🏳 Zwischen Fahnen und Fassaden: Ravensburgs Demokratie-Inszenierung am 18. März / Ravensburg feiert, was es nicht lebt
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Die Aussagen des folgenden Artikels sind aufgrund meiner persönlichen Eindrücke der zurückliegenden Wochen, Monate und Jahre gemeint und auch so zu verstehen. Sie vertreten nicht die Meinung anderer Bürger/innen, sondern meine ganz eigenen und sind daher auch als subjektiv zu bezeichnen.
Der 18. März 2026 ist der „Tag der deutschen Demokratie“.
Ravensburg – so teilt es die Stadtverwaltung auf ihrer Website am 11. März 2026 mit – „feiert“ diesen Tag mit einer stadtweiten Beflaggung und einem feierlichen Vortrag. Die „Schwäbische Zeitung“ übernimmt diesen Text nahezu wortgleich und veröffentlicht ihn am 18. März 2026 (also heute) als redaktionellen Beitrag, versehen mit dem Kürzel (sz). Damit verkauft sie ihn meiner Meinung nach als Produkt eigener journalistischer Arbeit – obwohl er erkennbar aus dem Rathaus zu stammen scheint.
„Feiern“? „Demokratie“? „In Ravensburg“?

Stef-Art 2026
Beide Institutionen, also Stadtverwaltung und Zeitung – flankiert vom Schweigen oder der stillen Zustimmung des Gemeinderats – haben in den vergangenen Monaten mit einer Konsequenz, die fast schon an pädagogischem Eifer grenzt, demonstriert, was Demokratie in Ravensburg eben nicht bedeutet: Transparenz, Bürgernähe, Verantwortungsübernahme, Wahrhaftigkeit. Stattdessen: Blutwurscht-Mentalität, Intransparenz, Diffamierung und Diskriminierung jener, die nicht ins Portfolio Ravensburger Politik passen (OB-Wahlkampf), Respektlosigkeit (dito), Fraternisierung, Wortbruch und die Kunst der halbwahren Behauptung. Ein politisch-administratives Klima, das sich selbst genügt und Kritik als Störung empfindet.
Und nun sollen ausgerechnet der rheinisch-deutsche Nationalkonvent von 1793, die Berliner Märzrevolution von 1848, der gescheiterte Kapp-Putsch von 1920 und die freie Volkskammerwahl von 1990 als historische Legitimation herhalten. Ereignisse, die teuer erkauft wurden – mit Mut, Blut, Entschlossenheit, Gottvertrauen und dem Risiko des eigenen Lebens. In Ravensburg hingegen sind am 18. März 2026 meiner Meinung nach nur noch Restspuren davon zu erkennen. Und zwar dort, wo die wirkliche Demokratie nicht offiziell gefeiert wird.
Zwischen Veitsburg und „Blauem Haus“, zwischen ZfP und Polizeipräsidium setzt sich die Schamlosigkeit fort. Man/frau macht weiter, als hätte es nie Warnsignale gegeben, als formiere sich nicht längst eine „APO 2.0“ – ein loses, aber wachsendes Netzwerk aus Gruppen, Initiativen, Einzelpersonen, die sich nicht länger mit ritualisierter Bürgerferne zufriedengeben. Die Stadtspitze scheint zu glauben, man könne die Realität mit Fahnen überdecken. Die "Zeitung" glaubt, ihre Monopolstellung sei gleich den "Zehn Geboten" in Stein gemeißelt.
Wenn schon Beflaggung, dann sollte sie bitte ehrlich sein: Statt „Demokratie-Fahnen“ sollten vor allen Rathäusern, Amtshäusern und an exponierten Plätzen weiße Flaggen mit blauem Wappen wehen. Einerseits als Zeichen der Kapitulation vor der Demokratie (Volksherrschaft) und andererseits als Symbol der Wahrheit: Lex Ravensburg – das lokale Sonderrecht, das sich über demokratische Prinzipien erhebt und sich dennoch mit ihnen schmückt, wann immer es opportun erscheint und von Vorteil ist.
So jedenfalls sehe ich das ganz persönlich - und diese Sicht muss niemand teilen!