Der Ravensburger Landrat Harald Sievers will nicht Regierungspräsident in Tübingen werden ...
"... das ist sehr schade", denke ich und bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige im Landkreis Ravensburg bin, der so denkt. Ich "hörte" auch, dass Harald Sievers sinngemäß mit sich als Oberster der Kreisverwaltungsspitze höchst zufrieden ist und er diese Tätigkeit als großes Präsent in seinem Leben ansieht.
Dazu möchte ich aus meiner persönlichen Sicht Folgendes bemerken:
Wenn ein Landrat erklärt, sein Amt sei für ihn ein Geschenk in seinem Leben, dann ist das ein persönliches Empfinden, das man/frau respektieren kann. Er hatte dies zu Beginn seiner Laufbahn 2015 in Ravensburg geäußert und wiederholt diesen Satz im September 2026 in einem aktuellen Interview mit der hiesigen Zeitung.
Doch während der Landrat dieses Geschenk für sich reklamiert, erleben und erlebten viele Menschen im Landkreis Ravensburg die vergangenen Jahre mit ihm ganz anders. Konträr und signifikant anders. Es sei bemerkt, dass Harald Sievers 2015 und leider auch 2023 vom hiesigen Kreistag als Landrat demokratisch berufen wurde. Das ist kein Präsent (womöglich des Himmels), sondern ein Auftrag des Volkes.
Viele Menschen fühlen sich unter der Ägide Sievers' innerlich verwundet und mit ihren Sorgen und Nöten im Stich gelassen; viele fühlen sich übergangen, nicht ernst genommen und medizinisch im Stich gelassen. Und darüber darf ich schreiben, darüber darf man/frau reden – als Meinung, als Bewertung, als Teil der öffentlichen Debatte.
Auch gerade in einer großen Behörde prägt der Führungsstil des Verwaltungsleiters das Klima. Das ist unstrittig. Ebenso unstrittig ist, dass es in den vergangenen Jahren nach meinen Informationen innerhalb des Landratsamtes Personalbewegungen wegen der Leitungsphilosophie von Harald Sievers gab. Darunter auch vorzeitige Ruhestände, Wechsel in andere Behörden, oft begleitet von subjektiv empfundenen psychischen Belastungen. Das Klima innerhalb der Verwaltungsmauern wird als eisig und belastend beschrieben. Diese Informationen liegen mir vor.
Die Gründe dafür sind individuell und können von mir nicht abschließend beurteilt werden. Niemand darf behaupten, der Landrat sei dafür ursächlich und/oder allein verantwortlich. Auch ich nicht.
Die Entwicklungen rund um die Oberschwabenklinik (OSK) haben die Region stark beschäftigt. Standortentscheidungen, Kommunikationsprozesse, Leitungsentscheidungen, hohe Abfindungen und strukturelle Weichenstellungen wurden und werden immer noch kritisch und breit diskutiert.
Es ist wohl zulässig zu sagen, dass sich der Landrat in der öffentlichen Wahrnehmung in dieser Phase nicht mit Ruhm bekleckert hat.
Die Schließung der Klinik Bad Waldsee war ein Einschnitt, der die Region bis heute erschüttert und bewegt.
Die Schließung ist amtlich dokumentiert.
Die öffentliche Debatte darüber ist nachweisbar.
Die Petition zur Wiedereröffnung hat Tausende Unterstützerinnen und Unterstützer.
Die Kritik an der Entscheidung ist breit und dauerhaft.
Aus meiner Sicht war die Schließung eine schwere Fehlentscheidung – und sie erfolgte gegen den öffentlich geäußerten Willen vieler Menschen im Landkreis. Harald Sievers hat sie meiner Meinung nach ohne "wenn und aber" vor dem damaligen Kreistag befürwortet und dafür geworben. Die Mehrheit des Kreistages trägt daher eine Mitverantwortung. Auch konnte oder wollte er sich nach meinem Dafürhalten nicht gegen den ehemaligen Landessozialminister Manfred Luche (Grüne) positionieren.
Der Teilabriss (Mittelbau) des ehemaligen Telekomgebäudes (Kreishaus II), der mit dem Einsetzen der Hitzewellen 2026 begonnen hat, war eine Entscheidung, die Bürgerinnen und Bürger durchaus kritisch sehen.
Ich persönlich halte diesen Abriss für nicht notwendig. Eine Sanierung des mittleren Gebäudes des "Hufeisens" und ein zusätzlicher Anbau wären besser und kostengünstiger gewesen.
Auf die Frage der hiesigen Zeitung, ob er Regierungspräsident in Tübingen und damit Nachfolger des pensionierten Klaus Tappeser werden wolle, antwortet der Landrat, wie oben erwähnt, und impliziert damit (so lese ich es) auch, dass sämtliche Kritik der zurückliegenden elf (11) Jahre an seinem Stil als Politiker und in seiner Personalführung abgeprallt ist und er damit glücklich ist. Deswegen bleibe er Landrat in Ravensburg. Natürlich frage ich mich, warum die hiesige Presse, die Frage auf den Schirm bringt ... Vielleicht stellt sie ja dem amtierenden OB Daniel Rapp demnächst diese Frage.
Ich persönlich bin mir sicher: Viele Menschen im Landkreis – Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte und ehemalige Beschäftigte – hätten sich den Weggang des hiesigen Landrats gewünscht. Nicht aus persönlicher Abneigung, sondern aus dem Wunsch nach einem neuen Stil und einer neuen Phase der Zusammenarbeit, --- und: damit Wunden heilen können.
Das alles ist eine Beschreibung der Stimmung – kein Angriff auf die Person Sievers.
Harald Sievers hat das Recht, sein Amt in Ravensburg als Geschenk zu empfinden. Menschen im Landkreis haben das Recht, es womöglich als Belastung zu sehen.
Zwischen diesen beiden Perspektiven liegt die politische Realität: Ein Landrat führt eine große Behörde, und sein Stil prägt das Klima. Er fällt politische Entscheidungen, die tausende Bürger/innen betreffen. Wenn dieses Klima und die Politik von vielen als belastend wahrgenommen werden, dann ist es legitim, dies öffentlich zu benennen – respektvoll, klar und ohne persönliche Herabsetzung.
Demokratie lebt nicht von Schweigen, sondern von verantwortungsvoller Kritik.