Wenn Genossen mit den Bossen die Macht genossen und sich dabei selbst ins Knie schossen ...
Als "Genosse" bezeichnen sich Menschen untereinander und gegenseitig, die gemeinsame Erfahrungen in einem bestimmten Bereich teilen oder geteilt haben und die dieselben Ziele anstreben und für dieselben Ziele kämpfen und auf die man/frau sich deshalb auch verlassen kann. Etwas mit dem/der anderen genießen, von dem beide Seiten eine Nutznießung haben.
So jedenfalls die Geschichte und die Entstehung des Begriffes. Kommunisten und Linke bezeichnen sich als Genossen, und auch die Mitglieder der "Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" (SPD). Aber gerade die Granden und die Hochrangigen und die Abgeordneten der Parlamente vom Gemeinderat, Kreisrat, Landtag und Bund.
Das war vielleicht vor 150 Jahren, während der Weimarer Republik und in den ersten Nachkriegsjahrzehnten unter Willy Brandt und Helmut Schmidt und für kurze Zeit mit Oskar Lafontaine so. Doch der "Genosse der Bosse" leitete den Verrat an den Genossen (denen, die auch Nutznießer sein sollen) ein und es wurde immer minder (wie es im Schwäbischen heißt).
Genuß haben tatsächlich nur jene Granden und Großkopferten und alle die bereits oben Genannten, die finanziell, materiell und gesellschaftlich durch die Kreuze ihrer "Genossen" (?) an die Macht gekommen sind und profitieren. Der kleine Wähler und der normale Bürger haben nichts davon. Weshalb es mit der SPD auch folgerichtig bergab geht.
So auch bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am vergangenen Sonntag.
Ah wa (!), lieber Blogger. Das lag doch daran, dass sich alles auf den Zweikampf Özdemir / Hagel fokussierte. Doch dieses Argument mit zusätzlichen Verweisen auf das schlechte Abschneiden auch der FDP und der LINKEN ist ein zusätzliches Armutszeugnis. Immerhin hat Andreas Stoch (SPD) die Verantwortung dafür übernommen und ist zurückgetreten.
Der Abstieg der SPD ist seit mehr als 20 Jahren zu beobachten. Im "Ländle" kam sie heuer nur auf 5,5 Prozent - eigentlich ein Markenzeichen der FDP. In der Stadt Ravensburg kam sie mit den Zweitstimmen nicht über 4,1 Prozent hinaus. Der Kandidat mit den Erstimmen konnte immerhin 6,6 Prozent auf sich vereinigen. Ich persönlich hätte ihm noch mehr gewünscht und er hätte auch mehr verdient. Aber die Partei mit ihren prominenten Vertretern hat das verhindert. Selbstkritik? So gut wie Fehl am Platz.
Es mag ja sein, dass die SPD ein Programm für das ganze Volk hat, aber das Volk will es nicht, die Arbeiter und Angestellten erkennen sich mit ihren Nöten in ihm nicht wieder. Deshalb ist es recht dreist, wenn Generalsekretär und Arbeitsministerin von der SPD am Sonntagabend immer noch von einer Volkspartei reden.
Laut einer Definition der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) von 2011 ist eine Volkspartei der „Typ einer politischen Partei, die mit ihrem Programm nicht nur begrenzte Interessengruppen anspricht und deshalb Anhänger und Wähler in allen Bevölkerungsschichten hat".
Entscheiden Sie selbst, um was für einen Typ von Partei es sich bei der SPD 2026 handelt. Volkspartei? Für mich nicht.