Treibstoffpreise: Statt des "befreienden Passes in die Tiefe" immer nur "klein-klein" - Deutschlands geopolitische Blindheit ...
Es gibt Momente, in denen ein Land sich selbst beim Klein-Klein zuschauen kann. Deutschland erlebt gerade wieder einen solchen Moment. Während die Preise an den Tankstellen „explodieren“ und während Pendler, Pflegekräfte, Handwerker und Familien jeden Tag reale Verluste erleiden, hantiert die Bundesregierung mit Werkzeugen, die aussehen wie politische Maßnahmen, aber wirken wie Placebos und sind nicht weiter als kosmetische Korrekturen. Ein Tankrabatt von knapp 17 Cent. Eine steuerfreie Arbeitgeberpauschale von 1.000 Euro, die bereits vor dem Start implodiert.
Und wenn das alles nicht reicht, wird irgendwo in Stockholm ein „Innovationspapier“ versprochen oder in Berlin Appelle verlesen, deren Inhalt und Tonart uns irgendwie bekannt vorkommen. Das Muster ist alt: Symptombekämpfung statt Ursachenbekämpfung. Und genau wie in der Migrationspolitik gilt: Wer die Ursachen nicht angeht, wird die Folgen niemals in den Griff bekommen.
Doch der wahre Preis des Benzins entsteht nicht an der Zapfsäule – sondern am Persischen Golf. Und genau dort muss er auch korrigiert werden und nicht auf irgendwelchen Nebenschauplätzen.Deutschland tut so, als sei der Benzinpreis ein Naturereignis. Mal steigt er, mal fällt er, und man/frau kann höchstens mit einem Regenschirm (Tankrabatt) oder einem Handtuch (Pauschale) reagieren. Doch der Preis entsteht nicht in Deutschland. Er entsteht an einem geopolitischen Nadelöhr: der Straße von Hormus.
Ein Drittel des weltweiten Ölhandels passiert dort. Jede Drohung, jeder Zwischenfall, jede militärische Bewegung lassen die Preise sofort springen. Ein Börsenthermometer der besonderen Art.
Und Europa? Europa steht daneben wie ein Zaungast, der hofft, dass die Großen – USA, Iran, Saudi-Arabien – sich schon irgendwie zusammenraufen werden. Die EU ist wirtschaftlich ein Riese, aber sicherheitspolitisch ein Zwerg. Und Deutschland ist innerhalb dieses Zwergs noch einmal ein besonders vorsichtiger Zwerg, der sich lieber hinter „internationalen Partnern“ versteckt, statt selbst Verantwortung zu übernehmen.
Die politische Ausrede: „Wir können nichts tun“Diese Haltung ist bequem, aber falsch. Sie ist das geopolitische Äquivalent zu: „Wir können die Wohnung nicht lüften, weil der Nachbar vielleicht auch lüften will.“
Deutschland und die EU könnten sehr wohl etwas tun:
Eine europäische Sicherheitsmission, die die Seewege schützt – nicht als Vasall der USA, sondern als souveräner Akteur.
Diplomatische Initiativen, die nicht nur auf Washington warten, sondern selbst gestalten.
Energiepartnerschaften, die Abhängigkeiten reduzieren, statt sie zu verschieben.
Ein europäischer Preisanker, der Preisspitzen abfedert, bevor sie die Bürger treffen.
Eine strategische Rohstoffreserve, die nicht nur Öl hortet, sondern Preisschocks glättet.
Doch statt Ursachenbekämpfung gibt es politische Beruhigungstabletten. Statt Strategie gibt es Symbolpolitik. Statt Mut gibt es Mikro‑Entlastungen, die verpuffen, bevor sie überhaupt ankommen.
Der Fisch stinkt vom Kopf – und die Politik weigert sich, ihn anzufassenEs ist bemerkenswert: Wenn es um moralische Appelle geht, ist Berlin schnell. Wenn es um strukturelle Lösungen geht, wird Berlin vorsichtig wie ein Porzellanladen im Erdbebengebiet. Man* redet über „Resilienz“, „Transformation“, „Zeitenwende“ – aber wenn es konkret wird, kneift man*.
Die Wahrheit ist unbequem: Deutschland hat sich in eine geopolitische Abhängigkeit manövriert, die es nicht mehr kontrolliert. Und solange das so bleibt, wird jeder Tankrabatt nur ein politisches Schmerzmittel sein – und zwar eines, das nicht einmal richtig wirkt.
Warum die Straße von Hormus der Schlüssel istWer Frieden an der Straße von Hormus will, muss drei Dinge tun:
Europa sicherheitspolitisch erwachsen machen. Nicht als Kopie der USA, sondern als eigenständiger Akteur, der seine Handelswege schützt.
Energiepolitik als Außenpolitik begreifen. Nicht nur Windräder aufstellen, sondern globale Lieferketten gestalten.
Politik wieder an der Ursache ausrichten – nicht an der Schlagzeile. Ein Preisanker, der Preisspitzen glättet, wäre ein Anfang. Eine europäische Rohstoffreserve wäre der nächste Schritt. Eine diplomatische Initiative für die Straße von Hormus wäre der entscheidende.
Will die BRD weiter ein Land sein, das auf Krisen reagiert wie ein Feuerwehrmann ohne Wasser – mit guten Absichten, aber ohne Mittel? Oder will es ein Land sein, das die Ursachen angeht, bevor die Folgen unbeherrschbar werden?
Die Bürger haben längst entschieden: Sie wollen Lösungen, keine Placebos. Die Politik dagegen wirkt, als hätte sie Angst vor der eigenen Verantwortung.
Doch eines ist klar: Wer den Benzinpreis wirklich senken will, muss nicht an der Zapfsäule anfangen – sondern am Persischen Golf. Alles andere ist Flickwerk.