"MOBI" ist ein "BLENDI" - Ravensburg mit seinen beiden mobilen ÖKO-Feigenblättern ... Eine Bürgerbeobachtung
Ich beginne mit einer Beobachtung: Es ärgert, wenn städtische Projekte als „grün“ verkauft werden, aber in der Realität vor allem als PR‑Instrument fungieren. Diese Kolumne ist eine scharfe, lokal verankerte Bürgerbeobachtung zum Rufbus MOBI — nicht als akademische Studie, sondern als Augenzeugenbericht, der offizielle Zahlen gegen die von mir wahrgenommene Alltagsrealität hält.
Was ich sehe: Leerfahrten, Senioren, keine JugendBei Spaziergängen, Einkäufen und Besuchen in der Innenstadt habe ich das MOBI‑Angebot über einen Zeitraum von über drei Jahren beobachtet. Meine Zählung ergibt: 96 von 100 gesichteten MOBIs (inzwischen sind es zwei) sind Leerfahrten. Wenn Fahrgäste an Bord sind, handelte es sich in dem gesamten Zeitraum um vier ältere Menschen; junge Leute, wie auf dem Foto der heutigen SZ-Ausgabe im MOBI oder beim Ausstieg, habe ich nie gesehen. Das abgelichtete Bild kann auch niemals eine Alltagssituation wiedergeben, denn es fehlt der/die Fahrer/in (roter Kasten). Das ist peinlich.
SZ vom 30.03.2026 (um 12:30 Uhr fotografiert vom Blogger)
Inzwischen sind, wie gesagt, zwei Fahrzeuge unterwegs, doch das Bild bleibt gleich: viel Leerlauf, wenige Nutzer. Diese Alltagserfahrung steht in krassem Widerspruch zu der städtischen Darstellung von hoher Akzeptanz.
Was die Stadt behauptet — und was die Presse berichtetDie Stadt Ravensburg meldete, dass seit Betriebsbeginn im Dezember 2022 ---> 25.434 Fahrgäste das MOBI genutzt hätten; das Angebot werde als Erfolg bewertet. Die städtische Website preist MOBI als flexibles, umweltfreundliches Angebot mit über 120 Haltepunkten und Buchung per App.
Die Lokalzeitung "Schwäbische Zeitung" berichtet hingegen von Kritik aus der CDU: Im Schnitt werde „etwas mehr als eine Person pro Fahrt“ befördert; das Projekt sei ineffizient und stehe zur Debatte. Außerdem nennt die "Schwäbische" das Betriebsergebnis 2024 mit rund minus 360.000 Euro und verweist darauf, dass für 2025 noch keine abschließenden Zahlen vorlägen.
Diese drei Aussagen — städtische Erfolgsmeldung, offizielle Projektbeschreibung und kritische CDU — sind die wichtigsten Bezugsgrößen. Ich zähle sie hier auf, weil sie die Diskrepanz zwischen offizieller Kommunikation und öffentlicher Wahrnehmung erklären helfen.
Rechenbeispiel: Zahlen, die nicht zusammenpassenDie Stadt nennt 25.434 Fahrgäste von Dezember 2022 bis Mai 2025. Das sind grob gerechnet 1.000 Fahrgäste pro Monat über 25 Monate gerechnet. Wenn zwei Kleinbusse mit je acht Sitzplätzen im Einsatz sind, müsste man bei 1.000 Fahrgästen pro Monat deutlich häufiger besetzte Fahrten sehen — auch in der Innenstadt. Meine Beobachtung (fast ausschließlich Leerfahrten, siehe oben) passt nicht zu dieser Größenordnung.
Zudem: Die Stadt Ravensburg nennt in dem Zeitungsartikel für 2024 ein Defizit von rund −360.000 Euro; das macht das Projekt zu einem klaren Zuschussgeschäft. Wenn die Stadt gleichzeitig von „guter Annahme“ spricht, muss erklärt werden, wie sich hohe Nutzerzahlen mit einem derart hohen Verlust vereinbaren lassen — oder ob die Nutzerzahlen anders gerechnet werden (z. B. Einzeltickets, Mehrfachzählungen, Testfahrten).
Methodische Fragen: Wie werden Fahrgäste gezählt?Öffentliche Projekte leben von Transparenz. Drei methodische Fragen drängen sich auf:
Zählweise: Zählt die Stadt jede App‑Buchung als Fahrgast, auch wenn die Fahrt storniert wurde oder der Nutzer nicht einstieg?
Zeitraum und Vergleich: Werden Sonderaktionen, Testphasen oder einmalige Events in die Gesamtzahl eingerechnet?
Nutzerprofil: Wer nutzt MOBI tatsächlich? Die Stadt spricht von „mobilitätseingeschränkten Personen“ und Teilhabe. Eine transparente Alters‑ und Nutzungsstruktur fehlt in den städtischen Mitteilungen. Wie viele Jugendliche, wie viele Kinder, wie viele junge oder jüngere Erwachsene?
Wichtig wäre auch zu erfahren, wie viele Kilometer die beiden MOBIs bisher in den Gesamtzeiträumen zurückgelegt haben
Ohne klare Antworten auf diese Fragen bleibt die Zahl 25.434 eine Blackbox — ein PR‑Wert, der wenig über die tatsächliche Wirkung des Angebots aussagt.
Öko‑Argument und Realität: Feigenblatt oder Fortschritt?MOBI wird als umweltfreundliche Alternative zum Individualverkehr beworben: Kleinbusse statt Pkw, weniger Emissionen, bessere Erreichbarkeit. Das ist ein plausibles Narrativ — wenn die MOBI-Fahrzeuge tatsächlich viele Menschen vom Auto auf den ÖPNV bringen. Wenn aber die Busse überwiegend leer fahren, ist das Gegenteil der Fall: Mehr Fahrten mit geringer Auslastung können die Ökobilanz verschlechtern und das Projekt zum ökologischen Feigenblatt degradieren. Auch E-Mobile generieren inderekt CO2, Feinstaub/Reifenabrieb.
Die Rechnung ist einfach: Ein elektrisch oder verbrennungsmotorisch betriebener Kleinbus mit wenigen Fahrgästen verursacht pro Person deutlich höhere Emissionen als ein voll ausgelasteter Linienbus oder ein Fahrrad. Wenn MOBI überwiegend Leerfahrten produziert, ist die ökologische Rechtfertigung fragwürdig — und das Projekt droht, als „Öko‑Blendwerk“ wahrgenommen zu werden. Hier sind vor allem die gefahrenen Kilometer von hoher Relevanz!
Politische Verantwortung und TransparenzdefizitDrei Punkte sind politisch relevant:
Rechenschaftspflicht: Warum liegen für 2025 „noch keine abschließenden Zahlen“ vor, obwohl das Projekt seit Jahren läuft und die Entscheidung über die Zukunft ansteht? Die "Schwäbische" kann das Defizit 2024 nenne , aber 2025 bleibt unklar.
Evaluation: Ein Pilotprojekt muss offen evaluiert werden: Nutzungsprofile, Kosten pro Fahrt, CO₂‑Bilanz, Alternativszenarien. Solche Daten sollten öffentlich und nachvollziehbar sein.
Prioritätensetzung: Wenn die Stadt in anderen Bereichen (z. B. Radinfrastruktur, Taktverdichtung der Linienbusse) effizientere Klimawirkung erzielen könnte, muss transparent werden, warum MOBI bevorzugt wird. Öffentliche Mittel sind begrenzt; Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf nachvollziehbare Prioritäten.
Ohne diese Rechenschaft bleibt MOBI anfällig für den Vorwurf, ein politisches Feigenblatt zu sein: ein sichtbares, aber wirkungsloses Symbol für „grüne Politik“.
Was die Stadt tun müsste, um Glaubwürdigkeit zu erlangenOffene Datentransparenz: Monatliche Nutzerzahlen, Stornoraten, Auslastung pro Fahrt, Kosten pro Fahrt und CO₂‑Bilanz veröffentlichen, abgefahrene Kilometer.
Unabhängige Evaluation: Externe Gutachter sollten die Effizienz und Umweltwirkung prüfen.
Nutzerbefragung: Wer nutzt MOBI, warum und mit welcher Alternative? Das klärt, ob MOBI Versorgungslücken schließt oder nur ein Innenstadt‑Gimmick ist.
Dann, erst dann, zeigt sich, ob das MOBI-Projekt weiter verfolgt und räumlich erweitert werden kann und soll.
Fazit: Bürgerbeobachtung mit Anspruch auf AntwortMeine Beobachtung ist klar: MOBI wirkt wie ein Blendwerk — viel Sichtbarkeit, wenig Substanz. Offizielle Zahlen und Presseberichte widersprechen sich scheinbar; die Stadt preist Erfolg, die Opposition kritisiert Effizienz, und die Haushaltszahlen zeigen ein deutliches Minus.
Als Bürger verlange ich keine Polemik, sondern Transparenz. Wenn MOBI wirklich ein Baustein einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie sein soll, dann muss die Stadt offenlegen, wie viele Menschen tatsächlich profitieren, wie hoch die Kosten sind und welche ökologische Wirkung erzielt wird. Und warum dieses Geld nicht in den Ausbau von Fahrradwegen und günstigere ÖPNV-Preise investiert wurde.
Andernfalls bleibt MOBI ein politisches Feigenblatt — hübsch anzusehen, aber ohne Substanz.