Rauchverbot an Haltestellen: Überfällig statt übergriffig - Warum Rücksichtnahme kein Angriff auf die Freiheit ist ...
Während die hiesige Schwäbische Zeitung ihre Leser und Leserinnen mit einem "Überrascht" (so in der Headline eines Artikels) konfrontiert, als hätte Baden‑Württemberg gerade ein gesellschaftliches Experiment gestartet, geschieht in Wahrheit nur das Offensichtliche: Der öffentliche Raum wird endlich so geschützt, wie es längst selbstverständlich sein sollte. Kein Kulturkampf, kein Freiheitsdrama – nur ein Mindestmaß an Rücksicht, das man eigentlich nicht gesetzlich verordnen müsste.
In Ravensburg hingegen zeigt sich erneut das vertraute Muster: Die einen atmen auf, die anderen fühlen sich „übergriffig“ behandelt, und die Stadtverwaltung versucht, das Ganze möglichst geräuschlos zu verwalten. Dabei geht es nicht um Ideologie, sondern um Gesundheit, Gemeinwohl und ein bisschen Anstand. Dass daraus überhaupt eine Debatte entsteht, sagt mehr über uns aus als über das Gesetz.
Und darum geht es:Rauchverbot an Haltestellen – Überraschung? Nein. Überfällige Selbstverständlichkeit.
Manchmal fragt man/frau sich, ob die Schwäbische Zeitung wirklich überrascht ist – oder ob sie einfach wieder ein Thema sucht, das sich gut klickt, gut empört und gut verkauft. Das neue Nichtraucherschutzgesetz in Baden‑Württemberg ist jedenfalls kein Paukenschlag, sondern eine längst überfällige Anpassung an das, was in vielen Ländern Europas seit Jahren Standard ist: Schutz der Allgemeinheit vor vermeidbaren Gesundheitsrisiken.
Dass die SZ daraus ein „überraschendes Stimmungsbild“ formt, wirkt eher wie ein Versuch, aus einer Selbstverständlichkeit ein gesellschaftliches Drama zu basteln.
Gesetzgebung als Nachhilfe in RücksichtnahmeWas wurde denn eigentlich beschlossen?
Rauchverbot an Bushaltestellen,
Rauchverbot auf Spielplätzen,
Rauchverbot auf Freibad‑Liegewiesen,
Gilt auch für E‑Zigaretten und andere "Rauchergeräte".
Das ist kein Eingriff in die Freiheit, sondern eine längst überfällige Maßnahme für die Freiheit der anderen, nicht eingequalmt zu werden. Genauso, wie es unser Grundgesetz erwartet und vorschreibt (Artikel 2 GG, Die Freiheit des anderen). Es ist ein Schutzraum für Kinder, chronisch Kranke, Asthmatiker, Schwangere – und für alle, die an einer Haltestelle schlicht atmen wollen, ohne die Lunge eines anderen mitzubenutzen.
Dass eine 18‑jährige Raucherin das sofort versteht, während ein 60‑jähriger Nichtraucher das Gesetz „übergriffig“ nennt, zeigt vor allem eines: Rücksicht ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung.
Die Realität an Haltestellen: Kippen, Qualm, GleichgültigkeitWer in Ravensburg oder Weingarten regelmäßig Bus fährt, weiß: Die Haltestellen sind keine Orte der Rücksichtnahme, sondern oft Orte der Kippen‑Teppiche. Die SZ zeigt ein Foto davon – und tut dann überrascht, dass Menschen froh sind, wenn sich das ändert.
Dabei ist das Problem seit Jahren bekannt:
Kinder stehen im Qualm.
Wartende müssen ausweichen.
Kippen landen im Gully, im Bach, im Magen der Tiere.
Reinigungskosten trägt die Allgemeinheit.
Das neue Gesetz ist also kein „Eingriff“, sondern eine Entlastung – für Menschen, Umwelt und Kommunen.
Ravensburg reagiert – aber wieder einmal halbherzigDie Stadt Ravensburg will keine zusätzlichen Schilder anbringen. Man setzt auf „reguläre Streifendienste“.
Weingarten hingegen bringt Aufkleber an – ein kleiner, aber sinnvoller Schritt.
Freibäder zeigen, wie es gehtDie Freibäder in Ravensburg und Weingarten haben längst reagiert: Raucherzonen, klare Regeln, freundliche Hinweise – und siehe da: Die meisten Menschen halten sich daran.
Es geht also. Wenn man will.
Kein Kulturkampf – nur gesunder MenschenverstandNoch einmal zum Mitschreiben: Das neue Nichtraucherschutzgesetz ist kein Angriff auf die Freiheit, sondern ein Schutz der Anderen, wie es das Grundgesetz auch fordert. Siehe dazu oben. Es ist kein moralischer Zeigefinger, sondern eine hygienische Notwendigkeit. Und es ist kein „überraschendes Stimmungsbild“, sondern eine gesellschaftliche Normalität, die endlich auch im Südwesten ankommt.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht:
„Ist das überraschend?“
Sondern:
Warum hat es so lange gedauert?
Und warum versucht die lokale Presse, aus einer Selbstverständlichkeit ein Drama zu stricken, statt die Chance zu nutzen, über Gesundheit, Rücksicht und Gemeinwohl zu sprechen?