Veränderung in der schwäbischen Medienlandschaft ...
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
In der offiziellen regionalen Medienlandschaft Oberschwabens, die zugegeben recht monoton ist, hat sich zum Jahreswechsel 2025/26 ein bemerkenswerter Wandel vollzogen: Christoph Reisinger übernahm die Chefredaktion der Schwäbischen Zeitung (SZ) und löste damit Gabriel Kords ab, der das Amt seit Herbst 2024 innehatte. (SZ vom 8.10.2025)
Dieser Wechsel ist nicht nur ein organisatorischer Vorgang innerhalb des Schwäbischen Verlags, sondern berührt zentrale Fragen der journalistischen Verantwortung, der politischen Distanz und der öffentlichen Wahrnehmung eines der wichtigsten Medienhäuser der Region. So jedenfalls meine persönliche Reaktion und vor allem Hoffnung auf diese Veränderung
Laut Wikipedia war Gabriel Kords (*1988) ein schneller Aufsteiger im Medienverbund der SV-Gruppe, zu der auch der Schwäbische Verlag und die Schwäbische Zeitung gehören:
2012 Redakteur beim Nordkurier
2013 Lokalchef
2018 stellv. Chefredakteur
2022 Chefredakteur des Nordkurier
2024 Wechsel zur Schwäbischen Zeitung als Chefredakteur
2026 Rückkehr zum Nordkurier
Besonders brisant wurde im Frühjahr 2026 die öffentliche Debatte um seine Teilnahme an einer AfD-Podiumsdiskussion.
Dass Kords im April 2026 auf einem AfD-Podium saß – diesmal als Gast und nicht als Fragender oder Moderator – wurde in der Region durchaus kritisch gesehen. Zwar betonte Kords stets seine politische Unabhängigkeit, doch die symbolische Wirkung eines Chefredakteurs auf einer Bühne einer rechtsextrem eingestuften Partei ist medienethisch heikel.
Mit dem Führungswechsel in Ravensburg kehrte Kords – laut SWR und kress.de – wieder zurück in die Chefredaktion des Nordkuriers (siehe oben).
Christoph Reisinger (* 1962 in Leutkirch im Allgäu) gilt als konservativ-liberaler Journalist mit regionalen Wurzeln. Seine journalistische Laufbahn führte ihn über:Braunschweiger Zeitung
Flensburger Tageblatt (meine frühere Heimatregion)
Neue Osnabrücker Zeitung
Stuttgarter Nachrichten (Chefredakteur seit 2011)
Reisinger gilt – laut Branchenberichten – als konservativ-liberal, analytisch, strukturiert und publizistisch erfahren. Er ist kein Mann der politischen Extreme, sondern ein Vertreter eines klassischen, handwerklich geprägten Journalismus.
Reisinger übernimmt nicht nur die Chefredaktion der SZ, sondern auch den Vorsitz des Editorial Boards, das die publizistischen Leitlinien für alle Tageszeitungen der SV-Gruppe festlegt. In dieser Funktion - so meine Information) - ist Kords dessen Stellvertreter.
Das bedeutet: Christoph Reisinger, mit dem ich wegen einer seiner Kolumnen schon im Kontakt stand (angenehm), prägt künftig nicht nur die SZ, sondern auch die Nordkurier-Gruppe, die Schweriner Volkszeitung, die Norddeutschen Neuesten Nachrichten und weitere Titel.
Der SWR (Süd-West-Rundfunk) berichtete 2025 über Vorwürfe politischer Rechtslastigkeit gegenüber der "Schwäbischen Zeitung", die zu spürbaren Abo-Kündigungen geführt hätten.
Die Chefredaktion wies diese Vorwürfe zurück. Dennoch zeigt der Vorgang, dass die SZ im Spannungsfeld zwischen regionaler Nähe, politischer Neutralität und öffentlicher Erwartung steht.
Ein Chefredakteur, der auf einer AfD-Bühne sitzt, sendet – unabhängig von seiner persönlichen Haltung – ein öffentliches Signal, das die Grenze zwischen journalistischer Beobachtung und politischer Nähe verwischt.
Mit Reisinger, so hoffe ich es persönlich, setzt der Verlag offenbar mehr auf:
Distanz zu politischen Rändern
Stabilisierung der publizistischen Linie
Stärkung der liberal-konservativen Mitte
Rückgewinnung von Vertrauen
Reisingers Herkunft aus der Region und sein Ruf als seriöser Manteljournalist könnten helfen, die SZ wieder stärker als verlässliche Stimme der demokratischen Öffentlichkeit zu positionieren.
Der Führungswechsel bei der Schwäbischen Zeitung ist meines Erachtens mehr als ein Personaltausch. Er ist ein Signal: Die SZ will sich klarer positionieren, Distanz zu politisch heiklen Situationen schaffen und ihre Rolle als demokratisches Medium stärken.
Für Ravensburg und Oberschwaben bedeutet das:
mehr publizistische Stabilität,
weniger politische Irritationen,
und hoffentlich eine Rückkehr zu einer klaren, liberal-konservativen, demokratischen Grundlinie, die der Region gut tut.
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Quellen:
