OSH ▶ À la Silhouette: Wie Rathaus (RV) und Redaktion (SZ) eine Stadtgesellschaft mangelhaft und rudimentär nachzeichnen ...
4. Juni, 2026 um 7:16 Uhr,
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht

Am Mittwochabend um 20:15 Uhr war es so weit. Die Petition für den Erhalt der "Oberschwabenhalle" in Ravensburg als "Ort diverser gesellschaftlicher Ereignisse" und gegen ihre Umfunktionierung als Sportarena hat die 500er-Marke an Unterschriften erreicht. Heute, am Fronleichnamsmorgen, sind es bereits 502.
Das sind vier- bis fünffach so viele Menschen wie bei der Infoveranstaltung der Ravensburger Stadtverwaltung anwesend waren. Und selbst von diesen waren viele kritisch bis oberkritisch oder gar ablehnend.
Dass es diese Petition überhaupt gibt, wissen nur ihre Mitunterzeichner/innen, die Leser und Leserinnen dieses Blogs und einige Facebook-User/innen. Geschätzt rund 90 Prozent der Ravensburger Bevölkerung haben von ihr keine Ahnung und werden immer noch im Glauben gelassen, dass im Großen und Ganzen Konsens zwischen Oberbürgermeister, seiner Verwaltung, dem Gemeinderat und der Stadtgesellschaft herrscht, dieses Kulturgut (seit 1959) zu entweihen, nur weil ein angeschlagener Oberbürgermeister es so will.
Wo sind denn die über 500 Bürger und Bürgerinnen, die fordern, dass die OSH in eine Sporthalle umgewandelt wird? Stadträte und Stadtangestellte (denn die sind be- oder gefangen) nicht mitgezählt. Wo?
Der Gemeinderat Ravensburg, bzw. einer seiner Ausschüsse, wird sich vor einer finalen Entscheidung mit dieser Petition befassen müssen. Es ist wohl im ungeschriebenen Pressekodex der "Schwäbischen Zeitung" (SZ) vorgesehen, die Existenz der Petition weiterhin zu verschweigen. Denn ansonsten könnte sie ja 1.000 oder 2.000 oder mehr Unterschriften erhalten. Und das wäre gewiss nicht im Sinne des Oberbürgermeisters und seiner Schulterklopfer. Nun ja, das ist eben die Berichterstattung à la Silhouette*) der SZ. Sie zeichnet aber nur den Schatten einer unzulänglich und karg ausgeführten "Demokratie" der Ravensburger Stadtspitze nach.
*) Étienne de Silhouette war 1759 Finanzminister von Frankreich unter Ludwig XV. Frankreich befand sich mitten im Siebenjährigen Krieg und die Staatskasse war leer. Silhouette versuchte, durch drastische Sparmaßnahmen Geld aufzutreiben, was ihn beim Adel so unbeliebt machte, dass er nach nur acht Monaten im Amt in Ungnade fiel.
Sein Name wurde daraufhin zum Spottbegriff: Alles, was billig, notdürftig oder unvollständig wirkte, hieß in Frankreich fortan à la Silhouette.
In dieser Zeit kamen Schattenriss-Porträts in Mode: schwarze Profilbilder, die durch Nachzeichnen eines Schattens entstanden. Sie waren die billigste Form des Porträts, verglichen mit Ölgemälden oder Miniaturen. Ein solches Porträt war eben ein Porträt à la Silhouette, ein „nicht richtig ausgeführtes Bildnis“. Der Spottname blieb hängen, und aus dem Nachnamen eines gescheiterten Ministers wurde ein Wort in dutzenden Sprachen.
Die Ironie der Geschichte: Von Étienne de Silhouette selbst existiert kein einziges Porträt. Nicht einmal eine Silhouette.