Ravensburg: 100 Jahre Sparen bei der Grünpflege für einen neuen Bauhof ...
1. Juni, 2026 um 21:42 Uhr,
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Stefan Weinert, Blogger aus Ravensburg
Es gibt Zahlen, die stehen nicht nur einfach im Raum, sondern öffnen dem wachen Leser/Leserin die Augen für ein ganzes Universum. In diesem Fall ist es sogar ein Zahlenpaar, das im Verhältnis 1:100 steht. Da sind zum einen 190.000 (0,19 Millionen Euro) an Einsparungen bei der Ravensburger Umweltpflege und zum anderen 19,5 (19.500.000) Millionen Euro für einen neuen Bauhof in der Ravensburger Goethestraße.
Ein Betrag, der den Ravensburger Bürgern und Bürgerinnen so selbstverständlich präsentiert wird, als handle es sich um den Austausch eines defekten Rasenmähers. Die Ravensburger Gemeinderäte hatten dieses Projekt durchgewunken, als sei es ein Naturgesetz.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass diese Summe kein Einzelfall ist. Sie reiht sich ein in eine Serie von Großprojekten, deren finanzielle Dimensionen in keinem Verhältnis zu den angeblichen Sparzwängen stehen, die der Gemeinderat gleichzeitig beschließt.
Das Hundertfache der „Einsparungen“ – ein mathematischer Offenbarungseid.Die Stadt Ravensburg spart ab 2027 jährlich 190.000 Euro bei der Umwelt- und Grünpflege ein. Ein Betrag, der so lächerlich klein ist, dass er im Haushalt kaum auffällt – aber im Stadtbild umso mehr. 190.000 Euro. Das ist ein Hundertstel dessen, was allein der neue Bauhof kostet.
Oder anders gesagt: Um den Preis dieses einen Bauhofs finanzieren zu können, muss die Stadt Ravensburg die gekürzte Umweltpflege 100 Jahre lang durchhalten: 2127 wäre es dann so weit - vorausgesetzt, es gibt dann noch "Umwelt" die man vernachlässigen kann. Vermutlich gibt es dann mehr von ihr auf dem Mars, als auf dem Planeten Erde.
Hundert Jahre. Ein Jahrhundert. Ein Menschenleben.
Und trotzdem verkauft man/frau den Bürgerinnen und Bürgern diese Kürzung als „notwendig“, „unvermeidbar“, „verantwortungsvoll“. Während gleichzeitig Millionen in Beton, Holzfassaden und Verwaltungsflügel fließen.
Die große Ravensburger Baustellen-Symphonie.Der Bauhof ist nur ein Baustein in einer langen Liste:
Kornhaus: 20 Millionen
Kuppelnau-Schule: 40 Millionen
Holzmarkt: 1,75 Millionen
Bauhof: 19,5 Millionen
Davor: Sanierungen der Gymnasien
Davor: Sanierung Rathaus
Davor: Sanierung "Alte Post"
Davor: Sanierung neue Musikschule
Davor: ...
Macht zusammen: über 80 Millionen Euro plus XXXXXXX.
Und das sind nur die Projekte, die öffentlich sichtbar sind. Die Frage, die sich aufdrängt, ist so simpel wie brisant:
Woher kommt dieses Geld?
Die Gewerbesteuer als Wunderwaffe? Wohl kaum.Die Stadt verweist gern auf sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. Doch selbst ein gutes Gewerbesteuerjahr ist kein Freifahrtschein für eine Investitionspolitik, die sich wie ein Wunschkonzert liest. Einnahmen sind volatil. Ausgaben sind dauerhaft. Und Baukosten steigen nicht linear, sondern exponentiell.
Wer also behauptet, man könne mit Gewerbesteuerwundern alles ausgleichen, betreibt Schönwetterpolitik – und hofft, dass niemand nachrechnet.
Die eigentliche Frage: Wie steht es um die städtische Bilanz? Und wer außerhalb des Rathauses und des Regierungspräsidiums kann sie nachprüfen?Bin ich eigentlich der Einzige, der sich fragt, wie es um die städtische Bilanz steht?
Denn die Stadt kommuniziert zwar Projekte, aber nicht die Gesamtlast. Sie kommuniziert Einzelmaßnahmen, aber nicht die strukturelle Verschuldung. Sie kommuniziert Visionen, aber nicht die Risiken.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen glauben, dass alles im Lot ist. Doch wer die Summen nebeneinanderlegt, könnte zu der Erkenntnis kommen, dass hier etwas nicht stimmt.
Der geheime Gemeinderat – und die Kunst der IntransparenzDie Kürzung der Umweltpflege wurde in einem Verfahren beschlossen, das selbst erfahrene Kommunalpolitiker ratlos zurückließ. Ein „geheimer Gemeinderat“, der Entscheidungen trifft, die niemand versteht. Eine Verwaltung, die erklärt, aber nichts erklärt. Ein Gremium, das spart, wo es nicht sparen sollte – und investiert, wo niemand nachfragt.
Es entsteht der Eindruck einer Stadtpolitik, die sich selbst genügt. Die Bürger kommen erst ins Spiel, wenn der Bagger schon rollt.
Ravensburg braucht keine neuen Gebäude – Ravensburg braucht Transparenz.Es geht nicht darum, ob ein Bauhof sinnvoll ist. Es geht darum, ob eine Stadt, die an Grünflächen spart, gleichzeitig 19,5 Millionen für ein Gebäude ausgeben kann, ohne die Öffentlichkeit mitzunehmen.
Es geht nicht darum, ob Schulen saniert oder neu gebaut werden müssen. Es geht darum, ob man 40 Millionen Euro ausgibt, ohne die langfristigen Folgen offen zu legen.
Es geht nicht darum, ob der Holzmarkt schöner werden soll. Es geht darum, ob man* 1,75 Millionen Euro investiert, während man* gleichzeitig behauptet, man müsse „den Gürtel enger schnallen“.
Die Frage, die bleibtWer übernimmt die Verantwortung für diese gefühlte und so empfundene finanzielle Schieflage?
Und noch wichtiger:
Wann beginnt die Stadt Ravensburg endlich, ihre Bürgerinnen und Bürger wie erwachsene Menschen zu behandeln – und nicht wie Zaungäste einer Politik, die längst den Überblick verloren hat?