đź’˘Die Gewalt gegen Klimaaktivistinnen im "Altdorfer Wald" (Feuerwerksattacken, Hakenkreuze, Todesschockanruf) und die Vergesellschaftungsfrage, die Weingarten erschĂĽttert.
Die Vorgänge im "Altdorfer Wald" und die parallel entstehende Auseinandersetzung in Weingarten berühren derzeit im Schussental und im "Altdorfer Wald" zentrale Bereiche des öffentlichen Rechts: das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG), den Schutz der körperlichen Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 GG), die strafrechtliche Bewertung von Bedrohungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen sowie die kommunalrechtliche Verantwortung bei städtebaulichen Entscheidungen.
Der Konflikt um den "Altdorfer Wald" - nordöstlich von Ravensburg und Weingarten gelegen - hat mittlerweile eine Eskalationsstufe erreicht, die so nicht hingenommen werden kann. Während die Aktivistinnen seit Jahren friedlich für den Schutz des Waldes und gegen den KIE$RAUBBAU eintreten, nehmen Berichte über verbale Angriffe, Einschüchterungsversuche und gezielte Diffamierungen über diesen Zeitraum zu – sowohl online als auch analog (physisch) im direkten Umfeld der Besetzung.
- Gleichzeitig bereiten einige Menschen aus diesem Aktivistinnenkreis eine öffentlichkeitswirksame Aktion in Ravensburgs Nachbarstadt Weingarten vor, die den Blick auf ein weiteres brisantes Thema lenkt: den Umgang mit großen Wohnungsunternehmen und deren Bauprojekten, was zeigt, dass diese - bei weitem nicht nur junge - Menschen mehr draufhaben als nur "Bäume zu besetzen und herumzulungern".
- Zu dem haben sie eine hervorragende Ader für Kultur, was durch die in drei Tagen im "Alti" stattfindende Vernissage - begleitet von Zither und Harfe - belegt ist. Am Sonntag, den 11. Oktober 2026, um 14:00 Uhr laden die Waldbesetzer/innen alle Interessierten zur feierlichen Eröffnung der Dauerausstellung: "Kiesraubbau und mögliche Lösungen" in den Altdorfer Wald ein.Für die musikalische Umrahmung konnte Andreas Jeni an Harfe und Zither gewonnen werden. Die Klänge mitten in der Natur zu hören ist ein unvergessliches Erlebnis.Die entstandene Dauerausstellung wurde in den letzten zwei Wochen von den Klimaaktivist/innen gemeinsam erarbeitet. Sie dreht sich um Kiesabbau, Beton, Straßenbau, Wasser und Wald und zeigt Alternativen zur allgegenwärtigen Wachstumslogik auf. Außerdem ermöglicht sie einen Blick auf gelebte und bereits umgesetzte Utopien. Der Eintritt ist frei.
Die Besetzung des "Altdorfer Waldes" ist seit 2021 längst mehr als nur ein Hinweis auf den lokalen Umweltkonflikt Oberschwabens. Sie ist zu einem Symbol für die Frage geworden, wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, die sich sichtbar, verletzlich und gewaltfrei für ökologische Verantwortung einsetzen. Die Aktivist*innen leben seit nun fast sechs Jahren im Wald – nicht aus Abenteuerlust, sondern aus einem demokratischen Impuls heraus: Sie übernehmen Verantwortung, wo politische und wirtschaftliche Interessen kollidieren.
Doch genau diese Sichtbarkeit macht sie angreifbar. In der zurückliegenden Zeit wurden Aktivist*innen wiederholt beleidigt, bedroht oder als „Störer“ abgewertet. Manche Angriffe kommen aus dem digitalen Raum, andere, wie gesagt, direkt vor Ort. So berichten es die Aktivist/innen in E-Mails, die dem Blog "Schussental-Medial" zugegangen sind.
Was einst als friedliche, gewaltfreie Besetzung begann, ist demnach anscheinend inzwischen zu einem Brennpunkt geworden, an dem sich zeigt, wie verletzlich demokratische Kultur ist, wenn ökologische Verantwortung auf wirtschaftliche Interessen trifft – und wenn Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, zur Zielscheibe werden.
Parallel dazu entsteht in Weingarten bei Ravensburg ein zweiter Konfliktraum: Die oben schon erwähnte und geplante Aktion der Aktivist*innen gegen das BUWOG/Vonovia‑Projekt wirft die Frage auf, wie viel demokratische Kontrolle über Stadtentwicklung noch existiert – und ob Vergesellschaftung, wie sie Berlin diskutiert, auch in Oberschwaben denkbar wird.
I. Der Altdorfer Wald: Ein Ort, an dem Gewaltbereitschaft sichtbar wirdDie Aktivist/innen berichten dem Blog "Schussental-Medial" weiter von einer Entwicklung vor Ort beim "Altdorfer Wald", die man/frau nicht mehr verharmlosen kann: Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, häufig auf Motocross‑Bikes oder Motorrädern mit abmontierten Kennzeichen, tauchen immer wieder im Wald auf.
Das ist dann kein „Spaß“, kein „Jugendstreich“ mehr, sondern eine systematische Einschüchterungskampagne:
Feuerwerkskörper werden gezielt in Richtung der Baumhäuser abgefeuert, teilweise bei hoher Waldbrandgefahr.
Hakenkreuz‑Schmierereien werden hinterlassen – ein klarer Hinweis auf rechtsextreme Symbolik und eine bewusste Provokation.
Die Gruppen fahren mit hoher Geschwindigkeit auf motorisierten Bikes mit abmontierten Nummernschildern durch die Besetzung, zerstören Strukturen, schreien Beleidigungen, filmen die Aktivist*innen und verbreiten die Videos anschließend in sozialen Netzwerken.
So steht es in den E-Mails, die den Blogger erreicht haben (siehe oben).
Diese Angriffe wären dann nicht nur strafrechtlich relevant – sie wären ein Angriff auf die demokratische Kultur selbst. Sie sollten Angst erzeugen. Sie sollten Menschen vertreiben, die sich für den Schutz eines Waldes einsetzen. Sie sollten Gewaltfreiheit lächerlich machen. Andernorts war zu lesen, die Klimafreunde hätten sich gegenüber den sie Bedrohenden gewaltätig verhalten. Telefonische und elektronische Nachfragen bei den Protagonisten der Waldbesetzung ergaben, dass ihnen von Gewalttaten aus der Reihe der Besetzung jedoch nichts bekannt sei.
Auch die hiesige "Schwäbische Zeitung" (SZ) berichtet darüber. Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es durch die Berichterstattung der SZ zu einer Täter-Opfer-Umkehr gekommen ist. Ich will hier nicht näher auf diesen Bericht eingehen. Was mir aber auffiel, waren die Kommentare zu diesem Bericht auf der Facebook-Seite des Regionalblattes. Bei diesem hier geht es um die Biker:

Abgerufen bei FB am 8.10.2026 um 16:45 Uhr
Aber auch die Beschimpfung der Klimaaktivisten geht weiter:
Dito um 16:47 UhrKurz vor und nach solchen Attacken erhalten die Klimaaktivist/innen - so ihre Berichte dem Blog gegenĂĽber - immer wieder Drohanrufe. Die Aktivist*innen berichten von wĂĽsten Beschimpfungen:
„Hurensohn, Schwuchtel, Transe…“
Die Sprache ist meines Erachtens und meiner Meinung nach nicht zufällig gewählt. Sie ist entmenschlichend. Sie ist sexualisiert. Sie ist darauf ausgelegt, Menschen zu demütigen und einzuschüchtern.
Ein besonders erschĂĽtternder Fall, der berichtet wird, betrifft einen Vater, der im Wald als Klima-Aktivist mit dabei ist. Er erhielt einen Anruf von Jugendlichen, die ihm sagten:
„Wir haben deinen Sohn umgebracht.“
Der Sohn lebte – doch der Schock beim Vater war fatal real und traumatisierend. Diese Form der psychologischen Gewalt ist kein „Lausbubenvergehen“. Sie ist eine gezielte Attacke auf die emotionale Stabilität eines Menschen, der sich für den Schutz eines Waldes engagiert.
Solche Drohungen sind strafbar. Sie sind gefährlich. Und sie zeigen, wie weit Teile der Gesellschaft bereit sind zu gehen, um Menschen einzuschüchtern, die sich für ökologische Verantwortung einsetzen.
Psychoanalytisch betrachtet sind die Angriffe im "Altdorfer Wald" Ausdruck von Abwehrmechanismen:
Projektion – „Ihr seid schuld, dass alles schwieriger wird.“
Spaltung – „Wir gegen euch.“
Entwertung – „Ihr seid nichts wert.“
Doch diese Mechanismen lösen kein Problem. Sie verschärfen es.
III. Die Behörden: Zwischen Rechtsstaat und EskalationsgefahrDie Polizei und die zuständigen Behörden stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Denn für "Irgendwann" ist - so war zu hören - eine Räumung der Waldbesetzung geplant. Ein psychologisches Hochrisikoereignis. Menschen in Baumhäusern sind keine „Störer“, sondern Menschen in der Höhe – verletzlich, gefährdet und abhängig von präziser Kommunikation.
Ein Unfall wäre nicht nur tragisch. Er wäre ein nationales Trauma. Die Erfahrungen aus Hambacher Forst, Lützerath, Notre‑Dame‑des‑Landes und Standing Rock zeigen, wie schnell solche Einsätze kippen können.
Der Rechtsstaat muss sich davor schützen, in die Rolle eines Vollstreckers wirtschaftlicher Interessen zu geraten. Die Polizei muss sich davor schützen, zum Symbol politischer Härte zu werden. Und die Aktivist*innen müssen sich davor schützen, Opfer einer Eskalation zu werden, die sie nicht verursacht haben. Aber der Rechtsstaat inklusive der Polizei muss die Klimaaktivisten vor Rowdies in Schutz nehmen. Wegsehen gilt nicht!
IV. Was jetzt notwendig ist
FĂĽr die Aktivist/innen
Gewaltfreiheit beibehalten
Dokumentation aller Angriffe
Juristische Begleitung
Sicherheitskonzepte für Baumhäuser und Aktionen
Psychologische UnterstĂĽtzung nach Drohungen
Kritik ja – Angriffe nein
Sachlichkeit statt Abwertung
Anerkennung der demokratischen Funktion zivilen Ungehorsams
Präzision statt Hast
Deeskalation statt Symbolpolitik
Schutz der Menschen, die sich fĂĽr Gemeinwohl einsetzen
V. Weingarten: Vergesellschaftung als demokratische Frage

Während im Wald die Angriffe im "Altdorfer Wald" anscheinend zunehmen, bereitet ein Teil der Aktivist*innen eine Aktion in Weingarten vor. Im Zentrum steht das Bauprojekt von BUWOG/Vonovia – ein Projekt, das viele Fragen aufwirft:
Wie viel Macht sollen groĂźe Immobilienkonzerne ĂĽber Stadtentwicklung haben?
Wie kann sozialer Wohnraum gesichert werden, wenn Konzerne Renditeziele verfolgen?
Welche Rolle spielt die Kommune – und welche die Bürger/innen?
Und: Ist Vergesellschaftung ein legitimes demokratisches Mittel, um Wohnraum dem Markt zu entziehen?
Die Stadt Berlin hat diese Debatte bereits geführt. Dort stimmten 59,1 % der Bevölkerung für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne. Die Aktivist*innen in Weingarten knüpfen daran an – nicht als Kopie, sondern als lokale Übersetzung einer bundesweiten Frage.
Sie wollen sichtbar machen, dass Stadtentwicklung kein technischer Vorgang ist, sondern ein demokratischer Prozess. Dass Wohnraum kein Spekulationsobjekt sein darf. Dass Gemeinwohlorientierung nicht nur ein Wort ist, sondern ein Prinzip. Die geplante Aktion ist keine Blockade, sondern eine öffentliche Intervention, die die Frage stellt: Wem gehört die Stadt – den Menschen oder den Konzernen?
Am kommenden Freitag, 9. Oktober, um 14 Uhr entrollen Klimagerechtigkeitsaktivist/innen deshalb ein zwölf (12) Meter großes Banner an der Mauer der Basilika in Weingarten.
In Sichtweite: die Baustelle der „Martinshöfe“, des alten Schuler-Geländes der alten Maschinenfabrik, auf dem die BUWOG gerade einen Beton-Wohnkomplex errichtet. „Die BUWOG verkauft sich als ehrenwertes Unternehmen, doch hinter ihr steht zu 100 Prozent der Wohnkonzern Vonovia. Die BUWOG möchte viel Profit aus dem Projekt im Herzen Weingartens schlagen, doch das schlägt auf die Mieten. Wir sind hier, um das aufzudecken“, heißt es in einer dem Blog zugesandten Presseerklärung der Aktivist/innen.
Die Kombination aus Waldschutz und Engagement fĂĽr verantwortungsvolle Wohnraumpolitik trifft zwei gesellschaftliche Nervenzentren: Natur und soziale Gerechtigkeit.
Beide Themen sind emotional, politisch und wirtschaftlich aufgeladen. Beide erzeugen Widerstände. Beide bringen Menschen auf die Straße – und manche dazu, Grenzen zu überschreiten.
VI. Schluss: Zwei Orte, ein Konfliktkern
Der Altdorfer Wald und Weingarten sind zwei Seiten derselben Frage: Wie gehen wir mit Menschen um, die Verantwortung übernehmen? Wie gestalten wir Zukunft – ökologisch und sozial? Wie viel Demokratie verträgt ein Konflikt, bevor er kippt?
Die Angriffe im Wald zeigen, wie verletzlich demokratische Kultur ist. Die Aktion in Weingarten zeigt, wie stark sie sein kann.
Beides gehört zusammen. Beides verdient Aufmerksamkeit. Beides entscheidet darüber, ob wir als Gesellschaft wachsen – oder schrumpfen.
Eskalation im Altdorfer Wald, Vergesellschaftungsdebatte in Weingarten: Zwei Brennpunkte einer bedrohten demokratischen Kultur.
