Treibstoffpreise "explodieren" ▶ PREISANKER statt Freigabe von ÖLRESERVEN©
Treibstoffpreise "explodieren" ▶ PREISANKER statt Freigabe von ÖLRESERVEN©
Die Diskussion um Deutschlands rasant steigende Treibstoffpreise folgt einem vertrauten Muster: geopolitische Schlagzeilen, hektische Pressekonferenzen, hektischere Rechtfertigungen – und schließlich der Griff in die strategischen Ölreserven, als wäre das der große Hebel. In meinem Artikel über die „Straße von Hormus“ hatte ich versucht, mit dem Seziermesser präzise herauszuarbeiten, wie absurd diese Mechanik ist: Deutschland bezieht sein Öl gar nicht von dort, zahlt aber dennoch, weil globale Krisen als universelle Ausrede dienen, um Margen zu erhöhen und Verantwortung zu verschieben. Die „Globalisierung der Ausreden“, so hatte ich es genannt, ist längst ein politisch-ökonomisches Ritual geworden.
Nun beraten Politikerinnen und Politiker, ob sie die Ölreserven freigeben sollen. Ein Reflex, der kurzfristig beruhigt, aber strukturell nichts ändert. Es ist ein Pflaster auf einer Wunde, die längst chronisch ist.
Doch was wäre die Lösung, die wirklich neu ist – die rot unterstrichene, die nicht in den bekannten Werkzeugkasten greift?
**Die Idee, auf die bisher niemand kam: Ein öffentlich-rechtlicher Preisanker für Kraftstoffe**Statt immer wieder über Steuern, Subventionen oder Reserven zu streiten, könnte Deutschland ein Instrument schaffen, das bislang nur in anderen Sektoren existiert – aber nie im Energiemarkt:
Ein öffentlich-rechtlicher „Preisanker“ – eine neutrale, staatlich kontrollierte Referenzstelle, die täglich einen fair kalkulierten Kraftstoffpreis veröffentlicht.Nicht als staatlicher Fixpreis, nicht als Eingriff in die Marktwirtschaft, sondern als Transparenz- und Vergleichsinstrument, das die Macht der Oligopole bricht.
Was würde dieser Preisanker tun?Er berechnet täglich den realistischen Netto-Preis für Benzin und Diesel: basierend auf Rohölpreis, Transportkosten, Raffineriekosten, Steuern und CO₂-Preis.
Er veröffentlicht diesen Preis nachvollziehbar und prüfbar.
Er zeigt damit in Echtzeit, wie groß die Differenz zwischen fairer Kalkulation und tatsächlichem Tankstellenpreis ist.
Er macht sichtbar, wann Margen explodieren – und wer davon profitiert.
Er schafft Druck, ohne Verbote auszusprechen.
Weil es das System nicht mit Verboten bekämpft, sondern mit radikaler Transparenz. Weil es die Machtverhältnisse verschiebt, ohne die Marktwirtschaft abzuschaffen. Weil es die Politik aus der Zuschauerrolle holt – ohne in dirigistische Reflexe zu verfallen.
Und vor allem: Weil es die Ausreden entwertet, die ich oben angedeutet und in meinem vorherigen Artikel beschreiben habe
Beispiel: Wenn der Preisanker zeigt, dass der faire Dieselpreis bei 1,63 € liegt, die Zapfsäule aber 1,92 € verlangt, dann wird sichtbar, was bisher im Nebel verschwindet: Wer verdient – und wer zahlt.
Warum diese Idee bisher niemand verfolgt hatWeil sie weder in das klassische linke noch in das klassische liberale Instrumentarium passt. Weil sie Lobbygruppen nicht gefällt. Weil sie die Mechanik der Preisbildung entzaubert. Weil sie die Politik zwingt, Verantwortung zu übernehmen, statt „die Lage zu beobachten“.
Und weil sie – anders als das Freigeben von Ölreserven – nicht nur Symptome lindert, sondern Strukturen verändert.
Der Effekt: Ein Markt, der sich nicht mehr hinter Krisen verstecken kannEin Preisanker würde:
Preissprünge entdramatisieren
Krisengewinne sichtbar machen
politischen Druck erzeugen
Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger stärken
die Debatte versachlichen
und langfristig sogar die Mobilitätswende erleichtern, weil sie nicht mehr als Klassenprojekt wahrgenommen wird
Er wäre kein Eingriff, sondern ein Scheinwerfer – und genau das fürchten jene, die im Dunkeln gut verdienen.
In Summa:Während Politiker über das Freigeben von Ölreserven beraten, wäre der wirklich neue Schritt ein anderer: Nicht mehr nur auf Krisen zu reagieren, sondern die Mechanik der Preisbildung selbst transparent zu machen. Ein öffentlich-rechtlicher Preisanker würde diese Ausreden entwerten – und damit das Machtgefüge an den Zapfsäulen verändern.
Eine Lösung, die nicht laut ist, aber wirksam. Nicht ideologisch, sondern rational. Und vor allem: eine Lösung, auf die bisher anscheinend niemand gekommen ist.