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Aktuelle Einträge

  • 🚩Aktualisiert: Knesset-Wahlen Israel 2026 (1) - Hochrechnungen aktuell
    27. Okt. 2026
  • Vergabe des Friedensnobelpreises 2026: Wenn Symbole dunkle Zeiten heraufbeschwören und eine Ehrung zur politischen Botschaft werden lassen ...
    10. Okt. 2026
  • Die DEMOKRATIE und ihre frühen Wurzeln in der Geschichte Israels ...
    5. Okt. 2026
  • Kolumne des Gedenkens zum --> "7. Oktober": Der Morgen, an dem eine Nation brutal zerrissen wurde, und der Morgen, an dem das Unvorstellbare zurückkehrte.
    4. Okt. 2026
  • „Ab nach Auschwitz“: Keine Entschuldigung kann diesen Satz einfach auslöschen. - Antisemitismus und Queerfeindlichkeit aus Thüringen nach dem CSD-Anschlag
    30. Jul. 2026
  • Eine Flottille, die nicht nach Gaza fährt, sondern in unsere Köpfe
    17. Jun. 2026
  • Sünderkartei Flensburg: Ein antisemitischer Eintrag – und ein peinlicher Zusatzfall // Wenn die Sünderkartei wächst – und die Justiz stolpert ...
    13. Jun. 2026

🚩Aktualisiert: Knesset-Wahlen Israel 2026 (1) - Hochrechnungen aktuell

27. Okt. 2026, Keine Kommentare

Schussental-Medial

Den aktuellen Hochrechnungen nach liegt das Lager Eisenkot mit drei (3) Punkten vor dem Lager Netanjahu. Zur absoluten Mehrheit fehlen ersterem acht (8) Prozent; Netanjahu würden elf (11) Prozent fehlen. Die Wahllokale hatten um 22 Uhr Ortszeit geschlossen.  

👉 Haaretz 
(Mit Klick aktualisieren)

👉Jerusalem Post (Mit Klick aktualisieren)


Jerusalem Post

27. OKTOBER 2026 22:06
Aktualisiert: 28. OKTOBER 2026 10:22

Der Block von Premierminister Benjamin Netanjahu wird derzeit voraussichtlich mit 55 Sitzen in die Knesset einziehen, wie das Zentrale Wahlkomitee (CEC) am Mittwochmorgen bekannt gab, nachdem über drei Millionen Stimmen ausgezählt wurden.

Netanjahus Likud wird voraussichtlich mit 28 Sitzen antreten, während das Vereinigte Tora-Judentum mit 7 Sitzen eintritt, Shas mit sieben, Otzma Jehudit mit sieben und die Religiöse Zionistische Partei mit sechs Sitzen antreten wird.

Der Oppositionsblock, bestehend aus Yashar, B'Yachad, Yisrael Beytenu und den Demokraten, wird laut Daten des CEC voraussichtlich mit 47 Sitzen in die Knesset einziehen.

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Gadi Eisenkots Yashar wird voraussichtlich mit 21 Sitzen in die Knesset einziehen. B'Yachad, angeführt von Naftali Bennett und Yair Lapid, wird voraussichtlich mit 11 Sitzen antreten. Yair Golans Demokraten werden voraussichtlich mit acht Sitzen in die Knesset einziehen, und Avigdor Libermans Yisrael Beytenu wird voraussichtlich mit sieben Sitzen einziehen.

Die neuesten Ergebnisse der CEC ergaben 18 Sitze in den arabischen Parteien, wobei die Gemeinsame Liste 12 Sitze und Ra'am 6 Sitze in der nächsten Knesset erhielt.

Könnte Israel auf eine Einheitsregierung – oder eine weitere Wahl – steuern?

Die Aussicht auf eine Einheitsregierung mit Netanjahu und Eisenkot erscheint unwahrscheinlich, da Eisenkot eine Amtszeit unter Netanjahu, auch in einer Rotationsregierung, abgelehnt hat. Auch andere Oppositionsführer haben einen Beitritt zu einer vom Premierminister geführten Koalition ausgeschlossen.

Eisenkot hat gefordert, dass der Vorsitzende der größten Partei im Oppositionsblock deren Kandidat für das Amt des Premierministers wird, obwohl innerhalb des Blocks keine Einigung über diese Vereinbarung bekannt gegeben wurde.

Die Exit-Polls eröffneten auch die Möglichkeit einer Minderheitsregierung, die eine Knesset-Vertrauensabstimmung gewinnen könnte, ohne eine absolute Mehrheit von 61 Sitzen zu besitzen. Allerdings könnte der Widerstand innerhalb des Blocks gegen die Abhängigkeit von arabischen Parteien eine solche Vereinbarung erschweren.

Die politische Pattsituation könnte letztlich zu einer weiteren Wahl führen, obwohl die Parteien möglicherweise noch durch Koalitionsverhandlungen eine Einigung erzielen.

Was zeigten israelische Umfragen am Wahltag?

Laut den von den Sendern 11, 12 und 13 am Dienstagabend veröffentlichten Exit-Umfragen ging bei der Wahl in Israel kein klarer Sieger hervor; alle zeigten, dass sowohl der Block von Premierminister Benjamin Netanjahu als auch der Oppositionsblock, der ihn ersetzen wollte, keine Mehrheit von 61 Sitzen in der Knesset erreichten.

Bis Mittwochmorgen zeigten einige Umfragen jedoch, dass Netanjahus Block einen klaren Vorsprung hatte.

Bemerkenswert ist, dass sich die Exit-Polls von den Endergebnissen früherer Wahlen unterschieden und die offiziellen Ergebnisse nach Auszählung der Stimmen festgelegt werden.

Am Dienstag wurde prognostiziert, dass der Oppositionsblock 49 zu 51 Sitze gewinnt, verglichen mit 51 zu 52 für Netanjahus Block.

Am Mittwochmorgen war der Oppositionsblock auf 48-19 über alle drei Kanäle gefallen, und Netanjahus Block wurde als 53-57-Mandate prognostiziert.

Die Exit-Polls der Kanäle 13 und 11 am Dienstag prognostizierten ein Unentschieden von jeweils 51 Sitzen für Netanjahus Block und den Oppositionsblock, während Kanal 12 Netanjahus Block auf 52 Sitze prognostizierte.

Am Mittwoch prognostizierten die Kanäle 11 und 12, dass Netanjahus Block 56 Sitze erringen würde, und Kanal 13 55.
Die Umfrage am
Dienstag sagte voraus, dass Likud 27 Sitze gewinnen wird, während Yashar voraussichtlich 21 bis 22 Sitze gewinnt. Keine der beiden Seiten schien einen klaren Weg zur Koalitionsbildung zu haben, obwohl der Oppositionsblock kurz nach Veröffentlichung der Exitpolls den Sieg erklärte. Diese Zahlen blieben am Mittwochmorgen weitgehend unverändert, Likud wurde mit 27-28 Sitzen prognostiziert und Yashar gewann 21 Mandate in allen drei Wahlen.

Die Gemeinsame Liste und Ra'am sollten zusammen rekordverdächtige Sitze von 18 bis 19 Sitzen gewinnen, was arabische Parteien potenziell zu einem zentralen Bestandteil der Koalitionsverhandlungen machen könnte. Oppositionsführer haben jedoch weitgehend ausgeschlossen, eine Regierung mit den arabischen Parteien zu bilden, abgesehen von Yair Golan von den Demokraten. Diese Zahl wurde am Mittwochmorgen leicht gesenkt, wobei das obere Ende der Spanne von 19 gleich blieb und das untere Ende auf 16 sank.

Die endgültige Wahlbeteiligung lag bei 77,7 %, als die Wahllokale um 22:00 Uhr schlossen, so das Zentrale Wahlkomitee (CEC), ein Anstieg von 7,1 % gegenüber der Wahl 2022.

Die kleinen rechtsgerichteten Parteien in der Nähe der Wahlhürde, Ofer Winters People of Israel und Yoaz Hendels Partei Die Reservisten-Ökonomie, sollten beide die erforderliche 3,25%-Hürde verfehlen, was die Bemühungen von Netanjahus Block um eine Mehrheit weiter erschweren könnte.

Oppositionsführer erklären die Ergebnisse der Nachwahlbefragungen zu einem Sieg für den Block

Eisenkot und andere Oppositionsführer erklärten die ersten Ergebnisse der Exit-Poll am Dienstag zum Sieg ihres Blocks und sagten, Netanjahus Lager sei besiegt worden.

Der Vorsitzende der Partei Yashar hielt später eine Rede im Parteihauptquartier in Tel Aviv, in der er sagte, das Land habe gegen Netanjahus Regierung gestimmt und eine weitere Wahl sei ein Fehler.

Eisenkot wandte sich auch an die Leiter des israelischen Sicherheitsapparats und forderte sie auf, Netanjahu nicht zu erlauben, die nationale Sicherheit für politische Zwecke zu nutzen. Er warnte davor, dass der Premierminister aufgrund der Wahlergebnisse einen Angriff aussprechen könnte.

"Der Premierminister ist jetzt ein Interims-Premierminister. Steh standhaft gegen jeden Versuch, dich herauszufordern. Du hast meine klare Unterstützung", sagte Eisenkot.

"Netanjahu, wage es nicht, Sicherheit für politische Zwecke zu nutzen", fügte er hinzu.

Früher, nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Exit-Polls, sagte Eisenkot, diese deuten auf "ein völliges Misstrauen gegenüber Netanjahu und seiner Regierung vom 7. Oktober bei der zionistischen Mehrheit und der Mehrheit der israelischen Bürger" hin.

"Wenn dies die endgültigen Ergebnisse sind, bedeuten sie einen Sieg für Israels nationalistische, zionistische Mehrheit", fügte er hinzu.

"Ich werde sofort handeln, um die Entscheidung des Volkes umzusetzen, die Regierung Netanjahu zu ersetzen und so bald wie möglich eine zionistische Regierung zu errichten, die sich der Wehrpflicht verpflichtet hat", sagte Eisenkot.

Oppositionsführer Yair Lapid erklärte Netanjahus Block ebenfalls für besiegt.

"Lassen Sie sich von niemandem verwirren: Der Netanjahu-Block hat eine vernichtende Niederlage erlitten. Das ist ein kompletter Zusammenbruch, und die Öffentlichkeit hat ihnen gesagt, sie sollen nach Hause gehen", erklärte er.

Der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, sagte, die Ergebnisse boten eine Gelegenheit, eine neue Regierung zu bilden.

"Die Öffentlichkeit hat gesprochen. Sie hat die Regierung Netanjahu entlassen. Uns wurde eine historische Gelegenheit gegeben, eine echte Regierung des Wandels in Israel zu etablieren, und wir haben nicht die Absicht, sie aufzugeben", sagte Golan.

"Wir sind bereit, mit all unseren Partnern zusammenzuarbeiten, die Lücken zu schließen und Verantwortung zu übernehmen", fügte er hinzu.

Politiker im Netanjahus Block drängten ihn, zu warten, bis spätere Ergebnisse vorliegen. Ben-Gvir warnte vor einer Einheitsregierung mit Eisenkot und nannte dies "einen schrecklichen Fehler".

Sollte Eisenkot Premierminister werden, würde er Netanjahu absetzen, dessen rechtsgerichtete Regierung während der von Hamas geführten Anschlägen am 7. Oktober 2023 an der Macht war und anschließend seine volle Amtszeit absolvierte. Netanjahu ist Israels am längsten amtierender Premierminister und hat dieses Amt insgesamt mehr als 19 Jahre inne.

Nach dem Massaker vom 7. Oktober und dem anschließenden Krieg hat der Oppositionsblock gefordert, dass Netanjahu für die Anschläge zur Rechenschaft gezogen wird, argumentiert, er solle nicht länger Premierminister sein, und fordert die Einrichtung einer staatlichen Untersuchungskommission.

Vergabe des Friedensnobelpreises 2026: Wenn Symbole dunkle Zeiten heraufbeschwören und eine Ehrung zur politischen Botschaft werden lassen ...

10. Okt. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blog "Schussental-Medial"

Es gibt Momente, in denen eine Auszeichnung nicht nur eine Person ehrt, sondern eine ganze – in diesem Fall "tief-dunkele" – historische Erzählung aktiviert und diese Erzählung den Preis, der vergeben wurde, überlagert, ihn politisch auflädt und ihn in eine symbolische Richtung lenkt, die weit über die Intention der Jury hinausgeht.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2026 an Frau Navanethem Pillay gehört zu dieser  Kategorie.  Nicht, weil Pillay den Preis nicht verdient hätte – ihre jahrzehntelange Arbeit für Menschenrechte, gegen Folter und für die Rechte von Frauen, Minderheiten und Verfolgten ist unbestritten und gehört zu den beeindruckendsten juristischen Biografien unserer Zeit. Sondern weil die Personalie, die Art und Weise der Ehrung, der Ort der Bekanntgabe und die Wortwahl der Preisträgerin eine symbolische Überlagerung erzeugen, die politisch und historisch kaum zu entwirren ist.

Der Ort der Bekanntgabe – Saal 600, jener Raum der Nürnberger Prozesse – ist kein neutraler Rahmen. Er ist ein moralischer Resonanzkörper. Wer dort auch noch geehrt wird, wird unweigerlich in Beziehung zu den historischen Verbrechen gesetzt, die dort verhandelt wurden. Die Jury wusste das. Pillay wusste das. Und die Welt wusste es in dem Moment, in dem die Nachricht über die Bühne ging. Saal 600 ist kein Ort, an dem man beiläufig einen Preis vergibt. Er ist ein Ort, an dem Geschichte spricht, auch wenn niemand ein Wort sagt. Und genau deshalb ist die Entscheidung, die Bekanntgabe dort zu inszenieren, nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein politischer Kommentar – ob beabsichtigt oder nicht.

Frau Navi Pillay selbst hat in einem Interview mit der "Tagesschau" betont, die Nürnberger Prozesse hätten sie „inspiriert“, überhaupt für Menschenrechte einzutreten. Das mag biografisch stimmen. Es ist nachvollziehbar, dass eine Juristin, die ihr Leben dem internationalen Recht gewidmet hat, sich auf die Geburtsstunde der modernen Völkerstrafrechtsprechung bezieht. Doch Inspiration ist das eine, Gleichsetzung das andere. Und genau hier beginnt die Irritation. Denn wer sich auf Nürnberg beruft, während er gleichzeitig Begriffe wie „Genozid“ und „Apartheid“ im Kontext des aktuellen Nahostkonflikts in Bezug auf Israel, den Staat der Juden, verwendet, setzt eine historische Linie, die nicht nur juristisch heikel ist, sondern politisch explosiv.

Diese Begriffe sind keine rhetorischen Verstärker. Sie sind juristische Kategorien, deren Anwendung strengen Kriterien unterliegt. Sie sind – im wahrsten Sinne des Wortes – Anklagebegriffe. Und sie entfalten eine Wirkung, die weit über die Absicht der Sprecherin hinausgeht. Wenn eine ehemalige UN‑Menschenrechts-Kommissarin sie verwendet, dann hören Staaten, Organisationen und Medien nicht nur eine Meinung, sondern eine Vorverurteilung. Und genau das ist das Problem: Der Internationale Strafgerichtshof hat seine Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Es gibt keine abschließende juristische Bewertung. Doch Pillays Worte klingen, als sei das Urteil unter ihrer Führung der Kommission bereits gesprochen.

Dass Israel darauf scharf reagiert, ist nicht überraschend. Ein Staat, der nach dem 7. Oktober 2023 in einem tiefen Trauma handelt, reagiert empfindlich auf jede Form von moralischer oder juristischer Einordnung, die seine Handlungen in die Nähe historischer Verbrechen rückt. Das ist keine politische Position, sondern eine psychologische Realität. Die Shoah ist kein fernes Ereignis, sondern ein kollektives Gedächtnis, das jede Bedrohung, jede Gewalt, jede existenzielle Krise in einem besonderen Licht erscheinen lässt. Die Shoah ist Teil der jüdischen DNA. Das zeigen Forschungen der Epigenese eindeutig. Wer in diesem Kontext mit Begriffen operiert, die aus der juristischen Auseinandersetzung mit der Shoah stammen, muss sich der Wirkung bewusst sein.

Israel hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin scharf kritisiert. Das Nobelpreiskomitee habe "die größte Lüge des 21. Jahrhunderts" belohnt, hieß es in einer Stellungnahme des israelischen Außenministeriums auf X. "Joseph Goebbels applaudiert bestimmt aus der Hölle", fügte das Ministerium mit Blick auf den NS-Reichspropagandaminister hinzu. (Quelle: n-tv)

Frau Pillay ist eine erfahrene Juristin. Sie kennt diese Wirkung. Und dennoch verwendet sie die Begriffe mit einer Selbstverständlichkeit, die irritiert. Im Interview mit der "Tagesschau" fällt zudem auf, wie häufig sie das „Ich“ benutzt und betont – mehr als zwei Dutzend Mal (25). Das ist kein Zufall. Es wirkt wie eine rhetorische Selbstvergewisserung, ein Versuch, Kritik an ihrer Person, ihrer Verurteilung Israels als Völkermörder zu rechtfertigen und Kritik an der Preisvergabe im Voraus zu neutralisieren. Doch die Kritik richtet sich nicht gegen ihre Biografie, sondern gegen die symbolische Konstellation, die durch das Osloer Komitee, den Preis selbst, Ort und Wortwahl entsteht.

Denn die Ehrung im Saal 600 ist nicht nur eine Auszeichnung. Sie ist eine Setzung. Sie stellt Pillays Arbeit in einen historischen Rahmen, der zwangsläufig Assoziationen weckt, die weit über die Intention der Jury hinausgehen. Und sie erzeugt eine politische Botschaft, die – ob gewollt oder nicht – als moralische Bewertung des aktuellen Konflikts gelesen wird. Genau das macht die Entscheidung so problematisch. Der Nobelpreis soll Brücken bauen, nicht Frontlinien markieren. Doch 2026 markiert er eine Frontlinie, und zwar eine, die durch die Wahl des Ortes und die Wortwahl der Preisträgerin schärfer gezogen wurde, als es nötig gewesen wäre.

Es wäre möglich gewesen, Pillays jahrzehntelange Arbeit zu würdigen, ohne sie in den Schatten der Nürnberger Prozesse zu stellen. Es wäre möglich gewesen, ihre Verdienste hervorzuheben, ohne Begriffe zu verwenden, die im laufenden Verfahren des Internationalen Strafgerichtshofs eine Vorverurteilung Israels darstellen. Es wäre möglich gewesen, die politische Wirkung der Ehrung zu entschärfen, statt sie zu verstärken. Doch die Jury hat sich anders entschieden. Und Pillay hat diese Entscheidung nicht nur angenommen, sondern durch ihre Wortwahl bestätigt.

Das schmälert ihre Lebensleistung nicht. Pillay hat sich über Jahrzehnte für Menschenrechte eingesetzt, oft unter schwierigen Bedingungen, oft gegen mächtige Gegner. Sie hat Missstände benannt, wo andere geschwiegen haben. Sie hat Opfer geschützt, wo Staaten versagt haben. Diese Arbeit verdient Respekt. Doch Respekt bedeutet nicht, jede symbolische Entscheidung unkritisch zu akzeptieren. Gerade weil Pillay eine bedeutende Juristin ist, muss man die Wirkung ihrer Worte ernst nehmen. Gerade weil sie eine moralische Autorität ist, muss man die Symbolik der Ehrung hinterfragen. Und gerade weil der Nobelpreis eine globale Wirkung entfaltet, muss man die Verantwortung betonen, die mit ihm einhergeht.

Der Friedensnobelpreis 2026 ist deshalb ein paradoxes Ereignis: eine Ehrung, die eine große Juristin würdigt – und gleichzeitig eine symbolische Linie überschreitet, die den Preis politisch auflädt, historisch überfrachtet und moralisch missverständlich macht. Es ist ein Preis, der Pillays Lebenswerk anerkennt – und zugleich eine Debatte eröffnet, die weit über ihre Person hinausgeht.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre dieses Jahres: Dass Symbole lauter sprechen als Laudationes. Dass Orte Botschaften senden, auch wenn niemand sie ausspricht. Und dass Worte, die juristische Kategorien berühren, nicht nur beschreiben, sondern deuten – manchmal stärker, als es der Sprecherin bewusst ist.

Der Nobelpreis sollte Brücken bauen. 2026 hat er eine historische Resonanzkammer geöffnet, in der die Töne schwerer sind als die Absicht.


Die DEMOKRATIE und ihre frühen Wurzeln in der Geschichte Israels ...

5. Okt. 2026, 1 Kommentar
Schussental-Medial-Internetblog


Demokratie. Ein großes Wort. Die alten Griechen seien die Erfinder dieser Staatsform, heißt es. In den Jahren 508 (Kleisthenes) bis 332 v. Chr. (Tod Alexanders des Großen) entwickelte sich dort tatsächlich die "Volksherrschaft". Doch – wer hätte das gedacht – bereits im alten Israel (die Zeitspanne etwa vor dem Jahr 1020 v. Chr.) gab es starke  demokratische Ansätze in Jerusalem und im Land am Jordan.

Darüber schreibt Joachim Kühne *), ein Oberstudienrat i.R. aus dem norddeutschen Erfde (Schleswig-Holstein) zum Nationalfeiertag Israels und zum "Tag des Gesetzes" am 3. Oktober 2026 in einem Gastbeitrag für diesen Blog. Anmerkung: Der jüdische "Nationalfeiertag" fiel im Jahr 2023 auf den 7. Oktober ...

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*) Von Joachim Kühne

"Nachdem Gott sein Volk aus Ägypten geführt hatte, gab sich Israel nach und nach 613 Gesetze und feiert bis heute den "Tag der Gesetze", Simchat Tora. Es ist ein fröhliches Fest, weil dieses Volk nicht mehr der Willkür der damaligen Ägypter ausgeliefert war. Das eigene Gesetz war der Beleg der Freiheit und es begann die Zeit der Richter. Das Volk hatte keinen König oder Ähnliches, und bis heute hat das oberste Gericht in Israel das letzte Wort. Gerade hat es das kurz vor der Auflösung der Knesset verabschiedete Gesetz zur Befreiung der Bibelschüler vom Wehrdienst als nicht dem Gleichheitsgrundsatz entsprechend zurückgewiesen. Was hat das mit uns zu tun?

Ich erzähle Ihnen eine Geschichte:

Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben und sprachen zum Ölbaum: Sei unser König! Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die Götter und Menschen an mir preisen, um über den Bäumen zu schweben?

Da fragten die Bäume den Feigenbaum, aber der Feigenbaum sprach: Soll ich meine Süßigkeit und meine gute Frucht lassen , um …

Da fragten die Bäume den Weinstock, aber der Weinstock sprach: Soll ich meinen Wein lassen, der die Menschen fröhlich macht , um…

Da sprachen alle Bäume zum Dornbusch: Komm Du und sei unser König! Der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Ist es wahr, dass ihr mich zum König über euch salben wollt, so kommt und bergt euch in meinem Schatten; wenn nicht, so gehe Feuer vom Dornbusch aus und verzehre die Zedern des Libanon.

Das Volk will also einen König haben, einen, der über es herrscht. Aber alle, die für das Volk etwas Positives darstellten, weigern sich, ihre positiven Eigenschaften aufzugeben, um über das Volk zu herrschen. Es gibt eine Bibelstelle (Nehemia 8), da heißt es nach der Lesung der Gesetze, als das Volk sich seiner Fehler bewusst wurde: Nun geht hin, esst fette Speisen und trinkt süße Getränke. Wie wäre das ohne Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock aber möglich?

Das also sind die Kriterien der Bibel an solche, die herrschen wollen: Sind ihre Eigenschaften nützlich für die Menschen? Und dann kommt der Dornbusch und der Schreiber dieses Teils des "Buches der Richter" und greift in den Senftopf der Satire, denn so ein Busch wirft keinen Schatten, ja, er verträgt auch keinen Schatten. Zudem wird er nur zirka 1,20 m groß; man muss sich also klein machen, um sich unter ihm zu bergen, und er stellt Ansprüche: Kommt man seinen Wünschen nicht nach, droht er mit Feuer. Dazu muss man wissen, dass der gemeinte Busch wegen seiner Öle zur Selbstentzündung neigt und er droht mit der Vernichtung der berühmten Zedern des Libanon.

Für unsere Demokratie heißt das: Lassen wir jeden das tun, wozu er befähigt ist und womit er sich auskennt, oder dulden wir Leute über uns, die keine Fachleute sind und auch noch Ansprüche stellen?

Immer wenn Letzteres passiert, werden die berühmten Zedern des Libanon, unter denen sich viele bergen können, verbrannt; der Mensch hinterlässt hinter sich verbrannte Erde wie 1945 oder oder oder … Ist nun eine Rückkehr in die königsfreie Zeit der Richter möglich, eine Zeit des willkürfreien Gesetzes?

Ich denke, das sollte die Grundlage unserer Demokratie sein und diese Grundlage sollte gründlich entstaubt werden! Sie sollte sich wieder an der Bibel orientieren, denn wir leben ja im christlich-jüdischen Abendland. Da kann das alles, abgesehen vom Grundgesetz, auf vier Aufträge zusammenschrumpfen:

  • Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast,
  • lass frei, auf die du das Joch gelegt hast,
  • gib frei, die du bedrückst,
  • reiß jedes Joch, heute würden wir sagen: Vorschrift, weg !

Der moderne Mensch spricht da vom Bürokratieabbau. Dies wäre der erste Streich und der zweite folgt sogleich: Brich dem Hungrigen dein Brot; das besitzanzeigende Fürwort gilt es zu beachten. Dieses „Dein“ richtet sich ganz demokratisch an alle Besitzenden. Da gibt der Ölbaum sein Öl, der Feigenbaum seine Süße und der Weinstock seine Fröhlichkeit; deshalb ist Kultur eine Grundlage der Demokratie.

Damit sind wir beim ersten Beispiel, wie Juden sich in unsere Demokratie einbringen: Ida Ehre gründete 1945 die Kammerspiele in Hamburg. Sie hatte 12 Jahre Berufsverbot! Wer kam, erzählte meine Mutter, musste ein Brikett mitbringen, damit geheizt werden konnte. Es gibt den Hunger nach Kultur, den Hunger nach Gemeinschaft, den Hunger, den nur der beschreiben kann, der ihn kennt.

Dies war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich : Die ohne Obdach sind, führe ins Haus! Das ist an keinen Reibach/Gewinn gebunden. Da gab es einen Pater in Frankreich, der Leerstand für Obdachlose requirierte. Was für ein klarer Auftrag. Mit anderen Dingen hat dieser Abbe Pierre leider seinen Ruf zerstört.

Dies war der dritte Streich, doch der vierte folgt sogleich. Wenn Du einen nackt siehst, so kleide ihn. Jetzt kann man immer gute Gründe finden, warum ich keinen dieser vier Punkte umsetzen kann, aber dann darf ich zum zweiten Streich zurückkehren, zu diesem besitzanzeigenden Fürwort „Dein“: jedem von uns eignet etwas und ich komme zum zweiten Beispiel: In meiner Schule war Hassan, ein Kurde, der unglaublich Fußball spielte. Unsere Schulmannschaft war jahrelang unschlagbar, denn er brachte, was er konnte, anderen bei. Das war sein Brot, das er anderen brach. Ich denke, jeder von uns hat etwas, das den spezifischen Hunger anderer stillen kann, und wenn wir das tun, dann passiert etwas in uns: Dann wird das Licht der Liebe aus dir scheinen und deine Heilung schreitet rasch voran.

Dann zählt der Herr dich zu den Seinen, weil er in dir sich selbst erkennen kann.

Zugegeben, die letzten vier Zeilen finden Sie so nicht in der Bibel; sie sind von mir, aber ich denke, wenn wir anfangen, Richter 9 und Jesaja 58 in unsere Zeit zu transferieren, dann passiert zweierlei: Das erste Kriterium für den zu Wählenden wäre die Frage: Ist er nützlich für andere oder ist er ein Dornbusch der eigenen Eitelkeit und Gier?

Gibt es unter den Lesern Basketballfans? Sagt Ihnen der Name Ralph Klein etwas? Das war ein Basketballtrainer, der Auschwitz überlebt hatte, und dann hat er in den neunziger Jahren die deutsche Nationalmannschaft trainiert. Damals gab es die erste Blüte des deutschen Basketballs; sie wurden 1987 Europameister.

„Draußen vor der Tür“ wurde in Ida Ehres Kammerspielen uraufgeführt; Ignatz Bubis, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, war 1993 ein möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Igor Levit macht Musik mit Danger Dan, aber sonst werde ich niemanden nennen, denn jeder muss selbst wissen in diesen unseren Zeiten, wie weit er sich aus dem Fenster lehnt und in Gefahr begibt, aber wenn man uns lässt, dann versuchen wir unserem Auftrag der Mitzwa gerecht zu werden, d.h. anderen wohl zu tun. Das fängt bei Stresemann an und hört bei Orenstein und Koppel auf, die Lokomotiven bauten."

Joachim Kühne (c)

Kolumne des Gedenkens zum --> "7. Oktober": Der Morgen, an dem eine Nation brutal zerrissen wurde, und der Morgen, an dem das Unvorstellbare zurückkehrte.

4. Okt. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger Schussental-Medial

Einen entsprechenden Brief per E-Mail habe ich an den Herrn Bundespräsidenten und Frau Bundestagspräsidentin gesendet. Siehe in der Anlage zu diesem Artikel *) 


Am 7. Oktober 2023, dem jüdischen Nationalfeiertag Simchat Tora und Tag der Freude, des Tanzes und der Ausgelassenheit, drangen mehr als 3.000 Kämpfer der Hamas und anderer palästinensischer Terrorgruppen über Land, Luft und See nach Israel ein. Sie überfielen Kibbuzim, Wohnhäuser und ein Musikfestival. Am Ende dieses Tages sind rund 1.200 Menschen tot — über 800 davon Zivilist/innen, darunter Kinder. Es ist kein „Angriff“, kein „Konflikt“. Es ist ein Massaker.

Das Unvorstellbare (die Shoah) kehrte an jenem Tag ins jüdische Leben zurück. Die Täter erschießen Familien in Schutzräumen, brennen Häuser nieder, foltern und vergewaltigen Frauen, verschleppen Kinder, demütigen Leichen. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sprechen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit — systematisch geplant, religiös aufgeladen, über Jahre vorbereitet. Das Wort „Zivilisationsbruch“ ist keine Metapher, sondern eine nüchterne Beschreibung.

Die Welt schaut weg. Drei Jahre später kreisen die Kameras über den Trümmern von Gaza. Hamas und mit ihr sympathisierende Terrorgruppen haben es in diesen 36 Monaten geschafft, Israel und das "weltweite Judentum" (Hitlerjargon) als grundsätzlich böse, brutal, als Terroristen und Völkermörder (erneut) zu stigmatisieren. Und alle Welt, auch die offizielle deutsche und vor allem "linke", fällt darauf herein und macht mit - bis hin zur UNO und dem Internationalen Strafgerichtshof.

Der 7. Oktober taucht in offiziellen deutschen Gedenklisten nicht auf. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Halbmastbeflaggung, keinen offiziellen Trauertag, kein Ritual des Innehaltens. Mit einer Einschränkung. Deutschland flaggte auf Anordnung des Bundesinnenministers  am 7. Oktober 2025 auf Halbmast. Die Beflaggung galt jedoch nur für Bundesbehörden in Berlin und Bonn. Es war und ist keine dauerhafte Regelung. Keine jährliche Halbmastbeflaggung. Keine bundesweite Gedenktradition. Wikipedia und andere offizielle seriöse Quellen führen den 7. Oktober nicht als Gedenktag auf. Gesellschaftliche Initiativen existieren — aber ohne staatliche Verankerung. Das Berliner Abendblatt berichtet über eine Friedensbotschaft eines Imams und eines Rabbiners, die gemeinsam zum 7. Oktober 2026 sprechen. Ein starkes Zeichen — aber kein staatlicher Akt.

Ergebnis: Deutschland hat keinen offiziellen, dauerhaften Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober. Die Beflaggung 2025 ist ein isolierter Schritt, kein struktureller Wandel. In einem Land, das sich zu „Nie wieder“ verpflichtet hat, ist das eine schmerzhafte Inkonsistenz. Wer den 7. Oktober aus dem öffentlichen Gedächtnis streicht, relativiert dieses Massaker.

Die Petition aus Ravensburg vom Juli 2024, einen Platz in Ravensburg nach Shani Louk zu benennen, die ihre deutschen Wurzeln in Ravensburg hat, wurde von der Stadtverwaltung abgelehnt — mit Allgemeinsätzen, ohne echte Auseinandersetzung mit der Bedeutung dieses Namens. In einer Stadt, die sich gern als „weltoffen“ bezeichnet, ist diese Entscheidung ein schmerzhafter Widerspruch. Sie zeigt, wie schwer sich Deutschland tut, jüdisches Leid sichtbar zu machen — selbst dann, wenn es eine direkte Verbindung in die eigene Stadt gibt. Die Ablehnung ist mehr als eine kommunale Entscheidung. Sie ist ein Symptom.

Die Angehörigen der Ermordeten und Verschleppten wurden mit ihrem Schmerz allein gelassen. Dass dieser Tag im deutschen Kalender als Tag der Trauer und der Solidarität mit Israel und dem jüdischen Volk nicht existiert, ist ein Skandal.

1. Der Morgen des 7. Oktober: Chronik eines Zivilisationsbruchs

Es ist 6:29 Uhr, als die ersten Raketen aus Gaza in Israel niedergehen. Wenige Minuten später durchbrechen Terroristen den Grenzzaun, fliegen mit motorisierten Gleitschirmen über die Grenze, landen mit Booten an Stränden. Die Angriffe treffen Orte, die für das zivile Leben Israels stehen: Be’eri, Kfar Aza, Nahal Oz, Holit, Magen, Zikim, das Nova-Musikfestival. Shani Louk, eine jüdische Israelitin mit deutschen Wurzeln in Ravensburg, wird brutal ermordet.

Human Rights Watch dokumentiert später:

„Die Angriffe waren weit verbreitet, systematisch und richteten sich gezielt gegen Zivilist/innen.“ (Quelle: HRW, 17.07.2024)

Die Täter gehen von Haus zu Haus. Sie werfen Granaten in Schutzräume, erschießen Familien, setzen Häuser in Brand und töten Menschen, die sich unter Betten verstecken. Auf dem Nova-Festival ermorden sie über 360 junge Menschen, viele von ihnen auf der Flucht, andere in Zelten, wieder andere in Autos, die sie in Brand setzen.

2. Die konkreten Untaten: Was dokumentiert ist

Erschießungen und Brandanschläge

In Kfar Aza und Be’eri finden Rettungskräfte später ganze Familien, die in ihren Schutzräumen erschossen wurden. Häuser wurden angezündet, während Menschen darin noch lebten.

Geiselnahmen und Folter

Mehr als 240 Menschen werden verschleppt — darunter Kinder, Frauen, Alte. Amnesty International schreibt:

„Die Geiselnahmen waren Teil eines systematischen Angriffs auf die Zivilbevölkerung.“ (Quelle: Amnesty, 2023)

Geiseln berichten von Schlägen, sexualisierter Gewalt, psychischer Folter, ständiger Todesangst.

Sexualisierte Gewalt

Die Heinrich-Böll-Stiftung dokumentiert Zeug/innenberichte, Videoanalysen und forensische Hinweise:

„Es gibt eindeutige Belege für Gruppenvergewaltigungen, sexualisierte Folter und Demütigung.“ (Quelle: Böll-Stiftung, 30.04.2024)

Diese Gewalt war kein „Nebeneffekt“, sondern Teil der Strategie: Frauen sollten gebrochen, Familien traumatisiert und die israelische Gesellschaft destabilisiert werden.

3. Planung, Ideologie, Todeskult

Jahrelange Vorbereitung

Sichergestellte Hamas-Dokumente zeigen Einsatzbefehle, Karten, Ziellisten, Trainingsprotokolle und Handbücher zur Geiselnahme. (Quelle: Exxpress, 2023)

Die Angriffe waren nicht spontan. Sie waren militärisch präzise geplant — mit dem Ziel, möglichst viele Zivilist:innen zu töten und zu entführen.

Religiöse Rahmung

Interne Predigten und Fatwas rahmen die Gewalt als religiöse Pflicht. Frauen, Kinder, Alte werden nicht als Zivilist:innen gesehen, sondern als „legitime Ziele“.

Symbolische Vernichtung

Der Historiker Hillay Zmora sagt:

„Die Hamas wollte die Kibbuzim als Orte des jüdischen Lebens symbolisch vernichten.“ (Quelle: Cicero, 2024)

Es ging nicht nur um die militärische Wirkung, sondern um die Zerstörung von Gemeinschaften, die Israel aufgebaut hat.

4. Mythen und Fakten: Warum Wahrheit wichtiger ist als Horror-Propaganda

Der 7. Oktober ist ein Tag der Gräuel. Aber gerade deshalb braucht es Präzision.

Kinder wurden getötet.

Es ist gesichert, dass Kinder, auch Babys, getötet wurden — durch Schüsse, Explosionen und Brände. (Quelle: HRW, Amnesty)

Enthauptungen – ja, aber nicht „40 enthauptete Babys“.

Es gab nachweislich Enthauptungen und schwere Verstümmelungen. Die spezifische Behauptung „40 enthauptete Babys“ ist jedoch nicht verifiziert und beruht auf missverstandenen Ersthelferberichten. (Quelle: Heute.at, 2023)

Babys im Backofen – umstritten, nicht belegt.

Einzelne Ersthelfer berichten von einem verbrannten Baby in einem Ofen. Unabhängige forensische Bestätigungen fehlen. (Quelle: internationale Fact-Checks)

Warum das wichtig ist: Wer belegbare Gräuel mit unbestätigten Horrorgeschichten vermischt, macht die Wahrheit angreifbar. Die dokumentierten Verbrechen sind schlimm genug — sie brauchen keine Überhöhung.

5. Die zweite Gewalt: Das Wegsehen nach dem Massaker

Asymmetrie der Bilder

Die Welt kennt die Drohnenbilder aus dem zerstörten Gaza. Aber die Bilder aus Be’eri, Kfar Aza, vom Nova-Festival — Schutzräume voller Leichen, ausgebrannte Häuser, zerstörte Familien — sind weit weniger präsent.

Allein gelassene Trauer

Viele Israelis berichten, dass sie sich mit ihrem Trauma alleingelassen fühlen. Die tägliche Raketenbedrohung, die Geiseln, die Albträume, das zerbrochene Sicherheitsgefühl — international kaum wahrgenommen.

6. Ein Vorschlag für den deutschen Kalender

Deutschland braucht den Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober 2023.

Nicht als „pro-israelisches Statement“. Nicht als „politische Positionierung im Nahostkonflikt“. Sondern als moralische Selbstverpflichtung:

  • gegen antisemitischen Terror,

  • gegen die Relativierung von Gewalt,

  • gegen das Vergessen.

Der 7. Oktober gehört in den deutschen Kalender — als Tag der Trauer, der Solidarität und der Klarheit.

Denn ein Land, das „Nie wieder“ sagt, darf nicht wegsehen, wenn das Unvorstellbare wieder geschehen ist - ansonsten es sich womöglich noch einmal ereignet!

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Stefan Weinert                                       Ravensburg, 6. Oktober 2026
Untere Burachstraße 94
88212 Ravensburg

Trauerbeflaggung am 7. Oktober und offizieller Gedenktag in Deutschland

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Bundestagspräsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren Bundestagsabgeordnete!

Drei Jahre nach dem verheerenden Massaker der Hamas am Volk Israels und an Menschen jüdischen Glaubens kreisen die Kameras über den Trümmern von Gaza und alle Welt jammert. Hamas und mit ihr sympathisierende Terrorgruppen haben es in diesen 36 Monaten geschafft, Israel und das "weltweite Judentum" (Hitlerjargon) als grundsätzlich böse, brutal, als Terroristen, Zerstörer und Völkermörder (erneut) zu stigmatisieren. Und alle Welt, auch die offizielle deutsche und vor allem "linke", fällt darauf herein und macht mit - bis hin zur UNO und dem Internationalen Strafgerichtshof.

Der 7. Oktober taucht in offiziellen deutschen Gedenklisten nicht auf. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Halbmastbeflaggung, keinen offiziellen Trauertag, kein Ritual des Innehaltens. Mit einer Einschränkung. Deutschland flaggte auf Anordnung des Bundesinnenministers  am 7. Oktober 2025 auf Halbmast. Die Beflaggung galt jedoch nur für Bundesbehörden in Berlin und Bonn. Es war und ist keine dauerhafte Regelung. Keine jährliche Halbmastbeflaggung. Keine bundesweite Gedenktradition!

Wikipedia und andere offizielle seriöse - auch staatliche - Quellen führen den 7. Oktober nicht als Gedenktag auf. Gesellschaftliche Initiativen existieren — aber ohne staatliche Verankerung. Das Berliner Abendblatt berichtet über eine Friedensbotschaft eines Imams und eines Rabbiners, die gemeinsam zum 7. Oktober 2026 sprechen. Ein starkes Zeichen — aber kein staatlicher Akt.

Ergebnis: Deutschland hat keinen offiziellen, dauerhaften Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober. Die Beflaggung 2025 ist ein isolierter Schritt, kein struktureller Wandel. In einem Land, das sich zu „Nie wieder“ verpflichtet hat, ist das eine schmerzhafte Inkonsistenz. Wer den 7. Oktober aus dem öffentlichen Gedächtnis streicht, relativiert dieses Massaker.

Deutschland braucht den Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober 2023.

Nicht als „pro-israelisches Statement“. Nicht als „politische Positionierung im Nahostkonflikt“. Sondern als moralische Selbstverpflichtung:

- gegen antisemitischen Terror,

- gegen die Relativierung von Gewalt,

- gegen das Vergessen.


Der 7. Oktober gehört in den deutschen Kalender — als Tag der Trauer, der Solidarität und der Klarheit.

Denn ein Land, das „Nie wieder“ sagt, darf nicht wegsehen, wenn das Unvorstellbare wieder geschehen ist – sonst es sich womöglich noch einmal ereignet!

Mit Respekt und Freundlichkeit,

Stefan Weinert, Theologe aus Ravensburg

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PS - Bitte lesen Sie den unter "Betreff" verlinkten Artikel meines Blogs, um meine Argumentation besser nachvollziehen zu können. Vielen Dank dafür!



„Ab nach Auschwitz“: Keine Entschuldigung kann diesen Satz einfach auslöschen. - Antisemitismus und Queerfeindlichkeit aus Thüringen nach dem CSD-Anschlag

30. Jul. 2026, Keine Kommentare
ha.olam

Ein Gastwirt aus Leinefelde-Worbis [Thüringen] wünschte queeren Menschen nach Auschwitz und schrieb „weg mit euch“. Das Internationale Auschwitz-Komitee weist seine Entschuldigung zurück. Stadt und Landesgartenschau haben die Zusammenarbeit beendet.

Ein Gastwirt aus Leinefelde-Worbis schrieb unter ein Video von der Evakuierung des Berliner Christopher Street Day: „Ab nach Auschwitz und weg mit euch.“

Dieser Satz braucht keine großzügige Interpretation. Auschwitz steht für Entrechtung, Deportation und industriellen Massenmord. Wer Menschen dorthin wünscht und ihre Beseitigung fordert, veröffentlicht keine bloße Geschmacklosigkeit. Er benutzt die Sprache nationalsozialistischer Vernichtung gegen queere Menschen.

Nach öffentlicher Empörung löschte der Gastronom den Kommentar. Er entschuldigte sich und kündigte an, sich künftig mit Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Das Internationale Auschwitz Komitee hält diese Entschuldigung nicht für glaubhaft und nimmt sie ausdrücklich nicht an.

Das Auschwitz Komitee findet klare Worte

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, wirft dem Gastwirt vor, queere Menschen mit dem Tod bedroht und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben.

Der Mann habe gewusst, wofür Auschwitz stehe. Er habe niemandem lediglich „auf den Fuß getreten“. Nach Heubners Bewertung habe er queeren Menschen mit Vernichtung gedroht. Wer „weg mit euch“ schreibe, beschwöre politische Verhältnisse herauf, die ein neues Auschwitz möglich machten.

Diese harte Bewertung ist nachvollziehbar. Der Satz fiel zudem unmittelbar nach einem tödlichen Anschlag auf eine queere Großveranstaltung. Während Menschen um eine Tote trauerten und zahlreiche Verletzte behandelt wurden, wünschte ein Geschäftsmann den Betroffenen ausgerechnet Auschwitz.

Eine Entschuldigung schafft keinen Anspruch auf Vergebung

Menschen können ihre Haltung ändern. Auch jemand, der etwas Abscheuliches geschrieben hat, darf später Reue empfinden. Doch eine nachträgliche Entschuldigung löscht den ursprünglichen Satz nicht und verpflichtet niemanden, wieder Vertrauen zu schenken.

Das gilt besonders, wenn die Erklärung erst nach öffentlicher Kritik, Strafanzeigen und wirtschaftlichen Konsequenzen erfolgt.

Die Betroffenen müssen die Entschuldigung nicht annehmen. Das Auschwitz-Komitee muss sie nicht akzeptieren. Kunden müssen nicht weiter ins Lokal einkehren. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen keine Geschäftsbeziehung fortsetzen.

Eine Entschuldigung kann allenfalls der Anfang einer langen persönlichen Aufarbeitung sein. Sie ist kein Freispruch und keine Eintrittskarte zurück in die Normalität.

Stadt und Landesgartenschau ziehen die notwendige Konsequenz

Die Stadt Leinefelde-Worbis und die Gesellschaft der Landesgartenschau haben die Patenschaft des Gastronomen mit sofortiger Wirkung beendet. Die Geschäftsführung bezeichnete den Kommentar als unerträglich und inakzeptabel. Eine weitere Zusammenarbeit sei trotz der späteren Entschuldigung nicht möglich.

Diese Entscheidung ist richtig.

Eine öffentliche Veranstaltung, die alle Menschen unabhängig von Herkunft, Lebensweise oder Partnerschaft willkommen heißen will, kann nicht gleichzeitig einen Sponsor präsentieren, der queere Menschen nach Auschwitz wünscht.

Der Abbruch einer Zusammenarbeit ist keine staatliche Vorverurteilung. Er ist eine klare gesellschaftliche Grenze. Wer öffentlich Vernichtungsrhetorik gegen eine Minderheit verbreitet, muss damit rechnen, Vertrauen, Ansehen und Geschäftspartner zu verlieren.

Niemand besitzt einen Anspruch darauf, dass andere Menschen nach einem solchen Satz weiterhin bei ihm essen, ihn als Sponsor präsentieren oder mit ihm zusammenarbeiten.

Antisemitismus und Queerfeindlichkeit treffen hier zusammen

Der Kommentar richtete sich unmittelbar gegen queere Menschen. Zugleich missbrauchte er Auschwitz als Drohkulisse.

Damit verhöhnt der Satz auch die Erinnerung an die mehr als eine Million Menschen, die im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden, vor allem Jüdinnen und Juden. Auch homosexuelle Menschen wurden unter dem Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet.

„Ab nach Auschwitz“ ist deshalb keine gewöhnliche Beschimpfung. Der Satz greift queere Menschen mit der Erinnerung an den nationalsozialistischen Massenmord an.

Wer so spricht, stellt sich selbst außerhalb des Grundkonsenses einer Gesellschaft, in der jeder Mensch das gleiche Recht auf Würde, Sicherheit und Leben besitzt.

Das bedeutet nicht, dem Verfasser seine eigenen Rechte oder seine Menschenwürde abzusprechen. Eine demokratische Gesellschaft darf nicht mit derselben Entmenschlichung antworten, die sie verurteilt.

Sie darf ihm aber unmissverständlich zeigen, dass solche Äußerungen Folgen haben.

Staatsanwaltschaft prüft den Kommentar

Nach Angaben des MDR sind bei der Polizei zwei Strafanzeigen eingegangen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen leitet ein Ermittlungsverfahren ein und prüft, ob der Kommentar strafrechtlich relevant ist. Bis zu einer möglichen rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Die strafrechtliche Bewertung obliegt den Ermittlungsbehörden und gegebenenfalls einem Gericht. Gesellschaftlich ist die Bewertung schon jetzt möglich: Der dokumentierte Wortlaut ist menschenverachtend und mit keiner normalen politischen Auseinandersetzung zu verwechseln.

Eine Entschuldigung kann diesen Satz nicht ungeschehen machen.

Und niemand darf von queeren Menschen oder den Vertretern der Auschwitz-Überlebenden verlangen, darüber hinwegzugehen.

Eine Flottille, die nicht nach Gaza fährt, sondern in unsere Köpfe

17. Jun. 2026, 1 Kommentar
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Die nächste Gaza‑Flottille kündigt sich an wie ein Ritual, das niemand mehr erklären müsste – und doch erzählt sie eine Geschichte, die selten ausgesprochen wird. Hinter dem Pathos der „humanitären Mission“ stehen politische Netzwerke, die seit Jahren dieselben Bilder produzieren wollen. Was als Hilfsfahrt verkauft wird, ist in Wahrheit eine PR‑Inszenierung mit kalkulierter Dramaturgie. Die Organisatoren wissen genau, dass nicht die Ladung zählt, sondern der Moment der Konfrontation – und die Schlagzeilen, die daraus entstehen.

Denn diese Schiffe fahren nicht, um Gaza zu erreichen, sondern um die Weltöffentlichkeit zu erreichen. Die humanitäre Fassade ist dünn, die politische Absicht klar: Bilder erzeugen, Empörung ernten, Narrative festschreiben.

Das ist kein Zynismus. Das ist die Logik der Organisatoren selbst, wie sie in einem ha.Olam‑Pressebericht klar benannt wird. Die Blockade soll gebrochen werden – nicht, weil es keine humanitären Wege gäbe, sondern weil der Moment des Stopps das eigentliche Ziel ist. Der Moment, in dem israelische Soldaten ein Schiff der Flottille betreten. Der Moment, in dem die Kameras klicken. Der Moment, in dem Aktivismus sich in Anklage verwandelt.

Wer diese neue Flottille verstehen will, muss die alte kennen. Die von 2010 mit der Mavi Marmara. Ein Schiff, das zur Ikone wurde – nicht wegen seiner Ladung, sondern wegen seiner Bilder. Seitdem lebt die Idee weiter: Aktivisten gegen Soldaten, Moral gegen Sicherheit, Pathos gegen Realität.

Die neue Mission knüpft genau daran an. Sie kommt aus demselben politischen Umfeld, aus denselben Strukturen und aus denselben Netzwerken. Die IHH – in Deutschland seit 2010 verboten, weil Gelder an Hamas-nahe Vereine flossen – spielt erneut eine zentrale Rolle. In der Türkei präsentiert sie sich als humanitäre Organisation. In Israel gilt sie als sicherheitsrelevant.

Beides gleichzeitig kann nicht stimmen. Aber beides gleichzeitig wird behauptet.

Und genau in dieser Grauzone gedeiht die PR.

Humanitäre Hilfe? Oder humanitäre Kulisse?

Wer wirklich helfen will, nutzt die kontrollierten Übergänge. Wer wirklich helfen will, spricht mit den Vereinten Nationen. Wer wirklich helfen will, bringt Medikamente, nicht Medienstrategien.

Doch diese Flottille will nicht helfen. Sie will erzählen.

Sie will die Geschichte eines „belagerten Gaza“, eines „aggressiven Israels“, eines „mutigen Widerstands“. Eine Geschichte, die sich gut verkauft, weil sie einfach ist. Eine Geschichte, die sich gut teilt, weil sie schwarzweiß ist. Eine Geschichte, die sich gut empört, weil sie keine Zwischentöne kennt.

Die PR-Mechanik: Wie man eine Konfrontation baut

Die Mechanik ist simpel:

  1. Man/frau kündigt eine Flottille an. Möglichst laut, möglichst moralisch aufgeladen.

  2. Man* wählt bewusst den Weg, den Israel aus Sicherheitsgründen nicht zulassen kann. Nicht den legalen, nicht den humanitären – den symbolischen.

  3. Man* wartet auf die Reaktion. Und die wird kommen. Sie muss kommen.

  4. Man* verwandelt die Reaktion in Empörung. Aus einer Sicherheitsmaßnahme wird ein „Angriff“. Aus einem Boarding wird „Gewalt“. Aus einem Stopp wird „Unterdrückung“.

  5. Man* gewinnt die Bilder. Und Bilder sind die Währung des Aktivismus.

Warum das alles gefährlich ist – nicht nur für Israel

Diese Flottille ist kein isoliertes Ereignis. Sie ist Teil eines größeren Trends: der moralischen Dramatisierung des Nahostkonflikts, der Delegitimierung israelischer Sicherheitsinteressen, der Romantisierung von Gruppen, deren Nähe zur Hamas nicht zufällig ist.

Und sie ist Teil eines europäischen Problems: der Bereitschaft, jede antiisraelische Aktion als „Menschenrechtskampf“ zu etikettieren, selbst wenn sie aus politischen Netzwerken kommt, die mit Menschenrechten wenig anfangen können.

Die Gefahr liegt nicht im Schiff. Die Gefahr liegt in der Erzählung.

Denn jede dieser Aktionen verschiebt das Klima ein Stück weiter: weg von Fakten, hin zu Bildern; weg von Komplexität, hin zu Parolen; weg von legitimer Kritik, hin zur Dämonisierung.

Was bleibt? Ein Satz, der hängen bleibt

Diese Flottille fährt nicht nach Gaza. Sie fährt in unsere Köpfe.

Sie will nicht die Blockade brechen. Sie will die Wahrnehmung brechen.

Und sie zeigt – wieder einmal –, wie leicht sich die Welt von Bildern lenken lässt, wenn sie die Geschichte schon vorher kennt, und wenn sie nur darauf wartet, dass jemand sie bestätigt.

Sünderkartei Flensburg: Ein antisemitischer Eintrag – und ein peinlicher Zusatzfall // Wenn die Sünderkartei wächst – und die Justiz stolpert ...

13. Jun. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

In Flensburg zeigt ein einziger Gerichtstag, wie brüchig die Sicherheit jüdischer Sichtbarkeit in Deutschland geworden ist. Während ein Mann wegen eines offen antisemitischen Hausverbots verurteilt wird, muss eine jüdische Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen – ein „Versehen“, das mehr über die Lage im Land erzählt als jede Gedenkrede. 

Flensburg hätte ein klares Signal gegen Judenhass senden können. Stattdessen bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Justiz spricht von einem Fehler. Doch die Wirkung bleibt. Und sie trifft mitten ins Herz einer Gesellschaft, die „Nie wieder“ sagt und doch immer wieder stolpert.

Es gibt Nachrichten, die mich deshalb persönlich treffen, weil sie an der eigenen Biografie rühren. Wer – wie ich – in Schleswig geboren wurde und einige Jahre in Flensburg gelebt hat, liest  Meldungen von dort nicht wie ein abstraktes Stück Deutschland, sondern wie ein Echo aus der eigenen Lebenslandschaft. 

Denn was sich dort am 1. Juni 2026 ereignet hat, ist mehr als ein Justizfehler. 

1. Der Täter – ein Relikt, das nie verschwunden ist

Ein Ladeninhaber hängt 2025 ein Schild ins Schaufenster seines Geschäftes: „JUDEN haben hier Hausverbot!!!!“ Sechs Monate auf Bewährung. 1.200 Euro an eine Gedenkstätte.

Das Urteil vor dem Amtsgericht Flensburg ist richtig. Aber es ist auch ernüchternd. Denn solche Sätze sind nicht „Ausreißer“. Sie sind Rückfälle. Rückfälle in eine Sprache, die in Deutschland nie wieder auftauchen dürfte – und doch wieder auftaucht.

2. Der Skandal – nicht im Urteil, sondern im Vorraum des Gerichts

Dass eine jüdische Zuschauerin vor Beginn des Prozesses ihre Davidsternkette ablegen musste, ist der eigentliche Schock jenes  Tages.

Nicht, weil die Justiz antisemitisch wäre. Sondern weil sie unsensibel war – und das ausgerechnet dort, wo Sensibilität Pflicht ist.

Die offizielle Erklärung spricht von einem „Versehen“. Doch ein Versehen, das ein jüdisches Symbol trifft, ist kein neutraler Fehler. Es ist ein Symptom.

Ein Symptom dafür, wie schnell jüdische Sichtbarkeit in Deutschland wieder als „Problem“ markiert werden kann – selbst in einem Gerichtssaal, selbst bei einem Prozess wegen Judenhass.

3. Der Kontext – Deutschland 2026

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich das Klima für Juden in Deutschland dramatisch verändert. Synagogen unter Polizeischutz. Kinder, die ihre Kippa verstecken. Menschen, die ihre Davidsternkette unter dem Hemd tragen.

Und nun: Eine Frau, die sie vor dem Gerichtssaal ablegen muss. Nicht, weil sie provoziert. Sondern weil sie sichtbar ist.

Das ist die eigentliche Tragödie dieses Vorgangs.

4. Die Justiz – gut gemeint reicht nicht

Die Gerichte betonen: Es war nicht beabsichtigt. Es war ein Missverständnis. Es war ein Fehler in der Umsetzung einer Sicherheitsanordnung.

Das mag alles stimmen. Aber es reicht nicht.

Denn ein Rechtsstaat, der jüdisches Leben schützen will, muss mehr können als gute Absichten. Er muss unterscheiden können zwischen:

  • einem Plakat, das stört

  • und einem Symbol, das schützt

Zwischen:

  • politischer Aktion

  • und religiöser Identität

Zwischen:

  • Gefahr

  • und Würde

Diese Differenzierung hat in Flensburg gefehlt.

5. Die Wirkung – stärker als jede Absicht

Für die betroffene Frau war es egal, was später erklärt wurde. In diesem Moment war die Botschaft klar:

„Dein Davidstern ist hier nicht erwünscht.“

Und das – ausgerechnet an einem Tag, an dem ein Mann verurteilt wurde, weil er Juden aus seinem Laden ausschließen wollte.

Das ist die bittere Ironie dieses Falls.

6. Was Flensburg uns zeigt

Flensburg zeigt nicht, dass die Justiz antisemitisch ist. Flensburg zeigt, wie fragil jüdische Sichtbarkeit in Deutschland geworden ist. Wie schnell ein Symbol der Identität zu einem „Sicherheitsrisiko“ erklärt werden kann. Wie dünn die Linie ist zwischen Schutz und Unsichtbarmachung.

Und es zeigt, dass Deutschland – 81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – immer noch lernen muss, was es bedeutet, jüdisches Leben nicht nur zu erinnern, sondern zu schützen.

7. Was jetzt nötig ist
  • Klare Regeln für Einlasskontrollen

  • Sensibilisierung des Sicherheitspersonals

  • Unmissverständliche Anweisungen für religiöse Symbole

  • Ein öffentliches Signal, dass jüdische Identität nicht versteckt werden muss

Denn ein Davidstern ist kein Risiko. Ein Davidstern ist ein Recht.

Flensburg ist kein Einzelfall. Flensburg ist ein Warnsignal.

Ein Land, das „Nie wieder“ sagt, muss dafür sorgen, dass jüdische Bürger nicht im Gerichtssaal ihre Identität ablegen müssen. Nicht 2026. Nicht in Flensburg. Nicht in Deutschland.


„Ich verstehe nicht, warum keine einzige Aktivisten-Yacht versucht, die Blockade der Straße von Hormus zu durchbrechen.“

10. Jun. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Es gibt Sätze, die uns aufrütteln und die Widersprüchlichkeiten dieser Welt offenbaren. Einer dieser Sätze ist der folgende:

„Ich verstehe nicht, warum keine einzige Aktivisten-Yacht versucht, die Blockade der Straße von Hormus zu durchbrechen.“

Ich fand diese zwei Zeilen beim "Durchblättern" von Facebook - und er hat bei mir "gesessen"! 

Nicht wegen der Geopolitik. Sondern wegen der Leerstelle, die er freilegt.

Hormus_1.jpg


Stef-Art 2026

Denn tatsächlich: Wo sind sie? Die moralischen Leuchttürme, die sonst jede Kamera finden wie Zugvögel den Süden. Die Schlauchboot-Armada, die sich vor LNG-Terminals postiert? Die Klima-Ikonen, die sich an Asphalt kleben, an Kunstwerke, an alles, was sich nicht wehrt. 

Wo sind sie jetzt — dort, wo die Weltpolitik wirklich brennt?

Vor Gaza liegen sie, sagen manche. Für „Menschlichkeit“. Aber Menschlichkeit ist ein großes Wort, das sich erstaunlich flexibel dehnen lässt. Es reicht für manche Konflikte, aber nicht für alle. Es reicht für manche Opfer, aber nicht für alle. Es reicht für manche Täter, aber nicht für alle.

Die Straße von Hormus hingegen? Zu gefährlich. Zu kompliziert. Zu wenig Likes. Zu wenig klare Gut-Böse-Storyline. Zu viele Akteure, die nicht in die gewohnte Dramaturgie passen. Und es ist eben nicht Israel, das im kämpferischen Fokus der Aktivisten steht, sondern der Iran, der die Israel-feindliche Hisbollah an seinem Busen nährt.

Aktivismus funktioniert eben nur dort, wo die Welt in Schwarzweiß gemalt werden kann. Wo man/frau/greta sich sicher sein darf, dass die eigene Pose moralisch unangreifbar bleibt. Wo man* nicht riskieren muss, dass die Realität zurückschlägt.

Die Straße von Hormus ist kein Ort für Selfies. Sie ist ein Ort, an dem die Weltwirtschaft pulsiert, an dem Staaten mit scharfen Zähnen operieren, an dem ein falscher Schritt nicht zu einem Shitstorm führt, sondern zu einem Zwischenfall, der in Geschichtsbücher wandert.

Und genau deshalb ist sie der perfekte Spiegel für unseren Zeitgeist: Wir leben in einer Epoche, in der Mut oft mit Moral verwechselt wird — und Moral mit Marketing.

Die Abwesenheit der Aktivisten ist kein Zufall. Sie ist ein Symptom.

Ein Symptom dafür, dass viele Bewegungen längst nicht mehr die Welt verändern wollen, sondern die Wahrnehmung der Welt. Es geht nicht um Risiko, sondern um Reichweite. Nicht um Verantwortung, sondern um Sichtbarkeit. Nicht um Konfliktzonen, sondern um Komfortzonen.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieses Satzes: Nicht, dass niemand die Straße von Hormus durchbricht. Sondern dass wir uns daran gewöhnt haben, dass Aktivismus dort endet, wo die Realität beginnt.


Der Kampf gegen Antisemitismus entscheidet sich nicht an Gedenktagen. Er entscheidet sich im Verhalten gegenüber den Juden, die heute leben!

3. Jun. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger aus Ravensburg


Es gibt einen Satz, der in Deutschland zu oft gesprochen und zu selten gelebt wird: „Nie wieder.“ Er klingt gut auf Podien, er wirkt würdevoll bei Kranzniederlegungen, er beruhigt das nationale Gewissen. Doch – Deutschland hat gelernt, die Toten des Holocaust und der Shoa zu ehren – aber nicht, die heute Lebenden zu schützen.

Der moderne Antisemitismus ist nicht mehr der grölende Mob von gestern. Er ist subtiler, politischer, akademischer, moralisch getarnt. Er tritt als „Menschenrechtskritik“ auf, als „Kontextualisierung“, als „Solidarität mit Unterdrückten“. Und er bedient sich eines perfiden Musters ▶ des Nekro‑Antisemitismus*) — die Verehrung toter Juden, um lebende Juden zu delegitimieren.

1. Die gefährliche Spaltung: Tote Juden passen ins deutsche Selbstbild — lebende Juden stören es

Deutschland trauert zuverlässig über Auschwitz, Jahr für Jahr, aber es zögert, wenn jüdische Kinder in Berlin bedroht werden. Man/frau spricht mit Pathos über Anne Frank, aber man* relativiert die ermordeten Israelis vom 7. Oktober 2023. Man* verurteilt die Täter, aber man* diskutiert tendenziös darüber, ob Israel „nicht selbst schuld“ sei.

Diese Spaltung ist nicht nur moralisch verwerflich — sie ist gefährlich. Denn sie erzeugt eine Gesellschaft, in der Juden nur dann akzeptiert werden, wenn sie stumm, wehrlos --- oder tot sind. Sobald sie sprechen, sich wehren, Israel verteidigen oder Sicherheit einfordern, gelten sie als „Problem“.

Erinnerung wird zur Selbstvergewisserung, nicht zur Verpflichtung .

2. Der 7. Oktober als moralischer Prüfstein — und als deutsches Versagen

Der Hamas‑Massenmord an 1.200 Menschen war das schwerste antisemitische Verbrechen seit der Shoah. Doch die Reaktion vieler westlicher Gesellschaften — auch Deutschlands — war ein moralischer Offenbarungseid:

  • Die Relativierung begann, bevor die Toten identifiziert waren.

  • Die Schuldumkehr setzte ein, während Geiseln noch in Tunneln lagen.

  • Der Fokus verschob sich von jüdischem Leid zu politischer Anklage gegen Israel.

Das ist nicht „Kritik“. Das ist sekundärer Antisemitismus — Hass wegen der Erinnerung, nicht trotz ihr. Und es ist Nekro‑Antisemitismus — die Instrumentalisierung der Shoah, um Israel moralisch zu entwaffnen.

3. Was heute konkret getan werden muss — juristisch, gesellschaftlich, politisch) Schutz jüdischen Lebens als Staatsziel ernst nehmen

a) Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes verpflichten den Staat, jüdisches Leben aktiv zu schützen. Das bedeutet:

  • konsequente Strafverfolgung antisemitischer Straftaten, auch im digitalen Raum

  • Schutz jüdischer Einrichtungen ohne bürokratische Hürden

  • Nulltoleranz gegenüber importiertem Antisemitismus, islamistischem Judenhass und Hasspredigern

  • klare Grenzen für Demonstrationen, die Terror verherrlichen oder jüdisches Leben bedrohen

b) Medien und Bildung müssen ihre Verantwortung wahrnehmen

Die zurückliegenden Jahre zeigen, wie schnell Täter zu „Aktivisten“ und Opfer zu „Kontext“ werden. Deshalb braucht es:

  • präzise Sprache: Terror ist Terror

  • keine Täter‑Opfer‑Umkehr

  • klare Einordnung antisemitischer Narrative

  • Schulmaterialien, die Israel nicht dämonisieren, sondern historisch korrekt darstellen

c) Zivilgesellschaftliche Verantwortung: Nicht nur erinnern — widersprechen

Gedenken ist wichtig. Aber Gedenken ohne Gegenwartsverantwortung ist moralische Folklore.

Konkrete Schritte:

  • Widerspruch, wenn Israel mit NS‑Verbrechen verglichen wird

  • Unterstützung jüdischer Stimmen, auch wenn sie unbequem sind

  • Solidarität mit jüdischen Studierenden, Künstlern, Gemeinden

  • Präsenz bei jüdischen Veranstaltungen, nicht nur am 27. Januar

d) Politische Klarheit: Israel ist kein außenpolitisches Hobby

Für Juden weltweit ist Israel nicht „ein Konflikt“, sondern die Antwort auf 2.000 Jahre Verfolgung. Wer Israel delegitimiert, delegitimiert jüdische Sicherheit.

Deshalb braucht es:

  • klare politische Unterstützung gegen Terror

  • faire Maßstäbe: Israel darf, was jeder Staat darf — seine Bürger schützen

  • Ablehnung jeder Form von BDS, kulturellem Boykott oder akademischer Ausgrenzung

4. Und was heißt das für uns — für "dich und mich", für Bürger/innen dieses Landes?

Wir alle sind Teil dieser Gegenwart. Wir können nicht auf „die Politik“ warten.

Konkrete Handlungen die wir leisten können:

  • Öffentlich schreiben, wenn Judenhass relativiert wird

  • lokale Netzwerke stärken, die jüdisches Leben sichtbar machen

  • Petitionen, Leserbriefe, Blogbeiträge nutzen, um Schweigen zu durchbrechen

  • junge Menschen aufklären, bevor sie in die Fänge antisemitischer Narrative geraten

  • Kulturelle Räume öffnen, in denen jüdische Stimmen nicht nur geduldet, sondern gehört werden

  • Israel nicht nur im Tod beweinen, sondern im Leben verteidigen

5. Der entscheidende Satz

Der Kampf gegen Antisemitismus entscheidet sich nicht an Gedenktagen. Er entscheidet sich im Alltag (Tag für Tag) im Verhalten gegenüber den Juden, die heute leben.

Wenn wir „Nie wieder“ sagen, dann muss es heißen:

  • Nie wieder Gleichgültigkeit.

  • Nie wieder Relativierung.

  • Nie wieder moralische Erpressung durch Erinnerung.

  • Nie wieder die Bequemlichkeit, tote Juden zu ehren und lebende Juden allein zu lassen.


Gott, Allah, Elohim und die Geschwisterlichkeit: Was der Koran wirklich lehrt. /Der wahre Geist des Islam: Jesus ehren, Juden schützen, Frieden leben ...

1. Jun. 2026, Keine Kommentare


Mögen wir – Juden, Muslime und Christen – wieder neu entdecken, was uns seit den Anfängen verbindet: dass wir Kinder derselben Geschichte sind, getragen von denselben Hoffnungen, genährt von denselben Quellen. Mögen wir hören, wie unsere Bücher einander bestätigen, statt sich zu widersprechen; wie der Koran Jesus ehrt, die Tora den Fremden schützt und das Evangelium die Barmherzigkeit ins Zentrum stellt. Mögen wir uns daran erinnern, dass Gottes Ruf zur Gastfreundschaft, zur Gerechtigkeit und zum Schutz der Schwachen niemals aufgehoben wurde. Und mögen wir den Mut finden, einander nicht durch die Wunden der Vergangenheit zu betrachten, sondern durch die Würde, die uns allen von Gott gegeben ist. Frieden wächst dort, wo wir einander als Geschwister erkennen – nicht trotz unserer Unterschiede, sondern durch sie hindurch.


لعلنا—نحن اليهود والمسلمين والمسيحيين—نستعيد اكتشاف ما وحّدنا منذ البداية الأولى: أننا أبناءٌ لتاريخٍ واحد، تغذينا الآمال ذاتها، ونستمد زادنا من المصادر عينها. ولعلنا نصغي إلى الكيفية التي تؤازر بها كتبنا بعضها بعضاً، بدلاً من أن تتناقض فيما بينها؛ وكيف يُكرّم القرآنُ عيسى، وتحمي التوراةُ الغريب، ويضع الإنجيلُ الرحمةَ في صميم رسالته. ولعلنا نتذكر أن دعوة الله إلى الضيافة والعدالة وحماية المستضعفين لم تُنسخ قط. ولعلنا نجد الشجاعة للنظر إلى بعضنا البعض، لا من خلال جراح الماضي، بل من خلال الكرامة التي أسبغها الله علينا جميعاً. إن السلام ينمو حيث نُقرّ ببعضنا البعض كإخوةٍ وأخوات—ليس رغم اختلافاتنا، بل من خلالها.

מי ייתן ואנחנו - יהודים, מוסלמים ונוצרים - נגלה מחדש את מה שאיחד אותנו מאז ומתמיד: שאנחנו ילדים של אותה היסטוריה, נתמכים על ידי אותן תקוות, וניזונים מאותם מקורות. מי ייתן ונשמע כיצד ספרינו מאשרים זה את זה במקום לסתור זה את זה; כיצד הקוראן מכבד את ישוע, התורה מגנה על הזר, והבשורה מציבה את הרחמים במרכזה. מי ייתן ונזכור שקריאתו של אלוהים לאירוח, לצדק ולהגנה על הפגיעים מעולם לא בוטלה. ומי ייתן ונמצא את האומץ להסתכל זה על זה לא דרך פצעי העבר, אלא דרך הכבוד שאלוהים העניק לכולנו. שלום צומח במקום בו אנו מכירים זה בזה כאחים - לא למרות ההבדלים בינינו, אלא דרכם.

Stefan Weinert, 1. Juni 2026

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Stefan Weinert, Theologe und Blogger mit Aussicht


Es gibt Momente, in denen ein vertrautes Narrativ plötzlich fremd wirkt – und gerade dadurch neu, erfrischend und überwältigend. So erging es mir mit der Lektüre des Korans und speziell der Sure 3, begleitet von der Auslegung der islamischen Theologen Abdullah Aymaz und Arhan Kardas. 

Und  je weiter du dich in diesem umfangreichen heiligen Text vorwagst, desto deutlicher wird: Nicht nur diese eine Sure 3, sondern der gesamte Koran atmet einen Geist, der mit den politischen Schlagworten unserer Zeit kaum etwas zu tun hat. Wer den Text selbst liest, statt seine Missbrauchsformen zu kommentieren, entdeckt eine religiöse Welt, die Jesus ehrt, Juden schützt, Gastfreundschaft zur Pflicht erhebt und Gewalt nur als äußerste Verteidigung kennt.

1. Jesus als Vorbild – und ein Koran, der ihn nicht loslässt

Sure 3 ist eine der Passagen, in denen Jesus (Isa) ausdrücklich als Vorbild herausgestellt wird. Doch diese Wertschätzung ist kein isoliertes Phänomen. Der Koran kehrt immer wieder zu Jesus zurück: zu seiner Reinheit, seiner Wahrhaftigkeit, seiner Nähe zu Gott. Maria wird als „auserwählt über alle Frauen der Welt“ bezeichnet – eine Formulierung, die in ihrer Würde selbst im Christentum selten so klar ausgesprochen wird.

Diese Achtung ist nicht folkloristisch, sondern strukturell. Der Koran versteht sich als Fortführung der prophetischen Linie, nicht als deren Abbruch. Wer Jesus ehrt, ehrt Gott. Wer Jesus verachtet, verfehlt den Koran.

2. Das „Volk des Buches“ – Verwandtschaft, nicht Feindschaft

Aymaz und Kardas betonen, was im Koran selbst unüberhörbar ist: Die Juden sind nicht Feinde, sondern Teil derselben göttlichen Geschichte. „Volk des Buches“ ist ein Ehrentitel, kein Kampfbegriff. Er verweist auf gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Offenbarung, gemeinsame Verantwortung.

Die einzige Vergeltungsaktion Mohammeds gegen einen jüdischen Stamm – ein historischer Konflikt, der politisch motiviert war – wird in der Auslegung klar eingeordnet: Sie war ein singuläres Ereignis, kein Muster, kein Gesetz, kein Auftrag für die Zukunft. Der Koran selbst macht daraus keine Doktrin. Er macht daraus erst recht keinen Freibrief für Hass.

3. Allah und Elohim – zwei Namen, eine Wurzel, ein Gott

Die semitische Sprachverwandtschaft zwischen Allah und Elohim ist mehr als ein linguistisches Detail. Sie ist ein theologischer Schlüssel. Beide Begriffe stammen aus derselben Wurzel, beide bezeichnen denselben einen Gott, der weder Partner noch Götter neben sich duldet.

Die koranische Kritik an der „Dreifaltigkeit“ richtet sich nicht gegen Christen, sondern gegen die Vorstellung, Gott könne in mehrere Wesen aufgeteilt werden. Sie ist eine Mahnung zur Reinheit des Monotheismus – nicht zur Feindschaft.

4. Der Geist des Korans: Gastfreundschaft, Barmherzigkeit, Schutz der Schwachen

Wer den Koran als Ganzes liest, erkennt ein Grundmotiv, das sich durchzieht wie ein roter Faden: Barmherzigkeit. Allah wird über 100 Mal als ar‑Rahman und ar‑Rahim bezeichnet – der Barmherzige, der Gnädige.

Der Koran fordert Gastfreundschaft, Schutz für Reisende, Waisen, Bedürftige. Er verlangt Gerechtigkeit selbst gegenüber Gegnern. Er ruft zur Versöhnung auf, zur Geduld, zur Wahrhaftigkeit. Und er warnt davor, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Zugehörigkeit zu verurteilen.

Dieser Geist ist nicht versteckt. Er ist das Fundament.

5. Krieg im Koran – nur Verteidigung, niemals Vernichtung

Die Auslegung von Aymaz und Kardas ist eindeutig: Krieg ist im Koran ausschließlich als Verteidigung erlaubt. Nicht als Mission. Nicht als Expansion. Nicht als Vergeltung. Und schon gar nicht als Vernichtung.

Die Vorstellung eines „Heiligen Krieges“ gegen Juden oder andere Völker ist eine spätere politische Erfindung – nicht islamische Theologie. Der Koran kennt keinen Vernichtungsauftrag. Er kennt nur die Pflicht, sich zu schützen, wenn man angegriffen wird.

6. Wie konnte es dann so weit kommen?

Die Antwort ist unbequem, aber notwendig: Nicht der Koran hat sich verändert, sondern seine Leser. Nicht der Text ruft zum Hass auf, sondern jene, die ihn missbrauchen. Nicht die Religion ist das Problem, sondern ihre politische Instrumentalisierung.

Dasselbe gilt für das Christentum: Die Kreuzzüge wurden nicht von Jesus inspiriert, sondern von Machtpolitik. Die Inquisition war kein Evangelium, sondern Staatsräson. Und auch im Judentum gibt es politische Strömungen, die mit der Tora wenig zu tun haben.

7. Der vergessene Kern: Frieden, Respekt, Gottes Einheit

Der Koran erinnert an etwas, das in der globalen Rhetorik verloren gegangen ist: Dass die drei abrahamitischen Religionen Geschwister sind. Dass sie denselben Gott anrufen. Dass sie dieselben Propheten ehren. Dass sie dieselben ethischen Grundsätze teilen.

Wer das ernst nimmt, kann den Islam nicht als Feind des Judentums lesen – und auch nicht als Gegner des Christentums. Der Koran selbst widerspricht dieser Vorstellung.

8. Ein notwendiger Blick zurück – für die Zukunft

Vielleicht ist es Zeit, die heiligen Texte wieder selbst zu lesen, statt ihre politischen Missbrauchsformen zu kommentieren und die gängigen Narrative (siehe oben) unreflektiert und ungeprüft zu übernehmen. Vielleicht ist es Zeit, die theologischen Stimmen zu hören, die seit Jahrhunderten übertönt werden. Vielleicht ist es Zeit, die semitischen Wurzeln wieder freizulegen, die uns verbinden. Denn sowohl Araber als auch Juden sind semitische Völker. Sie stammen - so ihr Glaube - beide von Sem, einem der Söhne Noahs, ab

Denn der Koran sagt es klarer als viele es wahrhaben wollen: Gott ist einer. Seine Menschen sind viele. Und sie sollen einander nicht hassen, sondern erkennen.


Bis zu fünf Jahre Haft für die Leugnung des Existenzrechts des STAATES ISRAEL ...

30. Mai. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Als ein Freund des Staates Israels und des jüdischen Volkes weltweit befürworte ich diesen juristischen Vorstoß des deutschen Bundeslandes Hessen, die Leugnung des Existenzrechts Israels mit bis zu fünf Jahren Gefängnis unter Strafe zu stellen. Das ist der deutsche Staat in der Form der Bundesrepublik Deutschland aus historischen Gründen dem Staat Israel und den Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen bis heute und für immer darüber hinaus schuldig.

כחבר של מדינת ישראל ושל העם היהודי ברחבי העולם, אני תומך ביוזמה המשפטית הזו של נמלכת הפדרלית הגרמנית הסן, להעניש בכלא עד חמש שנים את הכחשת זכות הקיום של ישראל. זו מדינת גרמניה בצורתה של הרפובליקה הפדרלית של גרמניה, מבחינה היסטורית חייבת למדינת ישראל ולנספים מהשואה ולצאצאיהם עד היום ולעד.

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Frankfurter Rundschau

Wer Israels Existenzrecht leugnet, könnte bis zu fünf Jahre Haft bekommen. Ein Gutachten hält diesen hessischen Vorstoß für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Der Vorstoß der hessischen Landesregierung, die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe zu stellen, stößt auf immer mehr verfassungsrechtliche Bedenken. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt in einem Gutachten zu der Einschätzung, dass der Gesetzentwurf zu stark in das Grundrecht auf Meinungsfreiheit eingreifen würde und damit wahrscheinlich nicht mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen sei. Das Papier wurde im Auftrag der Fraktion der Linkspartei im Bundestag erstellt und liegt der Frankfurter Rundschau vor.

Das schwarz-rote Kabinett in Wiesbaden hatte Anfang Mai einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, der eine Erweiterung des Volksverhetzungs-Paragrafen im Strafgesetzbuch vorsieht. Demnach würden nicht mehr nur die Hetze gegen religiöse oder ethnische Minderheiten, die Leugnung des Holocaust oder die öffentliche Befürwortung der Terrorherrschaft der Nazis unter Strafe gestellt. Vielmehr könnte mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren auch belegt werden, wer „öffentlich oder in einer Versammlung das Existenzrecht des Staates Israel leugnet oder zur Beseitigung des Staates Israel aufruft“.

Begründet wird die Initiative mit dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland seit den Massakern der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel und damit, dass die Gründung Israels in einem engen historischen Zusammenhang mit dem Holocaust stehe.

„Erhebliche argumentative Klimmzüge“: Zweifel an Vorstoß gegen Leugnung des Existenzrechts Israels

Wer Israels Existenzrecht verneine, verweigere sich einer zentralen Lehre aus der deutschen Geschichte und wende sich damit vom Kern der verfassungsrechtlichen Ordnung ab, so das Argument. Die Begründung des Gesetzes nimmt Bezug auf die sogenannte Wunsiedel-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, mit der dieses es 2009 für verfassungsgemäß erklärt hatte, die Meinungsfreiheit in Bezug auf die NS-Herrschaft einzuschränken. Diese verweist auf das Grundgesetz als Gegenentwurf zum Nationalsozialismus; es sei akzeptabel, etwa die Befürwortung der Naziherrschaft zu bestrafen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte den Vorstoß begrüßt, mehr als 30 renommierte Juristinnen und Juristen wenden aber ein, die Übertragung der Argumentation des Wunsiedel-Urteils auf Israel überzeuge nicht. Zu diesem Schluss kommt nun auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages. Bei der Verneinung des Existenzrechts Israels gehe es erkennbar um eine Meinung, nicht um Tatsachenbehauptungen. Und schon die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Wunsiedel-Entscheidung habe „erheblicher argumentativer Klimmzüge“ bedurft, heißt es in dem Papier. Eine Übertragung auf Haltungen zu Israel erscheine zweifelhaft, und ohne diese „wäre der Eingriff in die Meinungsfreiheit verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt“.

Eine Gruppe von rund 130 Fachleuten aus der Nahost- und Antisemitismusforschung richtet sich derweil ebenfalls gegen den Gesetzentwurf. Die Gründung Israels im Jahr 1948 sei nicht allein als moralische Reaktion auf den Holocaust zu verstehen, die Initiative blende zudem die Perspektive der Palästinenserinnen und Palästinenser aus. Durch das Gesetz könnten auch völkerrechtlich legitime Forderungen wie die nach einem Rückkehrrecht für 1948 Geflüchtete kriminalisiert werden, so die Gruppe.

„Vom Fluss bis zum Meer“: Wie radikale Nakba-Aufrufe in Deutschland Hass gegen Israel normalisieren ...

18. Mai. 2026, Keine Kommentare
ha.Olam.de


Mit Begriffen wie „Völkermord“, „180.000 Ermordete“ und „Widerstand bis zum Sieg“ wird auf deutschen Straßen längst nicht mehr nur gegen israelische protestiert. Immer häufiger verschwimmen Aktivismus, Desinformation und offene Delegitimierung des jüdischen Staates zu einer aggressiven Ideologie, die auch das Klima für Juden in Europa verändert.

In deutschen Städten wird derzeit wieder zu sogenannten Nakba-Demonstrationen mobilisiert. Was auf den ersten Blick wie politischer Protest wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine Entwicklung, die weit über Kritik an israelischer Regierungspolitik hinausgeht. In Aufrufen und Social-Media-Beiträgen werden extreme Zahlen, historisch verzerrte Darstellungen und maximalistische Parolen verbreitet, die Israel nicht als kritisierbaren Staat darstellen, sondern als grundsätzlich illegitimes Projekt.

Besonders auffällig ist dabei die Sprache. Israel wird pauschal als „Genozidstaat“, „Apartheidregime“ oder „koloniales Projekt“ bezeichnet. Gleichzeitig kursieren Behauptungen wie „180.000 ermordete Palästinenser“, teils sogar Fantasiezahlen von mehreren hunderttausend oder einer Million Toten. Solche Zahlen werden häufig ohne belastbare unabhängige Grundlage verbreitet und entwickeln dennoch enorme Wirkung in sozialen Netzwerken.

Der Begriff „ermordet“ ist dabei zentral. Er beschreibt nicht einfach zivile Opfer eines Krieges, sondern unterstellt vorsätzliche, systematische Tötung. Wer pauschal behauptet, Israel habe Hunderttausende Menschen „ermordet“, zeichnet das Bild eines Staates, dessen Wesen angeblich in Vernichtung und Grausamkeit besteht. Genau dadurch verschiebt sich die Debatte von politischer Kritik hin zur moralischen Dämonisierung.

Hinzu kommen Parolen wie „Vom Fluss bis zum Meer“ oder „Widerstand bis zum Sieg“. Viele Aktivisten behaupten zwar, diese Aussagen seien nur Ausdruck von Solidarität mit Palästinensern. Für einen Großteil der jüdischen Gemeinschaft und für viele Israelis wirken sie jedoch völlig anders. Der Slogan „Vom Fluss bis zum Meer“ wird seit Jahrzehnten auch von Gruppen genutzt, die Israel nicht reformieren, sondern beseitigen wollen. In Kombination mit aggressiver Rhetorik entsteht deshalb für viele der Eindruck, dass nicht Koexistenz gefordert wird, sondern das Ende des jüdischen Staates.

Besonders problematisch ist die historische Verzerrung rund um die Nakba-Erzählung. In vielen Aufrufen entsteht der Eindruck, Israel habe 1948 grundlos eine friedliche Bevölkerung vertrieben und massenhaft ermordet. Der eigentliche historische Zusammenhang verschwindet fast vollständig. Kaum erwähnt wird, dass die jüdische Führung den UN-Teilungsplan akzeptierte, während mehrere arabische Staaten ihn ablehnten und anschließend Krieg gegen den neu gegründeten Staat führten.

Natürlich gab es im Krieg von 1947/48 Flucht, Vertreibungen und schwere Gewalt. Das bestreitet kaum ein seriöser Historiker. Doch die Darstellung eines einseitigen kolonialen Vernichtungsprojekts ignoriert den tatsächlichen Kriegscharakter jener Zeit. Die Nakba entstand nicht losgelöst vom arabisch-israelischen Krieg, sondern in dessen Verlauf. Genau dieser Zusammenhang wird in heutigen Aktivistenmilieus oft bewusst ausgeblendet.

Dazu kommt eine weitere Entwicklung: Immer häufiger werden juristische oder Debatten in Israel bewusst verfälscht dargestellt. So wird etwa behauptet, Israel habe „die Todesstrafe für Palästinenser“ eingeführt. Tatsächlich verabschiedete die Knesset ein umstrittenes Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen bei bestimmten Terrorismusdelikten. Im Gesetzestext wird dabei nicht zwischen Juden, Arabern oder anderen ethnischen Gruppen unterschieden. Man kann dieses Gesetz politisch oder moralisch kritisieren. Doch daraus eine ethnische Sondergesetzgebung gegen „Palästinenser“ zu machen, verzerrt den tatsächlichen Inhalt erheblich und erzeugt gezielt das Bild eines rassistischen Staates.

Genau solche sprachlichen Zuspitzungen wirken weit über die Demonstrationen hinaus. Sie prägen das gesellschaftliche Klima. Wenn Israel permanent als einzigartiges weltweites Übel dargestellt wird, bleibt das nicht folgenlos für Juden in Europa. Viele jüdische Menschen berichten seit Jahren, dass sie nach Eskalationen im Nahostkonflikt oder nach radikalen Protestkampagnen häufiger beleidigt, bedroht oder angegriffen werden.

Die Gefahr liegt dabei nicht nur in offenem Judenhass. Moderner israelbezogener Antisemitismus funktioniert oft subtiler. Nicht „die Juden“ stehen dann offiziell im Mittelpunkt, sondern „Zionisten“, „Israel“ oder angebliche „Kolonialstrukturen“. Doch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung verschwimmen diese Begriffe häufig. Wenn Israel ausschließlich als mörderischer, rassistischer Staat beschrieben wird, entsteht zwangsläufig Feindseligkeit gegen Menschen, die sich mit diesem Staat identifizieren oder ihm nahestehen.

Besonders gefährlich ist dabei die Radikalisierungsdynamik sozialer Medien. Extreme Behauptungen verbreiten sich schneller als differenzierte Analysen. Aus umstrittenen Schätzungen werden scheinbar unumstößliche Wahrheiten. Aus politischen Forderungen werden moralische Endurteile. Und aus Protest wird eine emotionale Mobilisierung, die kaum noch zwischen Fakten, Aktivismus und Propaganda unterscheidet.

Dabei wäre gerade jetzt eine nüchterne Debatte notwendig. Kritik an israelischer ist legitim. Kritik an Militäraktionen, Siedlungspolitik oder einzelnen Entscheidungen gehört in einer Demokratie dazu. Doch wenn historische Zusammenhänge systematisch ausgeblendet, unbelegte Zahlen als Fakten verkauft und Israels Existenzrecht indirekt infrage gestellt werden, endet politische Kritik und beginnt ideologische Feindbildproduktion.

Deutschland erlebt derzeit eine Entwicklung, in der radikale antiisraelische Narrative zunehmend gesellschaftsfähig werden. Begriffe, die noch vor wenigen Jahren als extrem galten, erscheinen heute auf Demonstrationen, Universitäten und in sozialen Netzwerken beinahe normalisiert. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr: Nicht einzelne Parolen allein, sondern die schleichende Gewöhnung an ein Weltbild, in dem Israel grundsätzlich als illegitimer Staat dargestellt wird.

Wer Antisemitismus ernst nehmen will, darf deshalb nicht nur auf offene Hassparolen achten. Er muss auch dort hinschauen, wo Dämonisierung, Desinformation und politische Radikalisierung unter dem Deckmantel von Aktivismus verbreitet werden. Denn Worte schaffen Atmosphäre. Und Atmosphäre verändert irgendwann auch die Realität auf der Straße.

ESC-Finale 2026 ° Ein Abend der doppelten Überraschung und der dreifachen Ernüchterung / Wenn ein Publikums-Voting mehr über Europa aussagt als jede "Anti-Parole zum Sonntag".

17. Mai. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien hat Europa an diesem Wochenende gleich doppelt überrascht – und doppelt ernüchtert. Vielleicht sogar in dreifacher Weise. Die Ergebnisse und die seriösen Presseberichte *) zeichnen ein Bild, das sich mit dem Vorbericht des Bloggers auf Schussental‑Medial auf bemerkenswerte Weise verbindet.

1. Bulgarien gewinnt – eine echte Sensation

Dass Bulgarien mit „Bangaranga“ (beschreibt ein Gefühl von unbändiger Lebensfreude) den ESC erstmals in seiner Geschichte gewinnt, war so nicht vorhersehbar. Die Medien bestätigen den klaren Sieg der Sängerin Dara, die sich gegen ein starkes Teilnehmerfeld durchsetzen konnte. Europa hat hier offenbar Lust auf etwas Neues gezeigt – ein frischer Sound, ein unverbrauchtes Gesicht, ein Land, das bisher selten im Rampenlicht stand.

2. Israel trotzt Boykott, Buhrufen und politischem Druck auf  Platz 2

Die zweite große Überraschung: Israel. Noam Bettan, dessen Teilnahme von Boykotten mehrerer Länder überschattet war, holte mit seinem Song „Michelle“ den zweiten Platz. Die Presse beschreibt ausführlich, wie er trotz Zwischenrufen im Halbfinale und trotz Buhrufen beim Public Viewing souverän auftrat und vom Publikum europaweit hohe Punktzahlen erhielt.

Dass sich Israel – ausgerechnet in Wien, ausgerechnet in einem Jahr massiver anti-israelischer Proteste – so klar durchsetzt, ist mehr als ein musikalisches Ergebnis. Es ist ein Stimmungsbild. Europa hat sich nicht instrumentalisieren lassen. Die Musikfans haben entschieden – nicht die Lautesten vor der Halle. Und das ist die eine der drei Ernüchterungen, von denen oben gesprochen wurde - und zwar für jene, die hofften, ihre einseitige Verurteilung und Verdammung Israels und des jüdischen Volkes würden auf das Volk überschwappen.  

🚫 3. Die Proteste: laut angekündigt, leise geblieben

Vor der Wiener Halle waren 5.000 Demonstranten angemeldet, gekommen sind laut Medienberichten nur wenige hundert. Die Jüdische Allgemeine zum Beispiel erwähnt zudem Festnahmen wegen nicht angemeldeter Versammlungen.

Der große Aufstand blieb aus. Vielleicht weil die Realität komplexer ist als die Parolen. Vielleicht weil Europa spürt, dass Kritik an einer Regierung nicht in kollektive Ablehnung eines ganzen Landes kippen darf.

4. Deutschland und Österreich – ein bitterer Abend

Die zusätzliche doppelte Enttäuschung:

  • Deutschland erreichte nur Platz 23 von 25

  • Österreich belegte den vorletzten Platz

Die Presseberichte beschreiben den deutschen Beitrag als energiegeladen, aber chancenlos – die Wettbüros hatten es bereits vorhergesagt.

Und doch bleibt ein Nachgeschmack. War es wirklich nur die musikalische Qualität? War es - bezüglich Deutschlands - der schlechte Startplatz ganz vorne? Oder spiegeln diese Platzierungen auch eine gewisse Ratlosigkeit wider – kulturell, politisch, atmosphärisch? Wenn Länder, die sich selbst gern als „Kulturländer“ verstehen, am Ende des Feldes landen, darf man/frau zumindest nachdenklich werden.

5. Europas Spiegelmoment

Der oben erwähnte Vorbericht auf dem Blog "Schussental‑Medial" hatte es angedeutet: Der ESC 2026 würde mehr sein als ein Musikfestival. Er würde zum Spiegel eines europäischen Konflikts – zwischen Moral und Doppelmoral, zwischen Kritik und Projektion, zwischen Geschichte und Gegenwart.

Und tatsächlich: Der Abend zeigte, dass Europa zwar laut protestieren kann, aber am Ende doch differenzierter entscheidet, als manche Aktivisten hoffen. Dass Musik manchmal stärker ist als Parolen. Und dass ein junger israelischer Künstler Europa berühren kann – trotz allem.

🎼 6. Fazit: Ein ESC, der bleibt
  • Bulgarien jubelt.

  • Israel kann stolz sein.

  • Deutschland und Österreich müssen sich fragen, warum sie so weit hinten gelandet sind.

  • Und Europa hat – zumindest an diesem Abend – bewiesen, dass es sich nicht vollständig von Stimmungen treiben lässt, die lauter wirken, als sie sind.

Ein ESC, der musikalisch überraschte und politisch entlarvte. Ein Abend, der zeigt: Manchmal sagt ein Publikums-Voting mehr über Europa aus als jede "Anti-Parole zum Sonntag".  

*) Quellen:

  • https://www.tagesspiegel.de/kultur/sensationelles-finale-bulgarien-gewinnt-erstmals-den-eurovision-song-contest-15602646.html
  • https://www.tagesschau.de/kultur/bulgarien-gewinnt-esc-100.html
  • https://www.juedische-allgemeine.de/israel/israel-holt-zweiten-platz-beim-eurovision-song-contest/
  • https://schussental-medial.mozellosite.com/israelnahost/params/post/5253942/esc-2026-israel-zwischen-recht-schuld-und-musik---wenn-ein-musikfestival-zu


ESC 2026 – Der ESC als Bühne eines europäischen Konflikts / Israel zwischen Recht, Schuld und Musik - Wenn ein Festival zur Projektionsfläche wird ...

16. Mai. 2026, Keine Kommentare

Stefan Weinert, Blogger von "Schussental-Medial" 

Europa feiert, protestiert, verdrängt. Wien singt – und erinnert. Der ESC wird zur Bühne eines alten Konflikts: zwischen dem Recht auf Verteidigung und dem Recht auf Wahrheit. Zwischen Musik und Moral. Zwischen Geschichte und Gegenwart.

Chronologie: Israel, Europa und der ESC 2026

DatumEreignisQuellen *) / juristische Bedeutung
7. Oktober 2023Hamas‑Terrorangriff auf Israel – über 1.200 Tote, Geiselnahmen.Ausgangspunkt der israelischen Militäroperationen; Selbstverteidigungsrecht nach Art. 51 UN‑Charta.
Oktober–Dezember 2023Erste internationale Reaktionen, UN‑Resolutionen zu Waffenstillstand.Keine Anerkennung eines „Genozids“ durch UN‑Organe.
Januar 2024Südafrika reicht Klage gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof ein.IGH‑Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Völkermordkonvention.
Februar 2024Vorläufige IGH‑Anordnung: Israel soll humanitären Zugang gewährleisten.Keine Feststellung eines Völkermords; nur Schutzmaßnahmen.
März–April 2024Europäische Protestwelle gegen israelische Politik.derStandard dokumentiert BDS‑nahe Gruppen und antisemitische Tendenzen.
Mai 2024ESC‑Vorbereitungen in Malmö;  Boykottaufrufe in mehreren Ländern.rbb24 berichtet über Fan‑Spaltung zwischen Vorfreude und Boykott.
Mai 2024taz analysiert juristische Kriterien des Genozids.„Absicht zur Vernichtung“ als entscheidendes Element – bisher nicht nachgewiesen.
Mai 2024Jüdische Allgemeine: israelischer Künstler Noam Bettan tritt unter Polizeischutz auf.Symbol für Europas ungelöste Schuldgeschichte.
Heute, 16. Mai 2026ESC‑Finale in Wien – Israel auf der Bühne, Europa im Spiegel.Politisch aufgeladener Kulturabend; juristisch kein Genozidnachweis, moralische Bewährungsprobe.


1. Ein Abend der Musik – und ein Spiegel Europas

Heute Abend tritt in Wien der israelische Sänger Noam Bettan auf – ein junger Künstler, der laut "Jüdischer Allgemeiner" nicht nur musikalisch überzeugt, sondern auch für Diversität und Offenheit steht. Dass er unter massivem Polizeischutz auftreten muss, dass sein Hotel geheim gehalten wird und dass sein Team ihn auf Buhrufe vorbereitet, sind Symptome für etwas Größeres. Es ist ein Symptom für Europas ungelöste Geschichte mit den Juden – und für die Unfähigkeit, zwischen legitimer Kritik an einer Regierung und der Delegitimierung eines Staates zu unterscheiden.

2. Die Proteste: Antizionismus als Tarnkappe

Die Recherche des Standard (Österreich) zeigt klar: Die Proteste gegen den ESC werden nicht von einer breiten zivilgesellschaftlichen Mitte getragen, sondern von:

  • BDS-nahen Gruppen

  • antiimperialistischen Kadern

  • Aktivisten, die Gewaltakte der Hamas als „Widerstand“ legitimieren

  • Personen, die keinerlei Berührungsängste mit Rechtsextremen oder iranischen Regimeanhängern haben

*) Quellen:

https://taz.de/Krieg-im-Gazastreifen/!6101568/

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/in-der-hoehle-des-loewen/

https://www.derstandard.at/story/3000000320164/wer-hinter-den-anti-israelischen-protesten-gegen-den-esc-steckt

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2026/05/esc-eurovision-song-contest-fans-boykott.html

Diese Gruppen instrumentalisieren den ESC, weil er maximale Sichtbarkeit bietet. Sie sprechen von „Genozid“, „Apartheid“, „kolonialem Israel“ – Begriffe, die in der juristischen Realität eine extrem hohe Schwelle haben und deren inflationärer Gebrauch nicht nur unredlich, sondern gefährlich ist.

3. Der Genozid-Vorwurf: Juristisch hochkomplex – politisch missbraucht

Die taz beschreibt die Lage nüchtern: Ein Genozid ist juristisch nur dann gegeben, wenn die „einzig vernünftige Schlussfolgerung“ lautet, dass eine Regierung die Absicht hat, eine Gruppe als solche zu zerstören. Das ist der Kern der UN-Völkermordkonvention von 1948.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord

Bis heute gibt es:

  • keinen schriftlichen Befehl der israelischen Regierung,

  • keinen Beschluss - dito,

  • keine dokumentierte Absicht- dito,

die mit der Klarheit der Wannseekonferenz zur Vernichtung des Jüdischen Volkes vergleichbar wäre.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, erklärte erst kürzlich, dass für einen Genozidvorwurf gegen Israel bislang keine ausreichenden Beweise vorliegen.

  • Karim Khan, der umstrittene Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), hat neue Zweifel an den Anschuldigungen geäußert, dass Israel in Gaza "Völkermord" begangen habe, und argumentierte in einem neuen Interview, dass in dem laufenden Rechtsstreit noch keine rechtliche Schlussfolgerung erreicht worden sei.
  • In einem ausführlichen Interview mit dem anti-israelischen Journalisten Medhi Hasan in dieser Woche verweigerte Khan es, sich auf die populisierte Rhetorik einzulassen, die die militärische Kampagne Israels gegen Hamas-Terroristen in Gaza als völkermörderisch bezeichnet, selbst als der Druck auf den IStGH durch Aktivisten zunimmt, um umfassendere Anklagen gegen israelische Beamte zu verfolgen.
  • Auf die direkte Frage, ob das Verhalten Israels einem Völkermord gleichkomme, betonte Khan die Notwendigkeit ausreichender Beweise, um Anklagen gegen israelische Beamte zu erheben, und dass die Staatsanwälte den Beweisen und rechtlichen Standards folgen müssen, anstatt politischen Narrativen.

Quelle: https://www.algemeiner.com/2026/05/08/icc-prosecutor-karim-khan-sidesteps-genocide-accusations-against-israel/

Das heißt nicht, dass es keine Kriegsverbrechen geben kann. Aber es heißt: Der Begriff „Genozid“ ist nicht erwiesen. 

Und: Wer ihn leichtfertig benutzt, relativiert die Shoah.

4. Europas moralische Schieflage

Deutschland und Österreich – Länder, die den industriellen Massenmord an den Juden organisiert oder mitgetragen haben – erleben heute Demonstrationen, in denen:

  • israelische Fahnen verbrannt werden

  • jüdische Künstler ausgebuht werden

  • „Free Palestine“ mit „From the river to the sea“ verschmilzt

  • der einzige jüdische Staat der Welt delegitimiert wird

Der Standard dokumentiert, dass in Wien Plakate mit „Boycott Zionism“ die Stadt überziehen und dass Aktivisten israelische Künstler gezielt einschüchtern.

Die Jüdische Allgemeine zeigt, wie Noam Bettan sich auf Buhrufe vorbereiten muss – nicht wegen seiner Musik, sondern wegen seiner Herkunft.

Das ist kein „Protest gegen Netanjahu“. Das ist kollektive Zuschreibung. Das ist ethnische Markierung. Das ist Antisemitismus.

5. Der doppelte Standard

Fünf Länder boykottieren den ESC wegen Israels Teilnahme: Spanien, Niederlande, Slowenien, Island, Irland.

Doch dieselben Länder:

  • boykottierten nicht Katar

  • boykottierten nicht Aserbaidschan

  • boykottierten nicht Belarus, solange es ihnen passte

  • boykottieren nicht China, obwohl dort ein von der UN berichteter Genozid an Uiguren stattfindet

Warum also Israel?

Weil Israel der einzige jüdische Staat ist. Weil Europa seine eigene Schuldgeschichte nicht verarbeitet hat. Weil es leichter ist, den moralischen Zeigefinger zu heben, als die eigene Vergangenheit auszuhalten.

6. „Im Zweifel für den Angeklagten“ – ein Prinzip, das plötzlich nicht mehr gilt

Der Rechtsstaat lebt davon, dass Schuld bewiesen werden muss. Nicht behauptet. Nicht gefühlt. Nicht skandiert.

Doch im Fall Israel gilt plötzlich:

  • Verdacht = Schuld

  • Emotion = Urteil

  • Aktivismus = Rechtsprechung

Das ist nicht nur unjuristisch. Es ist gefährlich.


7. Der ESC als Bühne eines europäischen Konflikts

Der ESC war immer politisch – aber nie so existenziell wie heute.

Denn heute geht es nicht um Punkte. Es geht um die Frage:

Darf ein jüdischer Staat existieren – und darf er sich verteidigen?

Die Jüdische Allgemeine bringt es auf den Punkt: Der Boykott richtet sich nicht gegen Netanjahu, sondern gegen die israelische Gesellschaft als solche.


8. Europa, halte deine Füße still

Gerade Deutschland und Österreich sollten wissen:

  • dass man/frau Juden nicht kollektiv verantwortlich macht

  • dass man* jüdische Künstler nicht ausbuht

  • dass man* jüdische Symbole nicht verbrennt

  • dass man* Begriffe wie „Genozid“ nicht missbraucht

  • dass man* nicht wieder in die Falle der moralischen Selbstüberhebung tappt

Wer heute gegen Israel brüllt, sollte sich fragen: Wem nützt das? Den Palästinensern? Nein. Der Menschenwürde? Nein. Der Wahrheit? Nein.

Es nützt nur denen, die schon immer wollten, dass Juden wieder aus dem öffentlichen Raum verschwinden.

9. Und heute Abend?

Heute Abend singt Noam Bettan. Ein junger Mann, der nichts getan hat außer Musik zu machen. Ein Künstler, der für ein Land steht, das seit 1948 um sein Existenzrecht kämpft. Ein Mensch, der sich nicht verstecken sollen müsste.

Europa sollte ihm zuhören. Nicht aus Mitleid. Sondern aus Respekt.

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🎬🎞🎞 PALÄSTINA '36 - Filmkritik und -Rezension (Start in Deutschland: 14.5.2026)

11. Mai. 2026, Keine Kommentare

Stefan Weinert, Blogger aus Ravensburg

Am 14. Mai 2026 feiert der Staat ISRAEL das 78-Jährige Bestehen seiner Unabhängigkeit. Am 14. Mai 1948 rief David Ben Gurion diese von der UN bestätigte Selbstständigkeit aus. Der neue Staat ging aus einem Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina hervor. Die arabischen Staaten Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und der Irak griffen Israel noch am gleichen Tag an. Bis heute stellen einige Staaten und Organisationen Israels Existenz infrage.

Und ausgerechnet an diesem israelischen Unabhängigkeitstag im Jahre 2026 startet in Deutschland (dem Land der Täter) der Film "Palästina '36".  In ihm erzählt Annemarie Jacirs Spielfilm - so die Kritik und Rezension - einseitig vom Arabischen Aufstand 1936. Ein politisches Lehrstück im Deckmantel eines historischen Epos. Ganz bewusst ein Narrativ aus allein palästinensischer Sicht.

Zur expliziten Erinnerung:

Die Wurzeln der Idee zur Gründung eines modernen jüdischen Staates reichen bis in das späte 19. Jahrhundert zurück. Angesichts des wachsenden Antisemitismus in Europa wuchs insbesondere unter jüdischen Intellektuellen der Zuspruch für die Idee einer eigenen „Heimstätte“ für Jüdinnen und Juden. Als Begründer des politischen Zionismus (ein ursprünglich neutraler Begriff, der heute beabsichtigt negativ besetzt wird)  gilt der in 1860 Budapest geborene Publizist Theodor Herzl.

Er hatte die zunehmend judenfeindliche Stimmung in Österreich während der 1880er-Jahre selbst erlebt. Als Korrespondent für die Wiener Zeitung "Neue Freie Presse" berichtete er Ende 1894 aus Frankreich über die Dreyfus-Affäre, in deren Folge ein französischer Offizier jüdischen Glaubens rechtswidrig wegen Landesverrat verurteilt wurde.

Die Affäre führte zu einem Erstarken des Antisemitismus in Teilen der Bevölkerung und zu einer tiefen politischen Spaltung in Frankreich. Herzl bekannte später, dass ihn erst der Dreyfus-Prozess zu einem Zionisten gemacht habe. Er habe erkannt, dass die bisherigen Emanzipations- und Integrationsversuche der jüdischen Bevölkerung in Europa vergeblich gewesen seien. Ein künftiges Zusammenleben auf der Basis "gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Duldung" sah er als unmöglich an. Damit sollte er leider Recht behalten.

Übersetzung ins moderne Hebräisch (Ivrit)

ב-14 במאי 2026, מדינת ישראל חוגגת 78 שנה לעצמאותה. ב-14 במאי 1948, הכריז דוד בן גוריון על עצמאות זו, אשר אושרה על ידי האו"ם. המדינה החדשה קמה מחלק משטח המנדט הבריטי בארץ ישראל. באותו יום ממש, תקפו המדינות הערביות מצרים, עבר הירדן, סוריה, לבנון ועיראק את ישראל. עד היום, מדינות וארגונים מסוימים ממשיכים לערער על זכות קיומה של ישראל.

ודווקא ביום העצמאות הישראלי הזה בשנת 2026, הסרט *פלסטין '36* מוקרן בבכורה בגרמניה (ארץ העבריינים). בו - לדברי מבקרים וסוקרים - סרטה העלילתי של אנמרי ג'סיר מציג תיאור חד-צדדי של המרד הערבי של 1936. זהו יצירה דידקטית פוליטית במסווה של אפוס היסטורי - נרטיב שנוצר במכוון מנקודת מבט פלסטינית בלעדית.

כתזכורת מפורשת:

שורשי הרעיון להקים מדינה יהודית מודרנית נעוצים בסוף המאה ה-19. לנוכח האנטישמיות הגוברת באירופה, גברה התמיכה ברעיון של "מולדת" ייעודית לעם היהודי - במיוחד בקרב אינטלקטואלים יהודים. תאודור הרצל - פובליציסט שנולד בבודפשט בשנת 1860 - נחשב למייסד הציונות הפוליטית (מונח שבמקור ניטרלי במשמעותו, אם כי כיום לעתים קרובות חדור במכוון קונוטציות שליליות).

הוא היה עד באופן אישי לאווירה האנטי-יהודית העוינת הגוברת באוסטריה במהלך שנות ה-80 של המאה ה-19. בסוף 1894, בעת ששירת ככתב בצרפת עבור העיתון הווינאי *Neue Freie Presse*, הוא דיווח על פרשת דרייפוס - אירוע בו הורשע שלא בצדק קצין צבא צרפתי בעל דת יהודית בבגידה.

הפרשה הציתה התעוררות מחודשת של אנטישמיות בקרב חלקים מהאוכלוסייה וגרמה לקרע פוליטי עמוק בתוך צרפת. הרצל הודה מאוחר יותר כי משפט דרייפוס הוא שהפך אותו לציוני. הוא הבין שניסיונות קודמים של שחרור ואינטגרציה מצד האוכלוסייה היהודית באירופה היו לשווא. הוא ראה כל דו-קיום עתידי המבוסס על "הבנה הדדית וסובלנות הדדית" כבלתי אפשרי. למרבה הצער, הוא התגלה כצדק.

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https://www.epd-film.de/filmkritiken/palaestina-36

Original-Titel: Palestine 36

Filmstart in Deutschland: 14.05.2026

Ein Mann mit angeklebtem Bart tritt vor ein Mikrofon, sagt ein paar Worte, dann verschwindet er wieder im Hintergrund. Es ist einer der seltenen Momente, in denen in »Palestine 36« überhaupt ein jüdischer Charakter zu sehen ist. Mehr Stimme wird ihm nicht zugestanden.

Der Film der palästinensisch-amerikanischen Regisseurin Annemarie Jacir führt ins Jahr 1936, in die Anfangsphase des Arabischen Aufstands gegen die britische Mandatsmacht. Im Zentrum stehen mehrere Figuren, deren Wege sich lose kreuzen. Ein junger Mann schließt sich bewaffneten Gruppen an, die Anschläge auf britische Infrastruktur verüben. Ein Dorf gerät unter Druck, als Streik und Repression den Alltag lähmen. Kinder bewegen sich zwischen Neugier und Angst durch eine zunehmend militarisierte Umgebung. Parallel dazu agieren britische Offiziere, die Proteste überwachen, Razzien anordnen und mit wachsender Härte reagieren. Wiederkehrende Szenen zeigen Straßensperren, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und kollektive Bestrafungen. Einzelne Episoden verdichten sich zu Momenten eskalierender Gewalt, etwa wenn Dorfbewohner öffentlich gedemütigt oder ganze Gemeinschaften unter Generalverdacht gestellt werden.

Das Problem liegt weniger in dem, was gezeigt wird, als in dem, was fehlt. Der Aufstand richtete sich historisch auch gegen die jüdische Bevölkerung. Im Film bleibt sie nahezu unsichtbar. Zwei Auftritte, kein nennenswerter Dialog. Diese Leerstelle ist nicht bloß Entscheidung für eine Perspektive, sondern eine bewusste Ausblendung.

Auch die politische Zeichnung folgt klaren Linien. Britische Figuren verkörpern Macht und Härte, arabische Figuren Widerstand und Leid. Komplexere Dynamiken bleiben unterbelichtet. Landkäufe erscheinen als administrative Akte von oben, nicht als Ergebnis vielfältiger Inte­ressen. Führungsfiguren der damaligen arabischen Politik tauchen kaum greifbar auf.

Dabei zeigt der Film handwerklich durchaus Potenzial. Das restaurierte Archivmaterial fügt sich erstaunlich organisch ein, die Kamera findet eindrucksvolle Bilder, einige Darsteller geben ihren Rollen Gewicht. Ein kurzer humorvoller Moment, ein Junge nennt den Familien­esel Balfour, deutet an, welches erzählerische Spektrum möglich gewesen wäre.

So aber wirkt das Ganze wie eine historische Folie für gegenwärtige Debatten. Begriffe, Bilder und Auslassungen bieten sich geradezu an oder nehmen es zumindest in Kauf, sich mühelos in heutige Konflikte übersetzen zu lassen. In einem Klima, in dem propalästinensische Proteste stark auf historische Narrative zurückgreifen, liefert der Film eingängige Bilder und klare Zuordnungen. Differenz würde da nur stören.

Als künstlerische Position mag das legitim sein. Als Annäherung an Geschichte ist es ärgerlich. Der dezente Hinweis auf Fiktion im Abspann ändert daran wenig. Wer hier historische Reflexion und Einordnung sucht, findet vor allem ein politisch motiviertes Framing.

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tagesspiegel

„Palästina 36“ im Kino: Man hätte gerne etwas über den Nahostkonflikt gelernt

Das Drama „Palästina 36“ erinnert an den Arabischen Aufstand von 1936, verzerrt aber die Fakten. Regisseurin Annemarie Jacir versucht gar nicht erst, die Gegenwart aus der Vergangenheit heraus zu erklären.

Eine Mutter und ihre Tochter beobachten eine Gruppe Menschen, die auf einer Anhöhe auf einer eingezäunten Baustelle mit Wachturm arbeiten. Zwischen den Erwachsenen spielen Kinder. Hier soll eine neue Siedlung entstehen. „Warum sind sie hierher gekommen?“, fragt die Tochter ihre Mutter. „Ihre Länder wollen sie nicht mehr.“ – „Aber warum?“, insistiert das Kind. „Ich weiß es auch nicht“, entgegnet die Mutter. Sie gehen zurück in ihr Dorf.

Dieser kurze Dialog am Anfang von Annemarie Jacirs historischem Drama „Palästina 36“ spiegelt auf frappierende Weise den Kenntnisstand des gesamten Films wider. Der erinnert an den Arabischen Aufstand in Palästina zwischen 1936 und 1939, bedient sich der wahren Begebenheiten aber nur so weit, als er ein paar Talking Points illustriert, die in gegenwärtigen Debatten über den Nahostkonflikt immer wieder bemüht werden. In „Palästina 36“ sind die jüdischen Neuankömmlinge die „Fremden“, als hätte nie zuvor ein Jude in der Region gelebt.

„Die Geschichte beginnt nicht am 7. Oktober“ gehört zu den Allgemeinplätzen, die nach den Anschlägen der Hamas im Oktober 2023 von Kritikern des Staates Israel immer wieder bemüht worden waren. Für Annemarie Jacir beginnt die Geschichte über das Verhältnis der jüdischen und der arabischen Bevölkerung im damaligen Mandatsgebiet Palästina im Jahr 1936.

Mitte der Dreißigerjahre hatte sich die Zahl der jüdischen Emigranten innerhalb weniger Jahre vervielfacht, und die britische Mandatsmacht machte den Neuankömmlingen zum Start in ihr neues Leben ökonomische Zugeständnisse. Das führte bald zu Spannungen und schließlich zu gewaltsamen Konflikten mit der verarmten arabischen Landbevölkerung.

Der komplizierte Nahostkonflikt wird fahrlässig vereinfacht

Das Problem mit dieser willkürlichen Form der Geschichtsschreibung beschreibt der Dialog zwischen Mutter und Tochter sehr treffend, denn er umkreist die große Leerstelle in „Palästina 36“. Der Grund dafür, dass „ihre Länder sie nicht mehr wollen“, war natürlich der zunehmende Antisemitismus in Europa Anfang der 1930er Jahre, über den im Film aber niemand spricht.

Auch nicht darüber, dass es schon in den 1920er Jahren, also lange vor der großen Migrationswelle aus Europa, in Palästina zu antisemitischen Pogromen gekommen war. Oder dass der Auslöser des Arabischen Aufstands 1936 nicht etwa die Ermordung eines arabischen Bauern (wie im Film), sondern der gewaltsame Tod von zwei Juden gewesen war.

Die jüdische „Irgun“-Miliz begann erst im Sommer 1938 mit gezielten Aktionen. „Palästina 36“ deutet hingegen an, dass die Bewaffnung der jüdischen Siedler bereits zwei Jahre zuvor begonnen hatte. Im Hafen von Jaffa wird eine große Waffenlieferung aus Belgien entdeckt, die an einen jüdischen Geschäftsmann adressiert war. Tatsächlich ereignete sich dieser Vorfall bereits im Herbst 1935, zu einem Zeitpunkt, als sich die jüdische Bevölkerung noch im Selbstverteidigungsmodus befand. Jacir verändert die Chronologie der Ereignisse immer wieder mal da, wo es in ihre Version der Geschichte passt.

Der Film

Palästina 36 (Filasṭīn 36) Palästina, UK, Frankreich, Katar, Saudi-Arabien 2025. Regie und Buch: Annemarie Jacir. Mit: Yasmine Al Massri, Karim Daoud Anaya, Hiam Abbass, Robert Aramayo, Jeremy Irons, Billy Howle, Dhaffer L’Abidine. 121 Minuten. Kinostart: 14. Mai

Diese Details sind im größeren Kontext des historischen Unrechts, das der arabischen Bevölkerung von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart angetan wurde und wird, jedoch alles andere als Marginalien. Die Fakten bewusst auszublenden oder zu verdrehen, wirft ein fragwürdiges Licht auf einen Film, der eigentlich dabei helfen könnte, ein wichtiges Kapitel in diesem unendlich komplizierten Konflikt besser zu verstehen.

Es war nicht zuletzt der jüdisch-amerikanische und dezidiert israelkritische Journalist Oren Kessler, Autor des Standardwerks „Palästina 1936: Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts“ (auf Deutsch erschienen im Hanser Verlag), der eine Fundamentalkritik daran äußerte, wie sich Jacirs Film zugunsten einer einseitigen Interpretation der Geschichte über die Faktenlage hinwegsetzt.

Jüdische Sprechrollen kommen im Film nicht vor

Dass die Konfliktlinien, die im „Großen Aufstand“ zutage traten, auch innerhalb der arabischen Community verliefen, spart „Palästina 36“ zumindest nicht ganz aus. Am Anfang kommt der Bauernsohn Yusuf (Karim Daoud Anaya) mit dem Zug in Jerusalem an, um einen Job bei dem wohlhabenden Verleger Amir (Dhaffer L’Abidine) anzutreten.

In seinem Dorf begegnet man Yusufs Ausflügen „in die Stadt“ mit Misstrauen. Amir führt den Jungen in den Muslimrat ein, wo er den arabischen Honoratioren die Sichtweise der Landbevölkerung nahebringen soll. Der Rat steht den Plänen eines Generalstreiks der Arbeiter, der die politische Stimmung und die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung weiter verschlechtern würde, kritisch gegenüber.

Das Komitee ist auch das Bindeglied zu den britischen Verwaltern, in Person des Hochkommissars Arthur Wauchope (Jeremy Irons) und des Diplomaten Thomas Hopkins (Billy Howle), einem Vertrauten der Journalistin Khuloud (Yasmine Al Massri). Sie ist die Ehefrau des Verlegers Amir und eine eloquente Verfechterin der arabischen Unabhängigkeit – darf aber nur unter einem Männernamen schreiben.

Es gibt in „Palästina 36“ also die guten und die bösen Briten, die aufrechten Araber, die sich für die Freiheit einsetzen, und die, die ihr eigenes Volk verraten. Nur Juden kommen im Film gar nicht vor, buchstäblich. Ihre Interessen werden vertreten von den Briten, der grausam auftretenden Miliz der Special Night Squad unter dem Befehl des rassistischen Captain Wingate (Robert Aramayo). Die Briten sind es auch, die im Film per Dekret bestimmen, dass den Arabern ihr Land weggenommen und an die Juden abgegeben wird.

Tatsächlich haben in den 1930er Jahren – ganz im Gegensatz zu 1948 – einige arabische Großgrundbesitzer durch Landverkäufe an Juden gutes Geld verdient. In Anbetracht der Vielzahl von Figuren und Perspektiven auf die Wurzeln des Nahostkonflikts in „Palästina 36“ sind diese Auslassungen schon bemerkenswert.

Eine gewagte antisemitische Verschwörungstheorie

Die Erfindung des (halb-fiktiven) Muslimrats ist besonders bezeichnend für das Geschichtsverständnis von „Palästina 36“. Vorbild ist das Arabische Hohe Komitee, das 1936 von Muhammad Amin al-Husayni, besser bekannt als der „Mufti von Jerusalem“, gegründet worden war. Al-Husayni vertrat eine radikale Position gegen die Einwanderung der jüdischen Migranten und pflegte schon 1933 enge Kontakte zur NS-Elite in Deutschland. In den 1940er Jahren war er das wichtigste Sprachrohr der Nazis im arabischen Raum.

Bei Jacir ist der Muslimrat eine Marionette der Zionist Commission for Palestine, die die arabischen Eliten dafür bezahlt, projüdische Propaganda zu verbreiten. Khuloud findet im Schreibtisch ihres Mannes Quittungen für dessen Dienste. Eine gewagte antisemitische Verschwörungstheorie, die kaum weiter von der Realität entfernt sein könnte.

Immer wieder versucht Jacir in „Palästina 36“, den Gegensatz von Arabern und Juden über die Landschaft herzuleiten. „Es ist die Beziehung zwischen uns und unserem Land. Das Werk von jahrtausenderlanger Arbeit“, heißt es einmal aus dem Off. Im Stil eines Prestige-Historiendramas verschwindet die harte Realpolitik hinter den schwelgerischen Landschaftsimpressionen der französischen Kamerafrau Hélène Louvart: Baumwollfelder im Sonnenlicht, die kargen Berge, in denen sich die Rebellen verstecken, prächtige Orchideenhaine.

Doch es gab eine Zeit vor 1936, in der Araber und Juden die Orangenplantagen im „gelobten Land“ noch Seite an Seite kultiviert haben. Die Zerstörung dieser Industrie erzählt der Dokumentarfilmer Eyal Sivan in „Jaffa, the Orange’s Clockwork“ von 2009. Vor 15 Jahren war es schon schwer genug, von der gemeinsamen Geschichte von Juden und Arabern zu erzählen. Inzwischen scheint es nahezu unmöglich geworden zu sein.

Befreiung KZ-Birnau am Bodensee / Gedenkveranstaltung am 9. Mai 2026

3. Mai. 2026, Keine Kommentare


Den gesamten Flyer zu Veranstaltung plus wichtige Informationen finden Sie hier:

▶ Birnau Gedenveranstaltung 9. Mai 2026

Auschwitz 1943: „Ich werde es nicht tun. Schickt mich in die Gaskammer, wenn ihr wollt.“ (Deutsch-Hebräisch)

2. Mai. 2026, Keine Kommentare

Deutscher Text - ins Hebräische (Ivrit) übersetzt


Quelle: Facebook

„Ich werde es nicht tun. Schickt mich in die Gaskammer, wenn ihr wollt.“

Auschwitz, 1943. Eine französische Ärztin steht vor verängstigten jüdischen Frauen. Ein Nazi-Offizier hat ihr gerade einen Befehl erteilt.

„Sie werden bei den Sterilisationsexperimenten mitwirken.“
Dr. Adelaide Hautval blickt die Frauen an. Sie wissen, was ihnen bevorsteht. Medizinische Folter, getarnt als Wissenschaft.
Sie blickt zurück zu dem Nazi-Arzt.
„Nein.“
Stille. Niemand verweigert Befehle in Auschwitz. Niemand überlebt die Verweigerung.
„Sie werden hingerichtet“, warnt der Nazi.
Adelaide zuckt nicht mit der Wimper. „Dann exekutieren Sie mich. Ich werde Ihnen trotzdem nicht helfen, diese Frauen zu foltern.“
Der Offizier gibt nach. Schickt sie weg. Tötet sie nicht.
Warum war sie überhaupt dort?
Ein Jahr zuvor. April 1942. Adelaide reist durch das besetzte Frankreich. Sie sieht, wie deutsche Soldaten eine ältere jüdische Frau verspotten und sie zwingen, den gelben Stern zu tragen.
Adelaide schreitet ein: „Lasst sie in Ruhe!“ Ein großer Fehler. Die Deutschen verhaften sie sofort. „Sie verteidigen Juden? Dann teilen Sie ihr Schicksal.“
Sie heften ihr einen gelben Stern an den Mantel und schreiben darauf: „Freundin der Juden“.
Adelaide trägt ihn wie eine Auszeichnung. Sie versucht nie, ihn abzunehmen.
Sie wird ins Gefängnis gebracht, dann in Konzentrationslager und schließlich nach Auschwitz.
Adelaide ist Ärztin. Die Nazis brauchen Ärzte. Also setzen sie sie in der Krankenstation des Lagers ein.
Doch sie werden immer wieder auf die Probe gestellt. Immer wieder erhalten sie unmögliche Befehle: „Helfen Sie bei Experimenten oder sterben Sie!“
Adelaide weigert sich immer wieder. Zwei Jahre lang. Sie fordert sie heraus, sie zu töten. Doch sie tun es nicht. Sie brauchen die Ärzte zu dringend.
So nutzt Adelaide ihre Position, um Leben zu retten. Sie behandelt Gefangene im Geheimen, stiehlt Medikamente und versteckt kranke Frauen vor den Selektionslinien. Als Nazi-Ärzte an jemandem experimentieren wollten, log Adelaide: „Sie ist zu krank. Sie bekommen keine brauchbaren Daten.“
Die Frauen waren nicht krank. Adelaide schützte sie.
Es funktionierte. Zwei Jahre lang verhinderte sie Experimente. Schützte Hunderte von Frauen. Überlebte, indem sie die Kooperation verweigerte.

Mai 1945. Der Krieg endet. Adelaide verlässt das Konzentrationslager Ravensbrück lebend.

Sie kehrt nach Frankreich zurück. Nimmt ihre ärztliche Tätigkeit wieder auf. Versucht, sich ein normales Leben aufzubauen.
Doch die Staatsanwaltschaft findet sie. Sie braucht ihre Aussage gegen die Nazi-Ärzte.
Adelaide willigt ein. Sie sagt in Nürnberg aus. In Frankfurt. In mehreren Kriegsverbrecherprozessen.
Die Verteidiger greifen ihre Glaubwürdigkeit an. „Sie lügen. Deutsche Ärzte würden solche Gräueltaten nicht begehen.“
Adelaide bleibt standhaft. „Ich war dabei. Ich habe alles gesehen. Ich habe mich geweigert, mitzumachen. Das sind Fakten.“

Ihre Aussage trägt zur Verurteilung mehrerer Nazi-Ärzte bei.

1965 wurde sie in Israel als Gerechte unter den Völkern geehrt. Für den Schutz jüdischer Gefangener. Dafür, dass sie ihr Leben riskierte, um sich den grausamen Befehlen zu widersetzen.
Adelaide wollte keine Anerkennung. „Ich habe nur meine Pflicht als Ärztin getan. Als Mensch.“
Sie praktizierte bis zu ihrer Pensionierung weiter. Sie spezialisierte sich auf Psychiatrie. Viele ihrer Patienten waren Holocaust-Überlebende.
Dr. Adelaide Hautval starb 1988. Sie wurde 81 Jahre alt. Tausende nahmen an ihrer Beerdigung teil. Ehemalige Gefangene. Ihre Kinder. Ihre Enkelkinder.
Eine Frau sagte: „Dr. Hautval rettete meine Mutter in Auschwitz. Sie versteckte sie während der Selektion. Ich lebe, weil sie Nein zu den Nazis sagte.“

Man muss sich das einmal vorstellen. Adelaide hatte allen Grund zur Kooperation. Sie war bereits verurteilt. Sie trug bereits den Davidstern. Sie war bereits inhaftiert.

Die Teilnahme an Experimenten hätte sie nicht befreit. Aber die Weigerung hätte sie das Leben kosten können. Trotzdem weigerte sie sich. Nicht nur einmal. Dutzende Male. Zwei Jahre lang.
Sie nutzte das Einzige, was die Nazis brauchten: medizinisches Fachwissen. Sie setzte es ein, um Gefangene zu schützen. Um ihnen wirklich zu helfen. Um Leben zu retten.
Die meisten KZ-Widerständler starben. Adelaide überlebte. Sie sagte aus. Sie trug zur Gerechtigkeit bei.
Dann lebte sie weitere 43 Jahre. Sie heilte Traumata. Sie half Überlebenden. Nie strebte sie nach Ruhm. Heute haben die meisten Menschen noch nie von ihr gehört. Es gibt ein kleines Denkmal in Frankreich. Eine Gedenktafel in Yad Vashem. Einige Erwähnungen in Geschichtsbüchern.

Aber sie ist größtenteils vergessen.

Die Frau, die dem Bösen in die Augen sah und Nein sagte. Die es herausforderte, dass die Nazis sie dafür töteten. Die überlebte und sie zur Rechenschaft zog.
Dr. Adelaide Hautval. Der Beweis, dass man sich dem Bösen widersetzen und davon erzählen kann.
Der Beweis, dass ein einziger Mensch, der „Nein“ sagt, Hunderte retten kann. Der Beweis, dass Mut nicht Furchtlosigkeit ist. Es bedeutet, Angst zu haben und trotzdem das Richtige zu tun.

°     °     °     °     °     °     °     °     °     °     °     °     °     °     °     ° wiki (c)

  • Dr. Adelaide Hautval schrieb  ein Buch über ihre Lebenserfahrungen : Medizin gegen die Menschlichkeit. Die Weigerung einer nach Auschwitz deportierten Ärztin, an medizinischen Experimenten teilzunehmen, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Karl Dietz Verlag, Berlin 2024 (zuerst 2008, Original 1991), ISBN 978-3-320-02154-2.

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Übersetzt ins Hebräische (Ivrit)



ISRAEL - Zwischen legitimer Selbstverteidigung und zivilgesellschaftlicher Verwüstung ... Faktencheck & Kommentar

20. Apr. 2026, Keine Kommentare
Stefan Weinert, Blogger

a) Faktencheck: Was UN Women am 17. April 2026 berichtet hat

Quelle: UN Women, UN News, 17. April 2026 (Analyse zur Lage von Frauen und Mädchen in Gaza).

  • Getötete Frauen und Mädchen (Oktober 2023 bis Dezember 2025): über 38.000 – davon mehr als 22.000 Frauen und 16.000 Mädchen.

  • Täglicher Durchschnitt: mindestens 47 getötete Frauen und Mädchen pro Tag.

  • Datenlage: UN Women stützt sich auf Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza und weitere UN‑Quellen. Die Organisation betont selbst: – viele Tote liegen weiterhin unter Trümmern, – zerstörte Infrastruktur erschwert Erfassung, – tatsächliche Zahlen dürften höher liegen.

  • Gesellschaftliche Folgen laut UN Women: – zehntausende Haushalte nun von Frauen geführt, – massive Armut, fehlendes Einkommen, kaum Zugang zu Versorgung, – über eine Million Frauen und Mädchen mehrfach vertrieben, – tausende mit dauerhaften Behinderungen.

  • Zentrale Stimme: Sofia Calltorp (UN Women) weist darauf hin, dass die Statistik nur das dokumentierte Leid abbildet — die Dunkelziffer sei erheblich.

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b) Mein Kommentar: Zwischen legitimer Selbstverteidigung und zivilgesellschaftlicher Verwüstung

Die neuen UN‑Women‑Zahlen zur Lage in Gaza sind kein rhetorisches Instrument, sondern ein nüchterner Hinweis auf eine Realität, die sich schwerlich wegdiskutieren lässt. Sie zeigen eine Dimension ziviler Opfer, die weit über das hinausgeht, was in klassischen Konflikten als „Kollateralschaden“ bezeichnet wird.

Wer Israels Existenzrecht und sein legitimes Bedürfnis nach Sicherheit anerkennt — und das tue ich ausdrücklich — muss zugleich anerkennen, dass die gegenwärtige Kriegsführung eine zivilgesellschaftliche Verwüstung hinterlässt, deren Folgen nicht an der Amtszeit irgendeiner Regierung enden.

Die Zahlen sprechen für sich: über 38.000 getötete Frauen und Mädchen in etwas mehr als zwei Jahren. Ein täglicher Durchschnitt, der jede politische Debatte über „Verhältnismäßigkeit“ in eine moralische Schieflage bringt. Und das sind nur die dokumentierten Fälle.

Die strukturellen Folgen sind absehbar: eine Gesellschaft, deren familiäre Netzwerke zerbrochen sind, deren soziale Infrastruktur pulverisiert wurde, deren Frauen die Last des Überlebens tragen, ohne Einkommen, ohne Schutz, ohne Perspektive. Das ist nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern eine Hypothek für Jahrzehnte.

Internationale Institutionen werden sich daran messen lassen müssen, ob sie mehr tun als Berichte zu veröffentlichen. Und Israel wird sich daran messen lassen müssen, ob es Wege findet, Sicherheit nicht mit der systematischen Zerstörung einer Zivilgesellschaft zu verwechseln.

Die Hamas trägt die Verantwortung für den 7. Oktober 2023 - das wird leider weltweit unter den Teppich gekehrt - für die bewusste Militarisierung ziviler Räume. Aber die Verantwortung für die Art der militärischen Antwort liegt bei der israelischen Regierung — und sie ist politisch, moralisch und historisch nicht delegierbar.

Die UN‑Women‑Daten sind ein Spiegel. Die Frage ist, wer hineinschaut.


Vom KZ Theresienstadt bis zum ESC in Wien - Hätte er doch geschwiegen ...

20. Apr. 2026, Keine Kommentare

Jüdische Allgemeine

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel. Mail

Michael Schulte aus Buxtehude ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des »Eurovision Song Contest« (ESC) der letzten Jahre. Er belegte 2018 in Lissabon mit »You Let Me Walk Alone« den vierten Platz. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Auch 2018 erschien das Musikhörspiel und Album zum Projekt »Die Kinder der toten Stadt – Musikdrama gegen das Vergessen«.

Schulte singt und spricht die Hauptrolle des Albert. Das Stück erzählt vom Schicksal der Kinder im Ghetto Theresienstadt, ihrem Leben dort und ihrer Ermordung in den Todeslagern der Nazis.

Umso unverständlicher ist Schultes Statement, das er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Thema gab. Dort sagte Schulte, angesprochen auf die Boykottkampagne gegen Israel: »Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt.« Allerdings, so Schulte, wäre es wohl »besser gewesen, wenn Israel mal aussetzt, auch im eigenen Interesse und für den Künstler«.

Mit seinem Statement spricht Schulte gewiss etlichen Bundesbürgern aus der Seele – und steht damit exemplarisch für das aktuelle deutsche Dilemma im Umgang mit Juden. Geschichtsbewusst werden die Verbrechen der Schoa eingeordnet und betrauert – samt all ihrer Toten. Dass lebende Juden, in Israel zumal, einen zweiten Vernichtungsversuch erfolgreich verhindern, das hingegen ist »progressiven« Seelen hierzulande schon lange suspekt. Und so werden Israels Abwehrschlachten gegen Hamas, Hisbollah, Iran und Co. dämonisiert.

Weil Israel sich also weder durch Islamisten vernichten lassen noch auf den ESC verzichten möchte, boykottieren Irland, Island, Niederlande, Slowenien und Spanien den diesjährigen Song Contest. Deutschland, größter ESC-Geldgeber, hat da einmal klare Kante gezeigt und gedroht, den Wettbewerb nicht mehr zu finanzieren, falls Israel ausgeschlossen werde. So kann Noam Bettan im Mai in Wien mit »Michelle« ins ESC-Rennen gehen.

Der deutsche Sänger und frühere ESC-Teilnehmer Michael Schulte ruft Israel zum freiwilligen Verzicht auf seine Teilnahme am Eurovision Song Contest auf

Zeitgleich mit der Schulte-Äußerung übrigens haben 1000 Künstler und Topstars wie Helen Mirren, Mila Kunis, Amy Schumer, Gene Simmons und Boy George eine Petition für Israels Verbleib in der Eurovision unterzeichnet.

Weshalb Schulte sich ausgerechnet jetzt geäußert hat, bleibt ein Rätsel. Ihm womöglich auch. »Auf der anderen Seite nervt es mich auch, dass es zu so einem Thema gemacht wird. Am Ende sollte es um die Musik gehen. Und je mehr die in den Hintergrund gerät, desto trauriger macht mich das«, zitiert ihn dpa weiter. Hätte er doch einfach geschwiegen.

Deutsche Schulen stoppen KZ-Besuche, weil antisemitische Vorfälle deutlich zunehmen und die Kontrolle verloren geht - Schüler/innen posieren mit Nazi-Gruß ...

17. Apr. 2026, Keine Kommentare
ha. Olam.de

Etwa 50 Vorfälle pro Jahr statt früher rund 12. Lehrer ziehen sich zurück, weil sie respektloses Verhalten an Orten des Holocausts nicht mehr verhindern können.

Immer mehr Schulen sagen Besuche in ehemaligen Konzentrationslagern ab. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Sorge. Lehrkräfte berichten, dass sie nicht mehr sicherstellen können, dass alle Schülerinnen und Schüler diesen Orten mit dem notwendigen Respekt begegnen.

Auslöser sind konkrete Ereignisse, die in ihrer Symbolik kaum schwerer wiegen könnten. In einer Gedenkstätte posierten Schülerinnen für Fotos und zeigten dabei den Hitlergruß. An anderen Orten wurden antisemitische Parolen entdeckt, Mauern beschmiert, Symbole hinterlassen, die genau das verhöhnen, woran dort erinnert werden soll. Es sind keine isolierten Ausrutscher mehr, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die sich seit einiger Zeit verstärkt.

Die Zahlen machen diese Veränderung unmissverständlich sichtbar. Innerhalb eines Jahres wurden etwa 50 antisemitisch oder rechtsextrem motivierte Vorfälle an Gedenkstätten registriert. Vor dem Jahr 2023 lag diese Zahl noch bei rund 12. Diese Entwicklung bedeutet nicht nur eine Zunahme, sondern eine deutliche Verschiebung. Parallel dazu besuchen weiterhin rund 500000 Menschen jährlich große Gedenkstätten. Die Vorfälle sind also statistisch eine Minderheit, doch ihre Bedeutung lässt sich nicht in Prozent messen. Jeder einzelne Angriff richtet sich gegen Orte, die für die Erinnerung an die systematische Vernichtung von Juden stehen.

Die Reaktion der Schulen zeigt, wie ernst die Lage inzwischen eingeschätzt wird. Einige Einrichtungen verzichten bewusst auf Besuche, weil sie bestimmte Gruppen nicht dorthin führen wollen. Dahinter steht die Befürchtung, dass einzelne Schülerinnen und Schüler diese Orte nicht als Lernraum begreifen, sondern als Bühne für Provokation oder ideologische Ablehnung nutzen könnten. Diese Entscheidung ist kein Ausdruck von Gleichgültigkeit, sondern ein Eingeständnis von Kontrollverlust.

Erinnerung verliert ihre Selbstverständlichkeit

Die Entwicklung fällt nicht vom Himmel. Seit dem 7. Oktober 2023 ist in Deutschland ein deutlicher Anstieg antisemitischer Vorfälle zu beobachten. Diese Dynamik beschränkt sich nicht auf Demonstrationen oder soziale Medien, sondern wirkt in den Alltag hinein. Dass sie nun auch Gedenkstätten erreicht, verleiht ihr eine neue Qualität.

Über Jahrzehnte galt die Erinnerung an den Holocaust als fester Bestandteil der deutschen Identität. Schulklassen besuchten Gedenkstätten, hörten Zeitzeugen, setzten sich mit der Geschichte auseinander. Diese Praxis war nicht nur Bildung, sondern auch ein gesellschaftlicher Konsens. Genau dieser Konsens beginnt zu bröckeln.

Wenn Schülerinnen und Schüler an Orten wie Ravensbrück oder Sachsenhausen antisemitische Gesten zeigen, dann ist das mehr als Provokation. Es zeigt, dass die Bedeutung dieser Orte nicht mehr bei allen ankommt. Geschichte wird nicht mehr automatisch als Verpflichtung verstanden, sondern teilweise als fremd oder sogar ablehnenswert wahrgenommen.

Digitale Verzerrung und verlorene Orientierung

Hinzu kommt eine Entwicklung, die die Situation weiter verschärft. Im Internet verbreiten sich zunehmend Inhalte über den Holocaust, die mit künstlicher Intelligenz erzeugt wurden. Bilder, die Lagerrealität darstellen sollen, wirken auf den ersten Blick glaubwürdig, haben aber keine historische Grundlage. Für junge Menschen entsteht dadurch eine neue Unsicherheit. Was ist echt, was ist Darstellung, was ist bewusste Verzerrung.

Diese digitale Überlagerung trifft auf eine Generation, die ohnehin keinen direkten Kontakt mehr zu Zeitzeugen hat. Die wenigen Überlebenden, die ihre Erfahrungen persönlich weitergeben konnten, verschwinden zunehmend. Damit geht ein Zugang verloren, der über Jahrzehnte eine zentrale Rolle gespielt hat. Was bleibt, sind Orte, Dokumente und pädagogische Konzepte, die diese Lücke füllen müssen.

Doch genau diese Orte geraten nun selbst unter Druck. Gedenkstätten müssen nicht nur ihre historische Aufgabe erfüllen, sondern gleichzeitig auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Sie stehen vor der Herausforderung, Geschichte zu vermitteln und sich gleichzeitig gegen Respektlosigkeit und ideologische Angriffe zu behaupten.

Ein Warnsignal für die Gesellschaft

Die Absage von Schulbesuchen ist deshalb kein Randphänomen, sondern ein Warnsignal. Sie zeigt, dass ein Teil der Gesellschaft den Bezug zur eigenen Geschichte verliert. Wenn Lehrer beginnen, bestimmte Gruppen bewusst von Gedenkstätten fernzuhalten, weil sie dort Fehlverhalten erwarten, dann ist eine Grenze überschritten.

Für Deutschland stellt sich damit eine grundlegende Frage. Wie kann Erinnerung vermittelt werden, wenn sie nicht mehr selbstverständlich akzeptiert wird. Die bisherigen Konzepte stoßen sichtbar an ihre Grenzen. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, neue Wege zu finden, ohne die historische Wahrheit zu relativieren.

Die Entwicklung macht deutlich, dass Erinnerung nicht statisch ist. Sie muss immer wieder neu erarbeitet werden. Wenn das nicht gelingt, verliert sie an Wirkung. Und genau das zeigt sich derzeit an Orten, die eigentlich das Gegenteil bewirken sollten.


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