Ravensburg: RAPP'S ZEHNJAHRESPLAN kurz n a c h der OB-Wahl (warum nicht vorher?) birgt Risiken und steht unter dem Motto "KAPITAL STATT KLIMA" ...
Wer den Artikel in der Schwäbischen Zeitung (SZ vom 24. März 2026) über das Aus für die Oberschwabenhalle liest, dem stellen sich viele Fragen. An erster Stelle steht: Warum hat Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp diese Pläne nicht vor der Wahl offengelegt?
Rapp, mit einem Zustimmungswert von 78,8 Prozent wiedergewählt, hätte vor der Abstimmung in seiner Rede im "Konzerthaus" klar sagen müssen: „Es wird weitere Veränderungen in Ravensburg geben. Das ist nur die erste“, statt über den angeblich hoch frequentierten "Schussenpark" zu fabulieren. Mit der „ersten“ Veränderung (das wissen wir jetzt, nach der Wahl) ist die Umwidmung der Oberschwabenhalle in eine sportliche Mehrzweckhalle gemeint – verbunden mit Entkernung und Generalsanierung. Folgen sollen das "Frauentorkino" und eben das "Konzerthaus", in dem Rapp seinen Zuhörern keinen reinen Wein eingeschenkt hatte, sondern den abgestandenen der zurückliegenden 16 Jahre.
Hinter der Halle steht jedoch ein noch größerer Plan: Umbau/Sanierung des Frauentorkinos, anschließend die Generalsanierung des Konzerthauses. Ein Zehnjahresplan, der nach Schätzungen – etwa eines lokalen Bloggers – rund 100 Millionen Euro Steuergelder verschlingen könnte. Dieser Blogger beruft sich auf Erfahrungen mit der „Ravensburger Methode der undurchsichtigen Baukostensteigerung“.
Vor nur vier Wochen stand Dr. Rapp (siehe oben) im Konzerthaus vor rund 500 Wählerinnen und Wählern und lobte seine Erfolge. Über die bevorstehende, teure Sanierung dieses Hauses verlor er kein Wort; stattdessen hob er unter anderem den von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wimmelnden "Schussenpark" hervor. Diese Zurückhaltung bezüglich seiner Vorhaben wirkt wie bewusste Informationsverweigerung des Wiedergewählten.
Auffällig ist zudem, dass die im Zeitungsartikel genannten Projekte keinen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten. Es fehlen konkrete Maßnahmen wie:
ein Erholungspark bei der Kuppelnau (Scheffelplatz und Bechtergarten);
ein Biotop an der Stadtgrenze zu Weingarten (zwischen Kreishaus II und CHG);
verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Kreisverkehre statt Ampeln und eine autofreie Innenstadt;
ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, etwa eine Straßenbahn vom Frauentor bis zur nördlichen Stadtgrenze und weiter nach Baindt.
Die Kostenrisiken der Rapp'schen Vorhaben sind erheblich. Erinnern wir uns an die Sanierung der Marienplatztiefgarage (MTG) ab 2016 und die dort entdeckten 70.000 Asbestteile: Die Oberschwabenhalle stammt aus den 1950er Jahren – Asbestfunde sind wahrscheinlich und würden die Kosten weiter in die Höhe treiben. Ob es noch originale Baupläne im Rathaus mit Hinweisen auf Asbest gibt, ist unklar; bei der MTG sollen solche Pläne angeblich nicht auffindbar gewesen sein.
Wird die Umwidmung der Halle umgesetzt, verliert Ravensburg einen zentralen Veranstaltungsort: Großkonzerte und größere Kulturveranstaltungen wären nicht mehr möglich. Hätte man das vor der OB-Wahl offen kommuniziert, wäre das Ergebnis für Dr. Rapp womöglich deutlich schlechter ausgefallen.
Auch das Frauentorkino und das alte Konzerthaus bergen Risiken: Das Konzerthaus von 1897 ist das einzige erhaltene historische Theatergebäude in württembergischen Oberschwaben und steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Es präsentiert sich noch heute weitgehend im Zustand der Bauzeit. Eine denkmalgerechte Sanierung – zusätzlich zur möglichen Asbestbeseitigung – wird teuer.
Bleibt es bei diesem Kurs, lässt sich das Motto des Zehnjahres-Plans knapp zusammenfassen: Kapital statt Klima. Zum Glück traten in Ravensburg OB-Kandidaten an, die andere Prioritäten setzten: Klima- und Umweltschutz, bezahlbarer Wohnraum, Ausbau sozialer Angebote und eine höhere Lebensqualität für alle. Genau diese Themen fehlen im sogenannten „Rapp-Zehnjahresplan“ (R10) vollkommen.