Die Ravensburger Wohnwert‑Tauschbörse©
Konzept und Text und Grafik: Stefan Weinert, Ravensburg (© 2026). Die Nutzung oder Übernahme ist nur mit Genehmigung und Nennung der Urheberschaft erlaubt. Eine Übernahme ohne Zustimmung des Urhebers ist daher unzulässig.
KONZEPTPAPIER
Die Ravensburger Wohnwert‑Tauschbörse
Ein innovatives, psychologisch fundiertes System zur Aktivierung von Leerstand und Unterbelegung in Ravensburg
Prolog: Auch in der Stadt Ravensburg in Oberschwaben (Baden-Württemberg) gibt es die Wohnungsnot für Menschen mit - wie es im Volksmund heißt - schmalem Geldbeutel. Explizit nenne ich sie nicht "sozial schwach", denn das sind sie nicht, sondern - wenn schon - dann sind sie ökonomisch schwach. Und es geht auch nicht um "bezahlbaren" Wohnraum, sondern um den "leistbaren".
Doch diese Not gibt es nicht nur weil zu wenig Wohnungen gebaut werden, die meist ohnehin - selbst im unteren Sektor - für ökonomisch Schwache viel zu teuer sind, sondern a) weil es in Ravensburg über Hunderte von Wohnraum-Leerstände*) gibt und b) weil viele (oft sehr) große Wohnungen von nur zwei oder gar nur einer Person belegt sind.
- *) Im Kreis Ravensburg gab es im Jahr 2024 über 5.000 solcher Leerstände (Quelle). Dieses Konzept könnte deshalb auch für den Landkreis hilfreich sein.
Was ist in Ravensburg diesbezüglich nicht schon alles versucht worden? Von der Besetzung eines leerstehenden Hauses bis Projekten freier Träger und dem Einsatz von städtischen Mitarbeiterinnen, um Wohnungseigentümer dazu zu bewegen, ihre Leerstände wieder zu vermieten. Mit teilweise kleinen Erfolgen, aber auch mit Misserfolgen.
Das von mir entworfene Konzept geht auch auf die Immobilienbesitzer mit ihren schlechten Erfahrungen, Befürchtungen und Vorbehalten ein. Genau diesen Erfahrungen etc. ist es teilweise auch geschuldet, dass viele Wohnungssuchende leer ausgehen.
1. Executive Summary (In summa vorweg)Ravensburg steht vor einer paradoxen Wohnraumsituation:
Schätzungsweise ca. 300 bis 500 Leerstände,
gleichzeitig massive Unterbelegung großer Wohnungen,
und ein hoher Bedarf an leistbarem Wohnraum.
Bisherige Maßnahmen – Neubau, Zweckentfremdungsverbote, Appelle an Vermieter, Projekte und Aktionen – greifen nicht oder nur unzureichend. Das von mir vorgelegte Konzeptpapier stellt meines Wissens ein etwas anderes, in Deutschland bisher nicht vorhandenes System vor: die Ravensburger Wohnwert-Tauschbörse.
Sie basiert auf einer kommunalen Bonuswährung, psychologischen Anreizen, der so genannten Gamification (spielerisch statt starr) als Motivationssteigerung, lokalem Mut und einem neuartigen Sicher‑Vermieten‑System, das auch Eigentümer schützt und motiviert.
Das Ziel: Leerstand aktivieren, Unterbelegung reduzieren, Wohnraumbewegung fördern – ohne Zwang, ohne Enteignung, ohne klassische Marktmechanismen.
2. Ausgangslage und Problem-Definition2.1 Leerstand
Ravensburg verfügt über Hunderte von leerstehenden Wohnungen. Wenn es im Landkreis rund 5.000 sind, müssten es statistisch gesehen sogar rund 850 Wohnungen sein. Gründe sind u. a.:
Angst vor problematischen Mietern
fehlende Zeit für Verwaltung
Renovierungsstau
Spekulation
Unsicherheit über rechtliche Risiken
Es gibt allerdings auch "Spekulationsgründe"
Viele große Wohnungen (80–140 m² oder mehr) werden von nur einer oder zwei Personen bewohnt. Gründe:
emotionale Bindung
Angst vor Umzugsstress
fehlende Alternativen
fehlende Anreize
künstliche Wohnraumverknappung
steigende Mieten
soziale Spannungen
ineffiziente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur
Die Wohnwert‑Tauschbörse verfolgt vier Kernziele:
- Leerstand reduzieren
- Unterbelegung abbauen
- Wohnraumbewegung erleichtern
- Eigentümer schützen und motivieren
4. Die Ravensburger Wohnwert‑Währung: Ravensburg‑Punkte (RP)
4.1 Grundprinzip
RP sind nicht kaufbar. Sie entstehen ausschließlich durch wohnraumpolitisch erwünschte Handlungen und gelten nur in Ravensburg und seinen drei Teilorten:
Vermietung eines Leerstands
Zwischennutzung
Renovierung
Wohnungstausch
Umzug in kleinere Wohnungen
Vergabe an Menschen mit dringendem Bedarf
RP können eingelöst werden für:
ÖPNV‑Jahreskarte(n)
Ermäßigungen oder Erlass bei städtischen Gebühren
Kultur‑ und Museumspass
Rabatte bei lokalen Geschäften, Gutscheine für dito
Vorrang bei städtischen Dienstleistungen
exklusive Stadtführungen
Bonuspunkte für nachhaltige Renovierungen
(Teil)-Übernahme von Umzugskosten im Rahmen dieses Konzeptes
Belohnung statt moralischer Appell
Gamification (spielerische) statt Bürokratie (starr)
Lokale und überregionale Vorbildfunktion statt abstrakter Politik
Eine digitale Plattform, die automatisch passende Tauschpartner findet:
Groß → klein
Klein → groß
Leerstand → Bedarf
Renovierungswillige → Handwerkerpools
Funktioniert wie eine Dating‑App – nur für Wohnungen.
6. Das Sicher‑Vermieten‑SystemDas entscheidende Modul für Eigentümer mit schlechten Erfahrungen.
Viele Eigentümer vermieten nicht, weil sie Angst haben vor:
Mietnomaden
Schäden
Konflikten
Rechtsstreitigkeiten
Unzuverlässigen Mietern
Dieses System nimmt ihnen die Angst.
6.1 Der kommunale Mietschutz‑PoolEin Fonds, gespeist durch:
RP‑Transaktionen
freiwillige Beiträge
städtische Zuschüsse
Er deckt:
kleinere Schäden
Mietausfälle bis zu einer definierten Höhe
Rechtsberatung
schnelle Konfliktlösung
Ein freiwilliges, kommunales Gütesiegel:
Bonitätscheck
Referenzen
Teilnahme an einem kurzen Mieter‑Workshop
Nachweis pünktlicher Zahlungen
Eigentümer erkennen sofort: Dieser Mieter ist geprüft und zuverlässig.
6.3 Kommunale MediationEin neutrales dafür ausgebildetes Team (Mediatoren, Konfliktmanager) greift bei Konflikten ein – schnell, unbürokratisch, deeskalierend.
7. Optische Darstellung
Grafik: Stefan Weinert
©
Phase 1 – Konzeptvalidierung (3 Monate) Überprüfung auf Tauglichkeit
Workshops mit Eigentümern, Mietern, Sozialverbänden
technische Machbarkeitsanalyse
rechtliche Prüfung
Entwicklung der RP‑Plattform
Aufbau des Mietschutz‑Pools
Zusammenstellung bzw. wenn notwendig Schulung des Mediationsteams
Start in allen fünf Stadtteilen der Kernstadt
begleitende Evaluation
Anpassung der RP‑Werte
stadtweite Einführung (Kernstadt plus Teilorte)
Marketingkampagne
Integration lokaler Geschäfte
Die Ravensburger Wohnwert‑Tauschbörse ist ein neuartiges, durchaus realistisch umsetzbares, sozialpsychologisch intelligentes System, das Leerstand und Unterbelegung gleichzeitig löst – ohne Zwang, ohne Konflikt, ohne ideologische Grabenkämpfe.
D-88212 Ravensburg, 23. Februar 2026
Stefan Weinert
Blogger, freier Journalist, Sozialberater i.R., Konfliktmanager FH, Case Manager FH