heißt:
keine Pflicht zur gesetzlichen Rente,
keine Pflicht zur Kapitaldeckung der Reform,
keine Veränderung ihrer bestehenden Systeme.
Die Reform greift sie nicht an – obwohl gerade hier eine echte Bürgerversicherung möglich gewesen wäre. Juristisch ist das nachvollziehbar, weil Versorgungswerke eigenständige Körperschaften sind. Politisch ist es ein Einknicken vor starken Berufsverbänden.
2️⃣ Ist das sozial gerecht? Die ehrliche Antwort: Nur teilweise – und eher nicht. Warum?Länger arbeiten trifft die Falschen: Wer körperlich arbeitet, stirbt früher und schafft die höheren Altersgrenzen oft nicht. → Sozial unausgewogen.
Mehr private Vorsorge bevorzugen Besserverdienende: Wer wenig verdient, kann nicht zusätzlich sparen. → Regressive Wirkung.
Kapitaldeckung ist riskant: Die Erträge hängen von den Finanzmärkten ab. → Unsicher für alle, besonders für Geringverdiener. (Auch der GDV warnt vor zentraler staatlicher Kapitalbündelung.)
Junge Generation trägt die Hauptlast: Ökonomen kritisieren, dass die Reform die Kosten „einseitig auf Jüngere verlagert“. → Intergenerationell ungerecht.
Frauen profitieren bei der Mütterrente – aber nur dort: Die strukturellen Nachteile (Teilzeit, Care-Arbeit) bleiben unangetastet.
1. Fehlende strukturelle Reform
Die Kommission vermeidet die großen Hebel:
Einbeziehung aller Erwerbstätigen (Bürger/innenversicherung)
Steuerfinanzierte Sockelrente
Gerechte Finanzierung über Vermögen oder hohe Einkommen
→ Stattdessen: Stellschrauben drehen, aber das System nicht neu denken.
2. Kapitaldeckung als „Wundermittel“Ökonomen warnen, dass Kapitalmärkte volatil sind und keine verlässliche Säule für die Grundsicherung darstellen. → Schwedisches Modell schlecht kopiert.
3. Belastung der Jüngeren22 Ökonom/innen fordern den Stopp des Pakets, weil es „nicht nachhaltig finanzierbar“ sei.
4. Politische Taktik statt MutDie Reform ist ein Kompromiss, der die Koalition zusammenhalten soll – nicht ein Konzept, das die Rente wirklich stabilisiert. → BR24 zeigt, wie die Union intern Druck ausübte, um das Paket durchzuwinken.
5. Fehlende EhrlichkeitDie Kommission sagt nicht klar:
dass die Rente teurer wird
dass die Beiträge steigen
dass die Leistungen real sinken
1. Stabilität vor Gerechtigkeit
Die Koalition will Ruhe im Land – und nimmt dafür soziale Schieflagen in Kauf.
2. Mutlosigkeit bei großen ReformenStatt eines echten Systemumbaus (Bürger/innenversicherung, Sockelrente, Vermögensabgabe) gibt es:
längeres Arbeiten
mehr private Vorsorge
kosmetische Korrekturen
Die Reform schützt:
ältere Wähler*innen (Rentenniveau stabil)
Besserverdienende (private Vorsorge)
Arbeitgeber (keine radikale Beitragserhöhung)
Benachteiligt werden:
junge Menschen
Geringverdienende
Menschen in körperlichen Berufen
Die 33 Punkte wirken wie ein „Reformtheater“: viel Bewegung, wenig Veränderung.
5. Der Elefant im Raum bleibt unangetastetDie Frage: Warum fließen 100 Milliarden in militärische „Kriegstüchtigkeit“, aber nicht in die Rentenkasse? → Diese Prioritätensetzung ist politisch – nicht sachlich begründet.
🧭 Was bedeutet das alles für den Bürger?Kurz gesagt:
Er/sie wird länger arbeiten.
Er* wird mehr einzahlen.
Er* wird mehr privat sparen müssen.
Er* wird weniger Sicherheit haben.
Und er* wird politisch hören: „Das ist alternativlos.“
100 Milliarden €uro ▶ Lieber "kriegstüchtig" als rentenfähig - Deutschlands Freiheit wird (auch) durch eine leere Rentenkasse verteidigt !!
Die Bundesregierung nennt ihre Rentenreform ein „Gesamtkunstwerk“. Ein Wort, das man/frau sonst für gotische Kathedralen, Bach-Kantaten, den Ravensburger "Schussenpark" oder wenigstens für einen gelungenen Tatort reserviert hätte. Nun also für ein Maßnahmenpaket, das laut Deutschlandfunk „über alle Generationen“ schaue und laut Tagesspiegel „nicht an allen spurlos vorbeigehen“ werde — was in der politischen Übersetzung ungefähr heißt: Es wird wehtun, aber bitte lächeln dabei .
Dabei hätte das eigentliche Kunstwerk so greifbar nahegelegen, dass man* fast von unterlassener Hilfeleistung sprechen könnte. 500 Milliarden Euro Sondervermögen — ein politisches Einhorn, geboren aus dem Willen, Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen. Und niemand, wirklich niemand in Berlin (auch nicht die linke LINKE), kam auf die Idee, davon 100 Milliarden in die Rentenkasse zu legen. Ein Betrag, der nicht einmal ein Fünftel des Topfes ausmacht, aber die Rentenversicherung stabilisiert hätte, ohne dass man* den Menschen erklären müsste, warum sie künftig länger arbeiten sollen, obwohl sie schon heute in vielen Berufen kaum bis 63 durchhalten. Genau das kritisieren Verdi und IG Metall — und zwar mit einer Deutlichkeit, die man* in Berlin gern überhört.

Die Zahlen sind dabei so eindeutig, dass man* sich fragt, ob im Regierungsviertel jemand noch einen Taschenrechner besitzt. Die Rentenversicherung bewegt jährlich rund 400 Milliarden Euro, das sind 33,5 Milliarden pro Monat. Eine Einmalzahlung von 100 Milliarden entspräche also ziemlich genau drei kompletten Rentenmonaten — ein Puffer, der die gesetzlich vorgesehene Nachhaltigkeitsrücklage (0,2 bis 1,5 Monatsausgaben) nicht nur stabilisiert, sondern auf ein historisches Rekordniveau gehoben hätte. Mit anderen Worten: Berlin hätte die Rentenkasse nicht nur wetterfest, sondern sturmfest gemacht.
Rechnet man* es über den Beitragssatz, wird es noch deutlicher. Bei einem Beitragssatz von 18,6 Prozent nimmt die Rentenversicherung rund 305,8 Milliarden Euro an Beiträgen ein. Ein Beitragssatzpunkt entspricht damit etwa 16,4 Milliarden Euro. Die 100 Milliarden wären also das Äquivalent von 6,1 Beitragssatzpunkten für ein Jahr. Oder politisch verständlicher: Man hätte den Beitragssatz sechs Jahre lang um einen vollen Punkt senken oder zwölf Jahre lang um einen halben Punkt stabil halten können — ohne Leistungskürzungen, ohne höhere Eintrittsalter, ohne die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren, die nun ernsthaft diskutiert wird.
Und selbst wenn man* konservativ rechnet: Die demografische Lücke der kommenden Jahre wird auf 8 bis 12 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Eine Einmalzahlung von 100 Milliarden hätte diese Lücke für acht bis zwölf Jahre geschlossen. Zehn Jahre Stabilität — ohne Rentenkürzungen, ohne Beitragssatzsprünge, ohne die üblichen „alternativlos“-Mantras. Das Rentenniveau, das ab 2030 droht Richtung 44 bis 45 Prozent zu sinken, hätte mindestens ein Jahrzehnt länger gehalten werden können. Nicht als Wunder, sondern als einfache Folge von Arithmetik.
Doch statt dieses realen Kunstwerks verkauft uns die Politik nun ein symbolisches. Die Bundesregierung feiert ihr Sondervermögen als Modernisierungsschub: Bahnstrecken, Kitas, Digitalisierung, Klimaschutz — alles wichtig, alles richtig, alles notwendig . Aber kein Wort darüber, dass die größte soziale Infrastruktur dieses Landes die gesetzliche Rentenversicherung ist. Sie ist kein Luxus, kein "Nice-to-have", sondern der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Und sie wird behandelt wie ein lästiger Kostenfaktor, den man mit ein paar Stellschrauben „zukunftsfähig“ machen könne.
Man/frau stelle sich vor, dieselbe Bundesregierung hätte gesagt: Wir investieren 100 Milliarden Euro in die Rentenversicherung, damit die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben, nicht länger Angst vor Altersarmut haben müssen. Das wäre tatsächlich ein Kunstwerk gewesen. Eines, das in den Geschichtsbüchern erwähnt worden wäre. Stattdessen versucht Frau Bas (spd), eine Reform, die vor allem Belastungen mit sich bringt, als ästhetisches Meisterstück zu verkaufen. Vielleicht, weil man* in Berlin vergessen hat, dass Kunst nicht darin besteht, Probleme schönzureden, sondern darin, Wirklichkeit sichtbar zu machen.
Und die Wirklichkeit ist: Die Menschen sollen länger arbeiten, mehr einzahlen, weniger bekommen — und das Ganze soll ihnen als Fortschritt verkauft werden. Wenn das ein Gesamtkunstwerk ist, dann eines aus der Schule des politischen Surrealismus.
Die Schweiz bleibt human, die EU baut Zäune // Bern sagt 'Nein' zur Angst, Brüssel sagt 'Ja' zur Abschreckung ...
Europa erlebt an diesem Wochenende eine bemerkenswerte Doppelbewegung: Während die EU mit GEAS 2026 ein Asylsystem beschlossen hat, das an den Außengrenzen auf Abschreckung, Haftähnlichkeit und bürokratische Härte setzt, entscheidet sich die Schweiz – ausgerechnet die Schweiz! – für das Gegenteil: für Vertrauen, Offenheit und Vernunft.
Knapp 55 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer lehnen laut Informationen des Schweizer Rundfunks (SRF) den Bevölkerungsdeckel ab, der Migration zur Bedrohung erklärt hätte. Und damit sendet das Land ein Signal, das in Brüssel kaum jemand erwartet hat: Humanität ist nicht verhandelbar – und sie ist politisch mehrheitsfähig.

- Während das EU-Europa seine Türen enger stellt, öffnet die Schweiz ein Fenster.
- Während die EU Menschen in Grenzverfahren sortiert, sagt die Schweiz: Menschen sind keine Zahlen.
- Während GEAS auf Kontrolle setzt, entscheidet die Schweiz sich für Selbstvertrauen.
Diese Gegenbewegung ist kein Zufall. Sie ist ein Weckruf.
Schweiz versus EU‑Asylrecht1. Die Schweiz sagt Nein zur Angst – die EU sagt Ja zur Verwaltung der Angst
Die Schweizer Bevölkerung hat eine Initiative abgelehnt, die Migration als „Dichtestress“ und demografische Gefahr inszenierte. Die EU hingegen institutionalisiert mit GEAS 2026 genau diese Logik:
Grenzverfahren, die faktisch Haft bedeuten
Schnellprüfungen, die Fehler systemisch einbauen
Abschiebeketten, die Verantwortung externalisieren
Solidarität, die man sich freikaufen kann
Die Schweiz zeigt: Man/frau kann Migration politisch gestalten, ohne Menschen zu entwürdigen.
2. Die Schweiz vertraut auf Demokratie – die EU auf technokratische KontrolleDie Schweizer Entscheidung ist ein demokratischer Akt der Selbstkorrektur. GEAS hingegen ist ein technokratisches Konstrukt, das die politische Verantwortung an Grenzbehörden, Algorithmen und Drittstaaten delegiert, die nicht von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung gedeckt sind.
Die Schweiz sagt: Wir entscheiden selbst, wer wir sein wollen.
Die EU sagt: Wir entscheiden, wie wir uns schützen – vor denen, die kommen.
3. Die Schweiz bleibt humanistisch – die EU wird defensivHumanismus heißt: Menschen nicht als Risiko zu definieren.
GEAS definiert Menschen als Risiko, das „gesteuert“ werden muss. Die Schweiz definiert Menschen als Teil der Gesellschaft, die sie trägt.
Das ist der entscheidende Unterschied.
4. Die Schweiz verhindert Chaos – die EU produziert neues ChaosDie SVP‑Initiative hätte einen EU‑Bruch provoziert. Die Schweiz hat das verhindert.
GEAS hingegen wird:
neue Fluchtwege schaffen
neue Rechtsstreitigkeiten auslösen
neue humanitäre Krisen an den Außengrenzen produzieren
neue politische Spaltungen innerhalb der EU vertiefen
Die Schweiz stabilisiert – die EU destabilisiert.
5. Die Schweiz zeigt, dass Humanität mehrheitsfähig istDas ist der eigentliche Kern der „erlösenden Nachricht“:
Humanität ist nicht naiv. Sie ist demokratisch legitimiert.
55 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben das bestätigt.
Mein SchlussgedankeIn einer Zeit, in der das EU-Europa glaubt, nur durch Abschottung handlungsfähig zu sein, zeigt die Schweiz: Handlungsfähigkeit entsteht durch Haltung. Und Haltung entsteht durch Mut und Menschlichkeit.
Mythen, Macht und Missstände: Ein Essay über Strukturen, die niemand sehen soll ...
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Die großen Erzählungen von Kontrolle, Neutralität und Professionalität, die Verwaltungen stabilisieren sollen, geraten ins Wanken, sobald jemand den Mut hat, ihre Bruchstellen sichtbar zu machen. Genau hier berührt der Fall Göcken (siehe den Blogartikel) die Theorie: Ein einzelner Mitarbeiter benennt strukturelle Überlastung – und trifft auf ein System, das Kritik nicht als Chance, sondern als Bedrohung seiner eigenen Selbsterzählung versteht.
Der Konflikt zeigt, wie dünn die Schicht zwischen institutioneller Fassade und gelebter Realität geworden ist. Wo Mythen die Funktion übernehmen, die Wirklichkeit zu ordnen, wird jede abweichende Stimme zum Risiko.
Der folgende Essay fragt deshalb nicht, ob ein einzelner Fall „stimmt“, sondern was es über unseren Sozialstaat verrät, wenn Wahrheit und Loyalität gegeneinander ausgespielt werden – und warum dieses Muster weit über einen Ort, eine Behörde oder eine Person hinausreicht.
- Lesen Sie dazu bitte auch:
- Der Fall Göcken: Das Schweigen der Ämter – und das Reden derer, die es wagen
12. Jun. 2026
Es gibt Texte, die man/frau liest wie durch ein Brennglas: Sie zeigen nicht nur, was ist, sondern auch, was wir kollektiv nicht sehen wollen. Eine umfangreiche wissenschaftliche Analyse über „produktive Mythen“ in Organisationen (auf die ich mich in den folgenden Unterpunkten beziehe) gehört zu diesen Texten. Sie beschreibt, wie Institutionen – gerade öffentliche – sich selbst durch Erzählungen stabilisieren, die weniger der Realität dienen als der Aufrechterhaltung ihrer Funktionsfähigkeit. Mythen, die Ordnung versprechen, wo Chaos herrscht. Mythen, die Professionalität behaupten, wo Überlastung regiert. Mythen, die Kontrolle suggerieren, wo längst niemand mehr kontrolliert.
Und genau an dieser Stelle trifft die Theorie auf die Wirklichkeit – so im Fall Fred Göcken. Noch einmal zum "Mitschreiben": Ein langjähriger Jobcenter-Mitarbeiter, der öffentlich über strukturelle Missstände spricht, wird fristlos entlassen. Die Behörde bestreitet seine Aussagen, andere Beschäftigte bestätigen sie anonym, und die Öffentlichkeit bleibt zurück mit einer Frage, die größer ist als der konkrete Fall: Wie viel Wahrheit verträgt eine Verwaltung, die sich selbst über Mythen stabilisiert?
1. Der produktive Mythos der KontrolleInnerhalb der deutschen Behörden gibt es ein Phänomen, das in der Verwaltungsforschung seit Jahren bekannt ist: Organisationen erzeugen „produktive Mythen“, um Unsicherheiten zu überdecken. Einer der stärksten Mythen lautet: „Wir haben die Lage im Griff.“
Doch die Realität – Überlastung, Personalmangel, komplexe Fallstrukturen, kaum vorhandene Außendienste – widerspricht diesem Mythos fundamental. Genau das zeigt auch der Fall Göcken: Die Behörde muss seine Aussagen zurückweisen, weil jede Anerkennung struktureller Probleme den Mythos der Kontrolle gefährden würde.
Der Mythos ist also nicht nur Selbsttäuschung – er ist Überlebensstrategie.
2. Der produktive Mythos der NeutralitätEin weiterer Mythos lautet: „Die Verwaltung handelt neutral, objektiv, regelgeleitet.“
Neutralität ist oft ein Ideal, das im Alltag durch Zeitdruck, Fallzahlen, politische Erwartungen und institutionelle Routinen unterlaufen wird. Der Fall aus Bremen macht sichtbar, wie schnell Neutralität zur Fassade wird, wenn jemand die internen Widersprüche benennt. Die Reaktion der Behörde – fristlose Kündigung – ist weniger ein arbeitsrechtlicher Akt als ein symbolischer: Die Organisation verteidigt ihren Mythos, indem sie den Störer entfernt.
3. Das Schweigen als institutionelle PraxisBehörden und auch Organisationen bis hin zur kleinsten Partei oder Gruppe benötigen ein „kommunikatives Gleichgewicht“. Zu viel Wahrheit destabilisiert, zu viel Schweigen erzeugt Zynismus.
Im aktuellen Fall zeigt sich dieses Gleichgewicht als brüchig.
- Diejenigen, die Missstände kennen, schweigen aus Angst.
- Diejenigen, die sprechen, verlieren ihren Job.
- Diejenigen, die Verantwortung tragen, verweisen auf fehlende Daten.
Das Schweigen ist also kein Zufall – es ist Teil der Funktionslogik.
4. Der produktive Mythos der Loyalität
Organisationen erwarten nicht nur Loyalität, sondern sie fordern sie emotional ein. Wer spricht, gilt als illoyal – nicht, weil er Unwahrheiten sagt, sondern weil er die Mythen gefährdet, die das System zusammenhalten. Göcken hat diesen Loyalitätsmythos verletzt. Er hat nicht nur Missstände benannt, sondern die symbolische Ordnung infrage gestellt.
6. Was bleibt? Ein Sozialstaat im Spannungsfeld zwischen Mythos und RealitätUnser Sozialstaat lebt von zwei Voraussetzungen – Vertrauen und Kontrolle. Beides ist brüchig geworden.
Wenn Kontrolle nur noch behauptet wird, aber faktisch kaum möglich ist, entsteht ein Mythos. Wenn Vertrauen nur noch eingefordert wird, aber nicht verdient wird, entsteht Zynismus. Wenn Beschäftigte schweigen müssen, damit das System stabil bleibt, entsteht ein Klima der Angst.
Der Fall aus Norddeutschland ist deshalb kein Einzelfall. Er ist ein Symptom.
7. Schluss: Die Aufgabe der ÖffentlichkeitMythen bleiben nur dann produktiv, wenn sie reflektiert werden. Dieser Artikel soll zeigen, was passiert, wenn sie nicht reflektiert werden.
Deshalb braucht es Öffentlichkeit – nicht als Skandalmaschine, sondern als demokratische Kontrollinstanz. Nicht - um Behörden zu diskreditieren, sondern um sie zu entlasten. Nicht, um Beschäftigte zu verunsichern, sondern um ihnen die Möglichkeit zu geben, Missstände anzusprechen, ohne ihre Existenz zu riskieren.
Ein Sozialstaat, der Kritik bestraft, verliert seine Legitimität. Ein Sozialstaat, der Kritik zulässt, gewinnt seine Zukunft.
Der Fall Göcken: Das Schweigen der Ämter – und das Reden derer, die es wagen
Doch die eigentliche Frage reicht weit über Bremen hinaus: Was bedeutet dieser Fall für andere Jobcenter, Kommunalverwaltungen und Städte wie zum Beispiel auch Ravensburg? Wenn bundesweit dieselben Strukturen, dieselben Überlastungen, dieselben Kontrolllücken herrschen – wie groß ist dann das Dunkelfeld, das niemand ausleuchten darf? Diese Kolumne versucht dorthin zu blicken, wo Behörden schweigen und Beschäftigte flüstern.
- Lesen Sie dazu bitte auch:
- Mythen, Macht und Missstände: Ein Essay über Strukturen, die niemand sehen soll ...
12. Jun. 2026
Das Schweigen der Ämter – und das Reden derer, die es wagen
Es gibt Geschichten, die klingen wie aus einem Lehrbuch über Verwaltungsrealität in Deutschland – nur dass sie nicht im Seminarraum erzählt werden, sondern im Fernsehen, im Podcast oder anonym im Netz. Der Fall des Bremer Jobcenter-Mitarbeiters Fred Göcken ist so ein Lehrstück. Ein Mann mit über zwanzig Jahren Diensterfahrung spricht öffentlich über Missstände, die er für strukturell hält – und verliert daraufhin fristlos seinen Job. Die Botschaft an alle anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist unüberhörbar: Reden ist gefährlich. Schweigen ist sicher.
1. Das Damoklesschwert über den Mitarbeiter/innen von deutschen Behörden
Göckens Fall zeigt exemplarisch, was viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst seit Jahren berichten: Wer Missstände anspricht, riskiert nicht selten berufliche Konsequenzen. Das gilt nicht nur für Jobcenter, sondern – wie zahlreiche Erfahrungsberichte nahelegen – für Verwaltungen aller Ebenen.
Die Angst vor Abmahnung oder Kündigung ist real. Und sie wirkt.
2. Der Mann, der trotzdem sprach
Göcken tat, was viele nicht wagen: Er sprach öffentlich über das, was er für ein „offenes Geheimnis“ hält – über strukturelle Fehlanreize, über Überlastung, über Missbrauch, der seiner Erfahrung nach in einem erheblichen Teil der arbeitsfähigen Leistungsbeziehenden vorkomme. Seine Schätzung von 30 bis 40 Prozent ist umstritten – die Bremer Sozialsenatorin weist sie zurück, das Jobcenter selbst erklärt, es gebe dafür „keine belastbaren Erkenntnisse“ .
Doch bemerkenswert ist etwas anderes: Zahlreiche andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Jobcentern bundesweit bestätigen anonym ähnliche Beobachtungen – sowohl in einer ZDF-Recherche als auch in Foren wie r/OeffentlicherDienst .
3. Ein System, das Missbrauch begünstigt – und gleichzeitig kaum kontrolliert
Die ZDF-Dokumentation zeigt, wie schwer Missbrauch überhaupt zu erfassen ist. Die Bundesagentur für Arbeit selbst räumt ein, dass es eine „nicht quantifizierbare Dunkelziffer“ gibt .
Die Praxisberichte aus den Jobcentern zeichnen ein ähnliches Bild:
Überlastete Leistungsabteilungen, die Hinweise kaum abarbeiten können.
Außendienste, die vielerorts kaum existieren.
Zollbehörden, die für Kontrollen schlicht zu wenig Kapazitäten haben.
Komplexe Fallkonstellationen, die eine Aufklärung enorm erschweren.
Das Ergebnis: Missbrauch ist möglich – und seine Aufklärung oft unrealistisch.
4. Die Behörde muss abstreiten – und tut es auch
Dass die Bremer Behörde Göckens Aussagen zurückweist, ist erwartbar. Sie muss es tun. Eine Verwaltung kann nicht öffentlich einräumen, dass sie strukturell überfordert ist oder Fehlanreize bestehen.
Doch die Diskrepanz zwischen offizieller Darstellung und den Berichten aus der Praxis bleibt bestehen.
5. Und die Ravensburger/Weingartner Behörden
Juristisch sauber formuliert lässt sich Folgendes sagen:
Es gibt keine öffentlich bekannten Daten, die für Ravensburg/Weingarten und ihre oben genannten Behörden spezifisch wären.
Es gibt aber auch keinen Grund anzunehmen, dass die strukturellen Probleme, die bundesweit dokumentiert sind, ausgerechnet hier nicht existieren.
Die Mechanismen sind überall dieselben: gleiche Gesetze, gleiche Verwaltungslogik, gleiche Überlastung, gleiche Kontrolllücken.
Die Frage lautet also nicht: „Gibt es Missstände?“ Sondern: „Wie groß ist das Dunkelfeld – und wer dürfte es überhaupt ausleuchten?“
6. Das eigentliche Problem
Der Fall Göcken zeigt vor allem eines: Unser Sozialstaat hat ein Transparenzproblem – nicht nur bei den Leistungsbeziehenden, sondern auch in den Behörden selbst.
Wenn diejenigen, die Missstände kennen, nicht sprechen dürfen, und diejenigen, die sprechen, ihren Job verlieren, dann entsteht ein Klima, in dem Probleme nicht gelöst, sondern verwaltet werden.
Und zwar still.
Mein Schlussgedanke
Ein funktionierender Sozialstaat braucht zwei Dinge: Vertrauen – und Kontrolle. Beides ist derzeit brüchig. Und solange Beschäftigte im öffentlichen Dienst das Gefühl haben, dass Aufklärung gefährlicher ist als Wegsehen, wird sich daran wenig ändern.
💢 6. Juni 1944 - Ein Tag der im Rausch von Fußball, Folklore und Sommerfesten untergeht ...
Der 6. Juni 1944 – D‑Day – war nie nur ein militärisches Ereignis. Er war ein moralischer Satzzeichenwechsel der Weltgeschichte. Ein Tag, an dem die Alliierten – Amerikaner, Briten, Kanadier, Franzosen – an den Stränden der Normandie nicht nur gegen das NS‑Regime kämpften, sondern für eine Idee: dass Europa wieder ein Kontinent der Selbstbestimmung werden könnte. Dass Deutschland, nach seiner eigenen Katastrophe, wieder in die Gemeinschaft der Völker zurückfinden würde.
82 Jahre später, am 6. Juni 2026, ist diese Idee brüchiger denn je.
Deutschland hat seinen Sitz bei den Vereinten Nationen verloren – ein symbolischer Sturz, der tiefer reicht als jede diplomatische Fußnote. Die USA unter Präsident Trump betrachten Europa wieder als Kostenfaktor, nicht als Partner. Russland, einst Teil der Anti‑Hitler‑Koalition, ist heute aus deutscher Sicht politisch und moralisch weiter entfernt als je zuvor. Und Deutschland selbst? Es schweigt. Es duckt sich. Es feiert Fußball.
1. Die USA 1944 – und die USA 2026Am D‑Day starben junge Amerikaner, die nie zuvor europäischen Boden betreten hatten. Sie starben für ein Europa, das sie nicht kannten, für Menschen, deren Sprache sie nicht sprachen. 2026 hingegen ist ein Jahr, in dem Washington Europa mit einer Mischung aus Desinteresse und Erpressung begegnet. Die transatlantische Partnerschaft ist keine Wertegemeinschaft mehr, sondern ein Geschäftsmodell.
Und doch: Ohne die USA gäbe es kein befreites Europa. Diese historische Tatsache bleibt – auch wenn die Gegenwart sie nicht mehr würdigt.
2. Die Sowjetunion 1944 – und Russland 2026Die Landung in der Normandie war auch ein Akt der Solidarität mit der Roten Armee, die seit 1941 den Hauptteil der deutschen Kriegsmaschinerie band. 27 Millionen Tote – diese Zahl steht wie ein Monolith im Gedächtnis der Welt.
2026 ist Russland politisch isoliert, moralisch diskreditiert, wirtschaftlich geschwächt. Das Verhältnis zu Deutschland ist zerstört – nicht nur beschädigt, sondern verbrannt. Und dennoch: Die historische Wahrheit bleibt, dass ohne die sowjetischen Opfer der 6. Juni 1944 nicht möglich gewesen wäre.
Die Gegenwart verleugnet diese Ambivalenz. Die Geschichte nicht.
3. Deutschland 1944 – und Deutschland 2026Deutschland war 1944 Täterland. Deutschland ist 2026 ein Land, das sich selbst nicht mehr versteht.
Ein Land, das seinen Sitz bei der UN verliert – und es hinnimmt. Ein Land, das sich in Fußball‑Euphorie flüchtet, während die Weltordnung zerbricht. Ein Land, dessen Regionalzeitungen – wie hier als Beispiel genannt: die "Schwäbische Zeitung" – am 6. Juni lieber über das Rutenfest, Blumenbeete und das „Wunder von Bern“ und das mögliche Erreichen des WM-Halbfinales schreiben als über den Tag, der die eigene Befreiung einleitete. Nirgends ein Artikel zum 6. Juni 1944.
Das Schweigen ist bezeichnend. Das Vergessen ist gefährlich.
🌍 4. Der D‑Day als Spiegel der GegenwartDer 6. Juni 1944 erinnert uns daran:
dass Freiheit nie selbstverständlich ist
dass internationale Solidarität kein Luxus ist
dass Demokratien nur bestehen, wenn sie sich ihrer Geschichte bewusst bleiben
dass Europa ohne transatlantische und ohne osteuropäische Verständigung nicht existieren kann
2026 zeigt uns das Gegenteil:
Nationalismen wachsen
Bündnisse bröckeln
historische Verantwortung wird zur Last erklärt
Erinnerung wird durch Unterhaltung ersetzt
Der D‑Day war ein Akt der gemeinsamen Verantwortung. 2026 ist ein Jahr der gegenseitigen Schuldzuweisungen.
5. Was bleibt?Vielleicht ist der 6. Juni 2026 ein Wendepunkt – nicht wegen politischer Entscheidungen, sondern wegen des Schweigens. Denn Schweigen ist nie neutral. Es ist eine Entscheidung.
Wenn eine Regionalzeitung in Oberschwaben den D‑Day ignoriert, dann ist das kein Zufall. Es ist ein Symptom: Die Geschichte wird verdrängt, weil die Gegenwart sie nicht mehr erträgt. Oder schlimmer noch: Er passt nicht in das Wohlgefühl von "Brot und Spiele".
Doch wer den 6. Juni 1944 vergisst, verliert den Kompass für 2026.
Der Auftrag des ErinnernsDer D‑Day war der Beginn der Befreiung Europas. 2026 ist ein Jahr, in dem Europa sich selbst verlieren könnte.
Gerade deshalb braucht es Stimmen, die erinnern, die einordnen, die widersprechen. Stimmen, die nicht im Rauschen von Fußball, Folklore und Sommerfesten untergehen.
Denn Geschichte ist kein Archiv. Sie ist ein Werkzeug. Und wir entscheiden, ob wir es benutzen – oder ob wir es verrosten lassen.
Wenn heute Sonntag wäre und es Bundestagsneuwahlen gäbe / FDP = 5 Prozent und SPD = 11 Prozent . . .
In der aktuellen Sonntagsfrage verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Die FDP schafft wieder den Sprung über die Fünfprozenthürde, die SPD fällt zurück.
Die SPD kommt in einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung (GMS) nur noch auf 11 Prozent. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung Anfang März verliert die Partei damit fünf Prozentpunkte.
Stärkste Kraft bleibt laut der am Montag veröffentlichten Sonntagsfrage die AfD mit 27 Prozent. Gegenüber der letzten GMS-Umfrage legt sie um drei Prozentpunkte zu. Die Union verliert ebenfalls drei Punkte und erreicht 23 Prozent.
FDP knackt FünfprozenthürdeZulegen können die Grünen, die mit 16 Prozent vier Prozentpunkte über ihrem Wert aus dem März liegen. Die Linke verbessert sich um einen Punkt auf 11 Prozent und liegt damit gleichauf mit der SPD.
Die FDP kommt auf 5 Prozent und würde damit nach dieser Umfrage wieder den Einzug in den Bundestag schaffen. Im März hatten die Liberalen noch bei 3 Prozent gelegen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erreicht 2 Prozent. Auf sonstige Parteien entfallen 5 Prozent.
Die Erhebung wurde vom 27. Mai bis 1. Juni durchgeführt. Nach Angaben von GMS wurden 1.023 Wahlberechtigte telefonisch und online befragt.
Sonntagsfrage (Veränderung zur GMS-Erhebung vom 3. März):
- AfD: 27 Prozent (+3)
- CDU/CSU: 23 Prozent (-3)
- Grüne: 16 Prozent (+4)
- SPD: 11 Prozent (-5)
- Linke: 11 Prozent (+1)
- FDP: 5 Prozent (+2)
- BSW: 2 Prozent (-1)
- Sonstige: 5 Prozent (-1)
Fußball-Freundschaftsspiel "Deutschland : Finnland" --- Ein Spielbericht
Undav-Show gegen Finnland! DFB-Team holt sich Selbstvertrauen für die WM - auch Lennart Karl betreibt Eigenwerbung
Undav bewies seine Qualitäten als Vertreter des Champions-League-Finalisten Havertz mit zwei Toren (34./57.) und der Vorlage zum 2:0 durch Florian Wirtz (48.). Nach seinem zweiten Treffer musste er aber mit Oberschenkelproblemen vom Platz. Die Sorgen der Fans in Mainz zerstreute der nach 434 Tagen zurückgekehrte Zauberfuß Jamal Musiala umgehend mit dem vierten Tor (63.), allerdings blieb der Münchner auch manches schuldig.
14 Tage vor dem WM-Start in Houston gegen Curacao lief gerade in der ersten Halbzeit nicht alles rund. Die deutliche Leistungssteigerung im zweiten Durchgang machte aber bereits Lust auf mehr; vor allem Jungstar Lennart Karl nutzte seine Chance.
Die Zuschauer wurden schon lange vor dem Anpfiff mit WM-Hits vergangener Jahre in Stimmung gebracht. Als die DFB-Auswahl um 20.11 Uhr zum Warmmachen in die Arena einlief, brandete Jubel auf. Später präsentierten die Zuschauer eine große Choreografie: Sie tauchten die Westtribüne in Deutschlandfarben und hielten ein Banner mit acht Nationalspielern in die Höhe. "LET'S GO", stand darunter in großen Lettern.
Und die Mannschaft mühte sich, die Vorgabe direkt umzusetzen. Undav vergab eine erste gute Chance (8.), als er im Strafraum den Ball nicht richtig traf. Wirtz und Nathaniel Brown, der etwas überraschend auf der linken Abwehrseite begann, hatten sich sehenswert nach vorne kombiniert.
Überhaupt hatte Nagelsmann für den letzten WM-Test auf deutschem Boden einigen Spielern eine Bewährungschance gegeben. Der Dortmunder Felix Nmecha begann im Mittelfeld an der Seite des gesetzten Aleksandar Pavlovic, der Münchner Karl durfte vorne rechts beginnen, zudem erhielt Brown den Vorzug gegenüber David Raum.
Der Frankfurter Verteidiger habe "die Gabe, offensiv die Räume zu finden" und einen "guten Speed", sagte Nagelsmann im ZDF. Raum wiederum sei eine "Art emotionaler Leader", auf der Position des Linksverteidigers habe er "zwei sehr gute Spieler" zur Verfügung.
Dem guten Beginn ließ Deutschland jedoch etliche Minuten Leerlauf folgen. Das Team fand kaum Lücken und spielte nach vorne behäbig. Die Fans beobachteten das Spiel dennoch äußerst wohlwollend. Der degradierte Torhüter Oliver Baumann, der für den an der Wade verletzten Rückkehrer Neuer begann, erhielt bei seinem ersten Ballkontakt viel Applaus und wurde in der Schlussphase mit Sprechchören bedacht.
Doch vorerst sprang der Funke nicht über. Letztlich musste ein Standard helfen: Karl führte einen Eckstoß kurz aus, die Abwehr der Finnen war unsortiert - und so durfte Undav eine Flanke von Joshua Kimmich per Kopf versenken.
Überhaupt punktete Karl auf der rechten Seite: Der 18-Jährige spielte ähnlich locker und unbekümmert wie im Verein. In einem zähen ersten Durchgang war er ein Lichtblick. Mit seiner Mannschaft war Nagelsmann sichtlich unzufrieden und griff mehrfach korrigierend ein.
Doch nach der Pause nahm Deutschland Schwung auf. Undav erkämpfte den Ball im finnischen Strafraum und bediente Wirtz per Grätsche, wenig später erhöhte er nach einem Konter - herrlich eingesetzt von Karl. Doch bei der Aktion verletzte sich Undav.
Die DFB-Elf ließ sich davon nicht beirren: Musiala sorgte dafür, dass die Mannschaft am Dienstag mit einem guten Gefühl in Frankfurt abheben wird. Am 6. Juni findet in Chicago die WM-Generalprobe gegen Co-Gastgeber USA statt. Ob Neuer dann im Tor stehen wird, ist offen.Undav zog sich bei seinem zweiten Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0 für die DFB-Elf eine Blessur am Fuß zu und wurde wenig später ausgewechselt.
Vorausgegangen in jener Szene war ein Steilpass Lennart Karls. Undav behielt im Laufduell mit Finnlands Abwehrspieler Tony Miettinen die Oberhand, wurde von diesem beim Abschluss allerdings unglücklich am Fuß getroffen.
Undav versenkte die Kugel zwar noch im Netz, ging aber direkt danach zu Boden (57.). Mit schmerzverzerrtem Blick stand er wieder auf. Es folgte eine Behandlungspause, ehe Undav in der 61. Minute für den Dortmunder Maximilian Beier ausgewechselt wurde.
Gefragt nach seiner Verletzung sagte er im ZDF: "Bisschen Schmerzen, aber nix Wildes. Nächste Tage ein bisschen Behandlung, dann passt das."
🎬 "JUMANJI - Willkommen im Kanzleramt"
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Es ist einer dieser Berliner Vormittage, an denen die Luft im Kanzleramt so schwer hängt, als hätte jemand die politische Großwetterlage in den Teppich geklopft. Die Flure rochen nach Kaffee, der zu lange stand, und nach Entscheidungen, die zu lange liegen geblieben waren. Zwischen zwei Türen, die beide „Konferenzraum“ heißen, steht ein Karton. Unscheinbar, braun, mit einer Handschrift darauf, die aussieht, als hätte ein gelangweilter Verwaltungsangestellter sie im Halbschlaf gekritzelt:

„Für die, die glauben, sie könnten regieren.“
Niemand wusste, wer ihn abgestellt hatte. Vielleicht ein Praktikant. Vielleicht ein Lobbyist. Vielleicht das Schicksal, das in Berlin gelegentlich seine eigenen Witze macht.
Vier Politiker*innen betreten den Raum fast gleichzeitig, was allein schon ein statistisches Wunder ist. Friedrich Merz, der eigentlich nur kurz „ein Machtwort sprechen“ wollte. Hendrik Wüst, der zufällig vorbeikam, weil irgendwo eine Kamera stand. Heidi Reichinnek, die auf dem Weg zu einem Gespräch über soziale Gerechtigkeit war. Und Alice Weidel, die behauptet, sie sei nur hier, um „die Wahrheit ans Licht zu bringen“.
Der Karton aber steht da wie ein stiller Vorwurf. Oder wie eine Einladung.
Drinnen liegt eine alte Spielkonsole, vergilbt wie ein Wahlversprechen nach zwei Legislaturen. Das Modul trägt goldene Buchstaben:
„Jumanji – Willkommen im Kanzleramt.“
Kanzler Merz runzelte die Stirn, als müsse er gleich eine Bilanz prüfen. MP Wüst lächelte höflich, wie jemand, der sich angewöhnt hat, immer kameratauglich zu wirken. Frau Reichinnek hebt eine Augenbraue, die mehr sagt als drei Talkshows. Und Alice Weidel murmelt etwas von Inszenierung.
Und doch drückten sie alle vier gemeinsam auf "Start".
Ein Sog erfasst sie, ein Strudel aus Faxgeräten, Haushaltslöchern und ungeklärten Zuständigkeiten. Für einen Moment sieht es aus, als würde sie der Lobbystrom persönlich verschlucken. Dann ist es still. Unheimlich still.
Sie stehen im Kanzleramt. Oder besser gesagt, einer anderen Version davon, die aussieht, als hätte jemand die deutsche Politik durch einen Traumfilter gejagt. Die Flure sind noch länger, die Türen noch zahlreicher, die Aktenordner noch lebendiger. Über ihren Köpfen schweben holografische Charakterkarten, als hätte ein algorithmischer Satiriker sie neu erfunden.
Merz hält ein PowerPoint‑Schwert in seinen Händen, das alles in Diagramme verwandelte. Wüst kann sich in jede Kamera teleportieren, die im Raum auftaucht. Reichinnek schleudert moralische Feuerbälle, die erstaunlich präzise treffen. Weidel erzeugt Empörungsblitze, die grell sind, aber selten etwas treffen.
Eine Stimme erklingt, tief und unbarmherzig wie ein Bundestagsprotokoll:
„Um das Spiel zu beenden, müsst ihr den Schlüssel der Regierungsfähigkeit finden.“
Natürlich war das leichter gesagt als getan. Das Kanzleramt verwandelt sich in ein Labyrinth aus Haushaltszahlen, Koalitionsmorästen und Bürgerdialog‑Drachen, die nur schrumpfen, wenn man/frau ihnen zuhört — eine Fähigkeit, die im politischen Betrieb eigentlich als exotisch gilt.
Sie kämpfen sich durch Tabellen, die sich wehren, durch Schlagzeilen, die wie Laserstrahlen auf sie niederprasseln, und durch Räume, in denen jede Aussage sofort im Boden versinkt, wenn sie nicht konsistent ist. Weidel blieb mehrfach stecken. Merz versucht, sie herauszuziehen, verliert aber selbst den Halt, weil seine Positionen im Tagesrhythmus wechseln. Wüst lächelt sich durch die Wände. Reichinnek ist die Einzige, die geradeaus geht.
Zwischendurch – so ist zu erkennen – in einem dieser surrealen Flure hängt ein Bild, das aussieht wie die Oberschwabenhalle, in der Kanzler Merz jüngst auftrat – allerdings in einer Version, die so wirkt, als hätte das Spiel sie aus einem Zeitungsartikel über „Umwidmung“ und „Sanierungsstau“ rekonstruiert. Merz bleibt kurz stehen, betrachtet das Bild und murmelte: „Sieht aus wie ein Projekt, das man besser nicht anfasst.“ Wüst nickt. Reichinnek seufzt. Weidel sagt, das sei Symbolpolitik.
Dann geht es weiter.
Am Ende stehen die vier Protagonist/innen in einem leeren Raum. In der Mitte liegt glänzend ein goldener Schlüssel. Darüber schwebt ein Satz, der in Deutschland seit Jahren als Running Gag gilt:
„Nur wer Verantwortung wirklich will, darf den Schlüssel nehmen.“
Sie sehen sich an. Niemand rührt sich.
Es ist ein Moment, der an jene Situationen erinnert, in denen in Ravensburg jemand fragt, woher die 40 Millionen Euro für die neue "Kuppelnauschule" kommen sollen — und plötzlich alle sehr beschäftigt wirken.
Dann öffnet sich eine Tür. Ein Mann tritt ein. Der Hausmeister des Kanzleramts, der seit drei Jahrzehnten die Kaffeemaschinen repariert und vermutlich mehr über die Republik weiß als die meisten Kabinettsmitglieder.
Er sieht die vier an, seufzt und sagt: „Wenn ihr nicht wollt, mach ich’s.“
Und prompt nimmt der den Schlüssel. Das Gebäude bebt. Die vier Politiker/innen werden zurückgesogen, zurück in die Realität, als hätte das Spiel genug von ihnen.
Wieder im echten Kanzleramt stehen sie da, etwas blasser, etwas stiller, etwas verwirrter. Die Konsole aber ist verschwunden. Nur ein Zettel liegt auf dem Tisch:
„Jumanji endet nie. Aber ihr könntet anfangen.“
Merz räuspert sich. Wüst lächelt. Reichinnek schüttelt den Kopf. Weidel behauptet, das sei alles inszeniert gewesen.
Und irgendwo tief im Keller des Kanzleramts — dort, wo die alten Faxgeräte schlafen — hört man ein leises, unheilvolles: „Level 2 wird geladen…“
💥Das BERLINER OLYMPIA-STADION im Jahr 1936 und HEUTE ▶ 90 Jahre Feuer, das nie wirklich gelöscht wurde ...
Die Glut unter den Steinen – Ein Essay über das Berliner Olympiastadion, seine Schatten und die Blindstellen der Gegenwart
Es gibt Bilder, die sich eigentlich nicht erklären müssen, weil sie sich selbst erklären. Eigentlich! Doch scheinbar hat niemand im Lande dies erkannt.
Das "brennende" Olympiastadion in und nach der ersten Halbzeit im DFB-Pokal-Finale 2026 zwischen dem VFB Stuttgart und den Bayern, 89 Jahre und 10 Monate nach der XI. Olympiade unter dem Hakenkreuz an selber (!) Stelle gehört zu diesen Bildern. Es ist ein Bild, das sich nicht nur in die Netzhaut brennt, sondern in die historische Tiefenschicht eines Landes, das sich gern aufgeklärt nennt – und doch so oft vergisst, woher die Funken kommen, die heute noch lodern.
🔥 Ein Feuer, das scheinbar (!) niemand bemerkteWährend die Pyro-Fackeln der Ultras auf beiden Seiten gegen den DFB und ihren „Nägele“ aufflammten, während der Schiedsrichter zögerte, während die Zuschauer – vor Ort wie vor dem Fernseher – nicht mehr verstanden, was da eigentlich geschah, brannte im Hintergrund ein anderes, viel älteres Feuer. Ein Feuer, das 1936 entzündet wurde, als das NS-Regime die XI. Olympischen Spiele zur globalen Propagandabühne machte. Ein Feuer, das nie wirklich gelöscht wurde, weil man/frau nach 1945 entschied, die Steine stehen zu lassen und nur die Inschrift zu wechseln.
Dass niemand das historische Echo erkannte, ist vielleicht das Erschreckendste. Das Stadion brannte – und niemand sah, was da wirklich brannte.
🏛️ Ein Stadion, das nie hätte stehen bleiben dürfenIch selbst (*1951) habe nie verstanden, warum dieses Stadion überhaupt noch existiert. Und dieses Thema trifft ins Mark. Denn das Olympiastadion in Berlin ist kein neutraler Ort. Es ist ein Monument, das gebaut wurde, um eine Ideologie zu verherrlichen, die Europa in Schutt und Asche legte und Millionen Menschen ermordete.
Dass man/frau nach 1945 nicht den Mut hatte, diese Steine zu brechen, sagt viel über die junge Bundesrepublik. Man* wollte Kontinuität, Vergessen, Verdrängen, Normalität, Wiederaufbau. Man* wollte nicht erinnern, sondern funktionieren. Und so blieb das Stadion stehen – als wäre es ein harmloser Sporttempel, nicht ein ideologisches Bauwerk.
Man und frau stelle sich vor: An seiner Stelle hätte eine Gedenkstätte für die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden entstehen können. Oder ein Ort für die Millionen anderen Opfer des Krieges. Ein Ort, der nicht verdrängt, sondern benennt. Ein Ort, der nicht jubelt, sondern mahnt.
Stattdessen entschied man* sich für Fußballspiele, Pokalfinals, Weltmeisterschaften. Für Unterhaltung. Für das Vergessen im Gewand der Normalität.
🏃♂️ 1936: „Friedliche Spiele“ – und im Hintergrund brannte EuropaDie XI. Olympischen Spiele wurden als „versöhnlich“ inszeniert. Die Welt applaudierte. Die Propaganda funktionierte. Und während Jesse Owens Gold gewann, während die Kameras liefen, während die Welt staunte, liefen im Hintergrund bereits die Deportationslisten, die Rassenideologie, die Kriegsvorbereitungen.
Die Spiele waren ein Vorhang. Dahinter brannte längst der Kontinent.
Dass heute, neun Jahrzehnte später, wieder Feuer im Berliner Olympia-Stadion lodern – diesmal aus Protest, aus Wut, aus Orientierungslosigkeit – wirkt wie eine ungewollte Wiederholung. Ein Schattenriss der Geschichte, den niemand bemerkt hat.
⚽ Ein Schiedsrichter ohne Mut – ein Symbol unserer ZeitDer Schiedsrichter hätte das besagte Spiel abbrechen müssen. Ein klares Zeichen setzen. Ein 0:0 als moralische Markierung. Ein Ende und eine Sprache, die jeder verstanden hätte.
Aber Mut ist selten geworden – im Fußball wie in der Politik, in den Verbänden wie in der Gesellschaft und in den Medien. Man* verwaltet lieber, als dass man entscheidet. Man* hofft, dass sich Dinge von selbst beruhigen. Man* wartet ab, bis der Rauch sich verzieht.
Doch manchmal wäre ein Abbruch die ehrlichste Form der Kommunikation.
🕯️ Was bleibt?Vielleicht ist das brennende Olympiastadion ein Mahnmal, das sich selbst geschaffen hat. Ein Bild, das uns zwingt, hinzusehen. Ein Bild, das zeigt, wie dünn die Schicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist. Wie schnell Symbole kippen. Wie leicht Geschichte wieder aufflammt, wenn man sie nicht ernst nimmt.
Vielleicht ist es auch ein Hinweis darauf, dass wir Orte wie das Olympiastadion neu denken müssen. Nicht als Sportstätten, sondern als historische Körper. Als Räume, die sprechen – ob wir es wollen oder nicht.
Und vielleicht ist es ein Appell, den wir heute dringender brauchen denn je: Dass Erinnerung nicht bequem sein darf. Dass Geschichte nicht neutral ist. Dass Orte Verantwortung tragen. Und dass Feuer – ob 1936 oder 2026 – immer eine Botschaft hat.
Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, sie zu hören.
⚽ Der DFB hat kein Nachwuchs-, sondern ein Nachrückproblem / Von Toni Turek (1954 in Bern) ... Kahn, Lehmann und Neuer bis ??? (2026)
Julian Nagelsmanns vermutlich ganz sicherer Entscheidung (nach meiner journalistischen Insiderinformation steht diese Entscheidung schon seit 14 Tagen) für den 40‑jährigen Manuel Neuer im Tor der DFB-Auswahl bei der kommenden Fußball-WM, ist kein sportlicher Automatismus, sondern ein Symptom für ein tieferes strukturelles Problem beim DFB:
- Mutlosigkeit,
- Traditionsfixierung,
- Angst vor Verantwortung
– und ein Trainer, der sich in eine Lage manövriert hat, in der er glaubt, auf den „Mythos Neuer“ zurückgreifen zu müssen. Ein SZ‑Kommentar, der darüber berichtet hat, hat völlig recht: Diese Entscheidung produziert fast nur Verlierer.
Der Neuer-Beschluss ist im und für den deutschen Fußball nicht nur einmalig, sondern auch aus der Zeit gefallen. Der erwähnte Artikel der "Schwäbischen Zeitung" hat mich dazu inspiriert, das Thema zu vertiefen und Fragen aufzuwerfen, die weit über die Torwartposition hinausreichen.
Warum Manuel Neuer? Warum jetzt? Warum überhaupt?Nagelsmann ist kein Nostalgiker. Er ist ein Trainer, der sich selbst als modern versteht. Doch genau deshalb irritiert seine Entscheidung so sehr. Was hat ihn bewogen?
1. Die Angst vor dem Risiko
Ter Stegen verletzt, Baumann solide, aber nicht charismatisch, Nübel und Atubolu talentiert, aber unerfahren – Nagelsmann scheint sich für den Weg entschieden zu haben, der am wenigsten Angriffsfläche bietet. Neuer ist ein Denkmal. Und Denkmäler kritisiert man/n nicht – bis sie umfallen.
2. Der Mythos der „deutschen Torwartschule“
Deutschland hat sich jahrzehntelang eingeredet, dass es jeweils die fünf besten Torhüter zur selben Zeit hätte. Dieses Selbstbild scheint brüchig geworden zu sein.
3. Der Wunsch nach Stabilität
Nagelsmann steht unter Druck. Eine WM in den USA, Mexiko und Kanada, und ein europäisches Land, das nach Jahren der DFB‑Krisen endlich wieder stolz sein will – da greift man/n doch zum Bewährten. Doch Bewährtes ist nicht automatisch das Beste.
Wie alt waren die deutschen Torhüter früher? Ein Blick in die GeschichteDamit wir die Dimension verstehen, lohnt der Blick zurück in die deutsche Fußballgeschichte. Die Frage ist berechtigt: Ist ein 40‑jähriger Torwart bei einer WM normal?
Letzte WM‑Einsätze deutscher Torhüter – Alter beim letzten Turnier| Torwart | Letzte WM | Alter |
|---|---|---|
| Toni Turek | 1954 | 35 |
| Heinz Kwiatkowski | 1958 | 33 |
| Hans Tilkowski | 1966 | 31 |
| Sepp Maier | 1978 | 34 |
| Toni Schumacher | 1986 | 32 |
| Bodo Illgner | 1994 | 27 |
| Andreas Köpke | 1998 | 36 |
| Oliver Kahn | 2006 | 36 |
| Jens Lehmann | 2008 (EM) / WM 2006 | 38 |
| Manuel Neuer | 2022 | 36 (damals) |
Fazit: Ein 40‑jähriger Torwart bei einer WM ist im deutschen Fußball historisch ohne Beispiel.
Wie alt waren diese Torhüter bei ihrem WM‑Debüt?
| Torwart | WM‑Debüt | Alter |
|---|---|---|
| Turek | 1954 | 35 |
| Maier | 1970 | 26 |
| Schumacher | 1982 | 28 |
| Illgner | 1990 | 23 |
| Köpke | 1994 | 32 |
| Kahn | 2002 | 32 |
| Lehmann | 2006 | 36 (erstes WM‑Spiel!) |
| Neuer | 2010 | 24 |
Fazit: Deutschland hat traditionell spät auf Torhüter gesetzt – aber nie zu spät. Für Neuer war es mit 24 Jahren ein idealer Zeitpunkt. 40 ist kein „spät“, sondern ein „zu spät“.
Wie haben frühere Bundestrainer entschieden?Die Frage ist spannend: Nach welchen Kriterien haben Herberger, Schön, Beckenbauer, Völler, Löw & Co. ihre Teams zusammengestellt – nicht nur die Torhüter, sondern auch die Feldspieler begtreffend?
1. Sepp Herberger (1950er):Disziplin, Charakter, Teamgeist
Spieler mussten „für Deutschland brennen“
Er setzte auf Verlässlichkeit, nicht auf Namen
Taktische Intelligenz
Formschwäche wurde nicht toleriert
Mut zu jungen Spielern (Beckenbauer, Müller)
Pragmatismus
Er wählte Spieler, die seine Idee verstanden
Keine Angst vor großen Entscheidungen (Kaltstellen von Stars)
Bauchgefühl
Loyalität
Er setzte auf Spieler, die „funktionieren“
System vor Namen
Mut zu Jugend (Özil, Müller, Kimmich)
Aber: später zu viel Loyalität zu alten Spielern
Will modern sein
Aber trifft hier eine zutiefst unmoderne Entscheidung
Historische Linie: Frühere Trainer hatten Mut – oder Prinzipien. Nagelsmann wirkt, als hätte er Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
Warum die Entscheidung ein Risiko ist1. Neuer kann sein Denkmal beschädigen
Wenn Deutschland früh ausscheidet, wird man sagen: „Warum musste der Alte wieder ran?“
2. Die jungen Torhüter verlieren Vertrauen
Nübel, Atubolu, Urbig – sie alle sehen: Leistung reicht nicht. Alter schützt nicht. Aber ein Name (nämlich NEUER) schützt immer.
3. Baumann wird gedemütigt
Der obige SZ‑Artikel bringt es auf den Punkt: Es geht nicht um die Qualität – es geht um den Umgang. Wer mich kennt, weiß: Anstelle Baumanns hätte ich Nagelsmann angerufen und gesagt: "Leck mich, Trainer, ohne mich!" Vielleicht fehlt diese Stimme beim DFB.
4. Nagelsmann öffnet eine Baustelle, die er nicht mehr schließen kann
Egal wie die WM läuft – diese Entscheidung wird ihn verfolgen.
Was sagt diese Entscheidung über den DFB aus?Mutlosigkeit
Traditionsfixierung
Angst vor Fehlern
Fehlende Vision
Ein Verband, der lieber auf Vergangenheit setzt als auf Zukunft
Der DFB hat kein Nachwuchs-, sondern ein Nachrückproblem, weil den jungen Talenten nicht vertraut wird und man sie auf "der Ersatzbank der Reservebank" (ver)schmoren lässt.
SchlussgedankeManuel Neuer ist eine Legende. Aber Legenden gehören in die Geschichtsbücher – nicht als Notlösung in eine WM, die eigentlich ein Neuanfang sein sollte.
Julian Nagelsmanns Entscheidung ist kein sportlicher Befreiungsschlag. Sie ist ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass der DFB noch immer nicht verstanden hat, dass Zukunft nicht entsteht, indem man die Vergangenheit reaktiviert.
Er fehlt: "Tag der Töchter und Söhne" - am letzten Sonntag im September?
Wir feiern unsere Mütter. Heute, am 10. Mai 2026. Wir feiern unsere Väter oder besser gesagt, die Väter feiern sich am liebsten selbst - am Donnerstag kommender Woche ("Himmelfahrt"). Wir feiern die Frauen, wir feiern die Kinder, wir "feiern" die Arbeit, wir feiern die Demokratie - sogar einen "Tag des Baumes" gibt es.
Aber wir feiern nicht jene bzw. lassen wir nicht jene feiern, die all das tragen: die Töchter und Söhne der Gesellschaft, unsere Töchter und Söhne. Zeit für einen neuen Feiertag – neun Monate nach Jahresbeginn.
Deutschland liebt seine Gedenk‑ und Aktionstage, wie sie oben von mir aufgeführt wurden, wobei noch viele fehlen: Tag der Pressefreiheit, Tag für die Umwelt, Tag für die Gesundheit, Tag für die Menschenrechte usw.
Doch ausgerechnet jene, die all diese Tage für die Zukunft erst möglich machen – die Geborenen, die Gewordenen, die Geprägten – haben keinen eigenen Tag. Und der wäre aus den verschiedensten Gründen notwendig. Es sind die Töchter und Söhne. Die Kinder unserer Gesellschaft, die - auch für den Fall, dass sie längst erwachsen geworden sind - die Spuren ihrer Herkunft tragen. Natürlich gibt es jedes Jahr den "Geburtstag" für jeden Menschen. Doch der spiegelt nicht das wider, was ich meine.
Es ist eine stille Absurdität: Wir feiern unsere gesellschaftlichen und aus die aus alltäglichen Konventionen gewachsene Rollen, aber nicht die Menschen, die aus ihnen hervorgehen. Jedenfalls nicht gebührend.
Die Ambivalenz des GeborenseinsGeboren zu werden ist ein Geschenk – und eine Zumutung. Ein Wunder – und ein Auftrag. Ein Anfang – und eine Hypothek.
Wir tragen das genetische Erbe unserer Eltern und ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Krankheiten und ihre Talente. Wir tragen die ersten Jahre der Erziehung in uns wie ein Grundrauschen, das nie ganz verstummt. Wir tragen Erwartungen, Enttäuschungen, Prägungen, Traumata, Hoffnungen.
Manche sind dankbar. Manche sind verletzt. Manche schwanken zwischen Tochter und Sohn, zwischen Identitäten und zwischen gesellschaftlichen Schubladen. Manche kämpfen sich frei. Manche bleiben gebunden.
Doch eines gilt für alle: Wir gehören niemandem.
Nicht der Familie. Nicht der Tradition. Nicht dem Staat.
Reinhard Mey hat es vor Jahrzehnten sinngemäß so gesungen, dass der Staat nicht über seine Söhne verfügen darf. Diese Aussage ist heute aktueller denn je – in Zeiten, in denen wieder über Wehrpflicht, Pflichtdienste, staatliche Verfügbarkeit von Körpern und Lebenszeit diskutiert wird.
Aber – und das unterstelle ich positiv auch Reinhard Mey – unsere Kinder gehören auch nicht den Eltern. Das "unser" ist kein Besitzanspruch und kein Brennsiegel wie bei Schafen und Rindern!
Warum ein Tag der Töchter und Söhne notwendig ist1. Weil Herkunft prägt – und Anerkennung heilt
Ein solcher Tag wäre kein Kitsch‑Tag, kein Blumen‑Tag, kein „Danke Mama“-Tag. Er wäre ein Tag der Selbstreflexion:
Woher komme ich?
Was trage ich weiter?
Was lasse ich hinter mir?
Was gehört zu mir – und was gehört nicht mehr zu mir?
Ein Tag der Töchter und Söhne wäre ein Tag der Freiheit. Ein Tag, der sagt: Mit 18 beginnt das eigene Leben – und niemand hat ein Recht, darüber zu verfügen.
3. Weil die Gesellschaft die Perspektive der Kinder selten hörtWir reden über Elternrechte, über Familienpolitik, über Betreuung, über Vereinbarkeit. Aber wir reden kaum über die Perspektive derer, die aus diesen Systemen hervorgehen. Über die psychischen Folgen. Über die sozialen Lasten. Über die Chancenungleichheit. Über die Identitätskrisen und -Fragen.
4. Weil es ein politisches Signal wäreEin solcher Tag würde die Debatte öffnen über:
Kinderrechte
psychische Gesundheit
Gewalt in Familien
staatliche Eingriffe in die Lebensführung
Generationengerechtigkeit
Diversität und Identität
die Freiheit, den eigenen Weg zu gehen
Weil er symbolisch perfekt wäre. Vom 1. Januar aus gerechnet sind es neun Monate – die Dauer einer Schwangerschaft. Ein Kreis schließt sich. Ein Jahr trägt seine Früchte. Ein Mensch erinnert sich an seinen Anfang – und an seinen eigenen Weg.
Er liegt zwischen Sommer und Herbst, zwischen Wärme und Kühle, zwischen Werden und Vergehen. Ein Tag des Übergangs. Ein Tag des Erwachsenseins.
Er kollidiert mit keinem großen Feiertag. Er steht nah am Weltkindertag – aber bewusst daneben:
Weltkindertag: Schutz der Minderjährigen
Tag der Töchter und Söhne: Selbstbestimmung der Erwachsenen
Ein Tag der Töchter und Söhne wäre kein Familienfest – sondern ein Gesellschaftstag.
Mögliche Elemente:
Öffentliche Gespräche über Herkunft, Identität, psychische Gesundheit
Lesungen, Diskussionen, Kunstaktionen
Politische Forderungen nach Stärkung der Selbstbestimmung
Anerkennung derer, die schwierige Herkunft überwunden haben
Raum für Trauer, Dankbarkeit, Humor, Ambivalenz
Ein Symbol: zwei Linien, die sich trennen – Herkunft und eigener Weg
Deutschland ist ein Land, das gern zurückschaut. Ein Land der Gedenktage, der Erinnerungskultur, der historischen Verantwortung. Das ist gut. Aber es ist nicht genug.
Wir brauchen einen Tag, der nach vorn schaut. Einen Tag, der die Menschen feiert, die dieses Land tragen – nicht als Eltern, nicht als Rollen, sondern als Individuen.
Der Tag der Töchter und Söhne wäre ein Tag der Freiheit. Ein Tag der Verantwortung. Ein Tag der Selbstbestimmung. Ein Tag der Zukunft. Ein Tag der Aufarbeitung. Ein Tag beginnender Heilung.
Schluss und AnfangVielleicht beginnt alles mit einem Gedanken. Vielleicht mit einer Kolumne. Vielleicht mit einer Petition. Vielleicht mit einem Gespräch am Küchentisch. Vielleicht mit einem Blogbeitrag, der die Runde macht.
Aber jeder neu geplante und ins Leben gerufene Feiertag beginnt mit einem Satz: Es fehlt(e) etwas.
Ein Tag für uns alle – für die, die geboren wurden, die geworden sind, die sich befreien, die sich finden, die sich neu erfinden.
Amokfahrt von Leipzig: Was wir sehen – und was wir nicht sehen wollen
Zwei Menschen sind tot, mehrere verletzt, viele traumatisiert. Leipzig trauert, Leipzig hält inne, Leipzig sucht Halt. Die Bilder der Grimmaischen Straße – Kerzen, Blumen, Stille – sind vertraut geworden in einem Land, das solche Szenen inzwischen zu oft erlebt.
Und doch ist dieser Fall anders. Nicht weil der Täter kein Migrant war. Nicht, weil er erst kürzlich aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wurde. Sondern weil er uns zwingt, über etwas zu sprechen, das wir als Gesellschaft lieber verdrängen: die stille, wachsende psychische Überforderung mitten unter uns.
Bevor irgendeine Analyse beginnt, steht eines fest: Die Opfer und ihre Angehörigen verdienen unser Mitgefühl, unsere Mittrauer, unsere Anteilnahme, unsere Solidarität.
Nichts rechtfertigt diese Tat. Nichts erklärt sie vollständig. Und nichts macht sie ungeschehen.
Der 33‑jährige Tatverdächtige war – laut Staatsanwaltschaft – in einem Zustand „erheblich verminderter Schuldfähigkeit“ und hatte sich zuvor freiwillig in psychiatrische Behandlung begeben. Er war kein politischer Attentäter, kein ideologisch motivierter Extremist, kein „Fremder“, kein Migrant, kein "Asylant", der in ein Feindbild passt.
Das macht die Tat nicht weniger schlimm. Aber es macht sie schwerer einzuordnen.
Denn sie passt nicht in die schnellen Erklärungen, die manche reflexhaft anbieten. Sie passt auch nicht in das Bild einer „Stadt, die unter Merz’ Kanzlerschaft wieder sicherer werden müsse“. Sicherheit ist kein Wahlkampfslogan. Sicherheit ist ein komplexes, fragiles Gefüge – und psychische Krisen sind darin der blinde Fleck.
Die Zahlen sind eindeutig: Deutschland erlebt seit Jahren einen Anstieg psychischer Erkrankungen – Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen und akute Krisen.
Die Gründe sind vielfältig:
soziale Isolation
ökonomischer Druck
Überforderung im Alltag
Mobbing
Frust
Einsamkeit
fehlende niedrigschwellige Hilfsangebote
überlastete psychiatrische Versorgung
Der Leipziger Fall zeigt exemplarisch, was Fachleute seit Jahren sagen: Wir erkennen Krisen oft erst, wenn sie eskalieren.
Warum immer erst nachher?Nach der Tat kündigt Leipzig – wie viele Städte zuvor – an, die Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Poller sollen kommen, Zufahrten gesperrt, Wege gesichert werden.
Das ist verständlich. Aber es ist auch symptomatisch.
Wir sichern Orte, nachdem etwas passiert ist. Wir reagieren, statt zu agieren. Wir bauen Poller, aber keine Präventionsstrukturen.
Es ist derselbe Mechanismus, den wir auch aus Ravensburg kennen (Weihnachtsmarkt). Vorher: Es wird schon alles gut gehen.
Doch psychische Krisen „gehen“ nicht einfach gut. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Zeit, Ressourcen – und eine Gesellschaft, die hinschaut, bevor etwas passiert.
Die stille OhnmachtSachsens Ministerpräsident Kretschmer sagte:
„Davor können wir uns nicht ausreichend schützen.“
Das ist ehrlich. Aber es ist auch resignativ.
Denn es stimmt nur zur Hälfte. Wir können uns nicht vollständig schützen – das stimmt. Aber wir können besser vorbereitet sein:
durch niedrigschwellige Krisendienste
durch mehr Personal in psychiatrischen Einrichtungen
durch bessere Nachsorge nach Entlassungen
durch Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen
durch soziale Räume, die Menschen auffangen, bevor sie kippen
durch Respekt statt Mobbing
Bürgerfreundlichkeit statt Ignoranz
Sicherheit entsteht nicht durch Beton. Sicherheit entsteht durch Beziehung.
Die Leipziger Amokfahrt ist kein isoliertes Ereignis. Sie ist ein Symptom. Ein Hinweis darauf, dass viele Menschen in diesem Land am Rand ihrer psychischen Belastbarkeit stehen – und dass wir als Gesellschaft keine Sprache dafür haben.
Wir reden über Migration, über Kriminalität, über innere Sicherheit. Aber wir reden kaum über die inneren Abgründe, die in jedem Milieu, jeder Herkunft, jeder Altersgruppe existieren können.
Psychische Krisen sind demokratisch: Sie treffen überall.
Was bleibt?Leipzig trauert. Deutschland schaut betroffen zu. Und in ein paar Tagen wird die Debatte weiterziehen – wie so oft.
Doch vielleicht bleibt diesmal etwas zurück: die Erkenntnis, dass Prävention nicht erst beginnt, wenn Poller gesetzt werden. Sondern wenn wir anfangen, psychische Gesundheit als das zu begreifen, was sie ist: als einen zentraler Bestandteil öffentlicher Sicherheit.
Ergänzung des Deutschen Grundgesetzes mit Artikel 13a --- Kein „Wunschzettel“, sondern ein Prüfstein für jede künftige Wohnungs-, Sozial- und Haushaltspolitik.
Es gibt zwischen Flensburg und Freiburg gesellschaftliche Probleme, die so offensichtlich sind, dass sie sich nicht länger nur in Statistiken, Fachberichten oder politischen Sonntagsreden verstecken lassen. Der "Wohnungsmarkt in Deutschland" gehört längst dazu.
Während internationale Menschenrechts-Institutionen seit Jahren betonen, dass Wohnen mehr ist als ein Dach über dem Kopf – nämlich ein Menschenrecht mit klar definierten Kriterien wie Sicherheit, Bezahlbarkeit, Bewohnbarkeit und diskriminierungsfreiem Zugang –, wirkt die deutsche Verfassung (GG) an dieser Stelle erstaunlich zurückhaltend.
Das Grundgesetz schützt zwar die Menschenwürde, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Sozialstaatsprinzip. Aber das Recht auf Wohnen selbst? Es bleibt implizit, verstreut, indirekt – und damit politisch leicht verschiebbar. Gleichzeitig zeigen Berichte des Deutschen Instituts für Menschenrechte und der Bundeszentrale für politische Bildung, dass Staaten verpflichtet sind, schrittweise, aber ernsthaft auf die Verwirklichung dieses Rechts hinzuarbeiten. Rückschritte müssen begründet werden. Untätigkeit ist keine Option.
Und während Milliardenbeträge für andere politische Prioritäten innerhalb kürzester Zeit mobilisiert werden konnten (Aufrüstung, Brückensanierungen, Straßenbau), bleibt die Frage im Raum, warum ein vergleichbares Engagement für bezahlbaren und/oder leistbaren Wohnraum so schwerfällt. Das ist keine juristische Bewertung, sondern eine politische Beobachtung: Die Prioritäten eines Landes zeigen sich nicht in seinen Reden, sondern in seinen Haushalten.
Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob es nicht Zeit wäre, das Grundgesetz an dieser Stelle zu präzisieren – nicht als technokratische Fußnote, sondern als Bekenntnis zu sozialer Stabilität, Menschenwürde und demokratischer Teilhabe. Denn ohne angemessenen Wohnraum wird alles andere fragil: Bildungschancen, Gesundheit, Familienleben, Integration, gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Vielleicht braucht es Orte wie diesen Blog (der nicht perfekt ist), um Debatten zu führen, die anderswo zu leise bleiben. Debatten darüber, wie ein modernes Grundgesetz aussehen müsste, wenn es die sozialen Realitäten des 21. Jahrhunderts ernst nimmt.
Aus dieser Überlegung heraus entstand der folgende Vorschlag eines neuen Artikels 13a GG, der das Recht auf angemessenen Wohnraum klar benennt, menschenrechtlich verankert und politisch einfordert, ohne ökonomische Realitäten zu ignorieren. Ein Artikel, der nicht alles löst, aber endlich ausspricht, was längst offensichtlich ist: Wohnen ist kein Luxusgut, sondern Voraussetzung für ein Leben in Würde.
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Vorschlag für den ergänzenden Artikel 13a GG
Stefan Weinert (c), 88212 Ravensburg am 2. Mai 2026
(Entwurfstext – politisch-programmatisch, nicht rechtsverbindlich)
Artikel 13a – Recht auf angemessenen Wohnraum
Absatz 1: Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum. Dieses Recht umfasst insbesondere den Zugang zu sicherer, bewohnbarer und bezahlbarer Unterkunft.
Absatz 2: Ein "angemessener Wohnraum" liegt insbesondere dann vor, wenn
gesetzlicher Schutz der Unterkunft gewährleistet ist,
grundlegende Versorgungsdienste wie Trinkwasser, Energie zum Kochen, Heizen und Beleuchten verfügbar sind,
der Wohnraum wirtschaftlich tragbar ist,
die Unterkunft bewohnbar ist und Schutz vor Kälte, Hitze, Regen, Wind und sonstigen Gesundheitsgefahren bietet,
der Zugang zu Wohnraum diskriminierungsfrei erfolgt,
der Standort geeignet ist, insbesondere im Hinblick auf den Zugang zu Gesundheitsdiensten, Bildung, Arbeit und grundlegender Infrastruktur,
sowie die kulturelle Angemessenheit des Wohnens gewahrt bleibt.
Absatz 3: Bund, Länder und Gemeinden sind verpflichtet, im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Zuständigkeiten und nach Maßgabe der verfügbaren Mittel schrittweise Maßnahmen zu ergreifen, die auf die volle Verwirklichung des Rechts auf angemessenen Wohnraum hinwirken. Rückschritte hinter einmal erreichte Standards bedürfen einer besonderen Rechtfertigung.
Absatz 4: Der Staat trifft geeignete gesetzgeberische, verwaltungsrechtliche und finanzielle Maßnahmen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern und zu verringern sowie besonders schutzbedürftige Personengruppen beim Zugang zu angemessenem Wohnraum zu unterstützen.
Absatz 5: Die Ausgestaltung dieses Grundrechts erfolgt durch Gesetz. Dabei sind die Verpflichtungen aus internationalen Menschenrechtsverträgen, insbesondere aus dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, zu berücksichtigen.
1. Politische Idee: Vom „Dach über dem Kopf“ zum Grundrecht
Dein Impuls zielt auf etwas sehr Zentrales: Wohnen nicht nur als Marktprodukt, sondern als verfassungsrechtlich anerkanntes Grundrecht zu denken. International ist das längst angelegt: Der UN-Sozialpakt (Art. 11) verankert das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, ausdrücklich einschließlich Unterbringung/Wohnung.
Der Entwurf für Artikel 13a GG übersetzt diese menschenrechtliche Logik in eine klare, aber bewusst offen formulierte Verfassungsnorm, die zwei Ebenen verbindet:
Individuelle Schutzdimension: Jeder Mensch soll einen Anspruch auf „angemessenen Wohnraum“ haben – nicht nur irgendeine Unterkunft.
Staatliche Handlungspflicht: Bund, Länder und Kommunen werden verpflichtet, aktiv auf die Verwirklichung dieses Rechts hinzuarbeiten.
Damit würde das Grundgesetz anerkennen, dass Wohnen nicht nur sozialpolitische „Option“, sondern Kernbestand demokratischer Daseinsvorsorge ist.
2. Die sieben Kriterien der Angemessenheit – bewusst ins Grundgesetz gehobenDer Entwurf übernimmt – in verfassungsgeeigneter Sprache – die sieben Kriterien, die der UN‑Fachausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte für „angemessenen Wohnraum“ entwickelt hat:
Rechtlicher Schutz (Mietvertrag, Schutz vor willkürlicher Räumung)
Verfügbarkeit von Diensten (Wasser, Energie, grundlegende Infrastruktur)
Bezahlbarkeit
Bewohnbarkeit (Schutz vor Witterung, Gesundheitsgefahren)
Diskriminierungsfreier Zugang
Geeigneter Standort
Kulturelle Angemessenheit
Warum ist das wichtig?
Es verhindert, dass das Grundrecht auf Wohnen auf ein bloßes „Notlager“ reduziert wird.
Es macht klar: Qualität, Zugang und soziale Einbettung sind Teil des Rechts, nicht Luxus.
Es schafft einen Orientierungsrahmen für Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung, ohne jedes Detail in die Verfassung zu schreiben.
Der Entwurf greift das Prinzip der „progressiven Verwirklichung“ auf, das im UN‑Sozialpakt angelegt ist: Staaten müssen die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte schrittweise verwirklichen – nach Maßgabe der verfügbaren Mittel.
Im Grundgesetz-Entwurf wird das so übersetzt:
Keine Ausrede „kein Geld“: Der Staat kann sich nicht pauschal auf fehlende Mittel berufen, sondern muss konkrete, nachvollziehbare Gründe angeben, wenn Standards abgesenkt oder Maßnahmen unterlassen werden.
Verbot des Rückschritts ohne Begründung:
Absatz 3 verlangt eine „besondere Rechtfertigung“, wenn hinter bereits erreichte Standards zurückgefallen wird. Das knüpft an die menschenrechtliche Logik an, dass Rückschritte in der Regel unzulässig sind oder jedenfalls besonders begründet werden müssen.
Damit wird das Recht auf Wohnen justiziell anschlussfähig, ohne zu behaupten, jeder Mensch könne morgen eine bestimmte Quadratmeterzahl einklagen. Es geht um Verpflichtung zur ernsthaften, kontinuierlichen Politik, nicht um eine reine Programmschönschrift.
4. Finanzielle Prioritäten: Sondervermögen, Aufrüstung, WohnungsbauDein politischer Punkt ist klar: Wenn der Staat in kürzester Zeit ein Sondervermögen für Aufrüstung schaffen kann, dann wäre es politisch ebenso möglich, ein vergleichbares Instrument für Wohnungsbau und soziale Infrastruktur zu etablieren.
Der Entwurf selbst schreibt keine konkrete Budgethöhe fest – das wäre verfassungsrechtlich heikel und politisch zu starr. Aber:
Durch die Verankerung eines Grundrechts auf Wohnen würde jede Bundesregierung künftig ihre Haushaltspolitik an diesem Recht messen lassen müssen.
Große finanzielle Entscheidungen (z.B. Sondervermögen) müssten sich daran messen lassen, ob sie die Verwirklichung des Rechts auf Wohnen fördern oder behindern – und warum bestimmte Prioritäten gesetzt werden.
So wird dein politischer Vorwurf nicht als juristische Tatsachenbehauptung formuliert, sondern als konsequente Folge eines verfassungsrechtlich anerkannten Rechts: Wer Grundrechte ernst nimmt, muss sie auch finanziell ernst nehmen.
5. Wohnungslosigkeit und vulnerable Gruppen – Fokus von Absatz 4Absatz 4 nimmt ausdrücklich wohnungslose und besonders schutzbedürftige Menschen in den Blick. Das entspricht der menschenrechtlichen Praxis, die betont, dass Staaten gerade gegenüber vulnerablen Gruppen verstärkte Schutzpflichten haben.
Wohnungslosigkeit wird nicht als individuelles Versagen, sondern als gesellschaftliche und staatliche Aufgabe verstanden.
Der Staat soll nicht nur „reagieren“, sondern präventiv handeln: Verhinderung von Wohnungslosigkeit, nicht nur Verwaltung von Notlagen.
Besonders schutzbedürftige Gruppen (z.B. Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Menschen mit Rassismuserfahrung, Geflüchtete) werden ausdrücklich mitgedacht, ohne sie einzeln aufzuzählen.
Absatz 5 stellt klar, dass bei der Ausgestaltung des Rechts auf Wohnen die internationalen Menschenrechtsverträge zu berücksichtigen sind, insbesondere der UN‑Sozialpakt.
Das hat mehrere Effekte:
Es würdigt die bereits bestehenden menschenrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands, die bislang im Grundgesetz nur indirekt sichtbar sind.
Es schafft eine Brücke zwischen nationalem Verfassungsrecht und internationalem Menschenrechtsschutz.
Es erleichtert Gerichten, sich bei der Auslegung von Artikel 13a GG auf die Rechtsprechung und „General Comments“ des UN‑Fachausschusses zu stützen.
Mit einem Artikel 13a GG würden – politisch gedacht – drei Dinge markiert:
Anerkennung: Wohnen ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Menschenwürde, Gesundheit, Bildung, Teilhabe.
Verantwortung: Der Staat kann sich nicht auf „Marktkräfte“ zurückziehen, sondern trägt eine aktive Steuerungsverantwortung.
Transparenz: Rückschritte, Unterlassungen und Prioritäten müssten öffentlich begründet werden – auch gegenüber internationalen Gremien.
Damit wäre Artikel 13a kein „Wunschzettel“, sondern ein Prüfstein für jede künftige Wohnungs-, Sozial- und Haushaltspolitik.
Manuel Hagel: Was Mann als Heterosexueller (!) im Homopozän nicht mehr fühlen und auch sagen darf ...
Stefan Weinert
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Stefan Weinert, Blogger mit AussichtBekanntlich bin ich kein CDU-Wähler. Mein Kreuz wird bei den bevorstehenden Landtagswahlen links stehen. Und wenn ich sage "links", dann meine ich auch "wirklich links". - Dennoch muss ich für den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel eine Lanze brechen.
Von Seiten der "Grünen" - ausgerechnet den Grünen, die einst straffreien (StGB) Sex *) mit minderjährigen Jungs und Mädchen forderten - werden ihm verbale Entgleisungen im Sinne von Sexismus vorgeworfen.
In einem Interview mit einem regionalen Fernsehsender berichtete Hagel jüngst davon, dass er vor acht Jahren vor einer Schüler/innen-Klasse gesprochen hat. "Da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen", so berichtet Hagel. Weiter erzählt er von einem Gespräch mit einer jugendlichen Schülerin. "Ich werde es nie vergessen: die erste Frage - sie hieß Eva - braune Haare, rehbraune Augen."
Gott im Himmel! Herr Hagel ist ein Mann. Er ist ein heterosexueller Mann. Doch im Homopozän (Schwulenzeitalter) ist es nicht mehr erlaubt über Gefühle eines Mannes gegenüber den weiblichen Vertreterinnen des homo sapiens zu sprechen. Auch dann nicht, wenn das schöne Mädchen noch ein Mädchen ist. Sofort wird ihm unterstellt, ER habe sexuelle Absichten IHR gegenüber. Hagel hatte nichts von dem gesagt, was eine Übergriffigkeit seiner Person gegenüber der Schülerin Eva beinhaltet hätte. Er sprach nicht davon, dass er gerne von ihr den "Apfel" gereicht bekommen hätte (wenn Sie verstehen, was ich meine?).
Wenige Jahre vor dem Zeitpunkt, an dem Manuel Hagel sein Interview gab, kochte bei den nun anklagenden "Grünen" immer noch eine hitzige Debatte, ob Sex mit Jungen und Mädchen zur Legalisierung gebracht werden sollte.
*) "Fest steht nun auch, neben der Verantwortung, wie die Forderung nach Straffreiheit für sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern in die Grünen-Programme Eingang finden konnte. „Die wichtigste Trägergruppe bildeten einige bei den Grünen aktive Homosexuelle“. Diese Gruppe habe über einen längeren Zeitraum hinweg die Forderung nach einer strafrechtlichen Freigabe von Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern mit der Forderung nach einer Gleichstellung Homosexueller im Strafrecht verbunden. Die zweite, sogenannte Trägergruppe waren demnach Aktivisten, die sich für Kinderrechte in der Partei einsetzten. Dazu zählte in den Anfangsjahren die Nürnberger Indianerkommune, die den Grünen eine klare Positionierung abverlangte, um angebliche sexuelle Bedürfnisse von Kindern anzuerkennen. - Später fand sich im Grundsatzprogramm der Grünen 1980 eine Passage, in der verlangt wurde, Sex mit Kindern nur dann unter Strafe zu stellen, wenn es dabei zu Gewaltandrohung kam oder ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wurde. Mehrere Landesverbände übernahmen derartige Forderungen, in anderen wurde dies wiederum verhindert. Dabei kam vor allem von den grünen Frauengruppen Widerstand. Sie wehrten sich gegen die Vorstellung von einvernehmlichen sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Kindern und argumentierten mit dem grundsätzlichen Abhängigkeitsverhältnis zwischen Alt und Jung." (Quelle: WELT)
Deutsche "TAFEL" mit Entenpastete aus Frankreich! - Das wär's doch Herr Stoch (SPD), oder sind Sie mit Brot von vorgestern und Käse vom "Penny" zufrieden?
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Ich lebe bekanntlich in Baden-Württemberg. In zweieinhalb Wochen wird hier der neue Landtag gewählt. Und wie jedes Mal vor einer Wahl flattern die Hochglanzversprechen ins Haus. Vor mir liegt der Werbeflyer eines im Ländle bestens bekannten SPD-Politikers. Des Spitzenpolitikers! Andreas Stoch! Groß, fett, mit Ausrufezeichen: „WEIL ES UM DICH GEHT!“
Das Duzen soll wohl besondere Nähe erzeugen – jene Art Nähe, die Politiker gern behaupten zu Bürgern zu haben, aber sie selten leben. Ich fühle mich jedenfalls nicht angesprochen. Und ich bin aus Überzeugung auch nicht mehr Teil des innerparteilichen „Du“-Zirkels, der seit 150 Jahren in der SPD gepflegt wird. Dieses „Du“ wirkt für mich (74) wie ein Griff in die Trickkiste der Werbepsychologie und ist zudem übergriffig: künstliche Vertraulichkeit, die man/n (Politiker) sich nicht erarbeitet hat.
Innen im Flyer dann die nächste Portion Wahlkampfpoesie: „Schluss mit Wirtschaftspolitik, die lieber Renditen als Existenzen rettet … Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“
Das klingt gut – so gut, dass man/frau fast vergisst, wie gründlich die SPD in den zurückliegenden zwei Dekaden genau jene Menschen aus dem Mittelpunkt geschoben hat, die sie einst vertreten wollte: Arbeitnehmer, Arbeitslose, ökonomisch Schwache. Der Verrat kam nicht über Nacht, sondern scheibchenweise. Und jetzt, kurz vor der Wahl, wird wieder der große moralische Mantel ausgepackt, als hätte man/n ihn nicht selbst jahrelang im Keller gelagert.
Doch dann kommt eine Szene, die so entlarvend ist, dass man sie nicht erfinden könnte, ohne als Satiriker durchzugehen.
Die WELT berichtet jüngst über eben jenen SPD-Politiker Andreas Stoch Folgendes – und es ist keine Satire:
>>> SPD-Spitzenpolitiker besucht die Tafel und lässt danach Entenpastete einkaufen.
Ein SWR-Team begleitet den Spitzenkandidaten beim Besuch einer "Tafel" (hier werde Essensreste an Bedürftige abgegeben) in Bühl. Der Politiker zeigt Betroffenheit, Nähe, Bürgernähe – das volle Programm. Kaum ist er draußen, hört man ihn zum Fahrer sagen, er solle doch bitte im nahen Frankreich für ihn Entenpastete besorgen. „Eine schöne Entenpastete ist was Herrliches“, erklärt er später. Und die bekomme man hierzulande (also in der BRD) nicht in der Qualität und zu dem Preis.
Man/frau muss sich das einmal vorstellen und auf der Zunge bitter zergehen lassen: Drinnen in der "Tafel" stehen Menschen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind und mit dem Geld für die Kosten einer (1) französischen Entenpastete 14 Tage auskommen müssen. Draußen steht ein Politiker, der sich auf dem Rückweg Feinkost aus dem Nachbarland organisieren lässt. Das ist kein Fauxpas. Das ist ein Blick durchs Schlüsselloch in die politische Wirklichkeit.
Der Politiker bedauert die Szene inzwischen. Natürlich tut er das. Bedauern ist die Währung, die man einsetzt, wenn die Kamera zu spät ausgeschaltet wurde. Aber Bedauern ändert nichts am Kern: Die Szene zeigt, was Wahlkampfprosa niemals verrät. Und das es letztlich auch nicht zu dem Kauf kam (wahrscheinlich war keine Pastete gut genug), ändert auch nichts an der Einstellung des Politikers.
Das Theaterstück zeigt, wie dünn die Membran zwischen politischer Inszenierung und tatsächlicher Lebenswelt ist. Sie zeigt, wie schnell das „Wir“ des Flyers wieder zum „Ich“ wird, sobald der Ort des Elends und des gespielten Mitgefühls verlassen wurde. Sie zeigt, dass Nähe oft nur behauptet wird – und Distanz der eigentliche Standard ist. Sie zeigt, dass moralische Botschaften billig sind, aber moralische Konsequenz teuer.
Und sie zeigt vor allem eines: Politiker predigen abgestandenes Wasser – und trinken hinterher den besten Wein. Noch nicht einmal einen guten "Württemberger", sondern es muss ein nobler a la France sein.
Die Reaktionen im Netz sprechen eine klare Sprache: „Unfassbar“, schreibt ein Nutzer. Und man/frau fragt sich unwillkürlich: Wie viel politische Sensibilität darf man eigentlich noch erwarten – gerade von jemandem, der behauptet, es gehe um dich?
Und dann, ganz leise, schleicht sich bei mir ein Gedanke ein: Wäre es in Ravensburg wohl anders? Würde ein Politiker, eine Politikerin hier, zwischen Marienplatz und Mehlsack, nach einem Tafel-Besuch vielleicht keine Entenpastete ordern – sondern lieber ein Scheibe Brot von vorgestern mit Käse vom "Penny"? Oder würde er/sie, kaum dass die Kamera aus ist, seinem/ihrem Fahrer zuflüstern: „Hol mir schnell ein Stück vom guten Bergkäse und ein Holzofenbrot aus dem Allgäu – aber bitte nicht im Bild!“?
Man/frau weiß es nicht aber ahnt: Die Mechanik ist überall dieselbe. Und das quer durch alle Parteien. Nur die Feinkost variiert regional.
Der FACHKRÄFTEMANGEL in Deutschland fällt unter das Niveau von 2019 ...
Der Fachkräftemangel in Deutschland entspannt sich spürbar. Das zeigt die Statista-Infografik mit Daten des ifo-Instituts. So liegt der Anteil der betroffenen Unternehmen Anfang 2026 mit 22,7 Prozent wieder unter dem Niveau von 2019. 2019 bewegte sich der Wert zwischen 29,8 Prozent und 32,9 Prozent, bevor er in der frühen Pandemiephase 2020 zunächst deutlich zurückging und sich anschließend mit der wirtschaftlichen Erholung rasch wieder nach oben bewegte – bis zum Höchststand von 49,7 Prozent in Q3 2022.
Die Entwicklung der letzten Jahr zeigt, dass der akute Fachkräftedruck in vielen Unternehmen zuletzt nachgelassen hat – auch wenn Engpässe je nach Branche und Beruf weiterhin bestehen. So sind Bereiche Rechts- und Steuerberatungen, Leiharbeitsfirmen sowie Landverkehr und Transport in Pipelines auch heute noch besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen, wie die Grafik weiterhin zeigt.

In der Industrie berichten 16,6 Prozent der Unternehmen von einem Mangel an Fachkräften – ein halber Prozentpunkt weniger als im Oktober. Im Automobilsektor sowie bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen liegt der Anteil knapp unter 10 Prozent. Im Maschinenbau beträgt er rund 19 Prozent. Auch im Handel hat sich die Lage etwas entspannt: Rund 18 Prozent der Unternehmen berichten von Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifizierten Arbeitskräften zu besetzen.

„Der Rückgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben“, betont Klaus Wohlrabe, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Leiter Befragungen. „Die Alterung der Bevölkerung trifft auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel – das wird die Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen weiter verschieben.“
HANAU-GEDENKTAG: Vor sechs Jahren wurden neun Mitbürger/innen mit Migrationshintergrund von einem Faschisten getötet - und Deutschland feierte dennoch sturztrunken weiter ...
Stefan Weinert, Blogger aus Ravensburg
Beim Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 erschoss der 43-jährige Deutsche Tobias Rathjen an zwei Tatorten neun Hanauer Bürger mit Migrationsgeschichte, danach seine Mutter und sich selbst. Er verletzte sechs weitere Personen, einige davon schwer. Einer der Schwerverletzten starb im Januar 2026 an den Folgen des Attentats.
Der 19. Februar 2020 war der Mittwoch vor den "sechs tollen Tagen" im Rahmen des Faschings, Karnevals und der Fasnet. Für mich war klar, dass nicht nur Hanau auf dieses Hochamt der fünften Jahreszeit verzichtet, sondern ganz Deutschland und auch meine Stadt im oberschwäbischen Ravensburg. Dafür bekam ich aber ordentlich Schelte aus der Bevölkerung.
Sogar ein mir persönlich bekannter Narr, der sich ansonsten als überzeugter Antifaschist bezeichnet, schrieb mir in einer E-Mail: "Ich lasse mir meine Agenda nicht von den Faschisten bestimmen und mir das Feiern vermiesen". Die von mir geforderte dreitägige Staatstrauer wurde abgelehnt, bzw. nicht erhört. Auch Ravensburg taumelte sturztrunken weiter, als hätte es "Hanau" nicht gegeben.
Im Folgenden können Sie den Text meiner entsprechenden Petition lesen.
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Stefan Weinert, am 21. Februar 2020
Der Hanauer Faschingszug fällt nach dem Anschlag mit zehn Toten aus. Auch an vielen weiteren Orten finden Rathauserstürmungen oder närrische Stadtverordnetenversammlungen nicht statt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat "nach der furchtbaren rassistischen Gewalttat" seine Teilnahme an allen Fastnachtsveranstaltungen abgesagt, unter anderem in Kassel und Mainz.
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DREITÄGIGE STAATSTRAUER - STATT SECHS TOLLE TAGE
"Schweigen statt Schwofen - fasten statt feiern - Protest statt Pauken"
An die Verantwortlichen
in der Politik
in den Kirchen
in den Narrenvereinen
Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Freunde,
diese Petition richtet sich nicht nur an die Verantwortlichen (Politik, Kirchen und Narrenvereine) meiner Stadt 88212 Ravensburg, sondern an jede Kommune (vor allem in NRW - Köln - Düsseldorf-Mainz ... und südlich bis Bayern und Baden-Württemberg), in diesem Jahr 2020 auf Ihre Karnevals- und Fasnetumzüge zu verzichten.
Es ist völlig unangebracht - eine Gedenkminute einzulegen (siehe Berlinale) und dann zu feiern. Es bringt auch nicht das erwünschte Ergebnis, wenn schnell noch einmal "Festwagen" mit "Deutschland ist bunt" oder Banner mit "Nie wieder Faschismus" für die Umzüge angefertigt werden. Und wer nun seinen Umzug mit den Worten "Jetzt erst recht" verteidigt, meint nichts anderes als "JETZT ERST RECHTSS"!! Und da sind da noch die, die sagen "ich lasse mir meine Agenda nicht von den Faschisten bestimmen und mir das Feiern vermiesen," der übersieht (Medien, Anne Will, Thüringen, Bundestag ...) dass Deutschlands Agenda längst von den Faschisten bestimmt wird, gerade weil wir alle nicht bereit sind, ein radikales Zeichen zu setzen.
Es muss ein klares Zeichen gegen die AfD, gegen Pegida, gegen die Werteunion, gegen die Reichsbürger, gegen die Gaulands und gegen die Höckes gesetzt werden, in dem das "Humba-Humba-Täterä" und das "Kolba hoch ahoi" ausbleibt. "Schweigen statt Schwofen - Fasten statt feiern - Protest statt Pauken".
Bitte unterschreiben Sie diese Petition, bitte teilen Sie sie, bitte verbreitet Sie das Anliegen in den sozialen Medien, bitte leiten Sie es Ihren Politikern, Pfarrern und Pastoren weiter, damit sie übermorgen von den Kanzeln entsprechendes verkünden können, und an "eure" Narrenvereine.
Schluss mit "bla-bla" und Taktieren, Schluss mit Abwarten, Schluss mit den Nazis in den den Parlamenten, Schluss mit falsch verstandener Diplomatie.
(siehe auch hier: https://www.change.org/p/bundestag-und-bundesrat-verbot-der-alternative-f%C3%BCr-deutschland-afd-43-1-2-bverfgg-und-artikel-21-2-gg
Mit freiheitlich-demokratischen Grüßen, Stefan Weinert
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Immer weniger junge Menschen machen ihren Führerschein ... Die Gründe dafür.
Kommt der Führerschein bei jungen Menschen aus der Mode? Zumindest ist der Anteil der 17- bis 20-Jährigen in Deutschland, die über einen gültigen Führerschein verfügen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen. Mit rund 41 Prozent im Januar 2025 lag der Wert weiterhin zehn Prozentpunkte unter dem aus dem Jahr 2015. Der höchste Wert seit 2010 wurde im Jahr 2012 mit einem Anteil von etwa 55 Prozent erreicht. Das zeigt die Statista-Berechnung auf Basis von Daten des Kraftfahrt-Bundesamts sowie des Statistischen Bundesamts.

Diese Entwicklung lässt sich unter anderem durch veränderte Mobilitätspräferenzen und Rahmenbedingungen erklären. In Städten sind ÖPNV, Fahrrad und seit den 2010er Jahren auch Ride-Sharing‑Angebote oft eine praktikable Alternative, wodurch der Führerschein weniger als Pflicht wahrgenommen und häufiger aufgeschoben wird. Gleichzeitig wirken gestiegene Kosten (Fahrschule, Prüfungen, Versicherung, Auto) sowie ein späterer Einstieg in eigenständige Mobilität (längere Ausbildungswege, spätere Haushaltsgründung) dämpfend. Zugleich sind die Führerscheinprüfungen komplexer und umfangreicher geworden, wodurch Durchfallquoten steigen.
Hinzu kommt ein Wertewandel hin zu Nachhaltigkeit und daraus resultierend eine geringere Auto-Orientierung. Eine Rolle könnten in einzelnen Jahren auch pandemiebedingte Effekte wie unterbrochene Ausbildung/Prüfungskapazitäten und weniger Fahranlässe spielen. Insgesamt deutet die Entwicklung weniger auf „Nicht‑Wollen“, sondern häufig auf späteres Erwerben und geringere Auto-Notwendigkeit in dieser Altersgruppe hin.
