Aus aktuellem Anlass (2): GEGENFEUER statt ◼BRANDMAUER ...
Der Herbst 2026 ist ein flammender Spiegel: Während in Südeuropa und später sogar in Belgien und Teilen Deutschlands kontrollierte Gegenfeuer gelegt wurden, um außer Kontrolle geratene Brände zu stoppen, brennt sich im politischen Raum ein anderes Feuer immer tiefer in die Landschaft – ein Feuer, das nicht aus Kiefern, Pinien oder Heide besteht, sondern aus Ressentiments, Erschöpfung, Enttäuschung und dem toxischen Gemisch aus Angst und Wut. Die physische Welt zeigt uns, wie man/frau Flächenbrände bekämpft: nicht mit Mauern (die sind in Häusern, jedoch nicht in der Fläche brauchbar), nicht mit Appellen, sondern mit klug gesetzten Gegenfeuern, die dem Hauptbrand den Brennstoff entziehen.
Doch die politische Welt tut das Gegenteil. Sie baut weiter an Brandmauern, die längst "angekokelt" oder gar verkohlt sind, während der Brandherd AfD sich ausbreitet wie ein Funkensturm über trockene und vernachlässigte Felder. Die Regierung taumelt mit einem Kanzler, der nur noch 13 % Zustimmung erreicht, und einer SPD, die unter Klingbeil in den Umfragen absackt wie ein ausgebrannter Dachstuhl.
Sachsen‑Anhalt steht vor einer Wahl, die kein Wahltermin ist, sondern ein letzter Feuerkorridor. Und die Frage, die sich nun stellt, ist nicht mehr, ob die Brandmauer hält – sondern warum niemand endlich das politische Gegenfeuer legt, das allein noch verhindern kann, dass die Demokratie selbst zur Asche wird.
Gegenfeuer statt Brandmauer
Ein Gegenfeuer (Backburning) wird gezielt vor einer herannahenden Feuerfront angelegt, um brennbares Material zu verbrennen und eine sogenannte „schwarze Linie“ zu schaffen, die das Hauptfeuer verlangsamt oder stoppt. Idealerweise wird das Gegenfeuer so positioniert, dass es durch die aufsteigende warme Luft des Hauptfeuers zurückgesogen wird und sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Diese Technik erfordert viel Erfahrung, da Windänderungen oder eine falsche Platzierung das Gegenfeuer selbst gefährlich machen können. (wiki)
Europa hat im Sommer 2026 gelernt, was es bedeutet, wenn Feuer nicht mehr punktuell, sondern flächig brennt. In Südeuropa wurden unter anderem kontrollierte Gegenfeuer gelegt, um die Feuerfronten zu stoppen, die sich mit Windgeschwindigkeiten ausbreiteten, die selbst erfahrene Einsatzkräfte an ihre Grenzen brachten. Belgien und Teile Deutschlands mussten nachziehen, weil die Böden so ausgedörrt waren, dass selbst kleine Funken zu kilometerlangen Brandlinien wurden.
Diese Gegenfeuer waren keine Kapitulation, sondern eine Strategie: Man/frau entzog dem Feuer das Material, das es brauchte, um weiterzuwirken. Man* stellte sich dem Brand nicht mit Mauern entgegen, sondern mit einem kontrollierten, bewusst gesetzten Gegenschlag. Und genau diese Logik fehlt der deutschen Politik schon weit vor dem Herbst 2026. Während die physische Welt längst begriffen hat, dass Mauern gegen Flächenbrände nutzlos sind, hält die politische Welt an der Brandmauer fest, als wäre sie ein magisches Schutzsymbol. Doch die Brandmauer gegen rechts ist nicht nur brüchig geworden – sie hat sich in manchen Regionen selbst in einen Brandbeschleuniger verwandelt.
Die AfD wächst nicht trotz der Brandmauer, sondern wegen ihr: Sie nährt sich von der Illusion, dass man* Radikalisierung allein durch Abgrenzung und lange Demozüge durch die Städte eindämmen könne, während die Ursachen unberührt bleiben. Der Brandherd AfD ist kein punktuelles Feuer, sondern ein politischer Flächenbrand, gespeist von sozialer Erschöpfung, ökonomischer Unsicherheit, kultureller Verunsicherung und dem Gefühl, dass die Regierung weder die Hitze der Klimakrise noch die Hitze der gesellschaftlichen Spannungen unter Kontrolle hat.
Ein Kanzler mit 13 % Zustimmung ist kein Feuerwehrhauptmann, sondern ein Symbol für verlorenes Vertrauen. Eine SPD, die unter Klingbeil in den Umfragen abstürzt, ist kein Löschzug, sondern ein Fahrzeug ohne Wasser. Und Sachsen‑Anhalt steht vor einer Wahl, die nicht mehr die Frage stellt, wer regiert, sondern ob demokratische Mehrheiten überhaupt noch möglich sind.
Die Brandmauer ist dort kein Schutzwall, sondern ein Ritual, das niemand mehr ernst nimmt. Was jetzt gebraucht wird, ist ein politisches Gegenfeuer: eine Strategie, die nicht auf Abgrenzung setzt, sondern auf das Entfernen des brennbaren Materials.
Das bedeutet
- radikale Transparenz statt Beschwichtigung,
- mutige Reformen statt taktischer Verwaltung,
- klare Sprache ohne moralische Überheblichkeit
- eine Politik, die reale Probleme löst, statt symbolische Debatten zu führen
- Bürgernähe, die wirkliche Nähe ist
- Bürgerfreundlichkeit (auch in den Kommunen), die Freundschaft statt Abschottung zeigt
Ein Gegenfeuer ist riskant, aber es ist die bessere Methode, die auch in der physischen Welt funktioniert – und die einzige, die im politischen Raum noch eine Chance hat. Denn in diesem Stadium des Brandes halten Mauern kein Feuer mehr auf. Sie halten nur die Illusion aufrecht, dass man* sich schützen könne, ohne zu handeln.
Zudem sollten Brandwände - wenn man/frau sie schon einsetzt - absolut feuerbeständig sein und aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen, und sie müssen eine Tragfähigkeit vorweisen, die auch unter zusätzlicher Beanspruchung während des Brandes ausreicht. Brandwände müssen zudem nicht nur ausreichend dick, sondern auch durchgehend und ohne Lücken bis unters Dach und sogar darüber hinaus, gebaut sein. An keiner Stelle darf eine solche Mauer brennbare Stoffe, Hohlräume, Öffnungen (Außenwände) und solche, die nicht besonders abgeschottet sind (Innenwände) enthalten und/oder vorweisen.
Die hervorgehobenen Begriffe oder Passagen zeigen auf, was - bezogen auf den politisch-gesellschaftlichen Flächenbrand - gemeint ist. So hatten die CDU/CSU und der überwiegende Teil der FDP (damals noch) bewiesen, dass ihre "Brandmauern gegen Rechts" es an Tragfähigkeit hat missen lassen, als sie am 29. und 31. Januar 2025 gemeinsam mit der AfD abgestimmt und die Mehrheit durch sie gesucht haben. Diese Mauer ist eingebrochen, hat Lücken und Löcher, ist selbst brennbar und ein Symbol der Kapitulation geworden. Und in den 1 1/2 Jahren seit dem bröckelt sie weiter.
Beim BSW gibt es keine Brandmauer mehr, aber eben auch kein Feuer gegen die AfD. Und wer weiß schon, welche Lücken und Hohlräume die FDP und weitere Schwachstellen bei CDU und CSU zu finden sein werden - wenn es drauf ankommt?!
Wer die Demokratie retten will, muss das Feuer verstehen – und endlich das Gegenfeuer legen, bevor der Brandherd AfD die gesamte politische Landschaft in Asche verwandelt.