Ravensburger "Ernst & Satire": Daniel Rapps Katze auf der Karlstrasse oder nicht - und Houdini auf der Brücke ... Ablenkungsmanöver des OB?
Es gibt Städte, die sich zeitgemäß zum Guten verändern. Und es gibt Ravensburg, das sich vor allem eines bewahrt hat: die Kunst, Veränderungen so oft anzukündigen, bis sich diese Ankündigungen in den Köpfen der Bürger materialisieren, in der Realität jedoch nie existieren. Man* (= man/frau) könnte meinen, die Stadtverwaltung in der Person des Oberbürgermeisters Dr. Rapp habe ein geheimes Motto, das nie öffentlich ausgesprochen wird, aber in jedem vorgetragenen Beschluss mitschwingt: „Warum es auch tun, wenn es ausgesessen werden kann?“
- Die "Schwäbische Zeitung" titelt am 31. März 2026: "Was auf ihrer Homepage steht, kann die Stadt ... nicht einhalten." Und meint damit die wieder einmal geplanten Veränderungen auf der "Karlstraße". Darauf - aber auch darüber hinaus - will ich mit meinen folgenden Zeilen eingehen.
Im Zentrum dieser Kunst steht - wie schon eben gesagt - unser Oberbürgermeister. Ein Mann, der die seltene Fähigkeit besitzt, gleichzeitig präsent und abwesend zu wirken. Sie kennen ja die Geschichte von "Schrödingers Katze", oder etwa nicht? Er (der OB) ist da, aber nicht greifbar. Er spricht, aber sagt nichts. Er plant, aber verrät nicht, was. Er ist der Houdini der kommunalen Kommunikation: Ein OB, der sich nicht aus Fesseln befreit, sondern aus Antworten.
Die neuen Überlegungen – ein politisches EinhornSeit Wochen geistert ein Begriff durch die Stadt wie ein Fabelwesen: „neue Überlegungen“. Niemand weiß, wie sie aussehen. Nur Andeutungen! Höchstens nach der nächsten OB-Wahl 2034 dann etwas genauer. Niemand weiß, wer sie kennt. Niemand weiß, ob sie überhaupt existieren. Aber sie sind da. Irgendwo. Vielleicht in einem verschlossenen Ordner. Vielleicht in einer Schublade, die nur bei Vollmond aufgeht. Vielleicht in einem Notizbuch, das der OB seit Jahren mit sich herumträgt, ohne je hineinzuschreiben.
Man* könnte fast glauben, die „neuen Überlegungen“ seien tatsächlich eine Art kommunaler Schrödinger‑Katze (siehe oben): Solange niemand hineinschaut, sind sie gleichzeitig genial und unausgereift, mutig und vorsichtig, visionär und völlig unbrauchbar. Also für Ravensburg: Daniel Rapps Katze!
Und der OB sorgt dafür, dass niemand hineinschaut.
Die Karlstraße – ein Denkmal des StillstandsWährenddessen bleibt die Karlstraße, was sie immer war: ein Denkmal des Verkehrs, ein Bollwerk gegen Veränderung, eine Art städtischer Endgegner, den niemand besiegen will. Man* hat sie schon „Barriere“, „Problemzone“, „Herausforderung“, „Schlüsselstelle“ genannt. Doch in Wahrheit ist sie vor allem eines: ein perfekter Vorwand. Und (Achtung!) - jetzt zu diesem Zeitpunkt wieder hervorgebracht - ein Ablenkungsmanöver vom misslungenen "Oberschwabenhalle-Vorhaben"!!, welches die Zeitung mit ihrer Berichterstattung gewollt (?) oder ungewollt unterstützt - so jedenfalls kommt es mir persönlich vor.
Denn solange die Karlstraße so bleibt, wie sie ist, kann man* alles Mögliche versprechen, ohne je etwas liefern zu müssen. Man kann Workshops veranstalten, Bürgerdialoge führen, Modellskizzen zeigen, Pressekonferenzen abhalten. Man* kann sogar auf der Homepage großspurig verkünden, Ravensburg werde „Klimamobil“. Und nicht zu vergessen: Klimamobil und Klimakonsens hängen zusammen. Doch Letzterer wurde grandios missachtet - seit über fünf Jahren und wird es wohl auch weiterhin.
Es ist wie ein Fitnessstudiovertrag, den man* abschließt, um sich besser zu fühlen – nicht, um hinzugehen.
Die Brücken – das Schweizer Taschenmesser der AusredenUnd dann sind da die Brücken. In Ravensburg sind Brücken nicht einfach Bauwerke. Sie sind Allzweckwerkzeuge. Sie können alles: verzögern, verhindern, relativieren, verschieben und Gelder fürs Klima versickern lassen.
Wenn man* etwas nicht tun will, heißt es einfach: „Wir müssen erst die Brücken sanieren.“ Und wenn es keine zum Sanieren gibt, wird eine neue gebaut. So wie die über die Wangener Straße. Übrigens: Warum wurde diese vor der Sanierung der "Meersburger Brücke" gebaut? Herr OB und Herr Bastin: Sparen Sie sich Ihre Ausreden! Das mit den Brücken funktioniert immer. Brücken sind wie der Rücken bei Büroangestellten: Man* kann sich jederzeit darauf berufen. Herr Pontifex = der Brückenbauer, wo bleibt da eigentlich der "Eschersteg" als in den "Schussenpark" integrierte Brücke? 2034? 2042? 2050? Die Lottozahlen der Zukunft!
Und das Beste: Brücken sind nie fertig. Nie. Sobald eine saniert ist, meldet sich die Nächste. Es ist ein endloser Kreislauf, ein Perpetuum mobile der politischen Entlastung.
Man* könnte fast meinen, die Stadtverwaltung habe die Brücken als strategisches Instrument entdeckt: ein infrastrukturelles Placebo, das jede Diskussion zuverlässig beruhigt. Und wenn das alles nichts hilft, dann sind's die Türme, die bröckeln und vergammeln. Und warum: Weil erst der unsägliche "Schwamm" vor der "Bauhütte" teuer verlegt werden musste; weil zuvor die "Bauhütte"in die Musikschule hochteuer umsaniert werden musste; weil der "Gespinstmarkt" vorher "um-missgestaltet" werden musste; weil (siehe oben) die "Wangener Brücke" zu Ehren des Alt-OBs gebaut werden musste ... DESHALB!
Die Grünen – höflich enttäuschtDie Grünen stehen daneben und schauen zu wie jemand, der einem Freund beim dritten gescheiterten Diätversuch zusieht. Man* möchte unterstützen, man möchte motivieren, man möchte glauben – aber irgendwann merkt man*, dass der andere gar nicht abnehmen will. Er will nur darüber reden.
So erinnern sich die Grünen an Workshops, an Visionen, an euphorische Präsentationen. Sie erinnern sich an die Zeit, als „Klimamobil“ noch ein Versprechen war und nicht ein digitaler Museumsgegenstand auf der städtischen Homepage. Sie erinnern sich an die Karlstraße als Zukunftsprojekt, nicht als Dauerbaustelle der Fantasie.
Die Modellkommune – ein Modell für was?
Offiziell ist Ravensburg Modellkommune fürs Klima. Inoffiziell ist sie ein Modell dafür, wie man* ambitionierte Pläne elegant in die Zukunft verschiebt. Man* könnte Führungen anbieten: „Hier sehen Sie die Karlstraße, seit 20 Jahren unverändert. Dort drüben: die Brücken – unser wichtigstes politisches Werkzeug. Und hier, im klimatisierten Raum, die neuen Überlegungen – bitte nicht fotografieren, sie sind lichtempfindlich.“
Der OB und das Schweigen als RegierungsstilEs gibt Politiker, die reden zu viel. Es gibt Politiker, die zu wenig reden. Und es gibt unseren OB, der die seltene Kunst beherrscht, so zu reden, dass man hinterher weniger weiß als vorher.
Er sagt Sätze wie: „Wir denken Klimaschutz mit.“ Das klingt gut. Es klingt verantwortungsvoll. Es klingt nach Zukunft. Aber es bedeutet nichts. Es ist ein Satz, der in jede Richtung offen ist – wie eine Tür ohne Haus.
Oder: „Wir müssen erst beraten.“ Das klingt nach Prozess. Nach Sorgfalt. Nach demokratischer Tiefe. Aber es bedeutet vor allem: „Wir machen jetzt erst mal gar nichts.“
Und dann ist da noch der Klassiker: „Wir prüfen neue Optionen.“ Ein Satz, der so unverbindlich ist, dass er eigentlich verboten werden sollte. Er ist die kommunalpolitische Version von „Wir sollten mal wieder Kaffee trinken“.
Die große Enthüllung – 2034Man* fragt sich unweigerlich: Wann wird der OB seine „neuen Überlegungen“ endlich vorstellen? Wann wird die Stadt erfahren, was wirklich geplant ist? Wann wird die Karlstraße mehr sein als ein Symbol des Stillstands?
Die Antwort liegt auf der Hand: nach der nächsten OB‑Wahl. Oder nach der Übernächsten. 2034 klingt realistisch. Bis dahin sind die Brücken sicher noch nicht fertig saniert oder eben wieder sanierungsbedürftig . . . Und falls nicht, findet sich bestimmt etwas anderes: Ein Tunnel unter der Schussen zum Beispiel.
Die wahre VerkehrswendeVielleicht ist das die eigentliche Verkehrswende in Ravensburg: nicht die Veränderung der Straßen, sondern die Veränderung der Erwartungen. Die Bürgerinnen und Bürger lernen langsam, dass große Worte nicht zwingend große Taten bedeuten. Dass Visionen nicht umgesetzt werden müssen, um politisch wirksam zu sein.
Und so bleibt Ravensburg eine Stadt, die sich selbst genügt. Eine Stadt, die Veränderungen liebt – solange sie nicht stattfinden. Eine Stadt, die Klimaschutz ernst nimmt – solange es nur bei Worten bleibt. Eine Stadt, die plant – aber nicht handelt.
FINEVielleicht wird eines Tages ein Historiker auf die Karlstraße blicken und sagen: „Hier begann die große Ravensburger Verkehrswende.“ Und dann wird er lachen. Oder weinen. Oder beides gleichzeitig.
Denn in Ravensburg weiß man* nie, ob man lachen oder weinen soll. Und vielleicht ist genau das die wahre kommunale Identität.
Herrn Rapps Katze lässt grüßen!