Basilika vs. Oberschwabenhalle: Das Schweigen der "Schwäbischen Zeitung" ist lauter als jeder ihrer Artikel. - SCHWAEBISCHES POPBLATT ...
Es gibt Tage – und es sind inzwischen fast so viele, wie das Jahr Werktage hat –, da fragt man/frau sich, ob die "Schwäbische Zeitung" (Redaktion Ravensburg) noch ein journalistisches Organ ist – oder bereits ein Stimmungsinstrument, das nach Lust, Laune und Lokalpolitik klimpert wie eine schlecht gestimmte Drehorgel. Jedenfalls für die, die die "SchwäZ" noch lesen.

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Denn heute Morgen - eingerahmt in den "Rutentrubel" (das Ravensburger Heimatfest) - wieder einmal zeigt sich das alte Muster der redaktionellen Selektion in der Karlstraße: Über die Petition zur Oberschwabenhalle – Funkstille. Über die Neugestaltung des Altars in der Weingartner Basilika – ein Feuilleton-Feuerwerk, großflächig, mit Weihrauch und Pathos.
Beide Themen liegen keine fünf Kilometer auseinander. Beide betreffen die Region. Beide betreffen Bürgerinnen und Bürger. Beide liegen im Zuständigkeitsbereich derselben SZ-Journalistin.
Und doch: Das eine wird zur Schlagzeile, das andere zur Schweigezone.
Man* könnte fast meinen, die SZ habe eine interne „Relevanz-Ampel“:
Kirchliches Dekor aus Weingarten? Grün.
Bürgerpetition gegen kommunale Fehlplanung in Ravensburg? Rot.
Demokratische Teilhabe? Gelb, aber nur dann, wenn’s hübsch in den Ohren der hiesigen Politiker klingt und deren Pläne nicht durchkreuzt.
Kritik an der Ravensburger Stadtverwaltung? Bitte nicht stören, wir sind gerade im „Wir berichten später vielleicht“-Modus oder „Wir dürfen nicht“-Modus".
Es ist diese Form der Wahrnehmung, die nicht mehr wie Zufall aussieht, sondern wie redaktionelle Tendenzpflege. Ein bisschen politisch, ein bisschen gesellschaftlich reißerisch – aber bitte nur dort, wo es nicht weh tut.
Die Oberschwabenhalle? Ein Millionenprojekt, ein Symbol für kommunale Prioritäten, ein Ort, an dem Bürgerbeteiligung eigentlich selbstverständlich sein müsste. Doch die SZ behandelt in diesem speziellen Fall das Thema "Bürger", als wäre es ein verlegter Einkaufszettel. Was das wohl zu bedeuten hat?
Und seien wir ehrlich: Wer jetzt auf Wiedergutmachung in einer der nächsten SZ-Ausgaben hofft, wirft "Perlen vor die Säue". Da kommt nichts. Da kommt gar nichts. Da ist die Tastatur der Journalistin blockiert, da streikt die Maus, da stürzt der Rechner ab.
Die SZ ist längst nicht mehr die Zeitung, die sie einmal war. Und das ist auch schon 25 Jahre her. Sie ist ein POP(ular)blatt geworden – bunt, laut, aber inhaltlich selektiv wie ein Algorithmus, der nur das ausspielt, was Klicks, Kirchennähe oder kommunale Harmonie verspricht. Dabei ist doch auch gerade die Oberschwabenhalle ein Ort von jährlichen "Lobpreisgottesdiensten" mit bis zu 5.000 Betenden. "Ups" - das wurde "vergessen".
Journalismus? Das wäre:
Themen aufgreifen, die Bürger bewegen.
Machtstrukturen vor Ort hinterfragen.
Transparenz schaffen.
Konflikte nicht scheuen.
POPblattismus hingegen ist:
Altar statt Halle.
Weihrauch statt Widerstand.
Symbolpolitik statt Bürgerpolitik.
Und vor allem: Schweigen, wo es unbequem wird.
Vielleicht ist das die eigentliche Schlagzeile: Das Schweigen der Schwäbischen Zeitung ist lauter als jeder Artikel.