🔥 Ravensburg, die "Stadt der Enge“ - Warum 5.620 Menschen in einer reichen Stadt keinen Rückzugsraum haben – und warum das Rathaus seit zehn Jahren wegschaut

Ravensburg, die „lebenswerte Stadt“. Die Stadt der Türme, der Tore – aber auch der verschlossenen Wohnungen und des rein verbalen, aber real nicht vorhandenen Wohnungsbaus für den üblichen Geldbeutel.
Während sich die Stadtspitze auf Podien gegenseitig bestätigt, dass man/frau „alles im Blick“ habe, Brücken baut, Brücken saniert und sich dabei auch noch als "Brückenbauer zum WIR" feiert, leben in dieser Stadt über 5.600 Menschen beengt, ohne einen echten Rückzugsraum, ohne Intimsphäre, ohne das, was man* früher einmal „menschenwürdiges Wohnen“ nannte. Das wäre eine weit überfüllte Oberschwabenhalle (Fassungsvermögen: 4.998 Besucher/innen) voller Mitmenschen ohne Sitzgelegenheiten, ohne Freiraum und bedrängt vom Nebenmann/frau.
Jeder neunte Mensch in Deutschland lebt beengt. Das sagt nicht irgendein Ravensburger Blogger, sondern zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger. Übertragen auf Ravensburg mit seinen 50.600 (31.12.2024) Einwohnern bedeutet das:
Mindestens 5.622 Ravensburger/innen leben beengt. Womöglich sind es sogar 6.000 und mehr. Vom Baby, Kleinkind, Teenager, Jugendlicher, Erwachsener, Rentner und Pflegebedürftigen.
FĂĽnf-tausend-sechs-hundert-zweiundzwanzig. Das ist nicht irgendeine Zahl. Das ist fast ein ganzer Stadtteil. Ein Stadtteil, der unsichtbar gemacht und als WIR gefeiert wird. Zynismus puuur!
Und noch ein Eckwert ist bemerkenswert.
Rund 35–45 % der Menschen in Deutschland leben in zu großen oder übergroßen Wohnungen – also in Wohnungen, die gemessen an der Haushaltsgröße deutlich mehr Zimmer haben, als nach EU‑SILC‑Standard nötig wären. Diese Zahl stammt aus Schätzungen, die im Kontext der Wohnungsmarktanalyse (siehe Link) genannt werden.Das heißt, übertragen auf Ravensburg - bei einem Mittelwert von 40 Prozent, dass sage und schreibe rund 20.000 Bürger und Bürgerinnen (Alleinstehende, Paare, Kleinfamilien) in viel zu großen Wohnungen leben. Das sind dann schon zwei größere Stadtteile - Quartiere der Bevorzugten.
Das große Ravensburger Wohnraum-MärchenSeit mindestens zehn Jahren (siehe hier) wird in Ravensburg dieselbe Platte abgespielt: „Wir brauchen mehr Wohnraum.“ „Wir müssen bauen.“ „Der Markt ist schuld.“ „Die Lage ist schwierig.“ Doch während das Bezner-Areal plus extra erbauter Zubringerbrücke millionenschwer für Investoren gebaut und verkauft wird (mit großem Werberummel der Stadtspitze), müssen sich die zwölfjährige Anna und ihr zwei Jahre älterer Bruder Jan immer noch ein Zimmer teilen. Bei Elif, Amir, Hanifa und Mahmut sind es sogar vier Kinder mit neun, elf, dreizehn und fünfzehn Jahren, während deren Eltern im Wohnzimmer nächtigen.
"Parallel" dazu stehen rund 400 Wohnungen leer. Oder sind es "nur" 300 oder gar 500? Keiner weiß es so genau. Leer! In einer Stadt, in der Menschen in zu kleinen Räumen leben, in der Familien auf engstem Raum zusammengepfercht sind, in der Alleinerziehende im Schlafzimmer ihrer Kinder schlafen, weil es keinen anderen Platz gibt.
Und was macht die Stadtspitze? Sie baut ein Luxusquartier nach dem anderen für jene, die ohnehin schon genug haben. Demnächst ist das nächste „urbane Gelände“ auf dem alten Maschinenfabrikgelände zu filetieren – vermutlich wieder ohne echte Sozialquote, ohne Mut, ohne Vision.
Wie viel Wohnraum bräuchte Ravensburg wirklich, um die "Enge" zumutbar zu entzerren?1. Wie viele Menschen leben beengt?
50.600 Einwohner div. durch 9 = 5.622 Menschen
2. Wie viele Wohnungen fehlen?Um die Enge zu reduzieren, braucht es zusätzliche Wohnfläche oder zusätzliche Wohneinheiten.
Die Faustregel der Wohnungsforschung lautet: Eine beengte Person braucht im Schnitt 15–20 m² zusätzlichen Wohnraum, um nicht mehr als „beengt“ zu gelten.
Nehmen wir den Mittelwert von 17,5 m² pro Person.
3. Gesamtbedarf an zusätzlicher Wohnfläche:5.622 Personen x 17,5 m² = 98.385 m² Wohnraum
Ravensburg müsste also rund 100.000 m² für den normalen und kleinen Geldbeutel leistbaren (!!) Wohnraum schaffen oder aktivieren.
Das entspricht:
ca. 1.400 neuen Wohnungen (bei 70 m² Durchschnittsgröße) oder
~ 400 leerstehende Wohnungen + 1.000 zusätzliche Einheiten, die durch Neubau, Umbau, Aufstockung oder Umwidmung entstehen könnten.
Ravensburg bräuchte 1.400 Wohnungen, um die Enge zu entschärfen. Davon stehen 400 bereits leer zur Verfügung – ungenutzt, unbewirtschaftet, "politisch" ignoriert.
Die Stadt mĂĽsste also "nur" 1.000 Wohnungen schaffen. Nicht 5.000. Nicht 10.000. Lediglich 1.000, die fĂĽr den ĂĽblichen Geldbeutel leistbar sind.
Eine Stadt mit einem Haushalt von ĂĽber 300 Millionen Euro schafft es nicht, 1.400 Wohnungen zu bauen und/oder zu aktivieren. Aber sie schafft es, Prestigeprojekte zu feiern, Flyer zu drucken, GruĂźworte zu verfassen und sich selbst zu applaudieren.
Ravensburg hat kein Wohnungsproblem – es hat ein Führungsproblem.Die Wahrheit ist unbequem: Ravensburg leidet nicht an Wohnraummangel, sondern an politischer Mutlosigkeit.
Man* schaut weg.
Man* redet schön.
Man* baut teuer.
Man* lässt leer stehen.
Man* lässt Menschen im Stich.
Man* baut alles Mögliche - nur keine leistbaren Wohnungen.
Und während die Stadtspitze weiter klagt, leben 5.622 Menschen in Ravensburg in Enge, die nicht sein müsste. Mindestens - wenn nicht mehr!
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- Die Ravensburger Wohnwert‑Tauschbörse©
7. Apr. 2026