Ravensburgs Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 mit Führung durch die Widersprüche der städtischen Klimapolitik ... Perfektes Datum zum Protest, oder?
Ravensburg lädt zum Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 ein. Während der Baubürgermeister über „konkrete Maßnahmen“ sprechen wird, bleiben die eigentlichen Klima-Brennpunkte unserer Stadt sicher unerwähnt: fehlende Bäume, heiße Steinwüsten, eine Innenstadt als "Verkehrsschneise" und ein Klimakonsens, den die Stadt selbst kassiert hat. Wer am 11. Juni mitläuft, sollte genau hinschauen – und vielleicht nicht nur zuhören, sondern auch konkret nachfragen.
Es gibt politische Termine, die wirken, als stammten sie aus einem PR‑Handbuch. Und es gibt Termine, die wirken wie aus Versehen ehrlich. Der Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026, angekündigt im aktuellen Amtsblatt der Stadt Ravensburg, gehört vermutlich eher zur zweiten Kategorie.

Baubürgermeister Dirk Bastin lädt zu einem Stadtspaziergang ein, um zu zeigen, wie Ravensburg „mit Hitze, Klimawandel und gesundheitlichen Folgen“ umgeht. Treffpunkt: 14 Uhr vor dem Rathaus. Keine Anmeldung nötig. Klingt offen, bürgernah, transparent.
Doch wer die Route kennt, weiß: Diese Führung ist weniger ein Spaziergang durch die Altstadt als ein Gang durch die Widersprüche der städtischen Klimapolitik.
1. Der Holzmarkt – der teuerste Ökoschwamm OberschwabensIm Amtsblatt (Seite 3) wird der Holzmarkt als Beispiel dafür präsentiert, wie das Schwammstadtprinzip funktioniert: Regenwasser speichern, Bäume versorgen, Mikroklima verbessern. In der Theorie richtig. In der Praxis: ein Mini‑Schwamm, der so viel kostet wie eine Villa in bester Lage und so wenig Fläche hat wie ein überdimensional geratener Blumenkübel.
Man/frau hätte es einfacher haben können. Man* hätte es größer haben können. Man* hätte es vor allem ernsthafter haben können. Wer die dortigen Bauarbeiten verfolgt hat, weiß, dass sich nun unter dem Holzmarkt gefühlt mehr Kabel, Rohre und Elektronik als gesunde Muttererde befinden. Und vor allem liegen dort viele, viele Steuergelder.
1,75 Millionen Euro (plus?) wird dieses Vorzeigeprojekt kosten. Und auch wenn 40 Prozent davon Fördermittel aus verschiedenen Töpfen sind – auch die muss der Steuerzahler erst einmal erwirtschaften. Ein technisches Prestigeprojekt, das im Hochsommer - satirisch formuliert - so viel Kühlung bringt wie ein feuchter Waschlappen auf einer Herdplatte.
2. Der Gespinstmarkt – Steinwüste mit RinnsalAuch der "Gespinstmarkt" wird im Amtsblatt als Beispiel genannt: Ein Wasserlauf, der „neue Aufenthaltsqualitäten“ schaffen und „zur Kühlung beitragen“ soll. Ein hübscher Satz. Und ein hübsches Rinnsal. Trotz meiner Recherchen konnte ich nichts über die Höhe der Sanierungskosten erfahren. Aber es waren über zwei Millionen ...
Doch die Realität ist: Stein. Stein. Noch mehr Stein. Die Sanierung war eine Kann‑Maßnahme, keine Pflichtaufgabe der Stadt. Und sie wurde so umgesetzt, dass der Platz heute aussieht – wieder satirisch formuliert – wie ein Outdoor‑Showroom für Granitplatten.
Das Wasser? Ein dekoratives Element. Die Hitze? Bleibt.
3. Die Orte, die Herr Bastin vermutlich nicht zeigen wird.Die Ein- und Ausfahrt der Marienplatz-Tiefgarage(MTG)
Nur 20 Minuten dort stehen und man/frau weiß, was Hitze fördert: SUV rein, SUV raus, CO₂, Reifenabrieb, Feinstaub – mitten im Stadtzentrum. Ein echter Brennpunkt. Aber sicher keiner, der bei der Führung vorkommen wird.
Die Innenstadttangente Herren-/Kirch-/Markt-/BurgstraßeEine Verkehrsachse, die täglich zeigt, dass Ravensburgs Altstadt nicht Fußgängerzone, sondern Durchfahrtszone ist. Wer Hitze und Lärm erleben will, braucht dort keine Führung – nur offene Ohren und Augen.
Der Baum vor dem RathausDort, wo sich der Umweltbürgermeister mit "uns Bürgern" treffen will – direkt vor dem roten Rathaus am Marienplatz –, stand einst ein Schatten und Kühlung spendender Baum. Er musste weichen. Heute steht dort nichts. Ein perfekter Ort, um über Hitze zu sprechen. Aber vermutlich kein offizieller Programmpunkt.
4. Die Peripherie – wo die Hitze beginntIm Amtsblattartikel kommt die Peripherie der Altstadt nicht vor. Auf der Führung ganz gewiss auch nicht. Sie ist aber für das Klima in der Innenstadt nicht unerheblich verantwortlich.
Weinbergstraße – alte Bäume unnötig gefällt. Seestraße – eine ganze Heckenreihe entfernt.Beide Entscheidungen verstärken die Hitze. Beide sind Entscheidungen, die man* lieber nicht thematisiert, wenn man* gerade „konkrete Maßnahmen“ präsentieren möchte.
5. Der Klimakonsens von 2020 – das verschwundene VersprechenIm aktuellen Amtsblatt kein Wort über den Klimakonsens von 2020. Auf der Führung wird er sicherlich nicht erwähnt. Vielleicht doch, weil ich jetzt darüber schreibe. Dann aber selbstverständlich so, dass kein/e "Mitläufer/in" daran Kritik üben kann.
Der Klimakonsens, einst politisch gefeiert, wurde später von der Stadtverwaltung sinngemäß als „von vornherein nicht einhaltbar“ erklärt. Eine bemerkenswerte Wendung oder doch eher Täuschung? Man* hat etwas beschlossen, von dem man wusste, dass man es nicht einhalten würde.
Das ist keine Klimapolitik. Das ist Symbolpolitik.
6. Umweltpflege wird um 190.000 Euro jährlich beschnitten
Ganz sicher wird dies kein Thema während des Klimasparziergangs am 11. Juni 2026 sein. Wer über diese Beschneidung der besonderen Art noch mehr erfahren will, kann das H I E R tun.
7. Die Ökocommunity – wird sie kommen?Es wäre nicht überraschend, wenn Ravensburgs Umweltinitiativen den 11. Juni 2026 nutzen, um auf diese eklatanten Umweltsünden und Umweltunterlassungen hinzuweisen.
Denn wenn die Stadt Ravensburg ihre eigenen Hitze-Hotspots als Vorzeigeprojekte präsentiert, darf die Zivilgesellschaft daran erinnern, was und wo es wirklich brennt.
7. Wetterlage laut Vorhersagebericht: 25 Grad und bewölkt– perfekte Sicht auf die Realität.Der 11. Juni wird warm, aber nicht heiß (25 Grad plus). Ein Tag, an dem man* keine Klimahitze spürt und der "Himmel" Schatten gibt. Perfekt, so könnte man meinen. Doch die Realität ist eine andere. Es fehlen
Schatten
Bäume
Mut
Konsequenz
Vielleicht wird dieser Spaziergang also mehr als eine Führung. Vielleicht wird es ein Moment der Erkenntnis – für beide Seiten.