Ravensburg benötigt eine bürgerliche "BIO-ETHIK-KOMMISSION" (BETKO) / Das große Versagen der Institutionen ...
Eine solche BETKO ist mehr als ein "Klimarat" oder eine (in Ravensburg misslungene "Klimakommission").
Der Ansatz zu dieser Idee entstand bereits im Dezember 2019. Schon damals schrieb ich: "Ravensburg - Katerstimmung statt Klimacharta. Unsere "Repräsentanten", sprich, die Politiker, bekommen es nicht hin. Auch das verbesserte Klimapaket der deutschen Bundesregierung wird keine Wende bringen. Es geht um mehr, es geht um das Ganze. Wir müssen alle Klimaparameter bedenken, auch solche, die wir bisher nicht auf dem "Schirm" hatten - und zwar kompromisslos."
Es gibt Momente, in denen eine Gemeinschaft begreift, dass das Schweigen ihrer Institutionen lauter ist als jede Sirene. Der Sommer 2026 ist ein solcher Moment. Während Rhein und Donau kaum noch schiffbar sind, während Wälder von Portugal bis zur Türkei brennen, während Deutschland in Grundwassernotstand gerät, entzündet Ravensburg ein Feuerwerk – ein Symbol dafür, wie weit sich die politische Wirklichkeit vor Ort von der ökologischen Realität entfernt hat. Es ist, als würde man in einem brennenden Haus die Lichterkette anknipsen, um die Stimmung zu heben.
Die Stadt schränkt die Grünpflege ein, lässt die Bäume auf dem Holzmarkt – ein Vorzeigeprojekt – von oben bewässern, weil das Schwammkonzept wegen der Hitzewellen nicht funktioniert. Der Schussenstreifen (auch „Schussenpark“ genannt) bleibt so etwas wie eine ökologische Nullnummer, hat aber mehrere Millionen Steuergelder gekostet. Und während die Klimakrise längst in den Alltag der Menschen eingedrungen ist, sollen am Andermannsberg im Nordosten Ravensburgs weitere Flächen versiegelt werden. Der Altdorfer Wald, eines der letzten großen Naturgebiete der Region, wird zur „Bespargelung“ mit Windrädern freigegeben, während gleichzeitig der Kiesabbau gefördert wird. Der Kreis und der Regionalverband sehen zu, als sei Natur ein Rohstofflager und nicht ein Organismus, der uns trägt.
Diese Entwicklungen sind nicht zufällig. Sie sind Ausdruck eines politischen Systems, das sich in Routinen eingerichtet hat, die den Ernst der Lage nicht mehr erfassen und wegen Renditeverlustes auch nicht erfassen will. Klimaverantwortung wird verwaltet, nicht gestaltet. Die Stadt Ravensburg ist willentlich nicht bereit, die notwendigen Schritte zu gehen. Und genau deshalb müssen wir – die Bürgerinnen und Bürger – jetzt handeln.
Die notwendige Bio‑Ethik‑Kommission (BETKO) soll ein Treffen engagierter Menschen sein. Solchen, die die Klima-Uhr dort sehen, wo sie tatsächlich steht: auf "fünf nach zwölf"! Sie ist der Keim einer neuen demokratischen Kultur: einer Kultur, in der Verantwortung nicht delegiert, sondern geteilt wird. Eine Bio‑Ethik‑Kommission aus der Bürgerschaft wäre unabhängig von Parteizwängen, frei von ökonomischen Interessen und getragen von dem, was Politik längst verloren hat: dem moralischen Imperativ, das Ganze zu sehen.
Denn die Klimakrise ist nicht nur eine technische oder ökologische Herausforderung. Sie ist eine ethische. Sie zwingt uns, unser Verhältnis zur Natur neu zu denken – nicht als Ressource, sondern als Mitwelt. Die holistische Umweltethik zeigt klar, dass nicht nur um CO₂, Feinstaub oder Ozon geht, sondern auch um unseren persönlichen Lebensstil, unseren Umgang mit Zeit, Raum, Konsum und Geschwindigkeit. Es geht um die Frage, ob wir bereit sind, uns selbst zu verändern, statt nur Technologien zu optimieren.
Eine Bio‑Ethik‑Kommission könnte genau diese Fragen stellen – und beantworten. Sie könnte Leitlinien formulieren, die nicht aus Verwaltungssitzungen stammen, sondern aus der Erfahrung von naturverbundenen Menschen, Ärzten, Pädagoginnen, Künstlern, Theologen, Klimaaktivisten, Landschaftsgestaltern und Bürgern, die ihre Region lieben. Sie könnte die Politik öffentlich verpflichten, ökologische Parameter nicht länger zu ignorieren. Sie könnte die Wirtschaft daran erinnern, dass Profit ohne Zukunft kein Gewinn ist. Und sie könnte uns selbst daran erinnern, dass Verzicht kein Verlust ist, sondern eine Entscheidung für das Leben.
Die Zeit der Appelle an die Politik ist vorbei. Jetzt beginnt die Zeit der Appelle an uns selbst. Die Klimakrise duldet keine Zuschauerrolle. Sie verlangt Beteiligung, Mut und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wo andere sie verweigern.
Ravensburg braucht eine Bio‑Ethik‑Kommission – nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht als Symbol, sondern als Werkzeug. Nicht als Protest, sondern als Beginn einer neuen, bürgergetragenen Ethik des Handelns.
Wer die Zukunft schützen will, muss sie gestalten. Und wer sie gestalten will, muss sich zusammenschließen. Die Bürgerinnen und Bürger in und um Ravensburg sind gefragt. Nicht als Wähler, sondern als Verantwortliche. Nicht als Empfänger politischer Entscheidungen, sondern als deren Ursprung.
Es ist Zeit, dass wir das Richtige tun – weil niemand anderes es tun wird.
WENN NICHT JETZT - WANN DANN!?
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Wir müssen auf unsere Seelen hören,
wenn wir gesund werden wollen.
Letztlich sind wir hier,
weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst
in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet,
ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt,
dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben,
gibt es keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet durchschaut zu werden,
kann er weder sich noch andere erkennen,
er wird allein sein.
Alles ist mit allem verbunden.
(Hildegard von Bingen)