Hamburgs NEIN zu Olympia war demokratisch und besonnen: „Erst Hausaufgaben, dann Weltspiele“ ...
2. Juni, 2026 um 15:43 Uhr,
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Stefan Weinert, Blogger mit AussichtDer Redakteur der "Schwäbischen Zeitung" (SZ) gibt seinem Leitkommentar auf Seite 1 die Überschrift "Lieber langweilig". Dabei geht es ihm um das NEIN der Hamburger Bürgerschaft bezüglich der Bewerbung für eine der kommenden Olympiaden. Der Kommentator interpretiert diese demokratische Entscheidung als mutlos – also negativ. Meine Entgegnung ist die folgende und ich gebe ihr die Headline: „Erst Hausaufgaben, dann Weltspiele“.
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Es ist leicht, Hamburgs Nein zu Olympia als Ausdruck deutscher Mutlosigkeit abzutun. Doch diese Lesart verkennt die Realität. Die Hamburger haben nicht gegen „Aufbruch“ gestimmt, sondern gegen ein System, das seit Jahrzehnten gigantische Kosten verspricht, gigantischere Kosten verursacht – und am Ende die Allgemeinheit zahlen lässt. Das ist kein „Lieber langweilig“, das ist demokratische Nüchternheit.
Wer den Bürgern mangelnde Risikobereitschaft vorwirft, sollte sich erinnern, dass Deutschland nicht am Mut scheitert, sondern an Strukturen: an überlasteten Verwaltungen, an Planungszeiten von 20 Jahren, an Kostenexplosionen, die längst zum Normalfall geworden sind. Die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, BER – das sind keine Anekdoten, das sind Mahnmale.
Der Leitartikel der SZ stellt Hamburgs Entscheidung in eine Reihe mit Mondlandungen und Marsmissionen. Doch Deutschland muss nicht zum Mars, bevor es seine Schulen saniert hat. Es muss nicht „fröhliche Spiele“ ausrichten, bevor es funktionierende Behörden, bezahlbaren Wohnraum und eine digitale Infrastruktur hat, die nicht im europäischen Vergleich hinterherhinkt.
Das ist keine Mutlosigkeit. Das ist Prioritätensetzung.
Dass München 1972 trotz des Attentats als Fortschrittsmoment erinnert wird, ist richtig – aber daraus folgt kein Automatismus für 2036 oder 2040. Die Welt hat sich verändert. Die Spiele sind heute ein Milliardenapparat, der demokratische Städte systematisch überfordert. Wer das benennt, ist nicht „langweilig“, sondern realistisch.
Hamburg hat abgestimmt. München hat abgestimmt. Köln-Rhein-Ruhr hat abgestimmt. Unterschiedliche Regionen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – das ist kein Zeichen von nationaler Schwäche, sondern von funktionierender Demokratie. Bürger sind keine Statisten für internationale Sportverbände.
Und Deutschland braucht keinen olympischen Glanz – es braucht funktionierende Grundlagen.Bevor Deutschland Weltspiele ausrichtet, sollte es:
seine Infrastruktur modernisieren
seine Verwaltung digitalisieren
seine Städte entlasten
seine Finanzen stabilisieren
seine demokratische Kultur stärken
Erst wenn das Fundament trägt, kann man/frau über Prestigeprojekte reden. Alles andere wäre politischer Eskapismus.