Ravensburg: OSH - Mit 2.730 bis 4.998 Möglichkeiten oder mit 1 Turnhalle??
Es gibt Momente im kommunalen Leben, in denen nicht die großen Worte entscheiden, sondern drei schlichte Zahlen.
2.730
100
430
Sie stehen nicht nur untereinander, sondern auch nebeneinander wie drei ungleiche Geschwister – und erzählen doch gemeinsam eine Geschichte über die Zukunft der Ravensburger Oberschwabenhalle (OSH).
2.730: So viele Menschen kann die OSH laut dem "Technischen Datenplatz" bei einer Bestuhlung aufnehmen. Unbestuhlt sind es sogar 4.998 (a.a.O.). Vorausgesetzt, die Halle wird für das benutzt, wofür sie einst konzipiert war: Ein Ort, an dem Oberschwaben zusammenkommt - nicht nur im sportlichen Sinne, sondern kulturell, gesellschaftlich, interdisziplinär und generationenübergreifend.
2.730 ist eine Zahl, die Größe atmet. Sie steht für Möglichkeiten, für Vielfalt, für das, was eine Region zusammenhält.
~ 100: So viele Menschen in etwa kamen zur Informationsveranstaltung am Dienstag der vergangenen Woche in die Oberschwabenhalle, die über deren Zukunft als "Turnhalle" aufklären sollte. Hundert Menschen auf Stühlen in einem Raum, der für 2.730 sitzende Gäste gedacht ist – das wirkt wie ein Echo, das sich selbst sucht.
Die "Schwäbische Zeitung" schreibt heute (eine Woche später) sinngemäß dazu, es seien kaum Normalbürger unter den Anwesenden gewesen, sondern mehr solche mit Mandat. Bemerkungen, die mehr über die Wahrnehmung der Stadtgesellschaft verraten als über die Anwesenden.
Vielleicht waren es nicht „zu wenige“, sondern die Falschen, die fehlten. Oder die Richtigen, die der Veranstalter nicht wollte. Oder die, die längst das Gefühl haben, dass ihre Anwesenheit nichts ändert.
~ 430: So viele Bürgerinnen und Bürger haben inzwischen die Petition gegen die Umwandlung der OSH unterschrieben. Viermal so viele wie zur Veranstaltung kamen.
430 – Das ist keine Mehrheit, aber ein Signal. Ein demokratisches, ein höflich-forderndes und ein beharrliches. Und vor allem: Es ist ein laufendes Verfahren. Eine Petition, die bei der Stadtverwaltung und beim Gemeinderat anhängig ist – und die vor einem finalen Beschluss behandelt werden sollte. So funktioniert Demokratie. Nicht als Pflichtübung, sondern als Reihenfolge.
Die drei Zahlen stehen nicht im Widerspruch. Sie stehen in Beziehung.
2.730 zeigt, was möglich wäre.
100 zeigt, wie wenig Vertrauen in Beteiligungsformate besteht.
430 zeigt, dass die Bürgerschaft dennoch nicht schweigt. Und gegenüber den o.g. "100" ist das die Mehrheit.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Abends: Nicht die Argumente waren wirklich neu – weder pro noch contra –, sondern die Erkenntnis, dass die Stadtgesellschaft längst weiter ist als die Debatte. Sie will gehört werden, bevor entschieden wird. Sie will gefragt werden, bevor ein Entschluss bekannt gegeben wird. Sie will ernst genommen werden, bevor man ihr erklärt, was „alternativlos“ sei.
Die Oberschwabenhalle ist nicht nur ein Gebäude. Sie ist ein Prüfstein dafür, wie wir in Ravensburg miteinander umgehen wollen: mit Offenheit oder mit Vorfestlegung. Mit Beteiligung oder mit Belehrung.
Mit 2.730 bis 4.998 Möglichkeiten – oder mit 1 Turnhalle.