Eiskalt erwischt – Wie Ravensburg beim Winterdienst auf dünnem Eis tanzt

Ravensburger Jahreszeit - weder Fisch noch Fleisch; "wenn doch immer nur Mai wäre"!
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Morgen - also in wenigen Stunden - ist der 1. Mai. In Deutschland ein Feiertag. In Ravensburg ein Offenbarungseid.
Während anderswo Maibäume aufgestellt werden, stolpern die Bürgerinnen und Bürger der Unteren Burachstraße – zwischen Sonnenbüchel und Gewerblicher Schule – noch immer über den Winterstreu des vergangenen Winters. Fahrbahn und Gehweg sind wie ein ungenießbarer Streußelkuchen. Unter den Sommerschuhen knirscht es wie in einer schlecht geführten Skihütte. Nur dass dort wenigstens jemand sauber macht.
Doch in Ravensburg? Da wird diskutiert. Paragrafen werden zitiert. Zuständigkeiten verschoben. Und am Ende bleibt auch der Dreck liegen – buchstäblich.
Wenn der Winterdienst zur Frostbeule wirdEin Artikel der "Schwäbischen Zeitung" von heute beschreibt es nüchtern: Die Stadt hat den "Winterdienst" ausgeschrieben – und niemand will’s machen. Zu wenige Anbieter, zu wenig Interesse, zu wenig… ja, was eigentlich? Vielleicht ist es ja auch das für den Kältedienst angebotene Geld? Oder es fehlt an Wertschätzung?
Baubürgermeister Bastin erklärt sinngemäß, dass alle in frage kommenden Räumungsdienste kontaktiert wurden. OB Dr. Rapp verweist auf schnee- und eisfreie Winter und rechtliche Mindestpflichten der Stadtverwaltung. Einige Gemeinderäte vermitteln den Eindruck, dass die Klimaverschiebung - gegen die aber in Ravensburg niemand wirklich was tut - mache "Winterdienste" obsolet.
Das klingt ungefähr so logisch wie: „Weil es im Sommer nur manchmal regnet, können wir bei Neubauten auf die Dächer verzichten."
Priorität 3: Bürger zweiter KlasseDie Stadtverwaltung will künftig nur noch gesetzlich vorgeschriebenen Prioritäten räumen. Wohngebiete aber – also dort, wo Menschen leben, laufen und stürzen können – werden weitgehend ignoriert. So steht es im SZ-Artikel. So wurde es beschlossen - mit rund 90 Prozent aus dem Gemeinderat.
Die Untere Burachstraße gehört genau zu diesen Straßen, die man* offenbar als „verzichtbar“ einstuft. Dass dort täglich hunderte von Jugendlich zur Schule laufen und fahren, ältere Menschen einkaufen gehen, Menschen mit Behinderung unterwegs sind – geschenkt.
Die Stadt beruft sich auf Paragraf 41 des Straßengesetzes. Juristisch korrekt. Politisch fatal.
Denn gewählt wurde die Stadtspitze nicht, um Paragrafen zu rezitieren, sondern um Schaden vom Volk abzuwenden. Das steht nicht nur im Gesetz, sondern sogar unter Eid.
Geld ist da – aber nicht für SchneeflockenUnd jetzt wird’s richtig dünn unter den Schlittschuhen der Verwaltung:
20 Millionen Euro fürs Kornhaus
40 Millionen für die Kuppelnauschule
Sanierung des Rathauses
Sanierung der Musikschule (ehemals Bauhütte)
Umbauarbeiten für die Oberschwaben-Turn-Halle
Millionenschwere Investitionen in Gymnasien
Alles wichtig, alles teuer, alles machbar.
Aber für sichere Straßen im Winter? Da fehlen plötzlich die Ideen. Und die Cents.
Man* könnte fast meinen: Prestige hat Priorität 1 – Bürgerleben Priorität 3.
Keiner will den Winterjob – oder will ihn niemand für diesen Preis?Der SZ‑Artikel sagt es deutlich: Die Ausschreibung brachte kaum Rückmeldungen.
Aber wurde auch tiefer nachgefragt, warum?
Sind die Vergütungssätze realistisch?
Sind die Anforderungen fair?
Ist der Aufwand kalkulierbar?
Oder ist der Winterdienst in Ravensburg schlicht unterfinanziert?
Diese Fragen stellt niemand laut. Vielleicht, weil die Antworten unangenehm wären.
Und wenn es wirklich keine Firmen gibt?Dann gäbe es immer noch:
Menschen und Kunden vom Jobcenter, die arbeiten wollen und einen Führerschein besitzen
Geflüchtete, die nur auf ein Arbeitsangebot warten
Bürgerinnen und Bürger, die für einen ordentlichen Lohn bereit wären, Verantwortung zu übernehmen
Andere Städte machen es längst: Kommunale Winterdienst-Teams, fair bezahlt, gut organisiert, zuverlässig.
Aber Ravensburg? Ravensburg erklärt lieber, warum etwas nicht geht.
Die bittere PointeWährend die Stadtverwaltung über „milde Winter“ philosophiert, liegt in der Unteren Burachstraße der Winterstreu wie ein Mahnmal der kommunalen Selbstzufriedenheit.
Während Millionen in Gebäude fließen, fehlt das Geld für Salz, Schaufeln und Menschen, die sie bedienen.
Während Paragrafen zitiert werden, rutschen Bürger auf ungeräumten Wegen aus.
Und während die Stadtspitze betont, man* habe nichts unversucht gelassen, fragen sich die Bürger: Hat man wirklich alles versucht – oder nur alles erklärt?
Fazit: Ravensburg steht nicht nur auf dünnem Eis. Es tanzt sogar darauf.Und wer auf dünnem Eis tanzt, sollte sich nicht wundern, wenn es irgendwann kracht.
