In LUXEMBURG fährst du jeden (!) Tag kostenlos Bus, Tram und Regionalzug - In Deutschland musst du davon träumen, weil ...
Kostenloser ÖPNV: Warum Luxemburgs Modell in Deutschland nicht nur möglich, sondern notwendig wäre
Luxemburg ist ein Land von der Größe eines Quadrats mit 51 Kilometern Seitenlänge – kaum größer als der Bodenseekreis plus ein paar Hügel. Und doch hat dieses Miniatur-Großherzogtum geschafft, worüber Deutschland seit Jahrzehnten diskutiert: einen vollständig kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr. Seit März 2020 steigen Menschen dort einfach ein – Bus, Tram, Regionalzug – und fahren ohne Ticket --- 1. Klasse ausgenommen.
Die Frage, die sich aufdrängt: Wenn Luxemburg das kann – warum schafft es die Bundesrepublik nicht?
Die Antwort ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Aber sie führt zu einem klaren Ergebnis: Deutschland könnte es – wenn es wollte.
1. Luxemburg zeigt: Kostenloser ÖPNV ist finanzierbar – selbst in einem PendlerlandLuxemburg ist reich. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist:
Der Staat verzichtet durch die Abschaffung der Tickets auf 41 Millionen Euro jährlich – das sind nur acht Prozent der Gesamtkosten des ÖPNV (ca. 500 Mio. €). Diese acht Prozent werden durch Steuern ausgeglichen.
Der Rest (92 %) wird ohnehin durch Steuern finanziert.
Der Verwaltungsaufwand für Ticketverkauf, Kontrolle, Vertrieb entfällt – ein nicht zu unterschätzender Effizienzgewinn.
Deutschland gibt bereits heute jährlich über 12 Milliarden Euro für den ÖPNV aus – rund 50 Prozent davon kommen aus Steuermitteln. Die Ticketpreise decken also nur einen Teil der Kosten.
Rein finanziell wäre ein kostenloser ÖPNV in Deutschland möglich, wenn man/frau/staat ihn politisch priorisieren würde. Zum Vergleich:
Das 63-Euro-Ticket kostet den Bund jährlich 3 Milliarden Euro.
Der Abbau des Dieselprivilegs würde 7,4 Milliarden Euro pro Jahr freisetzen.
Die Entfernungspauschale kostet den Staat 5 Milliarden Euro jährlich.
Deutschland hat also die Mittel – es fehlt der politische Wille.
2. Warum Luxemburgs kostenloser ÖPNV ökologisch weniger wirkt als erhofftLuxemburg hat tatsächlich ein großes Auto-Problem.
670 Pkw pro 1.000 Einwohner – EU-Spitzenwert.
Deutschland: 561 Pkw pro 1.000 Einwohner (Platz 6) .
Das Auto ist dort Statussymbol.
200.000 Grenzpendler strömen täglich ins Land – viele aus Regionen, die schlecht angebunden sind.
Der kostenlose ÖPNV allein reicht dort nicht, um die Verkehrswende auszulösen. Luxemburg reagiert mit massiven Investitionen:
Ausbau des Tramnetzes von 6 auf 16 km.
Elektrifizierung der Busflotte.
Anbindung aller kleinen Orte (Weiher) ab 20 Einwohnern.
Ausbau der grenzüberschreitenden Verbindungen.
Kostenlosigkeit ist dort nur ein Baustein – nicht die Lösung.
3. Warum der kostenlose ÖPNV in Deutschland viel stärker wirken würdeDeutschland unterscheidet sich in drei entscheidenden Punkten:
a) Die Entfernungen sind größer – aber die Netze dichterDeutschland hat:
eines der dichtesten Schienennetze Europas,
ein engmaschiges Busnetz,
Millionen Menschen die bereits heute pendeln – und zwar oft mit dem ÖPNV.
Der Effekt wäre also sofort spürbar.
b) Der soziale Nutzen wäre enormMobilität ist Grundvoraussetzung für:
Arbeit,
Bildung,
Teilhabe,
Integration.
Ein kostenloser ÖPNV wäre die größte sozialpolitische Entlastung seit Jahrzehnten – gerade für Familien, Geringverdiener, Studierende und Rentner.
c) Der ökologische Nutzen wäre deutlich höherDeutschland hat:
viel mehr urbane Räume,
viel mehr Pendlerstrecken, die bereits gut erschlossen sind,
viel mehr Menschen, die aus Kostengründen Auto fahren.
Kostenloser ÖPNV würde hier tatsächlich Verkehr verlagern – nicht nur symbolisch.
4. Was Deutschland von Luxemburg lernen kannLuxemburg zeigt drei Dinge, die Deutschland sofort übernehmen könnte:
1. Kostenlosigkeit ist ein politisches SignalDie "Kostenlosigkeit" sendet die Botschaft: „ÖPNV ist Daseinsvorsorge – kein Luxus.“
2. Der Staat kann Mobilität steuernLuxemburg investiert gleichzeitig in:
Tram,
Bahn,
Elektrobusse,
Taktverdichtung.
Deutschland müsste das Gleiche tun – aber in größerem Maßstab.
3. Die Verkehrswende braucht MutLuxemburg hat nicht gewartet, bis alles perfekt war. Es hat einfach angefangen.
4. Warum Deutschland es trotzdem nicht tutDie Gründe sind politisch, nicht technisch:
Föderalismus: 16 Bundesländer, hunderte Verkehrsverbünde, tausende Tarifzonen.
Autolobby: Deutschland ist Autoland – und behandelt das Auto wie ein Kulturgut.
Angst vor Kosten, obwohl die Gegenfinanzierung möglich wäre.
Mangel an Vision: Verkehrspolitik wird verwaltet, nicht gestaltet.
Luxemburg dagegen hat eine klare Leitlinie: „Menschen bewegen, nicht Autos.“
5. Fazit: Kostenloser ÖPNV in Deutschland ist möglich – und überfälligLuxemburg beweist:
Es funktioniert.
Es ist finanzierbar.
Es ist sozial gerecht.
Es ist ein Baustein der Verkehrswende.
Deutschland könnte es – wenn es wollte. Die Frage ist nicht, ob wir es uns leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.