SATIRE: Mit dem OSH-Kennzeichen durch das Ländle fahren: "Rulla, rulla, rulalla ... bleibet was sie immer war!"
Ausdrücklich Satire!
Seit die südwestdeutschen Städte und Gemeinden Wangen, Sigmaringen, Tettnang und Bad Saulgau ihre Altkennzeichen zurückerobert haben, scheint in Oberschwaben ein neues Hobby ausgebrochen zu sein: die Gebietsreform von 1968 bis 1975 rückgängig zu machen – zumindest optisch. Kaum ein Rathaus, das nicht plötzlich nostalgisch wird und meint, man/frau könne kommunale Identität mit ein paar Buchstaben auf Blech wiederherstellen. Und bevor ein sportaffiner Ravensburger Stadtrat auf die Idee kommt, für seine Weststadt ein eigenes „RVW“-Kennzeichen zu beantragen, waren andere Bürgerinnen und Bürger Oberschwabens schneller.
Ab dem 2. November 2026 soll vom Landratsamt Ravensburg nämlich ein neues Kulturgut-Kennzeichen zugelassen werden: „OSH – RV – xxx H“. Analog zum H-Kennzeichen in Deutschland, das für Fahrzeuge vergeben wird, die als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind, gilt das "H" in diesem Fall der Oberschwabenhalle (OSH) in Ravensburg als Kulturgut für diverse Veranstaltungsarten – ein Ort, der seit 1959 alles war: Konzertsaal, Messeplatz, Treffpunkt, Kirche, Bühne, Marktplatz der Vielfalt, Mädels- Flohmärkte in geschütztem Raum und Personalversammlungen. Ein Ort, der gerade deshalb zum Kulturgut wurde, weil er nie nur einer einzigen Interessengruppe gehörte. Wer sich also für den Erhalt dieser Halle als vielfältigen Veranstaltungsort einsetzt, darf das Kennzeichen beantragen – egal ob aus welchem Ort Oberschwabens auch immer.
Die Zahl „740“ im Beispiel oben steht für die aktuelle Zahl der Unterschriften unter der entsprechenden Petition. Sie kann frei gewählt werden oder wird fortlaufend von der Behörde vergeben. "OSH" und "RV" sind feststehend. Dieses Kennzeichen durchs Ländle zu fahren bedeutet: ein kleiner, aber feiner Hinweis darauf, wie "DU" über die Zukunft der OSH denkst – im Gegensatz zu jenen knapp über hundert Besucherinnen und Besuchern, die zur städtischen Infoveranstaltung über die Zukunft der Halle als Sportstätte kamen. Dort zeigte sich, wie schmal die Basis jener Partikularinteressen ist, die die OSH am liebsten in eine reine Sporthalle verwandeln würden.
So wird das Kennzeichen zum satirischen Wahrheitsbeweis: Wer Vielfalt will, fährt „OSH“. Wer nur Sport will, fährt weiterhin einfach „RV“.
