(2) "Weltweite Wasserknappheit"!! - Ohne Wasser kein Brot/Reis, ohne Wasser keinen Wein/Prosecco ...
3. Juni, 2026 um 15:47 Uhr,
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Es gibt Zahlen, die wirken wie ein kalter Luftzug in einem überhitzten Raum. Die Statista-Grafik zur weltweiten Sorge um Wasser- und Lebensmittelsicherheit gehört dazu: 46 Prozent in Südafrika, 31 Prozent in China, 28 Prozent in den USA – und 13 Prozent in Deutschland . Ein Land, das sich sicher fühlt. Regionen in diesem Land, die sich sicher fühlen. Städte, in den jeweiligen Regionen, die sich sicher fühlen.

Eine dieser Städte ist Ravensburg mit einer besonderen Ironie dieser Tage.
Denn während große Teile der Welt darüber nachdenken müssen, ob morgen genug Wasser aus dem Hahn kommt, verlegt Ravensburg sein Weinfest wegen des befürchteten Regens (= Wasser) kurzerhand in Kneipen. Nicht aus Not, sondern aus Komfort. Nicht weil es ums Überleben geht, sondern ums Weiterfeiern.
Das ist nicht verwerflich. Aber es ist bezeichnend.
Denn „Brot & Wein“ – dieser Slogan, der in der Stadtmarketing-Logik so leichtfüßig klingt – trifft in diesem Jahr auf eine Welt, die sich an vielen Stellen um genau diese beiden Dinge sorgt. Nämlich um die Grundnahrungsmittel a) Wasser (das in Ravensburg als Luxusgut "Wein" kredenzt wird) und b) jenes, das ohne Wasser nicht existieren kann (Getreide wird zu Brot). Und plötzlich wirkt das Motto wie ein Echo aus einer anderen Zeit: aus einer Zeit, in der man glaubte, Wohlstand sei selbstverständlich.
Die Statista-Grafik zeigt ein globales Gefälle, das ökonomisch und existenziell ist. Ravensburg hingegen zeigt ein lokales Selbstverständnis, das sich seit Jahren kaum verändert hat: Man/frau feiert, weil man feiern kann. Man trinkt, weil man trinken will. Man lebt, als sei die Welt ein stabiler Ort.
Doch die Welt ist längst kein stabiler Ort mehr.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein Fest wie „Brot & Wein“ eine neue Bedeutung bekommt – nicht als Skandal, nicht als moralisches Versagen, sondern als Symptom einer Gesellschaft, die ihre eigene Verletzlichkeit nicht mehr spürt. Ist der theologische Unterton des Mottos ein Zufall oder ist es Zynismus? Brot und Wein sind Symbole für Gemeinschaft, für Teilhabe, für das Teilen des Lebens. Doch in Ravensburg wird daraus ein Eintrittsticket in eine Wohlfühlzone, die viele nicht betreten können. Die Diskrepanz zwischen globaler Unsicherheit und lokaler Sorglosigkeit wird immer größer. Und sie wird sichtbarer.
Brot & Wein – ein Motto, das mehr sagt, als es will!
Vielleicht ist es gerade dieser theologisch aufgeladene Begriff, der in diesem Jahr so seltsam schillert. Brot und Wein stehen für Gemeinschaft, für Teilhabe (wie ich es bereits eben erwähnt hatte), für das Teilen des Lebens. Doch global betrachtet stehen sie inzwischen für etwas anderes: für Knappheit, für Risiko, für die Frage, wie lange das alles noch selbstverständlich bleibt.
Zwischen den globalen Sorgen um Wasser und Nahrung und der lokalen Leichtigkeit eines Sommerfests liegt ein Raum, der uns etwas sagen will: dass Wohlstand kein Naturgesetz ist, dass Sicherheit kein Dauerzustand ist, dass „Brot & Wein“ mehr ist als ein Slogan.
Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der sich in diesem Jahr zwischen die Feiernden in den Kneipen gesellen sollte.