Viele Wege führen zur Oberschwabenhalle - - - nur leider sind sie schlechter als die des alten Roms
KOLUMNE — Viele Wege führen zur Oberschwabenhalle – nur leider sind sie schlechter als die des alten Roms
Es gibt Sprichwörter, die altern gut. „Viele Wege führen nach Rom“ gehört dazu. Ein Satz, der Gelassenheit ausstrahlt, Orientierung verspricht, ja, fast schon philosophisch wirkt. Doch wer in Ravensburg unterwegs ist, muss diese Weisheit umformulieren: 'Viele Wege führen zur Oberschwabenhalle – aber sie sind in einem Zustand, der selbst römische Legionäre zur Meuterei gebracht hätte.' Womit aus einer Gelassenheit Ärger wird.
Via Ravex im Jahre 2026 Anno Domini
Via Roma um 23 vor unserer Zeitrechnung - https://kolosseum-rom.de/wp-content/uploads/2024/01/Via-Appia-Antica-Roemisches-Reich.png
Wer sich der Oberschwabenhalle nähert - ob von Wilhelmsdorf, Günkraut, Bad Waldsee oder Tettnang - bekommt zuerst eine Lektion in kommunaler Realität: Risse, Löcher, geflickte Flicken, notdürftig überpinselte Asphaltwunden. Ein Straßenzustand, der nicht nur peinlich ist, sondern gefährlich. Besonders für Radfahrer, die hier Slalom fahren müssen wie zwischen den Stolpersteinen einer schlecht geplanten Rallye.
Und dann kommt der sinngemäße Standardsatz aus dem Rathaus: 'Es ist halt für vernünftige Straßenausbesserungen kein Geld da.' Ein Satz, der in Ravensburg inzwischen so oft fällt, dass man ihn fast für ein Naturgesetz halten könnte.
Es gibt Städte, die Probleme haben. Und es gibt Ravensburg – eine Stadt, die ihre Probleme nicht nur hat, sondern sie asphaltiert, überteert, wieder aufreißt, notdürftig zukittet, um dann den Eindruck zu hinterlassen, man* habe keine wirklichen Straßenprobleme, sondern eher nur meckernde Bürger.
Wer dieser Tage versucht, zur Oberschwabenhalle zu gelangen, erlebt eine Art kommunales Escape‑Room‑Spiel: Schlaglöcher als Level‑Design, Risse als Storytelling, und die Stadtverwaltung als Endgegner, der mit stoischer Ruhe erklärt, warum alles so bleiben muss, wie es ist.
Die Realität auf der Straße: Ein Flickenteppich, der sich selbst schämtDer große Straßenreport der "Schwäbischen Zeitung" in diesem Tagen beschreibt es nüchtern: Ravensburgs Verkehrsnetz gleicht vielerorts einer Rumpelpiste, die seit Jahren nur notdürftig geflickt wird. Asphalt wird „hineingeträufelt“, wie der Artikel schreibt – ein Wort, das eher nach homöopathischer Straßenmedizin klingt als nach Infrastrukturpolitik .
Die Karlstraße? Die Olgastraße? Die Tettnanger Straße? Die Hindenburgstraße? Die Seestraße?
Allesamt Beispiele dafür, wie man* eine Stadt nicht in Schuss hält.
Und während die PKW, Motorbikes und Fahrräder über die Straßen holpern, erklärt der Pressesprecher der Stadt, man* müsse eben priorisieren. Priorisieren heißt in Ravensburg: erst Brücken, dann Prestigeprojekte, dann irgendwann vielleicht die Straßen – aber nur, wenn der Winter ausfällt.
Die "Wangener Straße": Millionen für eine Brücke – daneben eine Straße wie nach einem Erdbeben.Es ist fast schon Kunst: Man* baut eine teure Brücke, die viele Bürger bis heute nicht verstehen – und direkt daneben lässt man die Bundesstraße 32 in einem Zustand, der an eine vergessene Provinzstraße erinnert.
Die "Schwäbische" zeigt Fotos, die für sich sprechen: Risse, Löcher, aufgerissene Kanten, notdürftig geflickt, wieder aufgerissen, wieder geflickt. Ein Teufelskreis, der sich jedes Jahr wiederholt wie ein schlecht geplanter Adventskalender .
Und dann ist da noch der tödliche Unfall an fast derselben Stelle vor wenigen Jahren – ein Ereignis, das eigentlich ein Weckruf für einen besseren Straßenverlauf hätte sein müssen. War es aber nicht. Stattdessen die "Hermann-Vogler-Brücke" als Prestigeobjekt des Dr. Daniel Rapp.
Der Schussenpark: Millionen investiert – und jetzt ein BrennpunktWährend die Straßen zerfallen, hat Ravensburg einen neuen „Ort der Begegnung“ geschaffen: den Schussenpark.
Die Realität? Ein Elfjähriger - so berichtet es die hieisige Zeitung - wird von mehreren Kindern und Jugendlichen zusammengeschlagen, gegen den Kopf getreten und muss ins Krankenhaus. Die Polizei spricht von „Nichtigkeiten“, die zu Gewalt führen. Und es ist nicht der erste Fall dieser Art .
Ein Park, der als Zukunftsprojekt gefeiert wurde, entwickelt sich zum pädagogischen Pulverfass. Ein sozialer Brennpunkt – für zig Millionen Euro.
Facebook spiegelt die Stimmung: Die Bürger haben genugEin Blick in den Facebook‑Feed der "Schwäbischen" zeigt, wie die Menschen reagieren: mit Kopfschütteln, Sarkasmus, Wut – und bitterer Ironie.
Der Blogger selbst kommentiert dort, dass der Weg zur Oberschwabenhalle über Straßen führt, „für deren ordentliche Sanierung kein Cent vorhanden ist“ – und dass das Ganze „bitterste Realsatire“ sei .
Und genau das ist es: Realsatire. Eine Stadt, die sich modern geben will, aber an den Basics scheitert.
Und über all dem thront die Oberschwabenhalle – das nächste MillionenprojektWährend Straßen zerfallen, während Parks zu Konfliktzonen werden, während Bürger über Schlaglöcher diskutieren, plant die Stadt eine teure, fragwürdige Umgestaltung der Oberschwabenhalle.
Ein Projekt, das viele nicht verstehen. Ein Projekt, das viele nicht wollen. Ein Projekt, das vor allem eins zeigt: In Ravensburg wird nicht nach Notwendigkeit gebaut, sondern nach Narrativ.
Fazit: Rom baute Straßen für die Ewigkeit – Ravensburg lässt seine Wege verkommen.Rom war berühmt für seine Wege. Ravensburg ist berüchtigt für seine Flickwerke.
Rom baute Infrastruktur, die Jahrtausende überdauerte. Ravensburg baut Projekte, die schon nach wenigen Jahren Probleme machen.
Viele Wege führen zur Oberschwabenhalle. Doch keiner davon führt zu einer Politik, die zuerst das Notwendige tut, bevor sie das Prestigeprojekt anfasst.