Der Bärendienst: Wie die "Schwäbische Zeitung" Ravensburg der Kreis-AfD neues Leben einhaucht. -„Wenn’s guat lauft, sollt mer’s net kaputtrecherchiera.“
9. Juni, 2026 um 12:53 Uhr,
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Zwei Jahre lang war die AfD im Kreis Ravensburg ein politisches Phantom. Keine Plakate, keine Auftritte, keine Spuren. Und dann kommt die SZ und baut ihr eine Bühne mit Scheinwerfern, Nebelmaschine und Dramaturgie. Ein Provinzstück über Macht, Eitelkeit und die Kunst, Unsichtbares sichtbar zu schreiben.
Es gibt Tage, an denen man sich fragt, ob Redaktionen eigentlich wissen, was sie tun – oder ob sie einfach nur aus Versehen Politik machen. Heute ist so ein Tag. Die Schwäbische Zeitung, Redaktion Ravensburg, hat es geschafft, in sieben Minuten Lesezeit das zu zerstören, was im Landkreis Ravensburg zwei Jahre lang erstaunlich gut funktioniert hat: die AfD unsichtbar zu halten.
Wie gesagt - bis heute.
Denn nun hat die SZ – vermutlich ohne böse Absicht, aber mit maximaler Wirkung – die AfD im Kreis Ravensburg wieder ins grelle Licht gezerrt. Und zwar nicht mit einem kleinen Hinweis, nicht mit einem nüchternen Bericht, sondern mit einem epischen 20-Absatz-Drama über interne Machtkämpfe, Ausschlussverfahren, Hitler-Briefmarken, WhatsApp-Memes und die Frage, wer eigentlich wen aus welchem Hinterzimmer schubst.
Man/frau liest Sätze wie:
„Eigentlich tritt die AfD im Kreis Ravensburg kaum in Erscheinung.“ „Öffentliche Veranstaltungen sind rar.“
Und denkt: 'Ja! Genauso soll es bleiben. Bitte nicht stören. Tür zu, Licht aus, Ruhe im Karton.'
Doch dann folgt der Rest des Artikels – und plötzlich tritt die AfD im Kreis Ravensburg mächtig in Erscheinung. So mächtig, dass man* sich fragt, ob die Redaktion versehentlich die PR-Abteilung der Partei übernommen hat.
Der Bärendienst in 20 AbsätzenMan* muss es der SZ lassen: Sie hat gründlich recherchiert. So gründlich, dass die AfD im Kreis Ravensburg in diesem einen Artikel mehr Aufmerksamkeit bekommt als gefühlt SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler zusammen im gesamten letzten Quartal.
Die Ironie ist kaum auszuhalten.
Zwei Jahre lang hat die AfD im Kreis alles getan, um möglichst unauffällig zu bleiben. Keine Plakate. Keine Veranstaltungen. Keine Kandidaten, die man irgendwo hätte sehen können. Ein politisches Stealth-Projekt, das selbst die Tarnkappenbomber in Lechfeld neidisch machen würde. Heimlich und unbemerkt.
Und dann kommt die SZ und schreibt ihnen eine ganze Operette.
Mit Ouvertüre („Acht AfD-Mitglieder sind eingezogen…“, SZ), mit Arien („Ich bin ausgetreten, weil ich meinen Ruf nicht weiter beschmutzen lassen wollte“, SZ), mit Duetten („Der Landesverband kocht sein eigenes Süppchen“, SZ) und mit einem Finale, das man* nur als oberschwäbische Tragikomödie bezeichnen kann.
Die eigentliche PointeDer Artikel zeigt vor allem eines: Die AfD im Kreis Ravensburg ist nicht gefährlich, weil sie stark wäre. Sie ist gefährlich, weil sie schwach ist – und weil man/frau ihr trotzdem eine Bühne baut.
Die SZ hat heute eine Bühne gebaut.
Eine große.
Mit Scheinwerfern.
Und Nebelmaschine.
Und das Publikum – also wir – sitzt nun da und schaut zu, wie sich eine Partei, die eigentlich niemand sehen wollte, plötzlich wieder ins Bild schiebt.
Was bleibt?Vielleicht dies:
In einer Zeit, in der demokratische Kultur unter Druck steht, ist es nicht egal, wie man/frau berichtet. Transparenz ist wichtig, ja. Aufklärung auch. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Aufklärung und Ausleuchtung.
Die SZ hat heute ausgeleuchtet.
Und damit – ungewollt – das Gegenteil dessen erreicht, was viele im Landkreis sich wünschen: weniger AfD, weniger Drama, weniger toxische Aufmerksamkeit.
Manchmal wäre Schweigen eben doch Gold gewesen.
Oder, um es oberschwäbisch zu sagen:
„Wenn’s guat lauft, sollt mer’s net kaputtrecherchiera.“