Zu Gast bei ARD + ZDF: Buddha, Jesus, Gysi, Merz, Bas, Drewermann °°° "Weimar - Hakenkreuz - Bonn - Berlin / 100 Jahre deutscher Unbelehrbarkeit?"
Das gemeinsame Studio von ARD und ZDF ist überfüllt.
Das in allen Medien angekündigte Thema und die Gäste der Runde haben die Luft wie mit Blei beschwert, so, als hätte sich die deutsche Geschichte selbst an die Knöpfe der Klimaanlage gesetzt.
Andererseits aber auch hohe Erwartung.
Ein halbrunder Tisch, grelles Licht, das Publikum dicht gedrängt, erwartungsvoll, nervös. Man/frau spürt: Heute wird vermutlich nichts glattlaufen.
Die Moderatorin vom ZDF und ihr Kollege vom Nachbarsender begrüßen die Gäste der Reihe nach, während die Kamera deren Gesichter einfängt:
- Buddha mit einem Blick, der alles sieht und nichts bewertet.
- Jesus, barfuß in Sandalen, aber mit einer Peitsche, die halb unter dem Stuhl hervorlugt wie ein vergessener Blitz.
- Gregor Gysi, der schon jetzt weiß, dass er gleich wieder der Vernünftige sein muss.
- Friedrich Merz, der versucht, staatsmännisch zu wirken, aber dessen Stirn verrät, als ahnte er, was kommt. Nämlich nichts Gutes.
- Bärbel Bas, ruhig, aber mit einer Haltung, die zeigt: Sie hat genug von Beschwichtigungen.
- Und Eugen Drewermann, der aussieht, als würde er gleich eine Predigt halten, die das Studio in zwei Hälften spaltet.
Die Moderatorin beginnt die Runde mit einer Frage: „Hundert Jahre deutscher Unbelehrbarkeit. Ist da was dran? - Was sagt seine Heiligkeit, der Buddha, dazu? Gautama schweigt einen Moment. Doch dann wie ein leichter Windstoß: „Unbelehrbarkeit ist ein Zustand, der entsteht, wenn ein Volk seine eigenen Schatten nicht sehen will. Und bitte, sprechen Sie mich nicht mit 'Heiligkeit' an. Ich bin ein einfacher Wanderer. - Das Publikum klatscht schon fast frenetisch.
Jesus von Nazareth lehnt sich vor; schaut erst auf den Buddha und dann mit scharfem Blick auf Friedrich Merz. „Und manchmal“, sagt er, „braucht es mehr als Worte, um diese Schatten zu vertreiben.“
Der Kanzler zieht die Augenbrauen hoch und Staatsstirn wirft einen Katalog von Falten. Die Moderator versucht, auf Weimar zu sprechen zu kommen – Gregor Gysi ergreift das Wort: „Weimar war der Versuch, Demokratie zu spielen, ohne demokratisch zu fühlen. Die Republik war ein Haus, das man bezog, aber nie bewohnte. Die Eliten wollten Ordnung, die Massen wollten Erlösung, und am Ende bekam man das Hakenkreuz – nicht aus Zufall, sondern aus Sehnsucht.“
Das Publikum ist zunächst still wie ein Eiskeller. Bis ein Mann ruft: „So ein Quatsch!“ Eine Frau kontert: „Er hat doch recht!“ – Für ein sonst eher sanftes Format einer öffentlich-rechtlichen Talkshow schon fast ein Skandal.
Jesus dreht sich zum Publikum, als würde er eine Gemeinde mustern. „Einige von euch scheinen die Zeichen des Hasses nicht überwunden“, sagt er ruhig. „Sie haben sie wohl eher musealisiert.“
Buuuh. Applaus. Ein chaotischer Mix. - Sag' ich doch: Es zieht eine Gewitterfront namens "Skandal" auf.
Buddha schließt die Augen, als würde er die Geräusche filtern. Die Kamera fängt sein Gesicht ein. „Das Hakenkreuz war nicht nur ein Symbol“, sagt er, die Augen langsam und bedeutsam öffnend. „Es war die Folge einer versagenden Republik. Und wie ein gut polierter Spiegel steht dieses Versagen heute wieder da – nur in anderen Farben, mit anderen Worten, mit anderem Symbol - aber mit demselben Kern.“
Merz räuspert sich, bemüht, die politische Linie zu halten. „Wir haben aus der Geschichte gelernt. Deutschland ist heute stabil, demokratisch und verantwortungsvoll. Mit mir wird das auch so bleiben. Auch wenn so manche fordern, ich solle gehen. Tue ich aber nicht. Ich bleibe.“
Ein Teil des Publikums lacht höhnisch. Einer ruft: "Und was ist mit dem Stadtbild?" Andere klatschen pflichtbewusst.
Drewermann beugt sich vor, seine Stimme tief und warm und wie aus einer anderen Welt kommend: „Herr Merz, Stabilität ist kein Beweis für Heilung. Die Deutschen haben die Täter - wenn auch sehr zögerlich, zu moderat und zu spät - bestraft, aber nie die Mechanismen, die sie zu Tätern machten. Die Bereitschaft, sich führen zu lassen. Die Lust, sich zu unterwerfen. Die Angst vor Freiheit. Und da stehen wir heute wieder - unter Ihrer Führung.“
Merz: "Das ist unverschämt."
Ein Raunen im Studio.
Bärbel Bas meldet sich - nüchtern, aber mit Nachdruck: „Wir von der SPD haben viel getan, aber wir haben auch vieles verdrängt. Die emotionale Aufarbeitung fehlt. Die Bereitschaft, die eigene Verführbarkeit zu erkennen, fehlt ebenso.“
Jesus nickt. „Ihr habt die Gräber gepflegt, aber nicht die Herzen. Ihr pflegt euer Parteiprogramm, aber nicht die soziale Gesellschaft.“
Das Publikum ist still. Ein Moment, der hängen bleibt.
Die Moderatorin versucht, die Brücke zur Gegenwart zu schlagen: DDR, BRD, Wiedervereinigung. Gysi übernimmt sofort. „Die Deutschen haben drei Systeme erlebt und aus jedem das Falsche gelernt. Aus Weimar: Ordnung über Freiheit. Aus der NS-Zeit: Schweigen über Verantwortung. Aus der DDR: Misstrauen über Solidarität. Aus der BRD: Wohlstand über Gerechtigkeit.“
Einige klatschen. Andere buhen. Ein Mann ruft: „Linke Propaganda!“
Jesus beugt sich hinab und hebt die Peitsche ein Stück. „Wenn ihr euch hier im TV-Tempel weiter gegenseitig anschreit, werdet ihr wieder dort landen, wo ihr schon einmal wart.“
Die Frau vom ZDF wagt den Sprung in die Gegenwart: Klima, Islam, Judenhass, Ukraine, Israel.
Buddha spricht zuerst, leise: „Ihr zerstört die Welt, weil ihr euch selbst zerstört. Der Klimawandel ist nur der äußere Ausdruck eurer inneren Unruhe.“
Ein junger Mann klatscht begeistert. Er bleibt mit seinem Klatschen allein. Ein älterer Herr ruft: „Es reicht mit dem Moralismus!“
Jesus wendet sich ihm zu. „Moral ist nicht euer Problem. Feigheit ist euer Problem.“
Das Publikum ist elektrisiert.
Beim Thema Judenhass wird es noch stiller. Jesus spricht langsam:
„Wer Israel hasst, hat sich selbst verloren. Wer Juden bedroht, bedroht die Menschlichkeit. Und - auch Menschen aus Gaza sind Menschen!“
Einige klatschen. Andere schauen verschämt zu Boden.
Gregor Gysi ergänzt:
„Der Antisemitismus von links, also von meiner Partei, ist genauso gefährlich wie der von rechts. Er tarnt sich nur besser. Ich schäme mich dafür.“
Bas nickt. „Wir haben zu lange weggeschaut.“
Jesus steht auf. Die Peitsche hängt locker in seiner Hand. „Ich habe große Lust, demnächst in den Bundestag zu kommen, um nicht nur die Faschisten, sondern auch die "Mitte der demokratischen Heuchler" und die Extremen von links aus dem Plenum zu vertreiben. Denn ich höre, dass man ‚die Mitte‘ schützen müsse, während man jedoch die Schwachen vergisst, und dass die, die sich christlich nennen, die Armen verachten.“
Das Publikum ist gespalten: Hälfte Applaus, Hälfte Buhrufe. Ein Sturm.
Friedrich Merz versucht, etwas zu sagen, aber seine Stimme geht unter.
Eugen Drewermann legt ihm eine Hand auf den Arm. Es wird ruhiger. „Herr Merz, Deutschland braucht keine Verwaltung der Gegenwart. Es braucht eine Heilung der Vergangenheit und einen echten, für jeden nachvollziehbaren Plan für Deutschlands Zukunft.“
Der Buddha Gautama fügt hinzu: „Und Heilung beginnt, wenn man die Wahrheit nicht mehr fürchtet.“
Und Jesus ergänzt: „Und wenn man die Würde jedes Menschen schützt – ohne Ausnahme.“
Die Moderatorin schaut in die Kamera, erschöpft, überwältigt.
„Meine Damen und Herren… das war keine gewöhnliche Talkshow. Das war kontroverse Meinung.“
Das Publikum ist still. Dann bricht ein Applaus los – nicht euphorisch, sondern tief und dankbar.

