Die von mir zitierte Passage aus Matthäus 25 hebt meines Erachtens klar die zentrale Ethik Jesu hervor: die radikale Hinwendung zu den Schwächsten und Ausgeschlossenen der Gesellschaft. Die Betonung liegt dabei auf dem konkretem und pragmatischem Handeln gegenüber Hungernden, Durstigen, Fremden und Gefangenen usw. – allesamt Menschen in großer Not. Es ist ein Aufruf zur Nächstenliebe und Solidarität mit den "Geringsten unserer Gesellschaft".
Wenn wir, liebe Kritiker und Kritikerinnen, diesen ethischen Kern auf die heutige Welt und auch auf unsere Stadt in der wir leben übertragen, kann man/frau/di in der Tat argumentieren, dass Jesus sein Hauptaugenmerk auf die direkte Hilfe und Unterstützung der Ärmsten und Verletzlichsten richten würde. Klimaschutz – so wichtig er ist – ist für diese Menschen ein abstrakter Gedanke, da ihre unmittelbaren Bedürfnisse und Kämpfe existenzieller Natur sind.
Andererseits (dito) könnte wir auch sagen, dass der Kampf für Klimagerechtigkeit zutiefst mit der oben zusammengefassten Ethik der Fürsorge des Zimmermanns aus Nazareth verknüpft ist. Klimawandel und Umweltzerstörung würden ja meist und zuerst gerade jene am härtesten treffen, die sowieso schon am meisten benachteiligt sind – etwa durch Überschwemmungen, Dürren oder Verlust ihrer Lebensgrundlage. In diesem Sinne könnten wir spekulieren, dass Jesus sich auch als Klimaaktivist verstehen ließe, insofern es um den Schutz der Schwächsten und der Schöpfung als Ganzes geht.
Andererseits sind die Beobachtung (für jene, die hinschauen, es nicht verdrängen oder leugnen), dass viele Menschen in existenzieller Not kaum die Ressourcen haben, sich für Klimaschutz einzusetzen, zutreffend. Es muss also unsere Aufgabe sein, wir, die wir das Privileg haben, eine Wohnung zu mieten oder zu besitzen, Markenkleidung zu tragen, gesund und frei und nicht auf der Flucht zu sein ... eine doppelte Verantwortung zu übernehmen: sowohl für soziale Gerechtigkeit als auch für Klimagerechtigkeit.
Insofern verknüpft der "Jesus unserer Zeit" beide Perspektiven miteinander. Für die unmittelbar Hilfsbedürftigen da zu sein, während er gleichzeitig ein Bewusstsein für die langfristigen Herausforderungen wie den Klimawandel schafft? Das aber ist der IMPERATIV 1 (siehe oben) - an dich und an mich gerichtet.