"Sag' mir, wo die Blumen sind - im Jahr zwei-tausend-zehn ...
Der Song "Where have all the flowers gone?" gilt als eines der berühmtesten Antikriegslieder. Es wurde Ende der 1950er Jahre von Pete Seeger komponiert. Die deutsche Fassung "Sag' mir, wo die Blumen sind" macht aus der Frage im englischen Original eine Art Aufforderung.
1994 - damals war ich gerade zum Umweltaktivisten geworden - gab ich dem Lied einen neuen Text, den ich im selben Jahr im Rahmen einer politischen Veranstaltung zur Gitarre im Ravensburger "Kornhaus" (Dachgeschoss) vortrug. Leider gibt es von dieser Version keine Tonaufnahme. Aber den Text als Originalmanuskript (mit Füllfederhalter handschriftlich festgehalten) habe ich immer noch.
Ich gebe ihn hier wieder. Die Leserschaft möge - wie gesagt - bedenken, dass der Text 1994 verfasst wurde.
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SAG' MIR, WO DIE BLUMEN SIND . . .
Musik: Pete Seeger (c); Text: Stefan Weinert, 1994 (c)
1. Sag' mir, wo die Blumen sind, im Jahr zwei-tausend-zehn;
sag' mir, werden morgen noch, die Bäume steh'n;
Sag' mir, warum lebst du so, als würd' die Welt sich um dich drehn:
Wird man das wohl versteh'n, im Jahr zwei-tausend-zehn?
2. Sag' mir, wo die Flüsse sind, im Jahr zwei-tausend-zehn,
sag' mir, werden morgen noch, die Wiesen blüh'n;
Sag' mir, warum lebst du so, als würd' die Welt sich um dich drehn:
Wird man das wohl versteh'n, im Jahr zwei-tausend-zehn?
3. Sag' mir, wer hat das getan, Kinderaugen sind ganz arm;
keine Blume in der Hand, Haut von Sonne abgebrannt;
Asphalt wechselt mit Beton, Giftgaswolke mit Ozon:
Wann wird man je versteh'n -
wirst Du es heut' verstehn?
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Im Jahr 2022 habe ich diesen Song auch im "Altdorfer Wald" vorgetragen. Denn seit 1994 ist alles nur noch schlimmer geworden. Das Klima ist am kippen - und wir Menschen zerstören weiterhin Moore, Wälder, Grünflächen und Flüsse. Kies - die Grundlage sauberen Trinkwassers -, wird hemmungslos entfernt und taucht irgendwo als Beton wieder auf. Und jene Zeitgenossen, die warnend Lieder singen, Banner befestigen, Bäume schützend besetzen und für das Klima auf die Straße gehen, werden als Ökoterroristen verdächtigt, beleidigt und verhöhnt.
Doch sie alle - und auch der Blogger gehört zu ihnen - singen weiter. Und heute (2026) muss es wohl heißen:
Sag' mir, wo die Blumen sind, in dem An-thro-po-zän, sag' mir, werden morgen noch die Bäume steh'n ...