Aktualisiert >>> Holzmarkt Ravensburg: Die grüne Lösung wäre um 2/3 günstiger geworden, als Sponge vor der Bauhütte ...
Manchmal lohnt es sich, eine städtische Entscheidung einfach einmal gedanklich umzudrehen. Nehmen wir die Sanierung des Ravensburger Holzmarkts: 1,75 Millionen Euro für zwei Schwämme, die zusammen kaum größer sind als ein mittlerer Tanzboden. Ein technisches Untergrundwunderwerk, das niemand sieht, das niemand beschattet und das vor allem eines tut: sehr viel Geld kosten.
Dabei hätte es eine naheliegende Alternative gegeben, die nicht nur günstiger, sondern auch klimatisch sinnvoller gewesen wäre: 50 Zentimeter Boden austauschen (beste Muttererde), zehn Bäume pflanzen, widerstandsfähigen Rasen auslegen und den Brunnen – wie einst versprochen – sanieren und erweitern.

Archäologische Sensationen standen dem nicht im Weg; weder Knochen der Räuber von der "Burgschenke" (heute "Räuberhöhle") noch Tonscherben der Welfen wurden gefunden. Die Grabungen hätte man/frau sich sparen können. Also habe ich einmal durchgerechnet, was diese grüne Variante gekostet hätte – und wie sie im Vergleich zur Schwammlösung dasteht.
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- Holzmarkt Ravensburg: Die grüne Lösung wäre um 2/3 günstiger geworden, als Sponge vor der Bauhütte ...
19. Jun. 2026
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Grobe Kostenrechnung: Schwamm versus "Bäume+Rasen+Brunnen" (BRB)
Ich rechne bewusst mit realistischen, aber konservativen Richtwerten aus deutschen Kommunen und sage dazu, was ich dabei schätze/circa.
1. Gegebene Größe und Ist-KostenFläche Schwamm:
Schichtdicke Alternative (Bodenaustausch):
Volumen Bodenaustausch:
Kosten Schwammlösung:
2.1 Bodenaushub, Entsorgung, Mutterboden
Für städtische Baustellen (Aushub, Entsorgung, Lieferung von Oberboden) sind 150–300 €/m³ als grobe Spanne plausibel.
Kosten Bodenaustausch (Spanne):
Für Straßen-/Stadtbäume mit komplettem Baumquartier (Unterbau, Substrat, Pflanzung, Pflege in den ersten Jahren) liegen kommunale Richtwerte typischerweise im Bereich 7.000–10.500 € pro Baum.
Kosten Bäume (10 Stück):
Nehmen wir an, jede Baumscheibe inkl. Unterbau belegt ca. . Dann bleiben für Rasen:
Für kommunale Rasenanlagen (Bodenbearbeitung, Saat, Pflegeanlauf) sind 10–20 €/m² eine plausible Spanne.
Kosten Rasen:
Hier gibt es keine konkreten Zahlen, also nur eine bewusste Schätzung mit Sicherheitsaufschlag:
kleinere bis mittlere Brunnen-Sanierung/Erweiterung auf einem Stadtplatz: grob 200.000–400.000 € (inkl. Technik, Abdichtung, Gestaltung, Planung).
Niedrig-Szenario:
Hoch-Szenario:
Also grob:
Im Vergleich zur Schwammlösung:
Selbst mit sehr großzügigen Annahmen für den Brunnen wäre die Variante „Bodenaustausch + 10 Bäume + Rasen + Brunnen“ vermutlich deutlich günstiger als 1,75 Mio. € für die Schwammlösung.
4. Klima- und Umweltwirkung im Vergleich4.1 Schwammlösung
Materialien: viel technisches Substrat, Beton/Betonähnliches, Kunststoffe, Drainagen, Baugeräte → hohe „graue Energie“ und CO₂-Last bei Herstellung und Einbau.
Funktion: Regenrückhalt, Entlastung der Kanalisation, etwas Kühlung über Verdunstung aus dem Substrat, aber kaum aktive CO₂-Bindung.
Wenn man* z.B. für Beton grob 300 kg CO₂ pro m³ ansetzt und der Schwammaufbau (vereinfacht) z.B. 90 m³ betonähnliche Materialien enthält, landet man schnell bei:
Das ist nur eine grobe Größenordnung, aber es zeigt: die Bauphase ist klimaschwer.
4.2 Bäume + Rasen + MutterbodenBäume: Ein Stadtbaum kann über Jahrzehnte mehrere Tonnen CO₂ binden und gleichzeitig die Umgebung um mehrere Grad kühlen (Schatten + Verdunstung). Zu diesem Punkt ähneln sich beide Lösungen
Rasen und Boden: Lebendiger Boden speichert Kohlenstoff, verbessert Infiltration und Verdunstung, fördert Biodiversität.
Materialeinsatz: deutlich weniger Beton/Kunststoff, mehr natürliche Materialien.
Klimalogik in einem Satz: Die Schwammlösung verbraucht am Anfang viel CO₂ und liefert vor allem Entwässerungstechnik; die Baum-Rasen-Lösung bindet über Jahrzehnte CO₂, kühlt, beschattet und schafft Lebensraum.
5. Archäologie als GegenargumentDie Stadtverwaltung wird sagen:
„Wir dürfen nicht tief graben, Archäologie, Denkmalschutz, Leitungen…“
Aber:
Wir sprachen oben von 50 cm Bodenaustausch – das ist in vielen Altstädten genau die Tiefe, in der ohnehin für Leitungen, Pflasteraufbau etc. nicht gearbeitet wird.
Wenn bei der Schwammlösung ohnehin großflächig aufgerissen wurde, ist das Argument „man darf nicht graben“ zumindest diskussionswürdig.
Und wenn – wie gesagt – nichts gefunden wurde, bleibt das Argument eher abstrakt, während die 1,75 Mio. € sehr konkret sind.
Kosten: Schwamm: 1,75 Mio. € Alternative (Boden 50 cm + 10 Bäume + Rasen + Brunnen): grob 0,3–0,55 Mio. € → wahrscheinlich 3–6 Mal günstiger.
Klima: Schwamm: hohe Bau-CO₂-Last, technische Lösung, wenig CO₂-Bindung. Bäume+Rasen: langfristige CO₂-Senke, Kühlung, Schatten, Biodiversität.
Satirisch formuliert:
Für den Preis eines Schwamms hätte Ravensburg sich gleich einen kleinen Stadtwald mit Brunnen leisten können.
