Valentinstag - Vom "Pa(a)rlament der Vögel" bis zur "Triangel der Liebe" ... Gedichte, Grafiken und Geschichtliches zum größten Thema der Menschheit ...
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Das Gedicht „Das Parlament der Vögel“ stammt aus der Feder von Geoffrey Chaucer aus dem Jahr 1382.
Geschrieben wurde es zu Ehren des ersten Jahrestages der Verlobung des fünfzehnjährigen Königs Richard II. von England mit der fünfzehnjährigen Anne von Böhmen: Das "Parlament der Vögel" (1382) ist ein Traumgedicht. Die 100 im „rhyme royal“ gehaltenen Strophen stellen einen der ersten Belege für den Valentinstag als Fest der Liebe dar. Wie auch in The House of Fame ist der Erzähler ein Dichter, der vergeblich versucht, in alten Büchern etwas über die Liebe zu lernen. Über Somnium Scipionis gebeugt, den im letzten Teil von Ciceros De re publica beschriebenen Traum Scipios, schläft der Dichter ein und wird im Traum von Scipio höchstselbst zum Garten der Liebe geführt. Dort haben sich die Vögel unter dem Vorsitz der Göttin Natura zur Balz eingefunden, um einen Partner oder Partnerin zu wählen.
Zu Chaucers Lebzeiten fiel der heutige 14. Februar auf den 23. Februar im julianischen Kalender. In England sollten ab dann die Vögel damit begonnen haben, sich zu paaren und zu nisten.
Das Leben kurz, die Kunst so lang zu lernen,
Die harte Prob‘, der Sieg schwer zu gewinnen,
Die Freude, schnell bereit sich zu entfernen:
Dies ist die Liebe, die mein ganzes Sinnen
Verwirrt so durch ihr Wirken und Beginnen,
Dass ich nicht weiss, wenn ich sie recht betrachte,
Ob wach ich bin, ob mich ein Traum umnachte.
Zwar kenn‘ ich Amor nicht in Tun und Wesen
Noch weiss ich, wie er treuen Dienst vergütet,
Doch hab in Büchern ich gar oft gelesen,
Welch Wunder er vollbringt, und wie er wütet,
Und lese, dass als König er gebietet.
Nicht wag‘ ich seine Schläge zu beklagen,
Ich kann nur „Gott erhalt‘ solch Herren“ sagen.
Von alters her zur Lust bald, bald zur Lehre
Les‘ ich in Büchern oft, wie ihr schon wisst.
Warum zurück dazu ich nochmal kehre?
Nun wohl: Ich fand ein Buch vor kurzer Frist,
Das mit gar alter Schrift geschrieben ist,
Ich las darin um etwas zu studieren,
Den Tag lang eifrig, ohne mich zu rühren.
Denn dies war just Sanct Valentinus Tag,
Wo jeder Vogel dorthin kommt als Freier
Von jeder Art, die man sich denken mag.
Sie machten einen Lärm so ungeheuer
Das Erd‘ und Luft, und Baum und jeder Weiher
So voll war, dass für mich ein Platz war kaum
Zu stehen: so voll war der ganze Raum.
Geoffrey Chaucer (Vier von insgesamt einhundert !! Strophen) Ravensburger Spectrum Süd-West-Journal für Deutschland Europa und die Welt ; News aktuell_files/Dreieckstheorie-der-Liebe-Sternberg.jpg)
Du willst es nicht in Worten sagen
Du willst es nicht in Worten sagen,
Doch legst du’s brennend Mund auf Mund,
Und deiner Pulse tiefes Schlagen
Tut liebliches Geheimnis kund.
Du fliehst vor mir, du scheue Taube,
Und drückst dich fest an meine Brust;
Du bist der Liebe schon zum Raube
Und bist dir kaum des Worts bewusst.
Du biegst den schlanken Leib mir ferne,
Indes dein roter Mund mich küsst;
Behalten möchtest du dich gerne,
Da du doch ganz verloren bist.
Du fühlst, wir können nicht verzichten;
Warum zu geben scheust du noch?
Du musst die ganze Schuld entrichten,
Du musst, gewiss, du musst es doch.
In Sehnen halb und halb in Bangen,
Am Ende rinnt die Schale voll;
Die holde Scham ist nur empfangen,
Dass sie in Liebe sterben soll.
Theodor Storm (1817 – 1888)