Kann "Containern" denn Sünde sein? - Bibel & Koran vs. StGB & "deutsche Praxis"
2. Februar 2022 / 25. Februar 2026
In der Bundesrepublik Deutschland ist es derzeit noch gesetzeswidrig und strafbar, Lebensmittel, die noch essbar sind, aus Containern von Geschäften zu entnehmen und sie dann an Hunger Leidende oder andere Bedürftige zu verschenken. Ja, manche behaupten sogar, dass es sich bei den gestohlenen Broten, Salatköpfen, Konserven und Nudeln um "Hehlerware" handele, und sich dadurch auch die Abnehmer/innen strafbar machen.
So jedenfalls will es das Gesetz, so wollen es die Vorschriften unseres Landes. Als Theologe und Humanist habe ich mich gefragt, was wohl Jesus oder Mohammed dazu sagen würden, wenn einer von ihnen heute in Deutschland lebte, und ob sie die Klimaaktivist/innen, die zugleich Lebensaktivist/innen sind, unterstützen würden?

Immerhin wird Jesus im Koran als Gesandter Gottes und als Prophet gewürdigt. Der Koran geht auf Jesus ausführlich ein. Es findet sich eine starke Würdigung der Person Jesu im Koran wieder. Islamische Theologen sind sogar darauf gekommen, dass Jesus nicht nur einfach so im Koran erwähnt wird, sondern dass es hier um eine Aufforderung zum Dialog beider Religionen geht. Aufgeklärte und bodenständige muslimische Theologen meinen, dass die Barmherzigkeit die Essenz beider Religionen sei. Darüber mehr an anderer Stelle.
Was nun Jesus und die Bibel anbetrifft, brauchte ich nicht sehr lange zu überlegen. Jesus lebte in Judäa, das damals vor genau 2.030 Jahren zwar von den Römern als deren Provinz besetzt, aber für die Juden selbst immer noch eine "Theokratie" war. Gerade damit brüstete sich der Kaiser, dass jede von ihm unterworfene Nation ihren "Gottesglauben" behalten durfte - vorausgesetzt, er würde auch ihm huldigen. Für den echten Israeliten und Juden war daher der Tanach (das heutige christliche Alte Testament) Recht und Gesetz. Die Steuern gehörten dem Kaiser - das Leben gehörte Gott.
Mir geht es hier nicht um die etwaige "Gleichsetzung von Demokratie und Theokratie", ganz und gar nicht, und ich bin froh, in einer Demokratie leben zu dürfen. Sondern es geht mir um das Thema "Erhalt / Wiederherstellung der Würde des Menschen im Lichte der geltenden Gesetzgebung". Und für die Juden, das Volk Israel, war damals nun "die Bibel" ihr Gesetz.
Nun - vor etwa 2000 Jahren - geschah eines schönen Tages Folgendes:
"An einem Sabbat [wo jegliche körperliche Betätigung nach dem Gesetz verboten war] ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder. Unterwegs fingen die Jünger an, Ähren abzureißen und die Körner zu essen [da sie Hunger hatten]. Da beschwerten sich die Pharisäer [die Hüter der theokratischen Gesetze] bei Jesus: »Sieh dir das an! Was deine Jünger tun, ist doch am Sabbat gar nicht erlaubt! [also strafbar]« Aber Jesus antwortete ihnen: »Habt ihr denn nie [in der Bibel] gelesen, was König David (rund 900 Jahre zuvor) tat, als er und seine Männer in Not geraten waren und Hunger hatten? Damals gingen sie in das Haus Gottes [den Tempel]. David aß mit seinen Männern von dem Brot, das Gott geweiht [heute: geweihte Hostie, gesegnete Oblaten] war und das nur die Priester essen durften.« Und Jesus fügte hinzu: »Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen und nicht der Mensch für den Sabbat [Das Leben eines Menschen ist wichtiger als jedes Verbot oder Gebot]. Deshalb ist der Menschensohn [Jesus] auch Herr über den Sabbat und kann somit entscheiden, was am Sabbat erlaubt ist.« (Markus 2, 23 ff)
15 bis 20 Prozent der Weltbevölkerung hungern. Während wir uns in diesen Breitgraden überlegen, was wir denn Tolles am nächsten Tag zum Mittag essen, fragen sich über 800 Millionen Menschen, ob sie heute überhaupt etwas Essbares finden.
Der Erhalt eines jeden Menschenlebens und/oder die Herstellung eines menschenwürdigen Lebens, stehen weit über jedem Gebot oder Verbot. Das gilt für das Containern genauso, wie die Rettung der Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. "Die Würde des MENSCHEN (nicht nur: des Wohlhabenden, des Steuerzahlers, des Deutschen) ist unantastbar." - Das steht nicht in der Bibel, hat aber was mit ihr zu tun, sehr viel sogar!
Apropos: "lebte Jesus heute in Deutschland". Das tut er übrigens, nur übersehen ihn täglich 99,99 Prozent der Bevölkerung, egal übrigens ob Christ, andersgläubig oder strenger Atheist - und auch ich gehöre oft dazu. Die Klimaaktivist/innen und Lebensmittelretter/innen aber und auch so mancher Einzelne oder kleine Gruppen sehen ihn täglich, auch wenn ihnen das nicht bewusst ist. Das macht der folgende Text deutlich.
"Jesus sprach am Jüngsten Tag zu den Versammelten: Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. - Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König (Jesus) ihnen antworten: Amen (wahrhaftig), ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25, 35 ff)
🔽 🔽 🔽 🔽 🔽 🔽
Diebstahl geringwertiger Sachen & StGB - Anwalt.org
Auszüge und [Ergänzungen vom Blogger]
Entscheidend ist nicht, ob die Sache denjenigen gehört, in deren Gewahrsam sie sich befindet. Stattdessen darf der Täter schlichtweg nicht der alleinige Eigentümer sein, denn an eigenen Sachen kann ein Diebstahl nicht begangen werden.
Ohne einen entsprechenden Strafantrag von Seiten des Geschädigten [Edeka, Norma, Lidl, Aldi ...] werden die Ermittlungsbehörden (
[Im Ravensburger Fall der beiden Lebensmittelretter/innen Charlie Kiehne und Samuel Bosch in den zurückliegenden Jahren] gab es nie ein "besonders öffentliches Interesse" an einer Strafverfolgung der beiden. Es gibt vielleicht einige biedere Stadträte und Bürgermeister und einen einzelnen Staatsanwalt, die Interesse an der Verurteilung von "Lebensrettern" haben. Die Mehrheit der Bevölkerung aber findet diese Aktionen sehr gut.
Im Strafprozess versteht man unter „öffentlichem Interesse“ bzw. „besonderem öffentlichem Interesse“ das Interesse der Allgemeinheit an einer Strafverfolgung. Siehe aber oben. Ein besonderes öffentliches Interesse wird zum Beispiel bei den Antragsdelikten wie dem "Containern" gefordert. Die Strafverfolgung findet in diesen Fällen statt, wenn ein entsprechender Strafantrag von dem Betroffenen gestellt wurde.]
...
Eindeutig geregelt ist im Gesetz nicht, ab wann eine Sache nun als geringwertig zu bezeichnen ist oder nicht. Insofern ist dies dem jeweiligen Gericht überlassen. Etabliert hat sich dabei in der Praxis, einen Diebstahl geringwertiger Sachen anzunehmen, wenn der Wert der entwendeten Sache einen Betrag von 50 Euro nicht übersteigt.