Kanzler Merz und die Wort-Wahl in MV: Wer von einem "Desaster" spricht, sollte auch wissen, was dieses Wort bedeutet.
Bekanntlich reagierte Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich vor den Fernseh-Kameras bereits schon wenige Minuten nach Bekanntwerden der Wahlprognose für das Bundesland MV, als seine (?) CDU im Ostsee-Bundesland noch bei über fünf Prozent lag, und machte damit ungewollt eine Landtagswahl zur vorgezogenen Bundestagswahl. Er sagte: "Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern können wir nicht schönreden - es ist ein Desaster."
Wenn der Volksmund und auch ein/e Politiker/in diesen Begriff verwendet, dann will er/sie damit ein/e/n zuvor geschehene
- Niederlage,
- Unglück,
- GAU,
- Misserfolg,
- Waterloo,
- Fiasko,
- Debakel oder
- Katastrophe beschreiben.
Und genau das oder Ähnliches stellen wir uns auch unter einem "Desaster" vor. Allerdings ist mit diesem Wort etwas anderes gemeint, etwas, das eigentlich für die oben genannten Synonyme verantwortlich ist.
Das Wort „Desaster“ stammt aus dem französischen „désastre“ und hat seinen Ursprung im italienischen „disastro“, was wörtlich „Unstern“ bedeutet. Es leitet sich von dem lateinischen Wort „astrum“ ab (griechisch: astron), das „Stern“ bedeutet. Historisch gesehen war die Verwendung des Begriffs in der Astrologie verbunden, wo ungünstige Sternenkonstellationen als Ursache für Katastrophen angesehen wurden. Denn die Vorsilbe (Präfix) "des" (dis) soll zum Ausdruck bringen, dass genau das, was dann als Wort folgt, fehlt oder ins Gegenteil verkehrt wird. Wir kennen es von "Desinteresse" (fehlendes Interesse) oder Desinformation und Dissonanz. Des-Astrum heißt also wörtlich: fehlender Stern, Unstern, schlechter Stern und wurde zum eingedeutschten "Desaster".
Wenn man/frau dann noch bedenkt, dass Friedrich Merz diesen Begriff zu einem Zeitpunkt benutzt hat, wo die CDU noch im MV-Landtag mit 5,7 Prozent vertreten war: Wie willst du dann das Endergebnis mit 4,9 Prozent und dem Rauswurf aus dem Landesparlament bezeichnen?
Aber zurück zum Desaster, dem Unstern, dem schlechten Stern. Ich werde gewiss nicht der Einzige sein, der die derzeitige Regierung unter Friedrich Merz von Anbeginn an unter "einem schlechten Stern stehend" sah und sieht. Und dann noch zusätzlich mit einem Partner, dessen Vorsitzende (Plural) das "S" im Namen ihrer Partei irgendwie verraten haben: Eine ungünstige Sternenkonstellation allemal.
Wenn also Kanzler Merz das megamiese Abschneiden der CDU in Schwesig-Land als "Desaster" bezeichnet, dann ist das kein Ausdruck von innerer Erschütterung oder Überraschung über ein schlechtes Abschneiden seiner Partei, sondern die Bekanntgabe eines Ergebnisses, das auch für ihn voraussehbar sein musste, und das er als einer der "schlechten Sterne" zu verantworten hat.
Und diese Sterne müssen neu geordnet werden, müssen aussortiert und neu besetzt werden. Und das wissen vermutlich alle, doch keiner traut sich, das in Angriff zu nehmen. Kann man/frau denn die "Sterne" neu ordnen? Ja, denn eine Demokratie ist nicht von Gott verordnet und Politiker sind auch nicht von einer höheren Macht erwählt, sondern vom Volk gewählt.

