Ein reich gedeckter Tisch für Menschen mit sehr kleinem Geldbeutel - Marktstand der etwas andern Art und eine Begegnung der peinlichen Art ...
Fotos 1 +2 : Gudrun Bosch (c); 3 +4: Rosemarie Vogt (c)
Wer heute Mittag zwischen 11:30 und 13:30 Uhr über den Ravensburger Marienplatz schlenderte, musste unwillkürlich den Lebensmittelstand direkt vor dem "Lederhaus", der ehemaligen Post, bemerken.

Samuel Bosch, der Organisator der Rettungsaktion und im Hintergrund der aufmerksame Blogger.
Dort nämlich waren Brote, Brezen, Äpfel, Paprika, Kartoffeln, Blumen, Berliner, Milch im Tetrapack und weitere haltbare und genießbare Nahrungsmittel ausgelegt. Gespendet worden waren sie am Morgen von Supermärkten, die diese Waren nicht mehr verkaufen konnten. Nicht weil sie etwas verdorben waren, sondern weil sie den überhöhten Standards der Lebensmittelindustrie und/oder den ebenso hohen Erwartungen der Konsumenten nicht entsprachen.

Ein reich gedeckter Tisch für Menschen mit sehr kleinem Geldbeutel.
Zum Beispiel die Kartoffeln im Netz (siehe Foto) am oberen Ende des Tisches. Eine einzige Kartoffel war leicht beschädigt - und schon war die ganze "Ernte" unverkäuflich. Die Brote waren vom Vortag, was manche von ihnen noch besser schmecken lässt.

Anfangs zögerlich und dann doch immer mehr – kamen Menschen auf den von Samuel Bosch organisierten und etwas anderen Marktstand, um sich kostenlos für den heutigen Tag oder auch für das Wochenende zu versorgen. Am Ende waren alle Lebensmittel gerettet. Denn, wenn sie in dieser Weise nicht angeboten worden wären, müsste sie jetzt in den Containern vergammeln.

Es gab an diesem Stand zwei Begegnungen, von denen eine sehr unangenehm und im Nachhinein peinlich zum Nachteil jenes "Passanten" sein dürfte.
Es war nicht die Polizei, die nach dem Rechten schaute und mit zwei Beamten außerordentlich freundlich auftrat. Sondern es war der noble Stadtrat aus der Weststadt mit den schlohweißen Haaren. Er begann seinem Gesprächspartner gegenüber über die Klimaaktivisten dermaßen zu schimpfen und herzuziehen, dass ich aus Gründen der Freundlichkeit auf ihn zuging und ihn begrüßte.
Recht zögerlich und offensichtlich widerwillig gab er mir die Hand. Er ließ sein Gegenüber nicht zu Worte kommen, sondern schnitt dessen Gegenargumente jedes Mal barsch ab (ich stand daneben). Mir selbst fehlten in diesem Moment die Worte, was letztlich wohl auch besser so war
Nun standen zwar auch Klimaaktivisten am Lebensmittel-Stand, aber dieser war explizit kein "Klimastand", sondern einer der kostenlosen Verteilungen von Nahrungsmitteln. Der Herr Stadtrat übrigens drehte sich nach seiner zirka dreiminütigen Tirade wort- und grußlos um und verließ strammen Schrittes den Platz. Unglaublich!