Don Quichotte und die Oberschwabenhalle - Kritische Töne in des Bloggers Postfach ...
Mich erreichten heute zum Thema "Oberschwabenhalle" die folgenden Zeilen, die ich den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten möchte, auch wenn ich selbst mit meinem Engagement kritisch hinterfragt und angegriffen werde. So ist es nun einmal. Wer austeilt, muss auch einstecken können.
Sehr geehrter Herr Weinert!
Man hat inzwischen fast den Eindruck, Ravensburg habe keine größeren Sorgen als die der Oberschwabenhalle. Wochenlang drehen sich der Oberbürgermeister, die städtische Verwaltung, die Schwäbische Zeitung und auch Sie als Blogschreiber im Kreis um ein Thema, das im Verhältnis zu den wirklichen Herausforderungen dieser Stadt erstaunlich klein ist. Die Oberschwabenhalle wird behandelt, als hinge an ihr das Schicksal Oberschwabens. Dabei ist sie am Ende nur eine Halle.
Es stimmt. Der Oberbürgermeister und seine Verwaltung haben das Projekt mit einer Entschlossenheit vorangetrieben, die man sich bei Wohnungsnot, Verkehr, sozialer Spaltung oder Umweltfragen wünschen würde. Von Ihrer Petition hört man aber gar nichts.
Sie als Einzelschreiber sind zwar mit Herzblut engagiert, benennen Missstände, recherchieren und lassen nicht locker. Doch dieses Engagement empfinde ich als eine Art Hineinsteigern in eine Sache, die sich um den letzten freien Baum im Altdorfer Wald oder um die Zukunft der Demokratie dreht. Doch, Herr Weinert, es geht "nur" um eine Halle, deren Nutzungskonzept man auch mit weniger Pathos kritisieren könnte. Nicht, dass Sie mich missverstehen. Engagement ist wichtig, aber Engagement kann sich auch verbeißen. Wer jede Entscheidung (so wie Sie es gerne tun) der Ravensburger Verwaltung zum Symbolfall erhebt, verliert irgendwann die Fähigkeit, zwischen Nebensache und Hauptsache zu unterscheiden.
Denn die Wahrheit ist: Es gibt Wichtigeres. Viel Wichtigeres.
Ravensburg hat Probleme, die größer sind als die Frage, ob die Oberschwabenhalle künftig mehr Sport oder mehr Kultur sieht. Probleme, die echte politische Energie bräuchten. Probleme, die nicht gelöst werden, weil sich alle Beteiligten an einer Windmühle abarbeiten und eine Bürgerlanze nach der anderen verschleißen lassen. Denken Sie an Don Quichotte.
Politik ist eine Galerie solcher Windmühlen, die von einem Wind namens Macht angetrieben werden. Wer gegen jede einzelne von ihnen anrennt, wird müde. Wer seine Lanze an der falschen Stelle bricht, hat keine Kraft mehr für die Kämpfe, die wirklich zählen.
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Oberbürgermeister, seine Verwaltung, die Schwäbische Zeitung und auch Sie die Oberschwabenhalle einmal Oberschwabenhalle sein lassen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vernunft. Die Stadt hat größere Aufgaben.
Bitte nehmen Sie mir meine Zeilen nicht übel. Ich lese Ihren Blog gerne, auch wenn ich bei manchen Themen wie z. B. Israel oder der Zukunft der Bodenseeklinik anderer Meinung bin.
Mit anerkennenden Grüßen,
H. K., Friedrichshafen
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Blogger: Nun gut, es ist angekommen. Auf die Behandlung meiner Petition durch die Ravensburger Stadtverwaltung/Gemeinderat werde ich weiterhin bestehen. Damit sei es aber genug an Engagement für die Oberschwabenhalle.