Deutsche "Pünktlichkeit" mit der Bundesbahn wäre in Japan ein Schimpfwort ...
Die Deutsche Bahn kommt meistens pünktlich, jedenfalls im Nahverkehr. Wobei pünktlich im Sinne der Bahnstatistik alle Züge einschließlich derer, die sich um weniger als sechs Minuten verspäten, eingeschlossen sind. Anders sieht es im Fernverkehr aus. Dort erreichten 2025 durchschnittlich nur rund 60 Prozent aller Verbindungen rechtzeitig ihre Haltebahnhöfe. In einer ganzen Reihe von Monaten lag die Pünktlichkeitsquote zuletzt sogar unter diesem Wert. Der Tiefststand wurde im Oktober 2025 mit 51,5 Prozent erreicht. Und auch im Januar sieht es kaum besser aus. Der strenge Winter mit Schnee und Eis hat dazu geführt, dass nur 52,1 Prozent der Züge ihr Ziel zur vorgesehenen Zeit erreichen.
Dass das noch vor wenigen Jahren anders war verdeutlicht der Blick auf die Statista-Grafik. So waren im Januar 2022 fast 81 Prozent der Fernzüge pünktlich. Den Tiefpunkt der letzten zwei Jahre bildet der November 2023 mit einer Pünktlichkeitsquote von 52 Prozent, ein Wert, der auch im Juni 2024 fast erreicht wurde. "Die Bahn-Infrastruktur gilt als marode und wurde in den vergangenen Jahren kaum erneuert, gleichzeitig stieg aber der Bedarf an Zugverkehr. Auf dem bestehenden Netz gibt es kaum Kapazitäten für weitere Züge", schrieb tagesschau.de bereits im September 2023. Seitdem scheint sich die Lage eher weiter verschlechtert zu haben.

Quelle: https://mein-mmo.de/japan-verspaetung-zuege-geheimnis/
In Japan hingegen liegt die Verspätung der dortigen Schnellzüge, Shinkansen genannt, bei unter einer Minute. Das Geheimnis hinter der hohen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nennt sich „Poka-Yoke”, in Kombination mit ausgefeilter Technik.
Was steckt hinter dem Begriff? „Poka Yoke“ ist ein japanischer Begriff und bedeutet übersetzt „Fehlervermeidung“ oder „Fehlersicherung“. Das Konzept wurde in den 1960er Jahren von Shigeo Shingo entwickelt und beinhaltet technische oder organisatorische Maßnahmen, die das Auftreten von Fehlern von vornherein verhindern oder im Prozess sofort sichtbar machen. Der Begriff setzt sich zusammen aus „poka“ (versehentlicher Fehler) und „yokeru“ (vermeiden).
Poka Yoke umfasst zum Beispiel Kontrollmechanismen und visuelle Hilfen, wie das „Point-and-Speak-Calling“ im japanischen Bahnbetrieb. Mitarbeiter sprechen, nennen und deuten auf Dinge und Aufgaben, die sie tun. Das Zeigen und Rufen erfordert ein Zusammenspiel zwischen Gehirn, Augen, Händen, Mund und Ohren des Fahrers, was wiederum für eine verbesserte Aufmerksamkeit sorgen und das Fehlerrisiko erheblich senken soll. Ziel ist es, dass Fehler gar nicht erst passieren oder, falls sie doch auftreten, sie sofort bemerkt und beseitigt werden.
Die Japaner haben ihre Eisenbahnsysteme deswegen so aufgebaut und Prozesse implementiert, um zu vermeiden, dass menschliches Versagen zu Verspätungen führt. Davon berichtet unter anderem das Magazin JapanManifest.com. Dazu gehört auch der Einsatz von Technologie zur Korrektur menschlicher Fehler:
- Das Automatic Train Control (ATC) fungiert wie ein superintelligenter Co-Pilot für den Zugführer. Es überwacht ständig die Geschwindigkeit und Position des Zuges und sorgt dafür, dass er immer die richtige Geschwindigkeit hat.
- Das japanische Eisenbahnsystem nutzt außerdem GPS-Ortung, um jeden Zug in Echtzeit zu überwachen. So hat man einen Überblick über das gesamte System und man kann direkt erkennen, wo es zu Staus kommt, und Maßnahmen ergreifen, damit alles reibungslos läuft.
- Darüber hinaus nutzen die Japaner ausgefeilte Datenanalysen und maschinelles Lernen, um die Zugfahrpläne zu optimieren und potenzielle Störungen vorherzusagen.
- Obendrein sind die Schienennetze von Regionalzügen und Schnellzügen in Japan strikt getrennt, sodass sich die Züge nicht einander behindern können.
Die Kombination aus vorausschauender Planung und hochmoderner Technik macht die Eisenbahn in Japan sehr pünktlich.
