Die Misere in der Ravensburger Herrenstraße 👉 "Spiel' mit das Lied vom Tod" - Mitkomponiert von der Stadtverwaltung?
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Die hiesige Lokalzeitung berichtet erneut über die Ravensburger Herrenstraße - und wie üblich beginnt man/frau mit einem beruhigenden Satz, der die Lage der Innenstadt als sinngemäß hervorragend beschreibt, bevor der eigentliche Befund nachgereicht wird. Oder gehört die "Herrenstraße", um die es im Folgenden geht, nicht mehr zur City. So könnte es auch interpretiert werden.
Und die Realität ist nicht nur deutlich, sie ist juristisch wie wirtschaftlich präzise beschreibbar: Die Herrenstraße ist strukturell geschädigt worden, und zwar längst nicht allein durch höhere Mächte, sondern durch eine Abfolge kommunaler Entscheidungen, deren Folgen man nun als einen Wandel der Struktur (Pressesprecher der Stadt) etikettiert, um Verantwortlichkeit zu verwischen.

"Show me the way to Herrenstraße." - Stef-Art 2026
Die betroffenen Händler berichten seit Jahren von sinkender Frequenz. Das Wirtschaftsforum bestätigt dies, und die hiesige Presse gibt es weiter. Doch die entscheidende Frage wird nicht gestellt: Warum wurden die vielen Mobilitätseinschränkungen über Monate und Jahr(e) nicht vermieden? Warum wurde die Herrenstraße nach Corona (die höhere Macht) für den Autoverkehr gesperrt, obwohl gerade in dieser Phase jeder zusätzliche Hemmschuh für den Einzelhandel existenzgefährdend war?
Warum wurde die Fernwärme-Baustelle über ein Jahr hinweg durchgezogen, obwohl die Stadt wusste, dass die Händler bereits durch die Pandemie stark geschwächt waren? Warum wurde das Parkhaus "Rauenegg" mehrfach für Monate geschlossen, obwohl die Umsätze der Geschäfte nachweislich direkt an die Erreichbarkeit gekoppelt sind? Die Antwort der Stadtverwaltung lautet, es wäre alternativlos gewesen. Das ist eine Behauptung, keine Begründung. Es ist einfach so dahergesagt, ohne es konkret zu untermauern. Die EU-Förderung habe Fristen gesetzt, die Bauarbeiten seien vergeben gewesen, man habe das nicht stoppen können. Doch auch das ist nur eine Behauptung, die kein Bürger nachprüfen kann.
Fördermittel sind kein Naturgesetz, das den Handlungsspielraum der Kommune abschafft. Sie sind ein Instrument, das verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Wenn Förderungen vor dem Wohl der Bürger stehen – vor dem Wohl der Geschäftsleute, die durch Mindereinnahmen in die Knie gezwungen werden –, dann ist das kein Sachzwang, sondern eine Prioritätensetzung. Und diese Prioritätensetzung ist typisch für Ravensburg: erst die Verwaltung, dann die Infrastruktur, dann die Förderlogik (siehe auch "Schussenpark" und die "Brücke über ...") – und ganz am Ende der Mensch, der sein Geschäft schließt oder nur unter großen Schmerzen und Verzicht weiterführen kann.
An dieser Stelle sei ausdrücklich bemerkt: Nicht nur die Geschäfte in der Herrenstraße, sondern auch die angrenzende Kirchstraße – man denke an das ehemalige RIVA – waren und sind durch die städtischen Bauarbeiten und die der TWS betroffen/betroffen gewesen. Die Frage, die sich mir zwingend stellt und die juristisch nicht einfach beiseite gewischt werden kann, lautet: Haben die Geschäftsleute von der Stadt adäquate Entschädigungen für ihre teilweise hohen Verluste erhalten? Wurden Härtefallregelungen geprüft? Wurden Ausgleichszahlungen gewährt, die eine Geschäftsschließung obsolet gemacht hätten? Wenn nicht, dann ist die Rede vom Strukturwandel eine rhetorische Nebelkerze, die das eigentliche Problem verdeckt: ein kommunales Versagen im Umgang mit den eigenen Gewerbetreibenden.
Die Händler der Herrenstraße singen offen das "Lied vom Tod", das die Verwaltung vielleicht nicht hören will, das sie meines Erachtens aber selbst mit komponiert hat. Die Laufkundschaft ist weg. Die Randlagen verlieren weiter an Bedeutung. Die Kunden kommen eher zufällig in die Geschäfte. Das ist kein Strukturwandel, das ist ein städtisch verursachter Frequenzentzug. Und wenn die Verwaltung nun erklärt, Einkaufsstraßen würden sich zu Mischräumen wandeln, dann ist das eine nachträgliche Schönfärbung eines Schadens, den man/frau selbst mitverursacht hat (siehe oben).
Es ist bemerkenswert, wie schnell man/frau das Wort Strukturwandel zur Hand hat, wenn man/frau die Verantwortung für konkrete Fehlentscheidungen vermeiden möchte. Ebenso bemerkenswert ist der Hinweis auf fehlende Nachfolger und Fachkräftemangel – ein Argument, das in Ravensburg offenbar immer dann bemüht wird, wenn man/frau erklären möchte, warum Geschäfte am Marienplatz und in der Bachstraße und am Gespinstmarkt und andere Häuser weiterhin existieren, während kleinere Betriebe schließen müssen. Die Ironie liegt offen zutage.
Die Parkkosten sind ein weiteres Beispiel für eine Politik, die sich gegen die Bedürfnisse der Betroffenen richtet. Drei Euro für eine Stunde Parken sind viel, und die Händler sagen es deutlich. Vermutungen werden aus der Herrenstraße geäußert, dass dies beabsichtigt sei, um die Kunden in die Parkhäuser zu lenken. Doch wenn das Parkhaus "Rauenegg" gleichzeitig monatelang geschlossen ist, dann wäre eine solche Entscheidung nicht nur widersprüchlich, sondern rechtslogisch fragwürdig. Eine Maßnahme, die ihren eigenen Zweck durch andere Maßnahmen konterkariert, ist kein Konzept, sondern ein Verwaltungsfehler.
Die Vorschläge der Händler – eine freie erste Parkstunde, Veranstaltungen wie „Brot und Wein“ in der Herrenstraße, eine Charme-Offensive – zeigen, dass die Betroffenen bereit wären, konstruktiv mitzuwirken. Doch die Frage bleibt: Hat sich das Wirtschaftsforum für Entschädigungen eingesetzt? Hat die Stadt die Händler aktiv unterstützt, statt sie nachträglich - wo das Kind schon im Brunnen ertrunken ist - mit eigenen Imagekampagnen abzuspeisen? Die Verwaltung erklärt, dass man/Frau Straßen nicht gesondert, sondern im Zusammenhang mit der gesamten Innenstadt betrachtet. Das klingt nach planerischer Weitsicht, ist aber in Wahrheit ein bequemes Argument, um die spezifischen Schäden einzelner Quartiere nicht einzeln bewerten zu müssen. Wenn man/frau alles im Zusammenhang betrachtet, muss man/frau für nichts im Einzelnen Verantwortung übernehmen. Auch das ist typisch.
Die Stadt verweist auf kostenlosen ÖPNV an Samstagen, auf Klimaresilienz, auf Veranstaltungen. Abgesehen davon, dass das Klima in und um Ravensburg durch Untätigkeit der Verwaltung mehr und mehr vulnerabel wird, sind all diese Maßnahmen von allgemeiner Natur. Sie lösen nicht das konkrete Problem der Herrenstraße. Sie ersetzen nicht die verlorene Frequenz. Sie ersetzen nicht die fehlenden Entschädigungen. Sie ersetzen nicht die Versäumnisse der Bauplanung. Und sie ersetzen nicht die Verantwortung der Stadtspitze, die diese Entwicklungen zugelassen hat.
Die Misere der Herrenstraße ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis einer kommunalen Politik, die die Belastungsgrenzen des Einzelhandels ignoriert hat. Wer die "Straße nach Corona" auch noch sperrt, eine Fernwärme-Baustelle über ein Jahr durchzieht, ein Parkhaus mehrfach schließt und gleichzeitig die Parkkosten erhöht, darf sich nicht wundern, wenn die Lage tot ist. Die Händler haben gekämpft. Die Stadt hat verwaltet. Das Ergebnis ist sichtbar.
Und es ist Zeit, dass es auch ausgesprochen wird – ohne Beschwichtigungsfloskeln, ohne Strukturwandelrhetorik, ohne die übliche Ravensburger Selbstzufriedenheit.

ja noch Handwerk : Die Ski zu SportArt, das Fahrrad zu Tribike, das Sofa
zu Stoffwerk ,oder ein paar Kartons Wein in der Weingalerie abholen…..
Alle Bitten, Andienungsflächen für die Geschäfte zu schaffen, wurden zurückgewiesen. Die wenigen verfügbaren Plätze wurden regelmäßig durch Handwerker mit Sondergenehmigungen belegt. Die Herrenstraße diente als Parkplatz für die Fahrzeuge der Aussteller während des Jahr- und Martinimarkts.
Während der Corona-Pandemie wurde die Klick-und-Collect-Aktion vom WIFO ins Leben gerufen. Die Kunden hatten die Ware bestellt, konnten sie jedoch nicht abholen, da alle Park- und Andienungsflächen besetzt waren. Während dieses Zeitraums durften alle Anwohner der Stadt mit einer Genehmigung 24 Stunden parken. Vorschläge, dem Handel zu helfen, wie die Bereitstellung des halbfertigen Gespinstmarkts als Parkraum, wurden abgelehnt.
Der Wochenmarkt wird dann in die Kirchstraße verlegt, und die Einfahrt in die Herrenstraße wird gesperrt. Die Händler erfahren dies nicht im Voraus. 25% der Öffnungszeiten sind jetzt Fußgängerzone und das von heute auf morgen.
Es besteht Einigkeit darüber, dass Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Die Stadt kann jedoch auch Hilfsmaßnahmen ergreifen, um die Zeit während der Baustellen zu überbrücken. Doch die Richtung, in die sich die Stadtpolitik bewegte, war stets dieselbe. „Wir wollen Ravensburg für den Autoverkehr unattraktiv machen“, war öffentlich zu hören Dies ist der Stadtverwaltung auch gelungen. Die Einzelhändler zahlen jedoch den Preis, was vorauszusehen war.