Gott, Allah, Elohim und die Geschwisterlichkeit: Was der Koran wirklich lehrt. /Der wahre Geist des Islam: Jesus ehren, Juden schützen, Frieden leben ...
Mögen wir – Juden, Muslime und Christen – wieder neu entdecken, was uns seit den Anfängen verbindet: dass wir Kinder derselben Geschichte sind, getragen von denselben Hoffnungen, genährt von denselben Quellen. Mögen wir hören, wie unsere Bücher einander bestätigen, statt sich zu widersprechen; wie der Koran Jesus ehrt, die Tora den Fremden schützt und das Evangelium die Barmherzigkeit ins Zentrum stellt. Mögen wir uns daran erinnern, dass Gottes Ruf zur Gastfreundschaft, zur Gerechtigkeit und zum Schutz der Schwachen niemals aufgehoben wurde. Und mögen wir den Mut finden, einander nicht durch die Wunden der Vergangenheit zu betrachten, sondern durch die Würde, die uns allen von Gott gegeben ist. Frieden wächst dort, wo wir einander als Geschwister erkennen – nicht trotz unserer Unterschiede, sondern durch sie hindurch.
لعلنا—نحن اليهود والمسلمين والمسيحيين—نستعيد اكتشاف ما وحّدنا منذ البداية الأولى: أننا أبناءٌ لتاريخٍ واحد، تغذينا الآمال ذاتها، ونستمد زادنا من المصادر عينها. ولعلنا نصغي إلى الكيفية التي تؤازر بها كتبنا بعضها بعضاً، بدلاً من أن تتناقض فيما بينها؛ وكيف يُكرّم القرآنُ عيسى، وتحمي التوراةُ الغريب، ويضع الإنجيلُ الرحمةَ في صميم رسالته. ولعلنا نتذكر أن دعوة الله إلى الضيافة والعدالة وحماية المستضعفين لم تُنسخ قط. ولعلنا نجد الشجاعة للنظر إلى بعضنا البعض، لا من خلال جراح الماضي، بل من خلال الكرامة التي أسبغها الله علينا جميعاً. إن السلام ينمو حيث نُقرّ ببعضنا البعض كإخوةٍ وأخوات—ليس رغم اختلافاتنا، بل من خلالها.
מי ייתן ואנחנו - יהודים, מוסלמים ונוצרים - נגלה מחדש את מה שאיחד אותנו מאז ומתמיד: שאנחנו ילדים של אותה היסטוריה, נתמכים על ידי אותן תקוות, וניזונים מאותם מקורות. מי ייתן ונשמע כיצד ספרינו מאשרים זה את זה במקום לסתור זה את זה; כיצד הקוראן מכבד את ישוע, התורה מגנה על הזר, והבשורה מציבה את הרחמים במרכזה. מי ייתן ונזכור שקריאתו של אלוהים לאירוח, לצדק ולהגנה על הפגיעים מעולם לא בוטלה. ומי ייתן ונמצא את האומץ להסתכל זה על זה לא דרך פצעי העבר, אלא דרך הכבוד שאלוהים העניק לכולנו. שלום צומח במקום בו אנו מכירים זה בזה כאחים - לא למרות ההבדלים בינינו, אלא דרכם.
Stefan Weinert, 1. Juni 2026Es gibt Momente, in denen ein vertrautes Narrativ plötzlich fremd wirkt – und gerade dadurch neu, erfrischend und überwältigend. So erging es mir mit der Lektüre des Korans und speziell der Sure 3, begleitet von der Auslegung der islamischen Theologen Abdullah Aymaz und Arhan Kardas.
Und je weiter du dich in diesem umfangreichen heiligen Text vorwagst, desto deutlicher wird: Nicht nur diese eine Sure 3, sondern der gesamte Koran atmet einen Geist, der mit den politischen Schlagworten unserer Zeit kaum etwas zu tun hat. Wer den Text selbst liest, statt seine Missbrauchsformen zu kommentieren, entdeckt eine religiöse Welt, die Jesus ehrt, Juden schützt, Gastfreundschaft zur Pflicht erhebt und Gewalt nur als äußerste Verteidigung kennt.
1. Jesus als Vorbild – und ein Koran, der ihn nicht loslässtSure 3 ist eine der Passagen, in denen Jesus (Isa) ausdrücklich als Vorbild herausgestellt wird. Doch diese Wertschätzung ist kein isoliertes Phänomen. Der Koran kehrt immer wieder zu Jesus zurück: zu seiner Reinheit, seiner Wahrhaftigkeit, seiner Nähe zu Gott. Maria wird als „auserwählt über alle Frauen der Welt“ bezeichnet – eine Formulierung, die in ihrer Würde selbst im Christentum selten so klar ausgesprochen wird.
Diese Achtung ist nicht folkloristisch, sondern strukturell. Der Koran versteht sich als Fortführung der prophetischen Linie, nicht als deren Abbruch. Wer Jesus ehrt, ehrt Gott. Wer Jesus verachtet, verfehlt den Koran.
2. Das „Volk des Buches“ – Verwandtschaft, nicht FeindschaftAymaz und Kardas betonen, was im Koran selbst unüberhörbar ist: Die Juden sind nicht Feinde, sondern Teil derselben göttlichen Geschichte. „Volk des Buches“ ist ein Ehrentitel, kein Kampfbegriff. Er verweist auf gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Offenbarung, gemeinsame Verantwortung.
Die einzige Vergeltungsaktion Mohammeds gegen einen jüdischen Stamm – ein historischer Konflikt, der politisch motiviert war – wird in der Auslegung klar eingeordnet: Sie war ein singuläres Ereignis, kein Muster, kein Gesetz, kein Auftrag für die Zukunft. Der Koran selbst macht daraus keine Doktrin. Er macht daraus erst recht keinen Freibrief für Hass.
3. Allah und Elohim – zwei Namen, eine Wurzel, ein GottDie semitische Sprachverwandtschaft zwischen Allah und Elohim ist mehr als ein linguistisches Detail. Sie ist ein theologischer Schlüssel. Beide Begriffe stammen aus derselben Wurzel, beide bezeichnen denselben einen Gott, der weder Partner noch Götter neben sich duldet.
Die koranische Kritik an der „Dreifaltigkeit“ richtet sich nicht gegen Christen, sondern gegen die Vorstellung, Gott könne in mehrere Wesen aufgeteilt werden. Sie ist eine Mahnung zur Reinheit des Monotheismus – nicht zur Feindschaft.
4. Der Geist des Korans: Gastfreundschaft, Barmherzigkeit, Schutz der SchwachenWer den Koran als Ganzes liest, erkennt ein Grundmotiv, das sich durchzieht wie ein roter Faden: Barmherzigkeit. Allah wird über 100 Mal als ar‑Rahman und ar‑Rahim bezeichnet – der Barmherzige, der Gnädige.
Der Koran fordert Gastfreundschaft, Schutz für Reisende, Waisen, Bedürftige. Er verlangt Gerechtigkeit selbst gegenüber Gegnern. Er ruft zur Versöhnung auf, zur Geduld, zur Wahrhaftigkeit. Und er warnt davor, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Zugehörigkeit zu verurteilen.
Dieser Geist ist nicht versteckt. Er ist das Fundament.
5. Krieg im Koran – nur Verteidigung, niemals VernichtungDie Auslegung von Aymaz und Kardas ist eindeutig: Krieg ist im Koran ausschließlich als Verteidigung erlaubt. Nicht als Mission. Nicht als Expansion. Nicht als Vergeltung. Und schon gar nicht als Vernichtung.
Die Vorstellung eines „Heiligen Krieges“ gegen Juden oder andere Völker ist eine spätere politische Erfindung – nicht islamische Theologie. Der Koran kennt keinen Vernichtungsauftrag. Er kennt nur die Pflicht, sich zu schützen, wenn man angegriffen wird.
6. Wie konnte es dann so weit kommen?Die Antwort ist unbequem, aber notwendig: Nicht der Koran hat sich verändert, sondern seine Leser. Nicht der Text ruft zum Hass auf, sondern jene, die ihn missbrauchen. Nicht die Religion ist das Problem, sondern ihre politische Instrumentalisierung.
Dasselbe gilt für das Christentum: Die Kreuzzüge wurden nicht von Jesus inspiriert, sondern von Machtpolitik. Die Inquisition war kein Evangelium, sondern Staatsräson. Und auch im Judentum gibt es politische Strömungen, die mit der Tora wenig zu tun haben.
7. Der vergessene Kern: Frieden, Respekt, Gottes EinheitDer Koran erinnert an etwas, das in der globalen Rhetorik verloren gegangen ist: Dass die drei abrahamitischen Religionen Geschwister sind. Dass sie denselben Gott anrufen. Dass sie dieselben Propheten ehren. Dass sie dieselben ethischen Grundsätze teilen.
Wer das ernst nimmt, kann den Islam nicht als Feind des Judentums lesen – und auch nicht als Gegner des Christentums. Der Koran selbst widerspricht dieser Vorstellung.
8. Ein notwendiger Blick zurück – für die ZukunftVielleicht ist es Zeit, die heiligen Texte wieder selbst zu lesen, statt ihre politischen Missbrauchsformen zu kommentieren und die gängigen Narrative (siehe oben) unreflektiert und ungeprüft zu übernehmen. Vielleicht ist es Zeit, die theologischen Stimmen zu hören, die seit Jahrhunderten übertönt werden. Vielleicht ist es Zeit, die semitischen Wurzeln wieder freizulegen, die uns verbinden. Denn sowohl Araber als auch Juden sind semitische Völker. Sie stammen - so ihr Glaube - beide von Sem, einem der Söhne Noahs, ab
Denn der Koran sagt es klarer als viele es wahrhaben wollen: Gott ist einer. Seine Menschen sind viele. Und sie sollen einander nicht hassen, sondern erkennen.