"Humanity last" - Der moralische Abstieg der G7-Staaten ...
13. Mai, 2025 um 12:09 Uhr,
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Quelle: statista
Elon Musk hat im Rahmen seiner Rolle als Leiter des „Department of Government Efficiency“ (DOGE) unter der zweiten Trump-Administration maßgeblich zur nahezu vollständigen Abschaffung der US-Entwicklungshilfe beigetragen. Vergangene Woche wurde er deswegen von Bill Gates scharf kritisiert. Gates hat zeitgleich angekündigt, seine Stiftung (Bill and Melinda Gates Foundation) bis zum 31. Dezember 2045 zu schließen. Bis dahin plant er, nahezu sein gesamtes Vermögen – rund 99 % seines geschätzten Vermögens von 107 Milliarden US-Dollar – in die Stiftung einzubringen. Dies entspricht zusätzlichen 200 Milliarden US-Dollar, die in den kommenden 20 Jahren für globale Gesundheits- und Bildungsprojekte ausgegeben werden sollen.
Dabei hatten die USA noch im vergangenen Jahr 2024 rund 63 Milliarden US-Dollar öffentliche Entwicklungshilfe geleistet. Damit waren sie weltweit das größte Geberland von Zahlungen im Rahmen der Official Development Assistance (ODA). Deutschland folgt mit rund 32 Milliarden US-Dollar auf dem zweiten Platz, Großbritannien mit rund 18 Milliarden US-Dollar auf Rang drei. Datenquelle ist die OECD-Datenbank für ODA-Zahlungen.
ODA-Zahlungen setzen sich zusammen aus bilateralen Hilfen, die direkt an einzelne Länder gehen, und multilateralen Leistungen, die an internationale Organisationen fließen. International wurde das Ziel vereinbart, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden, wobei sich die größten Geberländer nach ODA-Quote von denen nach absoluten Zahlungen unterscheiden.
Die Verteilung der US-Hilfen orientierte sich sowohl an humanitären Bedürfnissen als auch an strategischen Interessen. Top-Empfängerland war seit 2022 die Ukraine. Die Ukraine ist auch der größte Empfänger deutscher bilateraler Zahlungen für Entwicklungshilfe. Im Jahr 2022 erhielt das Land laut Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rund 571 Millionen Euro. Knapp dahinter steht das vom jahrelangen Bürgerkrieg zerrüttete Syrien mit etwa 567 Millionen Euro.

Die G7-Länder gehören zu den wirtschaftsstärksten und einflussreichsten Nationen der Welt. Durch diese Machtposition haben sie allerdings auch eine große Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt zu tragen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Oxfam-Studie erfüllen die sieben reichen Industrienationen ihre Verpflichtungen und Versprechen jedoch nur bedingt. Schätzungen der Entwicklungsorganisation zufolge schulden die G7 dem globalen Süden rund 13 Billionen US-Dollar für Schäden durch den menschgemachten Klimawandel und die Bekämpfung dessen.
Diese 13 Billionen US-Dollar setzen sich dabei wie folgt zusammen: Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen der G7 seit 1979 haben in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen Schäden von schätzungsweise 8,7 Billionen US-Dollar verursacht. Oxfam beruft sich dabei auf eine Studie des Center for Global Development dessen Berechnungsbasis die Emissionswerte von 2019 sind – der Realwert ist demnach vermutlich noch höher.
Weitere 4,49 Billionen US-Dollar sind ausgebliebene Zahlungen der reichen Länder, die aus einem Versprechen aus dem Jahr 1970 hervorgehen, rund 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens an die globale Entwicklungshilfe zu spenden. Somit wurden bis dato nicht einmal die Hälfte der Zusagen aufgebracht.
Die restlichen etwa 72 Milliarden US-Dollar basieren auf einer Abmachung von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr zwischen 2020 und 2025, die den Klimaschutz in Entwicklungsländer fördern sollen. Der Anteil der G7-Länder daran wird auf etwa 84 Milliarden beziffert, diese haben 2020 jedoch nur etwa 66 Milliarden gezahlt – ein Fehlbetrag von 18 Milliarden US-Dollar. Nimmt man diesen als fortlaufend an, so liegen die Schulden 2023 bei 72 Milliarden US-Dollar.
Trotz der vielen ausbleibenden Versprechen, fordern die G7-Staaten und ihre Finanzinstitute jährlich etwa 232 Millionen US-Dollar Schuldenrückzahlungen von Ländern des globalen Südens. Oxfam-Direktor Amitabh Behar findet diesbezüglich im Vorfeld des G7-Gipfels deutliche Worte: "Wohlhabende G7-Länder stellen sich gerne als Retter dar, aber sie verfolgen eine tödliche Doppelmoral".
