Ravensburger "Lichterfest" war unter dem Eindruck der Bevormundung und geraubten Freiheit eine Pleite und ein Misserfolg ...
Liebe Leserschaft,
Sie erinnern sich? "Zehntausende säumten die Straßen", titelte die hiesige Lokalzeitung vor wenigen Tagen. Gemeint war das "Lichterfest" am buchstäblichen Vorabend der OB-Wahl in Ravensburg. Der folgende Artikel ist voller Lobeshymnen. Kein Quäntchen von Schatten – nur Licht.
Und dann der Hammerschlag der "Zehntausende". Sprachlich umfasst dieser Ausdruck eine Zahl zwischen 20.000 und 90.000. Im journalistischen Alltag wird er fast immer für 20.000–40.000 verwendet. Damit scheint die Formulierung „Zehntausende“ zwar formal korrekt, aber sie suggeriert natürlich eine Wucht, die über die nüchternen Zahlen hinausgeht.
Nun habe ich mit zwei Ravensburger Gastronomen über die zurückliegenden Tage gesprochen (die OB-Wahl war ein Thema), und wir kamen auch auf das "Lichterfest" zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt stand ich natürlich unter dem Eindruck der Glorifizierung dieses Events, denn andere Quellen als die der Zeitung hatte ich nicht.
Demnach war das Lichterfest lange nicht von dem Erfolg gekrönt, den die Zeitung und ihre Informanten versprühten. Viele, die vor zwei Jahren dabei waren, kamen nicht und/oder vorhatten zu kommen, blieben dem Szenario ebenso fern. Und zwar aus folgenden Gründen:
- Wir lassen uns nicht in Quadranten einsperren!
- So kommen wir denn hin, wenn man dafür auch noch Eintritt bezahlen muss?!
- Wir lassen uns nicht durch bunte Bändchen markieren!
- Wir lassen uns auch nicht durch vorherige Anmeldung und anschließende Kontrolle überwachen!
Und längst – so wurde mir berichtet – gab es eher viel Platz an den Straßenrändern, als "Zehntausende".
Die obige Aufzählung spricht die Sprache "der genommenen Freiheit" an, sowohl die der Bewegung (physisch) als auch die der Metapher (psychisch und politisch). Die Quantität der Masse sagt noch lange nicht über die Qualität und die grundsätzliche Notwendigkeit eines solchen Events aus.