"Meersburger Brücke", von der China leider nichts weiß ... Polkappenverschiebung mit Auswirkungen für Ravensburg ...
Es gibt lokale Nachrichten, aufgrund derer man/frau als Ravensburger nach draußen an die Schussen gehen möchte, um beim lauten Lachen die Nachbarn nicht aufzuschrecken, oder seinen Ärger in hohem Bogen in die Fluten zu spucken. Die Nachricht über die Sanierung der "Meersburger Brücke" gehört definitiv in diese beiden Kategorien.
Da kündigt die Stadt also an, dass die Nordhälfte der Brücke von März bis August 2026 saniert wird – und dann, Achtung Pointe, beginnt die Winterpause. Im August. In Oberschwaben. Im geschützten Schussental. Wo der Winter bekanntlich schon im September mit Schneesturm und Eiszapfen anrückt. Oder?
Man/frau fragt sich unweigerlich: Was wissen die städtischen Planer, was weiß Roland Roth von der "Wetterwarte Süd", was wir nicht wissen? Kommt ein sibirischer Jahrhundertwinter? Ein spontaner Polsprung? Eine extreme Klimaverschiebung aufgrund der Untätigkeit des Umweltamtes Ravensburg? Oder ist „Winterpause“ einfach ein neues Wort für "die Firmen haben andere Aufträge an anderen Stellen" und ein Synonym für "schlechte Planung"?
Jedenfalls soll es mit dem "Brückenschlag" erst im Frühjahr weitergehen. Und das beginnt in Ravensburg bekanntlich kurz vor dem "Rutenfest". In der Zeit hätten die Chinesen drei nagelneue Brücken gebaut!
Natürlich ist der Vergleich unfair. Aber er drängt sich auf wie ein Stau auf der B30. Während in China ganze Stadtviertel in der Zeitspanne entstehen, in der wir an der Schussen und den Bahngeleisen ein Baustellenschild aufstellen, schafft Ravensburg immerhin eine halbe Brücke. Dann Pause. Dann die andere Hälfte.
Man/frau könnte fast meinen, die Brücke sei ein besonders scheues Tier, das man nur in tropisch heißen Monaten anfasst, damit es nicht erschrickt.
Die offizielle Umleitung City-auswärts Richtung Weststadt soll über Jahnstraße, Schussenviadukt und Nothelferbrücke führen. Das klingt nach einem soliden Plan – zumindest auf dem Papier.
Aber wir kennen unsere Autofahrer. Wir kennen unsere Schleichwege. Und wir kennen den "Schussenpark".
Die Frage ist also nicht ob, sondern wie viele Autofahrer die Straße durch den Schussenpark nutzen werden. Denn wenn man/frau Menschen vor die Wahl stellt zwischen:
offizielle Umleitung (mit garantiertem Stau)
inoffizielle Abkürzung (mit schlechtem Gewissen, aber zehn Minuten schneller)
… dann wissen wir alle, wie das ausgeht.
Der Schussenpark wird zur heimlichen Transitroute. Und die Spaziergänger, die spielenden Kinder, die auf Decken Ruhenden und am Ufer Sitzenden dürfen sich schon mal auf eine neue Geräuschkulisse einstellen: das sonore Brummen der „Ich fahr' da mal kurz durch“-Fraktion. Abgesehen von den "Gefahren auf vier Rädern", die lauern.
Es ist schon verwunderlich, dass der Gemeinderat das mitmacht. 2,3 Millionen Euro Sanierungskosten (heute!!) für ein Bauwerk, das nicht einmal 30 Jahre alt ist. Aber angeblich braucht es dennoch eine Komplettkur! Was wurde damals - 1997 - eigentlich verbaut? Zuckerwatte? Knäckebrot? Ganz bestimmt nicht, sondern es war bestimmt solider Beton. Und nach der "Ravensburger-Methode©" wird es bestimmt nicht bei 2,3 Millionen Steuereuro bleiben. -man/frau kann vermuten, dass aus 2,3 -> 3,2 -> 4,1 -> 5,0 Millionen € werden. Wundern jedenfalls würde es nicht.
Und wer weiß – vielleicht kommen auch hier "70.000" Asbestteile zum Vorschein (so wie bei der Sanierung der Marienplatztiefgarage 2016/17), von denen man "vorher natürlich nichts gewusst hat und die bei der Überprüfung leider nicht entdeckt wurden"? Seit dem 31. Oktober 1993 sind in Deutschland die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten zwar verboten – aber wer weiß, vielleicht ist der damaligen Administration ein Fehler unterlaufen ..?
Die einzigen Gewinner sollen Fußgänger und Radfahrer sein.Sie nämlich dürfen die Brücke weiterhin nutzen. Es sei denn, Schadstoffe kämen zum Vorschein. Ein kleiner Trost. Vielleicht sollte man/frau die Brücke einfach dauerhaft zur Fußgänger- und Fahrradzone erklären – analog zur überflüssigen Brücke über die "Wangener Straße". Dann wäre sie nämlich jetzt schon fertig.