Die Sonne scheint über Hormus, über dem Roten Meer und über Gute und Böse ... und Deutschland verbrennt immer noch Öl !!
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Die Sonne scheint über Hormus, über dem Roten Meer, über den Tankern, über den Mächten, die sie beschatten und bedrohen, und über den Drohnen, die den Himmel vermessen wie ein Schlachtfeld. Sie scheint über die, die blockieren, und über die, die blockiert werden. Über die, die schießen, und über die, die zahlen müssen. Und sie scheint über Deutschland, das immer noch Öl verbrennt und weiter auf fossile Brennstoffe setzt, als wäre es 1976 und nicht 2026. Jesus sagt, die Sonne gehe über Gute und Böse auf – aber Deutschland schafft es, sich ausgerechnet dort in den Schatten zu stellen, wo das Licht frei Haus geliefert wird.
Während die Welt an Engpässen erstickt, während Hormus zur geopolitischen Wetterlage geworden ist, tut Deutschland so, als sei Energiepolitik das, was sie schon immer war. Als seien die Preise ein Schicksal. Als sei Abhängigkeit eine Art kultureller Tradition. Zwanzig Jahre lang hätte dieses Land die Sonne mehr nutzen können, die über Christdemokraten und Sozis, über Grüne und Linke, über FDP-ler und ja, auch über AfD-ler gleichermaßen scheint. Seit über zwanzig Jahren hätte es sich befreien können von den Launen der Meerenge, den Drohkulissen der Autokraten, den Preisschocks der Krisen. Aber statt Freiheit wählte man/frau Verwaltung. Statt Mut wählte man* Deckel. Statt Zukunft wählte man* die Angst vor den Energieversorgern, die sich selbst für die Hohepriester der Versorgungssicherheit halten.
Jesus spricht nicht von Moral, wenn er sagt, dass die Sonne über Gute und Böse aufgeht. Er spricht von der Realität. Von Gleichheit der Bedingungen. Von der Tatsache, dass das Entscheidende nicht im Himmel liegt, sondern darin, was Menschen mit dem machen, was ihnen gegeben ist. Deutschland hat Licht im Überfluss – und verhält sich, als sei es eine knappe Ressource. Es hat Dächer, die leuchten könnten, und lässt sie dunkel. Es hat Felder, die Energie tragen könnten, und lässt sie brachliegen. Es hat Technologien, die reif sind, und behandelt sie wie jugendliche Experimente.
Die eigentliche Tragik ist nicht, dass Deutschland stattdessen Öl verbrennt und die jetzige Regierung unter Friedrich Merz weiter auf fossile Brennstoffe setzt, was schlimm genug ist. Die Tragik ist, dass es die Sonne ignoriert, die über Europäer, Russen, Amerikaner (sogar über Donald Trump), Araber, Afrikaner und Chinesen gleichermaßen scheint. Dass es das universale Geschenk nicht annimmt, sondern sich freiwillig in die geopolitische Abhängigkeit stellt, die es dann laut beklagt. Dass es die Freiheit, die buchstäblich vom Himmel fällt, gegen die Ohnmacht tauscht, die aus den Tiefen der Meere kommt.
Die Sonne scheint über Gute und Böse – aber Deutschland tut so, als müsse es sich entscheiden, zu welcher Gruppe es gehört, bevor es sie nutzt. Das ist keine moralische Sünde. Das ist ein politisches Versagen. Eines, das sich nicht mit Tankrabatten, Preisbremsen oder Sonntagsreden heilen lässt. Sondern nur mit dem Mut, endlich das zu tun, was längst möglich ist: das Licht zu nutzen, das niemand rationiert, niemand blockiert, niemand verteuert.
Vielleicht ist das der eigentliche Skandal: Die Sonne ist gerecht – und die deutsche Bundesregierung ist es gegenüber ihren eigenen Bürgern und Bürgerinnen nicht.

