Chanson sur la ville de Ravensburg en Souabe ...
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Ravensburger Chanson - Von Carl Paul Hénry
Es ist Weihnachten, die Stadt hängt Lichter auf, ganz schön adrett, doch draußen atmet ein Mann Frost, die Decke fehlt, und auch das Bett.
Zwar sagt man: „Wir kümmern uns“, lass uns nur machen, lass, doch echte Wärme, die bleibt aus — und das ist ziemlich krass
Ravensburg, du glänzende Schale, innen hohl und ziemlich laut, du klebst dein Siegel „Fortschritt“ drauf --- und baust und baust.
Du baust dir Brücken für die Ewigkeit, doch lässt du Stege verrosten, singst sogar Klimahymnen auf dem Markt, doch auf wessen Kosten?
Im Kornhaus knackt schon lange das Gebälk, die Zahlen fliegen fort, „Vorprüfung schlampig“ — ach, und plötzlich zahlen Bürger und der ganze Ort.
Die Rechnung wächst wie Unkraut und wie Klee, keiner fragt nach Schuld, nur Bilanzen werden sauber, die Moral bleibt kalt und muld.
Über die Wangener Straße spannt sich Stahl, ein Bogen ohne Sinn,
ein Denkmal für die Planung, das den Bürgern doch nichts bringt.
Prospektfoto, feine Kante, teuer, glatt und sehr dekorativ,
doch wer da wirklich drüber geht und drüber fährt, bleibt spekulativ.
Der Holzmarkt trägt ein grünes Tuch und wird zum Feigenblatt im Wind, „Klimapolitik!“, ruft man laut und klopft sich dabei selber auf die Schulter. Die Sitzung fällt diesmal aus, man sagt: „Kein Bedarf und wir sparen Zeit", und die Wahl naht, Hände schütteln, harmonisch bleiben, Lächeln breit.
Der Eschersteg verstaubt im Traum, kein Geld für seinen neuen Lauf, doch für große Bauten und das "Ypsilon", da reißt man den A... auf.
Und einer fror im Weihnachtslicht, die Stadt singt ihren e'wgen Chor, man applaudiert dem schönen Bild — und schließt die Tür davor.
Ravensburg, du poliertes Märchen, mit Rissen unterm Lack, du rechnest, planst, verschiebst die Pflicht, und nennst es „guter Takt“. Du willst modern und sozial sein, doch sparst an Menschenhand, bist nur noch schön auf Postkarten - du Wolf im Schafsgewand.
Spiel das Chanson mit mir und mit rauer Stimme, lass die Reime stolpern, schief; sing von Balken, Brücken, Betten, von dem, was keiner rief.
Und wenn die Wahl dann kommt, und Lächeln wieder zählt, denk dran, wer in der Kälte steht und wer wirklich fehlt.