Ravensburg hat sich angewöhnt, Konflikte nicht zu lösen, sondern zu verwalten — und das mit einer bemerkenswerten Höflichkeit, die einlullt und manchmal wie ein Deckmantel wirkt.
Es reicht nicht, allgemein "Gegen Rechts" auf die Straße zu gehen und gegen Linksextremisten zu klagen, sondern es muss auch einen - wenn auch friedlichen - Aufstand gegen die desolate Politik der Kommunen (hier konkret Ravensburg), der Landkreise (dito), der Landesregierungen und des Bundes geben. Denn diese ist/sind entscheidend mitverantwortlich dafür, dass AfD und andere Rechtspopulisten und solche von links immer mehr Zulauf erhalten.
Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Es gibt Augenblicke und Situationen in der Ravensburger Kommunalpolitik, in denen man/frau das Gefühl hat, Entscheidungen würden nicht aus Überzeugung getroffen, sondern aus einer Art politischem Vermeidungsreflex. Nicht aus Stärke, sondern aus Angst. Angst vor Konflikten, Angst vor Kritik, Angst davor, allein dazustehen, Angst, Erwartungen anderer nicht erfüllen zu können.
Angst - vielleicht auch vor einer eventuell (?) vorhandenen Grauen Eminenz? Angst, die sich auch in Worte fassen lässt - so mir ein Stadtrat von Angesicht zu Angesicht gegenüber: "Eine Hand wäscht die Andere." Allgemeine Angst, der man/frau einen Namen geben könnte, der sich zwar karnevalistisch anhört und verwendet wird, aber bittere Konsequenzen für den Steuerzahler, Bürger und Menschen in Ravensburg hat: BLUTWURSCHT!
Und diese Angst hat sich in den letzten Jahren so tief in die politische Kultur der Stadt eingegraben, dass man/frau sie inzwischen fast für Normalität halten könnte. Es gibt nur sehr wenige (nicht einmal eine Handvoll) Männer mit Eiern, die sich hin und wieder dieser "Angst" entgegenstellen.
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6. Feb. 2026 ... und was dies für Ravensburg bedeutet ...
Man/frau sieht diese von mir so erwähnte "Angst", die auch in bestimmten Fällen zur konkreten "Furcht" werden könnte, an den vielen kleinen Verschiebungen, die sich summieren: wenn Beschlüsse im Gemeinderat vertagt werden, weil man/frau „noch einmal miteinander reden“ müsse; wenn Verwaltungsvorlagen so lange weichgeklopft werden, bis sie niemandem mehr wehtun; wenn Projekte wie die Innenstadtmobilität, die eigentlich eine klare Richtung bräuchten, in endlosen Runden zwischen Bürgerdialog, Arbeitskreis und „wir müssen das nochmal prüfen“ hängen bleiben.
Ravensburg hat sich angewöhnt, Konflikte nicht zu lösen, sondern zu verwalten — und das mit einer bemerkenswerten Höflichkeit, die einlullt und manchmal wie ein Deckmantel wirkt.
Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit dem Thema Verkehr. Seit Jahren weiß jeder, dass die Stadt an einem Wendepunkt steht: zu viel Durchgangsverkehr und vor allem zu viel (und überhaupt) Verkehr direkt in der City*); zu wenig Mut zu klaren Entscheidungen. Stattdessen erleben wir eine Politik, die sich zwischen Parkdruck, Einzelhandelsangst und Bürgerprotesten hindurchschlängelt.
*) Erst heute in der City vor mir (ich zu Fuß) ein Poser in der Marktstraße. Schneeweißer Hochkaräter auf vier Rädern. Auffällig langsam. Lässt alle fünf Meter den Motor (kein E) aufheulen, während auf der Rückseite des Rathauses eine 50 Meter lange Schlange vor dem Bürgerbüro auf ihre Eintrittskarten für das "Lichterfest" (in der Nacht vor der OB-Wahl) wartet/warten.
Mal wird ein Verkehrsversuch angekündigt, dann wieder relativiert, dann wieder in eine „Pilotphase“ verschoben, die so unverbindlich klingt, dass man/frau sich fragt, ob sie überhaupt stattfinden soll. Entscheidungen, die eigentlich Richtung geben müssten, werden so lange zerredet, bis sie nur noch Kompromissreste sind. Ein Gespenst, das aus dem Rathaus in den Phantasien der Bürger immer wieder wachgehalten wird: Der "Molldietetunnel".
Und währenddessen wächst der Frust in der Bürgerschaft, weil man/frau spürt, dass hier nicht geführt wird, sondern moderiert, nicht realisiert, sondern geträumt wird — und zwar so lange, bis die Zeit das Problem löst oder die Aufmerksamkeit nachlässt.
Noch deutlicher wird dieses Muster bei den großen Bau‑ und Sanierungsprojekten der Stadt. Kaum ein Projekt, das nicht plötzlich teurer wird, länger dauert oder in einer Form endet, die mit der ursprünglichen Planung nur noch entfernt verwandt ist. Die Kostenexplosionen wirken wie ein eigenes politisches Naturgesetz: erst wird beschwichtigt, dann relativiert, dann erklärt, warum alles „leider unvermeidlich“ gewesen sei.
Doch selten wird offen darüber gesprochen, wie es dazu kommen konnte und vielleicht (?) musste. Zu oft fehlt die klare Führung, die frühzeitig Grenzen setzt, Risiken benennt und Verantwortung übernimmt. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass man/frau lieber abwartet, bis die endgültigen, finalen Zahlen unausweichlich auf dem Tisch liegen — und dann überrascht tut. Auch das ist eine Form der Angst: die Angst, unangenehme Wahrheiten oder Absichten rechtzeitig auszusprechen.
Und dann ist da noch die Klimapolitik — ein Feld, auf dem Ravensburg seit Jahren - vor allem seit 2020 - so tut, als sei es auf dem richtigen Weg, während es in Wahrheit auf der Stelle tritt. Man/frau verabschiedet Klimaziele, die ambitioniert klingen, aber keinerlei Konsequenzen haben, wenn sie verfehlt werden. Man/frau präsentiert Maßnahmenkataloge, die mehr an Imagepflege erinnern als an echte Transformation. Und sobald es konkret wird — etwa bei der Frage, wie viel Autoverkehr die Innenstadt noch verträgt, wie konsequent man/frau Flächen entsiegelt, wie viel CO2 jährlich abgebaut wurde —, kippt die Entschlossenheit in eine Mischung aus Ausreden, Verzögerungen und politischem Schongang.
Klimaschutz wird zur rhetorischen Kulisse, nicht zur praktischen Aufgabe. Man/frau redet erst von „Machbarkeit“, meint aber: „Bitte nicht jetzt" und letztlich davon, es wäre von vornherein klar gewesen, dass diese Ziele nicht erreicht werden können.
Man/frau redet von „Bürgernähe“, meint aber: „Wir wollen keinen Ärger." Und so entsteht eine Politik, die den Klimawandel zwar beklagt, aber nicht bekämpft. Eine Politik, die lieber Workshops veranstaltet als Entscheidungen zu treffen. Eine Politik, die ein Mega-Lichterfest zur Belustigung und Ablenkung der Bevölkerung (Brot und Spiele) zelebriert, statt selbst "Licht im Dunkel der Klimaverschmutzung" zu sein.
Eine Politik, die sich selbst dafür feiert, dass sie ein Konzeptpapier verabschiedet hat, während die Realität längst zeigt, dass die Zeit der Papiere vorbei ist. Wer Klimaschutz so betreibt, betreibt in Wahrheit Klimavermeidung — und das ist die vielleicht gefährlichste Form politischer Angst und Furcht.
Ähnlich verhält es sich bei der Stadtentwicklung. Die Diskussionen um neue Wohngebiete, Nachverdichtung, Flächenverbrauch — alles Themen, die dringend klare Linien bräuchten. Doch stattdessen erleben wir ein politisches Schachspiel, bei dem Fraktionen sich gegenseitig beobachten, um ja nicht als Erste eine Position zu beziehen, die jemandem missfallen könnte.
Manchmal wirkt es, als sei die größte Sorge nicht, eine falsche Entscheidung zu treffen, sondern überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Und so entstehen Bündnisse, die weniger aus inhaltlicher Nähe bestehen als aus taktischer Vorsicht. Zweckgemeinschaften, die halten sollen, aber nicht tragen. Bündnisse, die aussehen wie Stabilität, aber sich anfühlen wie gegenseitige Rückversicherung.
Besonders sichtbar wurde dieses Muster in den letzten Jahren immer dann, wenn es um Transparenz ging. Ob bei der Kommunikation großer Projekte, bei der Frage, wie offen man/frau mit Fehlern umgeht, oder bei der Bereitschaft, Kritik nicht als Angriff und Politiker-Bashing, sondern als Chance zu verstehen — zu oft dominierte die Angst, die Kontrolle über die Erzählung zu verlieren.
Und so wurde und wird lieber moderiert als geführt, lieber beruhigt als erklärt, lieber beschwichtigt als entschieden. Eine politische Kultur, die sich auch selbst eine Narkose verbreicht, statt sich zu erneuern.
Doch eine Stadt wie Ravensburg braucht keine Politik, die sich in Wirklichkeit klein macht (sich aber "groß" gibt), um niemandem im Weg zu stehen. Sie braucht eine Politik, die Haltung zeigt. Eine Politik, die Konflikte nicht scheut, sondern gestaltet. Eine Politik, die nicht fragt: „Mit wem können wir uns zusammentun?“, sondern: „Wofür stehen wir eigentlich?“
Und genau hier bekommt die bevorstehende OB‑Wahl am 8. März 2026 ihr Gewicht. Sie ist nicht nur eine Personalentscheidung, sondern ein Spiegel der politischen Kultur. Viele Menschen spüren, dass sich etwas festgefahren hat: zu viel Verwaltung, zu wenig Führung; zu viel Moderation, zu wenig Richtung; zu viel Harmonie, zu wenig Mut. Die Frage, die im Raum steht, lautet: Soll Ravensburg so weitermachen wie bisher — oder braucht es jemanden an der Spitze, der die politische Statik dieser Stadt neu ausrichtet?
Es geht in erster Linie darum, ehrlich zu benennen, was fehlt: eine Führung, die Konflikte nicht scheut, sondern gestaltet. Es geht nicht darum, jemanden zu "bashen". Wir brauchen eine Führung, die nicht nur verwaltet, sondern auch inspiriert. Eine Führung, die nicht aus Angst oder gar Furcht Bündnisse schmiedet, sondern aus Überzeugung. Eine Führung, die bereit ist, im Zweifel auch einmal allein zu stehen, statt sich mit falschen Partnern zu umgeben. Denn lieber keine Bündnispartner als falsche (was für die Bundespolitik gilt, sollte auch hier gelten) — das sollte der Maßstab nicht nur für Fraktionen, sondern auch für das Verhältnis zwischen Stadtspitze und politischer Realität sein.
Ravensburg braucht jemanden, der Entscheidungen nicht aus Vorsicht oder Opportunismus oder Partikularinteressen trifft, sondern aus Haltung. Jemanden, der nicht versucht, es allen recht zu machen, sondern der der Stadt eine Richtung gibt. Jemanden, der die politische Kultur nicht weiter verwaltet, sondern erneuert.
Die OB‑Wahl wird zeigen, ob Ravensburg bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Auch ohne einen oder eine eventuelle Gegenkandidat/in. Ob die Stadt (die eigene Verwaltung mit ihren über 1.000 Mitarbeiter/innen und der Gemeinderat) den Mut hat/haben, sich von der Angst zu lösen, die ihre Politik so lange geprägt hat. Und ob sie bereit ist, eine Führung zu wählen oder durch klare Kante so zu kontrollieren (das ist explizite Aufgabe eines Gemeinderates) und "umzuformen", die nicht nur moderiert, sondern führt. Denn am Ende ist es ganz einfach: Eine Stadt, die aus Angst und Furcht entscheidet, bleibt stehen. Eine Stadt, die aus Stärke entscheidet, kommt voran.
Es reicht nicht, allgemein "Gegen Rechts" auf die Straße zu gehen und gegen Linksextremisten zu klagen, sondern es muss auch einen - wenn auch friedlichen - Aufstand gegen die desolate Politik der Kommunen (hier konkret Ravensburg), der Landkreise (dito), der Landesregierungen und des Bundes geben. Denn diese ist/sind entscheidend mitverantwortlich dafür, dass AfD und andere Rechtspopulisten und solche von links immer mehr Zulauf erhalten.