1. Die Ausgangslage 1975 in der BRD war: Wirtschaftswunder, Planwirtschaft – und blinde Flecken
Wirtschaft: 1975 war die BRD hochindustrialisiert, mit wachsendem Autoverkehr, Kohlekraft, Chemieindustrie. Die Umweltkosten waren „Nebenwirkung“, externalisiert auf Luft, Wasser, Böden.
Umweltschäden:
Saure Regen durch hohe -Emissionen, Waldsterben als gesellschaftlicher Schock in den 1980ern.
Flüsse wie Rhein/Ruhr massiv verschmutzt.
Politik und Bewusstsein:
Umweltpolitik steckte 1975 noch in den Kinderschuhen; erst Ende der 1970er/Anfang 1980er wurde sie ernsthaftes Politikfeld.
Gleichzeitig entstand eine starke Umweltbewegung, Atomkraft-Proteste, später die Partei die "Bündnis90/Grünen".
Psychologisch: Man/frau glaubte noch sehr an Technikoptimismus („Wir kriegen das in den Griff“) und an grenzenloses Wachstum. Umwelt war störende Nebenbedingung, aber kein zentraler Wert.
DDRWirtschaft: Schwerindustrie, Braunkohle, Chemiekomplexe, veraltete Filtertechnik; Produktion war wichtiger als Umwelt.
Umweltschäden:
Luftverschmutzung durch Braunkohlekraftwerke; in manchen Regionen „katastrophale“ Zustände am Ende der 1980er.
Uranabbau, stark belastete Flüsse, Smog, gesundheitliche Schäden.
Politik und Kontrolle:
Auf dem Papier früh Umweltgesetze und „Naturschutz“-Rhetorik. In der Realität waren Daten ab den 1980ern teils geheim, Umweltinformationen als Staatsgeheimnis klassifiziert.
Umweltprobleme wurden damit doppelt giftig: physisch und kommunikativ. Man sah die Schäden, durfte aber nicht offen darüber reden.
Psychologisch: Die DDR legitimierte sich als „menschlichere, überlegene“ Gesellschaftsordnung – da passte Umweltzerstörung nicht ins Selbstbild. Also Verdrängung, Zensur, "Doppelsprech".
Nach 1990:
In den neuen Bundesländern wurden viele besonders dreckige Anlagen geschlossen oder modernisiert; Luft- und Wasserqualität verbesserten sich deutlich.
Deutschland entwickelte sich zu einem der Vorreiter in erneuerbaren Energien und Umweltpolitik, Stichwort Energiewende.
Aber gleichzeitig:
Hoher materieller Konsum, wachsender globaler Fußabdruck, Export von schmutziger Produktion ins Ausland.
Verkehrsexplosion, Flächenfraß, Versiegelung, intensive Landwirtschaft (Nitrat, Insektensterben).
Klimapolitik oft zu zögerlich, Lobby-Einflüsse (Auto, Chemie, Kohle, Landwirtschaft).
Psychologisch fatal: Deutschland erlebte eine paradoxe Situation: saubere Stadtluft im Vergleich zu den 1980ern – und zugleich eine sich dramatisch verschärfende Klimakrise. „Subjektiv besser, objektiv katastrophaler“ ist schwer zu verarbeiten.
Deutschland in der KlimakriseEmissionen: Deutschland hat seine Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 reduziert, aber nicht in der Geschwindigkeit, die mit Paris-kompatiblen Pfaden vereinbar wäre. Vieles ist „zu wenig, zu spät“.
Strukturelles Problem:
Ein Wirtschaftsmodell, das auf Wachstum, Exportüberschüssen, Autoindustrie und hohem Energieverbrauch beruht.
Politische Taktik: kleinere Korrekturen statt ehrlicher Neuausrichtung.
Soziale Dimension:
Klimaschutz wird oft als Bedrohung von Arbeitsplätzen oder Lebensstandard kommuniziert.
Das macht ernsthafte Transformationspolitik angreifbar – und öffnet Populismus die Tür.
3.1 Verdrängung und kognitive Dissonanz
Widerspruch: Wir Menschen (Bürger und Bürgerinnen aber auch Politiker/innen) wissen kognitiv, dass wir auf einen ökologischen Kollaps zusteuern. Gleichzeitig leben wir in Strukturen (Pendeln, Konsum, digitale Geräte, Urlaub), die diesen Kollaps befeuern.
Psychische Reaktion:
Verdrängung
Rationalisierung („Deutschland ist doch schon ganz gut, andere sind schlimmer“).
Bagatellisierung („Früher war auch alles dreckig“).
Der Mensch erträgt nun mal schlecht den Gedanken: „Ich profitiere von einem System, das die Zukunft meiner Kinder zerstört.“ Also macht er das Problem kleiner oder verschiebt Verantwortung nach oben („Die Politik“, „China“, „die Industrie“).
3.2 Fortschritts- und KontrollillusionNarrativ seit 1945: Technik + Wachstum = Rettung. „Wir haben den Smog, das Waldsterben, das Ozonloch irgendwie in den Griff bekommen, also wird das beim Klima auch klappen.“
Problem: Klimasysteme haben Kipppunkte und gewaltige Trägheit. Die Idee, man/frau/politik könne in letzter Minute „technisch korrigieren“, ist eine gefährliche Illusion.
Psychologischer Nutzen: Fortschrittsglaube beruhigt. Er erlöst von Schuld und Angst. Aber er hindert an echter Verhaltensänderung.
Politik
Leben in Wahlzyklen, nicht in Generationenzyklen.
Fürchtet Unmut der Wähler, Wirtschaftseinbrüche, mediale Shitstorms.
Bürger
Fürchten Verlust von Komfort, Mobilität, Wohlstand.
Haben eine tiefe Scheu, den eigenen Lebensstil als Teil des Problems zu sehen.
So bleibt man/frau in einem psychologischen Pakt: „Wir fordern von euch nicht zu viel, und ihr wählt uns wieder.“
3.4 Ost-West-spezifische NarbenOstdeutschland:
Umweltzerstörung in der DDR war real – aber Kritik war gefährlich.
Nach 1990 kam eine gnadenlose Abwicklung ganzer Industrien, Identitätsverlust, Deindustrialisierung.
Wenn heute wieder Strukturwandel im Namen des Klimas gefordert wird, triggert das alte Ängste in den neuen Bundesländern: „Schon wieder wir, schon wieder Opfer, schon wieder bestimmen andere.“
Westdeutschland:
Starke Öko-Bewegung, aber auch ein starkes „Wir sind die Guten“-Narrativ.
Man kann sich leicht als „Vorbild“ fühlen und damit echte Selbstkritik mildern.
Diese psychologischen Spuren erklären, warum Klimapolitik emotional so geladen ist und warum einfache Appelle oft ins Leere laufen.
4.1 Schule und Gesellschaft seit den 1970ern
Früher:
Umwelt oft als Randthema: saurer Regen, Ozonloch, Mülltrennung.
Natur als Kulisse für Ausflüge, selten als komplexes System, von dem wir total abhängig sind.
Heute:
Klima und Nachhaltigkeit sind zwar präsenter, aber häufig abstrakt, moralisch und problemzentriert.
Es fehlt an systemischem Verständnis: Energieflüsse, Stoffkreisläufe, planetare Grenzen, echte (!) soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftssysteme.
Psychologisch bedeutet das: Viele Menschen fühlen sich überfordert, schuldig oder ohnmächtig – statt handlungsfähig und gemeinsam wirksam.
4.2 Die „innere Ökologie“Was fast völlig fehlt, ist eine Bildung über:
Emotionen: Wie gehe ich mit Klimafurcht, Wut, Trauer um?
Werte: Was ist mir wirklich wichtig – Status oder Leben?
Gemeinschaft: Wie organisieren wir kollektives Handeln jenseits von Shitstorms und Spaltung?
Ohne diese innere Arbeit bleiben die jungen und alten Menschen gefangen zwischen Panik und Verdrängung.
5. Was müsste jetzt wirklich geschehen? Antwort klar und deutlich: Kein Gerede, sondern struktureller Ernst!5.1 Politische und rechtliche Schritte
Verbindliche ökologische Leitplanken:
Planetare Grenzen und CO₂-Budgets rechtlich verankern, nicht als „Ziel“, sondern als Obergrenze.
Wenn eine Grenze erreicht ist, sind bestimmte Praktiken schlicht nicht mehr erlaubt!!
Klimaschutz als Grundrechtsschutz:
Konsequent aus dem bereits bestehenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts denken: Klimaschutz = Schutz der Freiheitsrechte künftiger Generationen.
Jede größere Gesetzgebung einem „Enkel-Tauglichkeits-Check“ unterziehen.
Subventions- und Steuerwende:
Schluss mit klimaschädlichen Subventionen (Fossile, Dienstwagenprivileg, kerosinbefreiter Flugverkehr, etc.).
CO₂-Preis mit sozialer Kompensation (Klimageld) – je mehr man verbraucht, desto mehr zahlt man real; wer wenig verbraucht, gewinnt.
5.2 Wirtschaftliche Transformation
Wachstum neu denken:
Weg von BIP-Fixierung, hin zu Indikatoren wie Ökosystemgesundheit, Lebensqualität, Resilienz.
Für ein hochentwickeltes Land wie Deutschland ist ein Postwachstums-Diskurs unvermeidlich, wenn man ehrlich sein will.
Industriepolitik:
Massive Investitionen in erneuerbare Energien, Speicher, Netze, Kreislaufwirtschaft.
Förderung von Reparatur, Langlebigkeit, Sharing-Modellen (statt „immer neu, immer mehr“).
Regionale Gerechtigkeit:
Strukturwandel mit echter Beteiligung – besonders in Regionen mit DDR-Erfahrung.
Nicht „von oben verordnen“, sondern mit lokalen Akteuren tragfähige Modelle entwickeln (Energiegenossenschaften, regionale Wertschöpfung).
Verkehr:
Systemwechsel: Vorrang für Fußgänger, Rad, ÖPNV, Bahn.
Auto als „Option“, nicht als Standard – vor allem in Städten.
Deutlich weniger Flüge, vor allem Kurzstrecken; Nachtzüge, digitale Alternativen stärken.
Bauen und Flächen:
Flächenversiegelung drastisch reduzieren, Renaturierung, Stadtbegrünung, Wasserretentionsräume.
Bestandssanierung vor Neubau; ökologisch und sozial orientierte Stadtplanung.
Schule und Ausbildung:
Ökologie und Klima quer durch Fächer: Physik, Geschichte, Wirtschaft, Ethik, Kunst.
Projektbasiertes Lernen: konkrete lokale Projekte, bei denen Kinder/Jugendliche erleben, dass sie wirklich etwas verändern können.
Medien und Kultur:
Weg von „Klimaschutz als Dauerkonflikt-Thema“ hin zu Formaten, die gelungene Transformation zeigen – ohne zu verharmlosen.
Umwelt als zentraler Bestandteil von Geschichten, Musik, Film – wie Liebe und Konflikt, nicht als Nischenthema.
Räume für Klima-Emotionen statt "Digitallabor":
Orte in Schulen, Gemeinden, Kirchengemeinden, Bürgerforen, wo Menschen über Angst, Wut, Trauer reden können.
Professionelle Unterstützung, wie bei anderen gesellschaftlichen Krisen (Arbeitslosigkeit, Kriegserfahrungen).
Gemeinschaftliches Handeln:
Bürgerenergie, urbane Gärten, Repair-Cafés, Nachbarschaftsprojekte – nicht als „Hobby“, sondern als Bausteine einer anderen Lebensweise.
Diese Projekte politisch ernst nehmen, fördern und verstetigen.
- UND SO KÖNNTE ES FÜR DIE STADT RAVENSBURG KONKRET AB DEM NEUEN JAHR 2026 AUSSEHEN:
- Die Stadt Ravensburg verpflichtet sich ERNEUT und ernsthaft zu einem städtischen CO₂‑Budget (aber siehe oben!!!), das mit den nationalen Klimazielen kompatibel ist, und führt einen verbindlichen Enkel‑Tauglichkeit‑Check für alle größeren Investitionsentscheidungen ein.
- Die Stadt verfolgt das Ziel Null Netto‑Versiegelung bis 2035 und priorisiert energetische Sanierung kommunaler Gebäude mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2035.
- Der Stadtrat setzt eine jährliche Reduktion städtischer Parkflächen um 5 % zugunsten von Fuß‑, Rad‑ und Grünflächen fest und beschließt Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNV. Das kostenlose Parken in der "Marienplatztiefgarage" muss unverzüglich aufgehoben werden. Das Parken auf dem Scheffelplatz und Bechtergarten muss kostenfrei sein.
- Die Stadt implementiert ein verpflichtendes Klima‑ und Ökologie‑Curriculum in allen Schulen und richtet einen Bürgerrat mit Entscheidungsbefugnis für Großprojekte ein.
- Die Verwaltung legt jährlich einen umfassenden Umweltbericht vor und veröffentlicht ein öffentliches Dashboard mit relevanten Indikatoren.
- Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung, innerhalb von sechs Monaten einen Umsetzungsplan mit Zeitplan, Kostenabschätzung und Beteiligungsformaten vorzulegen.